{"id":15196,"date":"2012-12-19T16:13:36","date_gmt":"2012-12-19T14:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15196"},"modified":"2012-12-19T16:13:36","modified_gmt":"2012-12-19T14:13:36","slug":"xi-b-60-09-sicherheitsleistung-bei-ausgesetzter-umsatzsteuer-aus-dem-betrieb-von-gewinnspielautomaten-anrechnung-der-ust-auf-andere-abgaben-fuer-rechtmaessigkeit-der-ust-ohne-bedeutung-zulaessigkeit-e","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-60-09-sicherheitsleistung-bei-ausgesetzter-umsatzsteuer-aus-dem-betrieb-von-gewinnspielautomaten-anrechnung-der-ust-auf-andere-abgaben-fuer-rechtmaessigkeit-der-ust-ohne-bedeutung-zulaessigkeit-e\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;60\/09 &#8211; Sicherheitsleistung bei ausgesetzter Umsatzsteuer aus dem Betrieb von Gewinnspielautomaten &#8211; Anrechnung der USt auf andere Abgaben f&uuml;r Rechtm&auml;&szlig;igkeit der USt ohne Bedeutung &#8211; Zul&auml;ssigkeit eines AdV-Antrags bei Gericht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.10.2009, XI B 60\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Sicherheitsleistung bei ausgesetzter Umsatzsteuer aus dem Betrieb von Gewinnspielautomaten &#8211; Anrechnung der USt auf andere Abgaben f&uuml;r Rechtm&auml;&szlig;igkeit der USt ohne Bedeutung &#8211; Zul&auml;ssigkeit eines AdV-Antrags bei Gericht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin) betreibt seit dem &#8230; 2008 die gewerbliche Aufstellung von Unterhaltungsautomaten mit Gewinnspielm&ouml;glichkeit in Spielst&auml;tten gem&auml;&szlig; &sect; 33i der Gewerbeordnung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Umsatzsteuerbescheid f&uuml;r 2008 sch&auml;tzte der Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) steuerpflichtige Ums&auml;tze der Antragstellerin in H&ouml;he von &#8230; EUR, was zu einer Zahllast von &#8230; EUR f&uuml;hrte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Antragstellerin legte dagegen Einspruch ein und beantragte die Aussetzung der Vollziehung (AdV). Das FA gew&auml;hrte mit Bescheid vom &#8230; die AdV gegen eine Sicherheitsleistung von &#8230; EUR. Es lehnte eine AdV ohne Sicherheitsleistung ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) gab dem Antrag, die Vollziehung ohne Sicherheitsleistung auszusetzen, statt. Es f&uuml;hrte aus, eine Sicherheitsleistung sei unzumutbar, wenn eine gro&szlig;e Wahrscheinlichkeit f&uuml;r die Aufhebung der Steuerfestsetzung spreche. Dies sei hier der Fall. Zwar sei aufgrund der Rechtsform der Antragsstellerin (GmbH), der H&ouml;he der sich akkumulierenden Umsatzsteuerr&uuml;ckst&auml;nde und mangels verfestigter Sachwerte in einer Betriebsst&auml;tte davon auszugehen, dass eine sp&auml;tere Vollstreckung weniger aussichtsreich sei. Auch ergebe sich eine hohe Wahrscheinlichkeit f&uuml;r die Aufhebung des angefochtenen Umsatzsteuerbescheids noch nicht aus dem Beschluss des V. Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 30. Oktober 2007 V B 170\/07 (BFH\/NV 2008, 627) und auch nicht aus dem Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des XI. Senats des BFH vom 17. Dezember 2008 XI R 79\/07 (BFHE 224, 156, BStBl II 2009, 434) an den Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die hohe Wahrscheinlichkeit der Rechtswidrigkeit des angefochtenen Umsatzsteuerbescheids f&uuml;r 2008 folge jedoch aus der Praxis der Hamburger Finanzbeh&ouml;rden, bei der Spielbankabgabe, die die Hamburger Spielbank zu tragen habe, die auf die Gl&uuml;cksspiele anfallende Umsatzsteuer zu verrechnen. Der Abzug der Umsatzsteuer von der Spielbankabgabe sei mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinschaftsrechtswidrig. Nach dem EuGH-Urteil vom 11. Juni 1998 Rs. C-283\/95 &#8211;Fischer&#8211; (Slg. 1998, I-3369) sei es den Mitgliedstaaten untersagt, eine Umsatzsteuerbefreiung an die Belastung mit der Spielbankabgabe zu kn&uuml;pfen. Daraus ergebe sich aber genauso das Verbot, die Erhebung der Spielbankabgabe an die Belastung mit Umsatzsteuer zu kn&uuml;pfen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Gemeinschaftsrechtswidrigkeit f&uuml;hre zur Nichtanwendbarkeit der Norm. Zwar versto&szlig;e &sect; 4 Nr. 9 Buchst. b des Umsatzsteuergesetzes 2005 in der Fassung des Art. 2 des Gesetzes zur Eind&auml;mmung missbr&auml;uchlicher Steuergestaltungen vom 28. April 2006 (BGBl I 2006, 1095, BStBl I 2006, 353) &#8211;UStG n.F.