{"id":15237,"date":"2012-12-20T03:02:45","date_gmt":"2012-12-20T01:02:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15237"},"modified":"2012-12-20T03:02:45","modified_gmt":"2012-12-20T01:02:45","slug":"i-b-219-08-unmittelbarkeit-der-beweisaufnahme-erfordert-zeugenvernehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-219-08-unmittelbarkeit-der-beweisaufnahme-erfordert-zeugenvernehmung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;219\/08 &#8211; Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme erfordert Zeugenvernehmung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.7.2009, I B 219\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme erfordert Zeugenvernehmung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Streitpunkt ist, ob Steuerbescheide durch Zustellung an ein fr&uuml;heres Vorstandsmitglied eines Vereins ordnungsgem&auml;&szlig; bekannt gegeben worden sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist ein eingetragener Verein, der 1992 gegr&uuml;ndet wurde und im Vereinsregister des Amtsgerichts X gef&uuml;hrt wird. Sein satzungsm&auml;&szlig;iger Zweck ist die kulturelle, politische, technische und kreative Aus-, Fort- und Weiterbildung von Jugendlichen und Erwachsenen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Als stellvertretender Vorstand des Kl&auml;gers war von September 1993 bis M&auml;rz 1998 S im Vereinsregister eingetragen. Danach bestand der Vorstand laut Eintragung im Register aus A als Vorsitzendem und B sowie C als Stellvertretern. Im September 1998 wurde die Aufl&ouml;sung des Vereins beschlossen; dies wurde im Juli 2000 im Vereinsregister eingetragen. Beschl&uuml;sse der Mitgliederversammlung vom 2. September 2001 &uuml;ber die Fortsetzung der Vereinsarbeit und die Bestellung von D als Vorstandsvorsitzender und E sowie F als Stellvertreter wurden nicht in das Vereinsregister eingetragen, weil Angaben zu den Personalien der Vorstandsmitglieder fehlten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In zwei Schreiben vom Oktober und November 1996 teilte der Kl&auml;ger mit, der Ort der Gesch&auml;ftsleitung sei nach Y verlegt worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Beschwerdegegner &#8211;das f&uuml;r Y &ouml;rtlich zust&auml;ndige Finanzamt (FA)&#8211; f&uuml;hrte beim Kl&auml;ger und beim B-e.V. &#8211;einem Verein, f&uuml;r den S ebenfalls ma&szlig;geblich t&auml;tig war&#8211; eine Steuerfahndungspr&uuml;fung betreffend die Jahre 1993 bis 1995 durch. Aufgrund der Feststellungen der Steuerfahndungspr&uuml;fung erlie&szlig; es am 27. Juni 2002 &#8211;zum Teil ge&auml;nderte&#8211; Ertragsteuer- und Umsatzsteuerbescheide betreffend die Streitjahre (1993 bis 2000). Nachdem zuvor verschiedene Schreiben an die Adresse des Kl&auml;gers in Y als unzustellbar zur&uuml;ckgesandt worden waren, adressierte das FA die Bescheide an eine Privatadresse des S mit dem Zusatz &quot;f&uuml;r (Name und Anschrift des Kl&auml;gers)&quot;.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Schriftsatz vom 22. August 2002 erhob der Kl&auml;ger Einspruch gegen die Bescheide vom 27. Juni 2002; zur Begr&uuml;ndung machte er u.a. die Unwirksamkeit der Bekanntgabe der Bescheide wegen fehlender Empfangszust&auml;ndigkeit des S geltend. Hilfsweise beantragte er im Hinblick auf die Vers&auml;umung der Einspruchsfristen Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Das FA verwarf die Einspr&uuml;che wegen Vers&auml;umung der Einspruchsfristen als unzul&auml;ssig; zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es in der Einspruchsentscheidung aus, S sei als faktischer Vorstand des Kl&auml;gers als dessen Verf&uuml;gungsberechtigter i.S. von &sect; 35 der Abgabenordnung (AO) anzusehen; er sei deshalb richtiger Bekanntgabeadressat gewesen. Den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand lehnte das FA ab, weil die geltend gemachte Erkrankung des S nicht glaubhaft gemacht worden sei. Die deswegen erhobene Klage hat das Finanzgericht (FG) Berlin-Brandenburg mit Urteil vom 14. Oktober 2008&nbsp;&nbsp;6 K 2204\/04 abgewiesen. Es hatte zuvor durch Vernehmung des S als Zeuge Beweis erhoben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt die Zulassung der Revision gegen das FG- Urteil und begr&uuml;ndet sein Begehren mit der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache, mit der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts und mit Verfahrensm&auml;ngeln.