{"id":15083,"date":"2012-12-19T14:57:43","date_gmt":"2012-12-19T12:57:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15083"},"modified":"2012-12-19T14:57:43","modified_gmt":"2012-12-19T12:57:43","slug":"xi-b-111-08-feststellungslast-und-vertrauensschutz-beim-vorsteuerabzug-ueberlange-verfahrensdauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-111-08-feststellungslast-und-vertrauensschutz-beim-vorsteuerabzug-ueberlange-verfahrensdauer\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;111\/08 &#8211; Feststellungslast und Vertrauensschutz beim Vorsteuerabzug &#8211; &Uuml;berlange Verfahrensdauer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 7.5.2009, XI B 111\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Feststellungslast und Vertrauensschutz beim Vorsteuerabzug &#8211; &Uuml;berlange Verfahrensdauer<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet. 1. Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) erfordert die Entscheidung des Streitfalls weder die Kl&auml;rung einer Rechtsfrage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) noch eine Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Es ist durch die bereits vorliegende Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) gekl&auml;rt, dass der Unternehmer die Feststellungslast f&uuml;r die tats&auml;chlichen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs gem&auml;&szlig; &sect; 15 Abs. 1 Nr. 1 des Umsatzsteuergesetzes 1993 (UStG) tr&auml;gt (vgl. z.B. Beschluss vom 3. August 2007 V B 73\/07, BFH\/NV 2007, 2368, m.w.N.). Dies entspricht dem im Steuerrecht allgemein geltenden Grundsatz, dass der Steuerpflichtige die Feststellungslast f&uuml;r alle steuerbefreienden oder steuermindernden Tatsachen tr&auml;gt (vgl. dazu Gr&auml;ber\/von Groll, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 96 Rz 23, m.w.N.). Insoweit ist ein weiterer Kl&auml;rungsbedarf nicht substantiiert dargelegt worden und auch nicht erkennbar.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Auch wegen der Frage, ob einem Unternehmer dann, wenn die Tatbestandsmerkmale f&uuml;r einen Vorsteuerabzug gem&auml;&szlig; &sect; 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG objektiv nicht erf&uuml;llt sind, unter bestimmten Bedingungen Vertrauensschutz zu gew&auml;hren sein kann, liegen die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zulassung der Revision nicht vor. Denn das Finanzgericht (FG) ist entgegen den Ausf&uuml;hrungen der Kl&auml;gerin in der Beschwerdebegr&uuml;ndung zu ihren Gunsten ohne weiteres davon ausgegangen, dass die Grunds&auml;tze, die der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH) in seinem Urteil vom 6. Juli 2006 Rs. C-439\/04 und C-440\/04 &#8211;Kittel und Recolta Recycling&#8211; (Slg. 2006, I-6161) zum Vertrauensschutz aufgestellt hat, auf den Streitfall anzuwenden sind (vgl. Seite 12 des Urteils, 2. Absatz) und sich somit die Kl&auml;gerin auf das Gemeinschaftsrecht berufen kann. Ob diese Rechtsauffassung des FG zutreffend ist, ist im Streitfall nicht entscheidungserheblich und damit nicht kl&auml;rungsf&auml;hig. Denn verneinendenfalls w&auml;re die Klage erst recht abzuweisen gewesen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dass das FG bei Anwendung der vom EuGH aufgestellten Grunds&auml;tze im Streitfall im Ergebnis einen Vertrauensschutz verneint hat, wirft keine Frage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung auf, sondern betrifft nur die Rechtsanwendung in einem Einzelfall. Soweit die Kl&auml;gerin eine weitere Konkretisierung der vom EuGH aufgestellten Grunds&auml;tze durch den BFH f&uuml;r erforderlich h&auml;lt, hat sie keine konkrete Frage formuliert, die in ihrer Bedeutung &uuml;ber den Streitfall hinausginge und kl&auml;rungsbed&uuml;rftig w&auml;re.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Die Revision ist entgegen der R&uuml;ge der Kl&auml;gerin auch nicht gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO wegen einer &uuml;berlangen Verfahrensdauer zuzulassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Die R&uuml;ge einer &uuml;berlangen Verfahrensdauer kann nur auf die Dauer des gerichtlichen Verfahrens, nicht aber auf diejenige des beh&ouml;rdlichen Verfahrens gest&uuml;tzt werden (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 22. Juli 2008 II B 18\/08, BFH\/NV 2008, 1866, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die Kl&auml;gerin beruft sich zu Unrecht auf die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK). Die Vorschriften der EMRK kommen wegen des &ouml;ffentlich-rechtlichen Charakters der Besteuerung im finanzgerichtlichen Verfahren nicht zur Anwendung (vgl. z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1866, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Ein Versto&szlig; gegen das Gebot wirksamen Rechtsschutzes (Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes) wegen &uuml;berlanger Verfahrensdauer liegt nur dann vor, wenn die Verfahrensdauer des FG auf Umst&auml;nden beruht, die der Finanzverwaltung oder dem FG angelastet werden k&ouml;nnen und die Dauer des Verfahrens als unverst&auml;ndlich und nicht gerechtfertigt erscheinen lassen (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1866). Au&szlig;erdem k&ouml;nnen sich Schwierigkeiten, die durch eine &uuml;berlange Verfahrensdauer bei der Sachaufkl&auml;rung bedingt sind, nur dann zugunsten eines Kl&auml;gers auswirken, wenn er selbst zur Prozessbeschleunigung beigetragen oder auf diese gedrungen hat (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1866, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Diese Voraussetzungen sind im Streitfall nicht erf&uuml;llt. Die Verfahrensdauer von mehr als vier Jahren zwischen dem Eingang der Klage beim FG Berlin im Januar 2004 und der Urteilsverk&uuml;ndung im September 2008 durch das FG Berlin-Brandenburg ist nicht unverst&auml;ndlich, sondern nachvollziehbar. Sie ist u.a. damit zu erkl&auml;ren, dass w&auml;hrend der Anh&auml;ngigkeit der Klage das FG Berlin und das FG Brandenburg mit Wirkung zum 1. Januar 2007 zum FG Berlin\/Brandenburg zusammengelegt wurden (vgl. Gesetz zu dem Staatsvertrag &uuml;ber die Errichtung gemeinsamer Fachobergerichte der L&auml;nder Berlin und Brandenburg vom 10. September 2004, Gesetz- und Verordnungsblatt f&uuml;r Berlin 2004, 380). Die sich daraus ergebenden grundlegenden &Auml;nderungen in der Gesch&auml;ftsverteilung haben zu einer Verl&auml;ngerung der Verfahrensdauer gef&uuml;hrt, die jedenfalls dann nicht ungerechtfertigt erscheint, wenn die Beteiligten nicht auf eine Prozessbeschleunigung gedrungen haben. Im Streitfall l&auml;sst sich der Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht entnehmen, dass dies geschehen w&auml;re.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 7.5.2009, XI B 111\/08 Feststellungslast und Vertrauensschutz beim Vorsteuerabzug &#8211; &Uuml;berlange Verfahrensdauer Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet. 1. Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) erfordert die Entscheidung des Streitfalls weder die Kl&auml;rung einer Rechtsfrage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) noch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-111-08-feststellungslast-und-vertrauensschutz-beim-vorsteuerabzug-ueberlange-verfahrensdauer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;B&nbsp;111\/08 &#8211; Feststellungslast und Vertrauensschutz beim Vorsteuerabzug &#8211; &Uuml;berlange Verfahrensdauer<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-15083","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15083"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15083\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}