&#8211; unter dem Gesichtspunkt der Anrechnung der Umsatzsteuer auf die Spielbankabgabe nicht f&uuml;r sich genommen gegen die Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28. November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Eine landesrechtlich geregelte Anrechung der Umsatzsteuer auf eine andere Abgabe sei aber genauso zu behandeln wie eine im UStG selbst geregelte Differenzierung. In diesem Fall k&ouml;nnten sich die Aufsteller von Geldspielautomaten auf die Gemeinschaftswidrigkeit mit der Folge berufen, dass ihre Ums&auml;tze umsatzsteuerfrei seien. Der Beschluss ist in Internationales Steuerrecht 2009, 589 ver&ouml;ffentlicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA verweist zur Begr&uuml;ndung seiner vom FG zugelassenen Beschwerde darauf, dass die wirtschaftliche Situation der Antragstellerin auch aus der Sicht des FG den Steueranspruch gef&auml;hrdet erscheinen lasse. Entgegen der Auffassung des FG sei die Praxis, die von der Spielbank abgef&uuml;hrte Umsatzsteuer auf die Spielbankabgabe anzurechnen, gemeinschaftsrechtskonform. Die Umsatzsteuer werde nicht &quot;erstattet&quot;. Sie werde vielmehr von den Spielbanken erhoben und in der erhobenen H&ouml;he gem&auml;&szlig; Art. 106 Abs. 3 S&auml;tze 1 und 3 des Grundgesetzes (GG) als Gemeinschaftssteuer verteilt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Anrechnung sei zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung erforderlich. Mit der Spielbankabgabe werde der Ertrag der Spielbank besteuert und es h&auml;tten damit nach alter Rechtslage alle betrieblichen Steuern, mithin Einkommen-, Gewerbe- und Umsatzsteuer abgegolten werden sollen (vgl. BFH-Urteil vom 8. M&auml;rz 1995 II R 10\/93, BFHE 177, 276, BStBl II 1995, 432). Daraus, dass mit Wirkung ab dem 6. Mai 2006 die Umsatzsteuerbefreiung f&uuml;r Spielbankums&auml;tze aufgehoben worden sei, resultiere eine systemwidrige Doppelbesteuerung in Form von Umsatzsteuer und Spielbankabgabe. Ohne Anrechnung der Umsatzsteuer best&uuml;nde bei einer Spielbankabgabe, die sich gem&auml;&szlig; &sect; 3 des Gesetzes &uuml;ber die Zulassung einer &ouml;ffentlichen Spielbank vom 24. Mai 1976 (Hamburgisches Gesetz- und Verordnungsblatt 1976, 139) auf 70 % der Bruttospielertr&auml;ge und eine Sonderabgabe von bis zu 20 % des Bruttospielertrags belaufe, die M&ouml;glichkeit, dass durch die Gesamtbelastung der Bruttoertrag mehr als aufgezehrt w&uuml;rde.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, den Beschluss des FG dahin zu &auml;ndern, dass der Antrag auf AdV ohne Sicherheitsleistung abgelehnt und die AdV nur gegen Sicherheitsleistung gew&auml;hrt wird.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Antragstellerin beantragt, die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die gem&auml;&szlig; &sect; 128 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) statthafte Beschwerde des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Senat teilt nicht die Auffassung des FG, dass auf eine Sicherheitsleistung deshalb zu verzichten sei, weil das Hauptsacheverfahren mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit g&uuml;nstig f&uuml;r die Antragstellerin ausgehen werde. Er kann auf der Grundlage der bisherigen tats&auml;chlichen Feststellungen aber nicht entscheiden, ob das Verlangen nach einer Sicherheit f&uuml;r die Antragstellerin zu einer unbilligen H&auml;rte und deshalb zu einer aus verfassungsrechtlicher Sicht