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Nichtzulassungsbeschwerde zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist wegen eines Verfahrensfehlers (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 6 FGO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Das FG hat den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme verletzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Gem&auml;&szlig; &sect; 81 Abs. 1 Satz 1 FGO hat das Gericht den Beweis in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zu erheben. Dies bedeutet neben dem Erfordernis eigener Anschauung durch die Richter des erkennenden Spruchk&ouml;rpers, dass diese die f&uuml;r die Entscheidung notwendigen Tatsachen im weitest m&ouml;glichen Umfang aus der Quelle selbst sch&ouml;pfen m&uuml;ssen, d.h. bei mehreren in Betracht kommenden Beweismitteln die Beweisaufnahme mit demjenigen durchzuf&uuml;hren haben, das ihnen den &quot;unmittelbarsten&quot; Eindruck von dem streitigen Sachverhalt vermittelt (Grundsatz der materiellen Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme, vgl. BFH-Beschluss vom 17. Mai 2005 VI B 162\/04, BFH\/NV 2005, 1613; Seer in Tipke\/ Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 81 FGO Rz 26). Das blo&szlig; mittelbare Beweismittel darf deshalb grunds&auml;tzlich zul&auml;ssigerweise nur verwendet werden, wenn die Erhebung des unmittelbaren Beweises unm&ouml;glich, unzul&auml;ssig oder unzumutbar erscheint. Zwar d&uuml;rfen in Beh&ouml;rdenakten protokollierte Ausk&uuml;nfte und Wahrnehmungen grunds&auml;tzlich im Wege des Urkundenbeweises in den finanzgerichtlichen Prozess eingef&uuml;hrt werden. Die Verwertung von Aussagen Dritter in anderen Verfahren im Wege des Urkundenbeweises ist aber dann nicht zul&auml;ssig, wenn sich dem Gericht eine eigene Vernehmung dieser Personen als Zeugen aufdr&auml;ngen muss (BFH-Urteile vom 1. Februar 2001 V R 6\/00, BFH\/NV 2001, 941, m.w.N.; vom 29. Januar 1997 II R 67\/94, BFH\/NV 1997, 767; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1613).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Diese Grunds&auml;tze hat das FG im Streitfall verletzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Nach der Rechtsauffassung des FG kam es f&uuml;r die Wirksamkeit der Bekanntgabe der angefochtenen Bescheide sowohl unter dem Gesichtspunkt der &quot;faktischen&quot; Vorstandsstellung (Verf&uuml;gungsberechtigung i.S. von &sect; 35 AO) als auch unter dem der Empfangsbevollm&auml;chtigung des S auf die zwischen den Beteiligten streitige Frage an, ob S auch nach dem formellen Ausscheiden als Vorstandsmitglied noch die wesentlichen Entscheidungen des Kl&auml;gers getroffen und diesen nach au&szlig;en vertreten hat. Das FG hat dies bejaht und sich im Rahmen seiner Beweisw&uuml;rdigung unter anderem auf Aussagen &quot;beteiligter Personen&quot; gest&uuml;tzt, die wiederholt ausgesagt h&auml;tten, ihnen seien die anderen f&uuml;r den Kl&auml;ger t&auml;tigen Personen nicht bekannt und S sei die einzige Bezugsperson f&uuml;r sie gewesen. Damit sind offenbar die in der vom FG in Bezug genommenen Einspruchsentscheidung des FA beschriebenen schriftlichen bzw. fernm&uuml;ndlichen Erkl&auml;rungen der vormaligen Vorstandsmitglieder C, D, E und F gegen&uuml;ber dem FA gemeint. Auf die schriftliche Erkl&auml;rung des E vom 15. April 2004 nimmt das FG in den Entscheidungsgr&uuml;nden ausdr&uuml;cklich Bezug.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Kam es mithin nach Auffassung des FG f&uuml;r die Entscheidung des Rechtsstreits jedenfalls auch auf den Inhalt der Erkl&auml;rungen der genannten Personen zur Stellung des S innerhalb des Kl&auml;gers an, h&auml;tte es sie nach den zuvor beschriebenen Grunds&auml;tzen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung als Zeugen vernehmen m&uuml;ssen. Aus welchen Gr&uuml;nden eine Zeugenvernehmung unterblieben ist, ergibt sich aus den Entscheidungsgr&uuml;nden des angefochtenen Urteils nicht. In den richterlichen Verf&uuml;gungen vom 5. Mai 2006 und vom 3. August 2006 hatte das FG die Beteiligten noch ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen, dass