{"id":15009,"date":"2012-12-08T15:46:58","date_gmt":"2012-12-08T13:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15009"},"modified":"2012-12-08T15:46:58","modified_gmt":"2012-12-08T13:46:58","slug":"x-b-43-08-rechtsschutzgewaehrende-auslegung-von-prozesserklaerungen-bei-vorlaeufigen-falschen-antraegen-anfechtung-eines-im-einspruchsverfahren-durch-einen-aenderungsbescheid-ersetzten-einkommensteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-43-08-rechtsschutzgewaehrende-auslegung-von-prozesserklaerungen-bei-vorlaeufigen-falschen-antraegen-anfechtung-eines-im-einspruchsverfahren-durch-einen-aenderungsbescheid-ersetzten-einkommensteuer\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;43\/08 &#8211; Rechtsschutzgew&auml;hrende Auslegung von Prozesserkl&auml;rungen bei vorl&auml;ufigen falschen Antr&auml;gen &#8211; Anfechtung eines im Einspruchsverfahren durch einen &Auml;nderungsbescheid ersetzten Einkommensteuerbescheides in Gestalt der Einspruchsentscheidung &#8211; Verfahrensrechtliche Folgen der &Auml;nderung des angefochtenen Verwaltungsakts w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens &#8211; Zu Unrecht erlassenes Prozessurteil begr&uuml;ndet Verfahrensmangel"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.4.2009, X B 43\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechtsschutzgew&auml;hrende Auslegung von Prozesserkl&auml;rungen bei vorl&auml;ufigen falschen Antr&auml;gen &#8211; Anfechtung eines im Einspruchsverfahren durch einen &Auml;nderungsbescheid ersetzten Einkommensteuerbescheides in Gestalt der Einspruchsentscheidung &#8211; Verfahrensrechtliche Folgen der &Auml;nderung des angefochtenen Verwaltungsakts w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens &#8211; Zu Unrecht erlassenes Prozessurteil begr&uuml;ndet Verfahrensmangel<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) erhoben gegen einen &Auml;nderungsbescheid zur Einkommensteuer vom 26. November 1999 f&uuml;r das Streitjahr 1994 Einspruch. Im Einspruchsverfahren erging unter dem 17. Juli 2000 ein weiterer &Auml;nderungsbescheid f&uuml;r das Streitjahr.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Einspruch der Kl&auml;ger blieb erfolglos. In der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2005 wird auf S. 10 auf den &Auml;nderungsbescheid vom 17. Juli 2000 Bezug genommen und ausgef&uuml;hrt, dass dieser Bescheid zum Gegenstand des Verfahrens geworden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;ger erhoben Klage beim Hessischen Finanzgericht (FG). Im Schriftsatz zur Klageerhebung vom 22. Dezember 2005 erkl&auml;rten die Kl&auml;ger, sie w&uuml;rden in der m&uuml;ndlichen Verhandlung voraussichtlich beantragen, &quot;den Einkommensteuerbescheid des Jahres 1994 vom 26. November 1999 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2005 dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Einkommensteuer 1994 um einen Betrag in H&ouml;he von EUR &#8230; herabgesetzt wird&quot;. In derselben H&ouml;he beantragten sie die Aussetzung der Vollziehung. Die Klage wurde umf&auml;nglich begr&uuml;ndet. Die Kl&auml;ger wenden sich gegen den Ansatz von Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnen im Rahmen eines gewerblichen Grundst&uuml;ckshandels durch den Beklagten und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), den das FA nach &Uuml;bertragung verschiedener Beteiligungen des Kl&auml;gers an Grundst&uuml;cksgesellschaften auf eine Holdinggesellschaft als gegeben ansah.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In einer gerichtlichen Verf&uuml;gung vom 5. Oktober 2007 erteilte der Berichterstatter und sp&auml;tere Einzelrichter beim FG den Hinweis, die Klage sei unzul&auml;ssig, da sie ausdr&uuml;cklich und eindeutig gegen den Einkommensteuerbescheid vom 26. November 1999 in Gestalt der Einspruchsentscheidung erhoben worden sei. Dieser Bescheid sei durch den &Auml;nderungsbescheid vom 17. Juli 2000 ersetzt worden. Mit Ablauf der Klagefrist sei der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom 17. Juli 2000 bestandskr&auml;ftig geworden. Der Klage fehle das Rechtsschutzbed&uuml;rfnis.