unzumutbaren Beschr&auml;nkung des vorl&auml;ufigen Rechtsschutzes f&uuml;hrt. Da das FG zum m&ouml;glichen Vorliegen einer unbilligen H&auml;rte &#8211;von seinem Rechtsstandpunkt aus zu Recht&#8211; noch keine tats&auml;chlichen Feststellungen getroffen hat, h&auml;lt der Senat eine Zur&uuml;ckverweisung an das FG f&uuml;r zweckm&auml;&szlig;ig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 69 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 2 Satz 2 FGO soll die AdV auf Antrag u.a. erfolgen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Verwaltungsakts bestehen. Nach &sect; 69 Abs. 2 Satz 3 FGO kann die Aussetzung von einer Sicherheitsleistung abh&auml;ngig gemacht werden. Gem&auml;&szlig; &sect; 69 Abs. 4 Satz 1 FGO ist der Antrag nach Abs. 3 beim Gericht der Hauptsache vorbehaltlich bestimmter Ausnahmen nur zul&auml;ssig, wenn die Beh&ouml;rde einen Antrag auf AdV ganz oder zum Teil abgelehnt hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Im Streitfall war der beim FG gestellte Antrag auf eine AdV ohne Sicherheitsleistung gem&auml;&szlig; &sect; 69 Abs. 4 Satz 1 FGO zul&auml;ssig. Denn eine teilweise Ablehnung durch die Finanzbeh&ouml;rde liegt auch vor, wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; das FA eine uneingeschr&auml;nkt beantragte AdV nur gegen Sicherheitsleistung bewilligt hat (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 28. Oktober 1981 I B 69\/80, BFHE 134, 239, BStBl II 1982, 135; vom 10. Oktober 2002 VII S 28\/01, BFH\/NV 2003, 12).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Das FG ist zu Recht davon ausgegangen und zwischen den Beteiligten ist auch zu Recht unstreitig, dass der angefochtene Umsatzsteuerbescheid f&uuml;r 2008 deshalb von der Vollziehung auszusetzen ist, weil offen ist, ob die Ums&auml;tze der Antragstellerin steuerpflichtig sind. Es ist bis zur Entscheidung des EuGH &uuml;ber den Vorlagebeschluss des erkennenden Senats vom 17. Dezember 2008 in BFHE 224, 156, BStBl II 2009, 434 ungekl&auml;rt, ob &sect; 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. mit Art. 135 Abs. 1 Buchst. i der MwStSystRL insoweit vereinbar ist, als &quot;sonstige Gl&uuml;cksspiele mit Geldeinsatz&quot; von der Steuerbefreiung ausgenommen sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Der Senat teilt jedoch nicht die Auffassung des FG, die AdV sei deshalb ohne Sicherheitsleistung zu gew&auml;hren, weil der angefochtene Umsatzsteuerbescheid mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit gemeinschaftsrechtswidrig sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsakts ist regelm&auml;&szlig;ig ohne Sicherheitsleistung auszusetzen, wenn seine Rechtm&auml;&szlig;igkeit ernstlich zweifelhaft ist und keine konkreten Anhaltspunkte daf&uuml;r bestehen, dass bei einem Unterliegen des Antragstellers im Hauptsacheverfahren die Durchsetzung des Steueranspruchs gef&auml;hrdet w&auml;re (vgl. BFH-Beschluss vom 3. Februar 2005 I B 208\/04, BFHE 209, 204, BStBl II 2005, 351). Auch entf&auml;llt das &ouml;ffentliche Interesse an einer Sicherheitsleistung, wenn mit Gewissheit oder gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit ein f&uuml;r den Steuerpflichtigen g&uuml;nstiger Prozessausgang zu erwarten ist (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 13. Dezember 1999 III B 15\/99, BFH\/NV 2000, 827, unter II. 2. c, m.w.N.; vom 17. Mai 2005 I B 109\/04, BFH\/NV 2005, 1782). Schlie&szlig;lich darf eine Sicherheitsleistung nicht gefordert werden, wenn der Steuerpflichtige zur Sicherheitsleistung au&szlig;erstande ist (vgl. BFH-Beschluss vom 26. Mai 1988 V B 26\/86, BFH\/NV 1989, 403).