es die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung mit Beweisaufnahme f&uuml;r unerl&auml;sslich halte und hatte um Mitteilung ladungsf&auml;higer Adressen aller aktuellen und vormaligen Vorstandsmitglieder gebeten. Den Zeugen F hat das FG ordnungsgem&auml;&szlig; zum Termin geladen; weder aus den Entscheidungsgr&uuml;nden noch aus dem Sitzungsprotokoll ergibt sich ein Hinweis darauf, aus welchem Grund das FG von der Vernehmung des unentschuldigt nicht erschienenen F ganz abgesehen hat. Lediglich im Hinblick auf den &uuml;ber den Prozessbevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers zum Termin geladenen Zeugen &#8230; kann vermutet werden, dass das Unterlassen einer Vernehmung damit in Zusammenhang steht, dass dem FG eine ladungsf&auml;hige Adresse nicht bekannt war.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                cc) Dass die Beteiligten ihr Einverst&auml;ndnis mit der Verwertung der gegen&uuml;ber dem FA abgegebenen Erkl&auml;rungen unter Verzicht auf eine Zeugenvernehmung erkl&auml;rt haben, ist nicht zu ersehen. Insbesondere l&auml;sst sich der Sitzungsniederschrift kein Anhalt daf&uuml;r entnehmen, dass das Erfordernis von weiteren Zeugenvernehmungen Gegenstand der Er&ouml;rterungen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung war.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Das Urteil beruht auf dem Verfahrensversto&szlig;. Denn die M&ouml;glichkeit, dass die Entscheidung ohne den Verfahrensfehler anders ausgefallen w&auml;re, l&auml;sst sich nicht mit Sicherheit ausschlie&szlig;en. Soweit das FA demgegen&uuml;ber auf den Inhalt der in den K&ouml;rperschaftsteuerakten befindlichen schriftlichen Erkl&auml;rung des F verweist, handelt es sich um eine unzul&auml;ssige Vorwegnahme der Beweisw&uuml;rdigung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Der Kl&auml;ger hat sein Recht, die Verletzung der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme als Verfahrensfehler zu r&uuml;gen, nicht gem&auml;&szlig; &sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung dadurch verloren, dass er diese R&uuml;ge nicht schon in der m&uuml;ndlichen Verhandlung, in der er durch den Prozessbevollm&auml;chtigten vertreten war, erhoben hat. Zwar kann ein Beteiligter grunds&auml;tzlich auf den Verfahrensgrundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme verzichten (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 26. M&auml;rz 1991 VII R 72\/90, BFH\/NV 1992, 115; vom 28. November 2002 IX B 131\/02, BFH\/NV 2003, 298). Das Unterlassen der R&uuml;ge in der m&uuml;ndlichen Verhandlung kann im Streitfall jedoch nicht zu Lasten des Kl&auml;gers gehen. Denn dass das FG die gegen&uuml;ber dem FA abgegebenen Erkl&auml;rungen im Rahmen seiner Entscheidung verwerten w&uuml;rde, ohne die Zeugen pers&ouml;nlich anzuh&ouml;ren, ergab sich erst aus der Urteilsbegr&uuml;ndung des FG. Das gilt insbesondere in Bezug auf den vom FG zum Termin geladenen Zeugen F. Der Sitzungsniederschrift ist kein Anhalt daf&uuml;r zu entnehmen, dass die Abstandnahme von der urspr&uuml;nglichen Absicht des FG, den Zeugen F zu vernehmen, Gegenstand der Er&ouml;rterungen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung war. Auch von einem f&uuml;rsorglichen und verantwortungsbewusst agierenden Prozessvertreter kann indes ohne &Uuml;berspannung seiner Sorgfaltspflichten nicht verlangt werden, dass er in Voraussicht eines erst den schriftlichen Urteilsgr&uuml;nden zu entnehmenden Verfahrensfehlers des Gerichts auf der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme besteht (BFH-Urteil in BFH\/NV 1997, 767, und BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1613).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                4. Da die Beschwerde des Kl&auml;gers bereits wegen dieses Verfahrensfehlers Erfolg hat, kann offenbleiben, ob die des Weiteren vom Kl&auml;ger geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde ordnungsgem&auml;&szlig; dargelegt sind und der Sache nach vorliegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.7.2009, I B 219\/08 Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme erfordert Zeugenvernehmung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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