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dem traten die Kl&auml;ger entgegen. Die Darlegung ihres Klagebegehrens habe sich auf die Einspruchsentscheidung bezogen, die den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid vom 17. Juli 2000 zum Gegenstand habe. Der vorl&auml;ufig formulierte Antrag in der Klageschrift beziehe sich zwar auf den ge&auml;nderten Bescheid unter dem 26. November 1999. Es ergebe sich in einer Gesamtbetrachtung mit der Einspruchsentscheidung aber ein Widerspruch. Die Klageschrift sei auslegungsbed&uuml;rftig. Der im vorl&auml;ufigen Antrag genannte Betrag, um den die Einkommensteuer herabzusetzen sei, entstamme dem Abrechnungsteil des &Auml;nderungsbescheids vom 17. Juli 2000. Es sei offenkundig, dass sie den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid unter dem 17. Juli 2000 in Gestalt der Einspruchsentscheidung anfechten wollten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 16. Januar 2008 beantragten die Kl&auml;ger erneut, den Einkommensteuerbescheid 1994 vom 26. November 1999 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2005 dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Einkommensteuer 1994 um &#8230; EUR herabgesetzt werde. Dieser Antrag entspricht einem vom Einzelrichter vorformulierten Antrag, der Bestandteil der Sitzungsniederschrift ist (Bl. 188 der FG-Akte).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG wies die Klage durch den Einzelrichter als unzul&auml;ssig ab. In den Entscheidungsgr&uuml;nden st&uuml;tzte es sich wiederum darauf, dass die Kl&auml;ger ausdr&uuml;cklich den Einkommensteuerbescheid unter dem 26. November 1999 angefochten h&auml;tten. Die Klageschrift sei nicht auslegungsbed&uuml;rftig. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung h&auml;tten die Kl&auml;ger den schriftlich gestellten Antrag wiederholt und hierdurch ihren Erkl&auml;rungswillen dokumentiert, den unter dem 26. November 1999 ergangenen Einkommensteuerbescheid anfechten zu wollen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Hiergegen richtet sich die vorliegende Beschwerde. Das Urteil des FG beruhe auf einem Verfahrensmangel gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO), da das FG das Klagebegehren unzureichend bestimmt und seine Hinweis- und F&uuml;rsorgepflicht, f&uuml;r die Stellung eines sachgerechten Antrags zu sorgen, verletzt habe. Auf diesen Verfahrensm&auml;ngeln beruhe die Entscheidung. Die Revision sei zudem zuzulassen, weil das FG-Urteil eine Divergenzentscheidung sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;, die Revision gegen das Urteil des Hessischen FG vom 16. Januar 2008&nbsp;&nbsp;2 K 3842\/05 zuzulassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Beschwerde als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil des FG wird aufgehoben und der Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an den zust&auml;ndigen Vollsenat des FG zur&uuml;ckverwiesen (&sect; 116 Abs. 6 FGO). Das FG hat die Klage zu Unrecht durch Prozessurteil abgewiesen statt durch Sachurteil zu entscheiden. Hierin liegt ein Verfahrensmangel, auf dem das angefochtene Urteil beruht (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) stellt es einen Verfahrensmangel i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO dar, wenn &uuml;ber eine zul&auml;ssige Klage nicht zur Sache, sondern durch Prozessurteil entschieden wird. In einem solchen Fall wird zugleich der Anspruch des Kl&auml;gers auf rechtliches Geh&ouml;r verletzt (vgl. u.a. BFH-Beschl&uuml;sse vom 8. April 2004 VII B 181\/03, BFH\/NV 2004, 1284; vom 8. Juni 2004 XI B 46\/02, BFH\/NV 2004, 1417, m.w.N.; vom 16. April 2007 VII B 98\/04, BFH\/NV 2007, 1345).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Im Streitfall hat das FG die Klage rechtsfehlerhaft als unzul&auml;ssig abgewiesen, weil es die Prozesserkl&auml;rungen der Kl&auml;ger unzutreffend ausgelegt und damit seiner Entscheidung einen falschen Verfahrensgegenstand zugrunde gelegt hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Prozesserkl&auml;rungen sind wie sonstige Willenserkl&auml;rungen auslegungsf&auml;hig. Ziel der Auslegung ist es, den wirklichen Willen des Erkl&auml;renden zu erforschen (&sect; 133 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs). Auf die Wortwahl und die Bezeichnung kommt es nicht entscheidend an, sondern auf den gesamten Inhalt der Willenserkl&auml;rung (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 7. November 2007 I B 104\/07, BFH\/NV 2008, 799). Dabei k&ouml;nnen auch au&szlig;erhalb der Erkl&auml;rung liegende weitere Umst&auml;nde ber&uuml;cksichtigt werden (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2007, 1345). Nur eine solche Auslegung tr&auml;gt dem Grundsatz der rechtsschutzgew&auml;hrenden Auslegung von Verfahrensvorschriften (Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes) Rechnung (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 17. Januar 2002 VI B 114\/01, BFHE 198, 1, BStBl II 2002, 306, und in BFH\/NV 2004, 1417).