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Im Streitfall liegen &#8211;auch nach Auffassung des FG&#8211; konkrete Anhaltspunkte daf&uuml;r vor, dass bei einem Unterliegen der Antragstellerin im Hauptsacheverfahren die Durchsetzung des Steueranspruchs gef&auml;hrdet w&auml;re. Denn das FA hat dargelegt, dass aufgrund der Rechtsform der Antragstellerin (GmbH), der H&ouml;he der sich akkumulierenden Umsatzsteuerr&uuml;ckst&auml;nde und mangels verfestigter Sachwerte in einer Betriebsst&auml;tte eine sp&auml;tere Vollstreckung der festgesetzten Umsatzsteuer wenig aussichtsreich w&auml;re. Diesem Vorbringen ist die Antragstellerin nicht entgegengetreten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Das FG geht jedoch zu Unrecht davon aus, dass das Hauptsacheverfahren mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit f&uuml;r die Antragstellerin g&uuml;nstig ausgehen wird.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der erkennende Senat hat in seinem Vorlagebeschluss in BFHE 224, 156, BStBl II 2009, 434 Zweifel daran ge&auml;u&szlig;ert, ob &sect; 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. und die daraus resultierende Umsatzsteuerpflicht f&uuml;r alle &quot;sonstigen Gl&uuml;cksspiele mit Geldeinsatz&quot; mit Ausnahme bestimmter Wetten und Lotterien dem Gemeinschaftsrecht entspricht. Danach ist zwar offen und ungekl&auml;rt, ob der angefochtene Umsatzsteuerbescheid rechtm&auml;&szlig;ig ist. Es ergibt sich aus diesem Vorlagebeschluss aber &#8211;wovon auch das FG ausgeht&#8211; keine &uuml;berwiegende oder gro&szlig;e Wahrscheinlichkeit daf&uuml;r, dass der EuGH die Steuerpflicht f&uuml;r gemeinschaftsrechtswidrig halten wird und der angefochtene Umsatzsteuerbescheid f&uuml;r 2008 deshalb rechtswidrig ist. Auch der V. Senat des BFH hat in seinem Beschluss in BFH\/NV 2008, 627 betont, die AdV setze nicht voraus, dass die f&uuml;r die Rechtswidrigkeit sprechenden Gr&uuml;nde &uuml;berwiegen m&uuml;ssten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eine gro&szlig;e Wahrscheinlichkeit f&uuml;r eine Steuerfreiheit der Ums&auml;tze der Antragstellerin besteht abweichend von der Rechtsauffassung des FG auch nicht deshalb, weil die Hamburger Finanzverwaltung diejenige Umsatzsteuer, die nach der &Auml;nderung des &sect; 4 Nr. 9 Buchst. b UStG 2005 mit Wirkung ab dem 6. Mai 2006 auch von den &ouml;ffentlichen Spielbanken zu erheben ist, auf die Spielbankabgabe anrechnet. Denn diese Anrechnung &auml;ndert nichts daran, dass f&uuml;r die Festsetzung der Umsatzsteuer gegen&uuml;ber der Antragstellerin und den &ouml;ffentlichen Spielbanken derselbe gesetzliche Tatbestand gilt. Durch &sect; 4 Nr. 9 Buchst. b UStG n.F. werden gleichartige Dienstleistungen hinsichtlich der Mehrwertsteuer unabh&auml;ngig von der Identit&auml;t oder Rechtsform des Veranstalters oder Betreibers gleich behandelt, sodass der vom EuGH in seinem Urteil vom 17. Februar 2005 Rs. C-453\/02 &#8211;Linneweber&#8211; (Slg. 2005, I-1131) beanstandete Versto&szlig; gegen den Grundsatz der steuerlichen Neutralit&auml;t beseitigt worden ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Ob die Antragstellerin durch eine unterschiedliche Behandlung der festgesetzten oder gezahlten Umsatzsteuer im Rahmen der Festsetzung anderer Abgaben in ihren Rechten verletzt wird, ist f&uuml;r die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Umsatzsteuerbescheids ohne Bedeutung und in dem Festsetzungsverfahren &uuml;ber die anderen Abgaben, zum Beispiel der K&ouml;rperschaftsteuer oder Vergn&uuml;gungsteuer, zu entscheiden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zu einer gro&szlig;en Wahrscheinlichkeit der Rechtswidrigkeit des angefochtenen Umsatzsteuerbescheids f&uuml;hrt auch nicht das Vorbringen der Antragstellerin, es best&uuml;nden erhebliche Zweifel daran, ob das FA Umsatzsteuerzahlungen der Hamburger Spielbank vereinnahme. Bei der derzeitigen ungekl&auml;rten Rechtslage k&ouml;nnte die fehlende Zahlung einer festgesetzten Umsatzsteuer durch die Hamburger Spielbank schon deshalb nicht zu einem verfassungsrechtlich zu beanstandenden Vollzugsdefizit (vgl. Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 27. Juni 1991&nbsp;&nbsp;2 BvR 1493\/89, BVerfGE 84, 239, BStBl II 1991, 654) f&uuml;hren, weil bis zur Entscheidung des EuGH &uuml;ber den Vorlagebeschluss des erkennenden Senats nicht nur den gewerblichen Aufstellern von Gl&uuml;cksspielger&auml;ten, sondern auch den &ouml;ffentlichen Spielbanken ein Anspruch auf AdV oder Aufhebung der Vollziehung zusteht, soweit die Umsatzsteuer auf &quot;sonstige Gl&uuml;cksspiele mit Geldeinsatz&quot; entf&auml;llt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Die bisherigen tats&auml;chlichen Feststellungen des FG reichen nicht aus, um zu entscheiden, ob das Verlangen einer Sicherheit f&uuml;r die Antragstellerin eine unbillige H&auml;rte bedeutet und deshalb ihren Anspruch auf effektiven Rechtsschutz (Art. 19 Abs. 4 GG) verletzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA hat im finanzgerichtlichen Verfahren unter Hinweis auf den Beschluss des Nieders&auml;chsischen FG vom 14. April 2008&nbsp;&nbsp;16 V 77\/08 vorgetragen, es sei der Antragstellerin zuzumuten, die laufenden Umsatzerl&ouml;se in dem Ma&szlig;e zur&uuml;ckzubehalten, in dem die Umsatzsteuer nach dem nationalen Umsatzsteuerrecht zu entrichten sei. Es hat damit im Ergebnis die Auffassung vertreten, das Verlangen nach einer Sicherheit f&uuml;hre nicht zu einer unbilligen H&auml;rte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das BVerfG hat mit einem Beschluss vom 22. September 2009&nbsp;&nbsp;1 BvR 1305\/09, der zwei Beschl&uuml;sse des Nieders&auml;chsischen FG &uuml;ber die AdV von Umsatzsteuer aus Ums&auml;tzen mit Gl&uuml;ckspielger&auml;ten gegen Sicherheitsleistung betrifft, entschieden, es w&auml;re im Allgemeinen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig, dem Steuerpflichtigen die AdV zu versagen, wenn seine wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse die Leistung einer Sicherheit nicht zulie&szlig;en. Die abstrakte Erw&auml;gung, bei fortlaufend veranlagten und festgesetzten Steuern wie Lohn- und Umsatzsteuer k&ouml;nne die Sicherheitsleistung aus den laufenden Ums&auml;tzen zur&uuml;ckbehalten werden, sei mit der Garantie effektiven Rechtsschutzes unvereinbar. Das FG nehme damit in Kauf, dass dem Steuerschuldner die AdV einer Steuerforderung trotz ernstlicher Zweifel an ihrer Rechtm&auml;&szlig;igkeit nur gegen die Leistung einer Sicherheit gew&auml;hrt werde, selbst wenn deren Aufbringung mit einer unbilligen H&auml;rte f&uuml;r ihn verbunden w&auml;re. Es sei nicht erkennbar und vom FG auch in keiner Weise tragf&auml;hig begr&uuml;ndet worden, dass in F&auml;llen einer aus laufend vereinnahmten Steuern resultierenden Steuerschuld die Leistung einer Sicherheit nie zu einer unbilligen H&auml;rte f&uuml;r den Steuerschuldner f&uuml;hren k&ouml;nne.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im Streitfall hat das FG &#8211;von seinem Rechtsstandpunkt aus zu Recht&#8211; bisher nicht gepr&uuml;ft, ob die Leistung der vom FA geforderten Sicherheit f&uuml;r die Antragstellerin zu einer unbilligen H&auml;rte f&uuml;hrt. Es wird dies unter Beachtung der Vorgaben des BVerfG nachzuholen haben. Soweit sich die Antragstellerin auf eine unbillige H&auml;rte berufen sollte, wird sie der ihr auch im finanzgerichtlichen Eilverfahren obliegenden Pflicht nachzukommen haben, die wirtschaftliche Unzumutbarkeit zur Erbringung einer Sicherheit darzutun (vgl. unter IV. 1. c des Beschlusses des BVerfG vom 22. September 2009&nbsp;&nbsp;1 BvR 1305\/09) und ihre Verm&ouml;gens- und Liquidit&auml;tslage im Einzelnen offenzulegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.10.2009, XI B 60\/09 Sicherheitsleistung bei ausgesetzter Umsatzsteuer aus dem Betrieb von Gewinnspielautomaten &#8211; Anrechnung der USt auf andere Abgaben f&uuml;r Rechtm&auml;&szlig;igkeit der USt ohne Bedeutung &#8211; Zul&auml;ssigkeit eines AdV-Antrags bei Gericht Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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