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist das FG unzutreffend davon ausgegangen, dass die Kl&auml;ger den unter dem 26. November 1999 ergangenen Einkommensteuerbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2005 anfechten wollten. Der von den Kl&auml;gern hinreichend deutlich benannte Verfahrensgegenstand ist der Einkommensteuerbescheid vom 17. Juli 2000 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2005.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Zwar haben die Kl&auml;ger ihrer Klagebegr&uuml;ndung einen vorl&auml;ufigen Antrag vorangestellt, der den &Auml;nderungsbescheid unter dem 26. November 1999 erw&auml;hnt und nicht den im Einspruchsverfahren ergangenen Einkommensteuerbescheid unter dem 17. Juli 2000. Ihre Prozesserkl&auml;rung war aber auslegungsbed&uuml;rftig. Sie haben der Klage die Einspruchsentscheidung als Anlage 3 beigef&uuml;gt, deren Gegenstand der &Auml;nderungsbescheid unter dem 17. Juli 2000 ist. Ferner haben sich die Kl&auml;ger in ihrem vorl&auml;ufigen Antrag zur Bezifferung der herabzusetzenden Einkommensteuer auf den Abrechnungsteil des &Auml;nderungsbescheids vom 17. Juli 2000 bezogen. Sie haben zudem in ihrer Klagebegr&uuml;ndung ausf&uuml;hrlich auf die zwischen den Beteiligten streitigen Rechtsfragen zum Vorliegen eines gewerblichen Grundst&uuml;ckshandels aus der B&uuml;ndelung der verschiedenen Beteiligungen des Kl&auml;gers in einer Holding Bezug genommen. Auf den Hinweis des FG, die Klage sei unzul&auml;ssig, haben sie klargestellt, Verfahrensgegenstand sei der zuletzt ergangene Bescheid vom 17. Juli 2000 in Gestalt der Einspruchsentscheidung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Bei Anwendung der vorstehenden Auslegungsgrunds&auml;tze konnte die Prozesserkl&auml;rung der Kl&auml;ger vom FG vor dem Hintergrund des gesamten Verfahrens objektiv nur dahingehend verstanden werden, dass die Kl&auml;ger den zuletzt im Einspruchsverfahren ergangenen Bescheid vom 17. Juli 2000 in Gestalt der Einspruchsentscheidung anfechten wollten. Das FG hat demgegen&uuml;ber rechtsfehlerhaft allein auf den vorl&auml;ufigen (falschen) w&ouml;rtlichen Antrag der Kl&auml;ger abgestellt, ohne seiner Verpflichtung zur Ermittlung des wirklich Gewollten nachzukommen und hat die Kl&auml;ger gegen ihre Bekundung an einem Verfahrensgegenstand festgehalten, der eindeutig nicht gewollt war. Hierin liegt bei verst&auml;ndiger W&uuml;rdigung keine rechtsschutzgew&auml;hrende Auslegung der Prozesserkl&auml;rungen im Streitfall.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                cc) Dies musste sich dem FG im &Uuml;brigen aufgrund der verfahrensrechtlichen Rechtslage aufdr&auml;ngen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der vom FG der Entscheidung anhand des vorl&auml;ufigen w&ouml;rtlichen Antrags in der Klageschrift zugrunde gelegte Verfahrensgegenstand ergibt objektiv keinen Sinn. Wird der angefochtene Verwaltungsakt w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens ge&auml;ndert, so wird der neue Verwaltungsakt Gegenstand des Einspruchsverfahrens (&sect; 365 Abs. 3 Satz 1 der Abgabenordnung). Der &Auml;nderungsbescheid nimmt den urspr&uuml;nglichen Bescheid in seinem Regelungsinhalt mit auf. Solange der &Auml;nderungsbescheid Bestand hat, entfaltet der urspr&uuml;ngliche Bescheid keine Wirkung mehr. Er ist in dem Umfang, in dem er in den &Auml;nderungsbescheid aufgenommen ist, suspendiert und bleibt dies f&uuml;r die Dauer der Wirksamkeit des Berichtigungsbescheids (vgl. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 25. Oktober 1972 GrS 1\/72, BFHE 108, 1, BStBl II 1973, 231). Das FG geht verfahrensrechtlich hingegen von den Rechtsgrunds&auml;tzen aus, die vor der &Auml;nderung des &sect; 68 FGO durch das Zweite Gesetz zur &Auml;nderung der Finanzgerichtsordnung und anderer Gesetze vom 19. Dezember 2000 (BGBl I 2000, 1757) nur f&uuml;r &Auml;nderungsbescheide im Klageverfahren galten und wendet diese auf &Auml;nderungsbescheide im Einspruchsverfahren an (Gr&auml;ber\/von Groll, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 68 Rz 10; Senatsbeschluss vom 29. November 2005 X B 175\/00, BFH\/NV 2006, 594; BFH-Beschluss vom 15. Mai 2000 V R 21\/99, BFH\/NV 2000, 1235). Es ist bei zutreffender verfahrensrechtlicher Sichtweise im Streitfall aber kein Grund ersichtlich, warum die Kl&auml;ger auf der Anfechtung des suspendierten Einkommensteuerbescheids vom 26. November 1999 h&auml;tten beharren sollen, durch den sie nicht mehr beschwert waren. Im Gegenteil: Es bestanden keine Unterschiede im streitigen materiellen Gehalt des Rechtsstreits zwischen den im Einkommensteuerbescheid vom 26. November 1999 und den im ge&auml;nderten Bescheid vom 17. Juli 2000 angesetzten Besteuerungsgrundlagen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Dem steht auch nicht entgegen, dass die Kl&auml;ger in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ihren (falschen) Antrag wiederholt haben. Sie haben in der Beschwerdebegr&uuml;ndung glaubhaft gemacht, dass das FG ihre Prozessbevollm&auml;chtigten bei der Antragstellung in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zu der nochmaligen falschen Antragstellung veranlasst hat. Dies wird auch durch den vom Einzelrichter vorformulierten identischen Antrag belegt, der Bestandteil der Sitzungsniederschrift in der FG-Akte ist. Der Antrag beruht damit auf der unzutreffenden Bestimmung des Verfahrensgegenstandes durch das FG.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Die Kl&auml;ger haben den Verfahrensfehler des FG in hinreichendem Ma&szlig;e gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 3 FGO dargelegt. Das FG-Urteil beruht auch auf diesem Verfahrensfehler.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                4. Der beschlie&szlig;ende Senat h&auml;lt es f&uuml;r angezeigt, gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 6 FGO zu verfahren, damit das FG im zweiten Rechtszug die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der festgesetzten Einkommensteuer im Hinblick auf den Einkommensteuerbescheid vom 17. Juli 2000 vollumf&auml;nglich pr&uuml;fen kann. Der Senat verweist die Sache an den Vollsenat zur&uuml;ck, weil angesichts der im zweiten Rechtszug zu behandelnden Rechtsfragen die Voraussetzungen des &sect; 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2 FGO nicht erf&uuml;llt sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.4.2009, X B 43\/08 Rechtsschutzgew&auml;hrende Auslegung von Prozesserkl&auml;rungen bei vorl&auml;ufigen falschen Antr&auml;gen &#8211; Anfechtung eines im Einspruchsverfahren durch einen &Auml;nderungsbescheid ersetzten Einkommensteuerbescheides in Gestalt der Einspruchsentscheidung &#8211; Verfahrensrechtliche Folgen der &Auml;nderung des angefochtenen Verwaltungsakts w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens &#8211; Zu Unrecht erlassenes Prozessurteil begr&uuml;ndet Verfahrensmangel Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-43-08-rechtsschutzgewaehrende-auslegung-von-prozesserklaerungen-bei-vorlaeufigen-falschen-antraegen-anfechtung-eines-im-einspruchsverfahren-durch-einen-aenderungsbescheid-ersetzten-einkommensteuer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;43\/08 &#8211; Rechtsschutzgew&auml;hrende Auslegung von Prozesserkl&auml;rungen bei vorl&auml;ufigen falschen Antr&auml;gen &#8211; Anfechtung eines im Einspruchsverfahren durch einen &Auml;nderungsbescheid ersetzten Einkommensteuerbescheides in Gestalt der Einspruchsentscheidung &#8211; Verfahrensrechtliche Folgen der &Auml;nderung des angefochtenen Verwaltungsakts w&auml;hrend des Einspruchsverfahrens &#8211; Zu Unrecht erlassenes Prozessurteil begr&uuml;ndet Verfahrensmangel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-15009","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15009"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15009\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}