{"id":15674,"date":"2012-12-10T05:52:19","date_gmt":"2012-12-10T03:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15674"},"modified":"2012-12-10T05:52:19","modified_gmt":"2012-12-10T03:52:19","slug":"i-b-12-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-rechtliches-gehoer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-12-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-rechtliches-gehoer\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;12\/08 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; rechtliches Geh&ouml;r"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.7.2008, I B 12\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; rechtliches Geh&ouml;r<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Streitig ist, ob Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (Vers&auml;umung der Klagefrist) zu gew&auml;hren ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Am 22. Januar 2004 ging beim Hessischen Finanzgericht (FG) ein Fax der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), einer GmbH, ein. In diesem Fax verwies die Kl&auml;gerin auf eine am 9. Dezember 2003 an das FG versandte Klageschrift, die sich gegen eine am 18. November 2003 zugestellte Einspruchsentscheidung des Beklagten und Beschwerdegegners (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) richtete. Zugleich begehrte die Kl&auml;gerin Wiedereinsetzung in den vorigen Stand unter Darlegung des B&uuml;roablaufs bei einer Schriftsatzfertigung. Dem Antragsschreiben der Kl&auml;gerin waren diverse Schreiben der Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin beigef&uuml;gt: Ein mit &quot;Klage&quot; &uuml;berschriebenes Schriftst&uuml;ck, zwei Schreiben an die Kl&auml;gerin bzw. an die Steuerberater der Kl&auml;gerin (alle Schreiben mit Datum 8. Dezember 2003) sowie ein Schreiben an das FA (Antrag auf Aussetzung der Vollziehung; Datum: 9. Dezember 2003 &#8211; dieses Schreiben war beim FA am 10. Dezember 2003 zu den Akten gelangt). Klage und Antrag auf Aussetzung der Vollziehung seien am 8. Dezember 2003 angefertigt und zur Abstimmung mit der Mandantin bzw. dem Steuerberater dorthin per Fax &uuml;bersandt worden; der Antrag auf Aussetzung der Vollziehung sei am 9. Dezember 2003 (nach einer &Auml;nderung) erneut ausgedruckt und zusammen mit der Klageschrift am 9. Dezember 2003 unterzeichnet und in den Postausgangskorb gelegt und sodann zur Aufgabe bei der Post von einem Mitarbeiter der Post abgeholt worden. Zum Ablauf des Postversands legte die Kl&auml;gerin eine Versicherung an Eides Statt einer Kanzleimitarbeiterin vor, zum Ablauf der Schriftsatzerstellung eine Versicherung an Eides Statt des sachbearbeitenden Rechtsanwalts. Die Klage blieb &#8211;unter Ablehnung des Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand&#8211; erfolglos (Hessisches FG, Urteil vom 23. November 2007&nbsp;&nbsp;4 K 304\/04).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin begehrt eine Zulassung der Revision nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 bzw. Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist nicht begr&uuml;ndet. Der geltend gemachte Verfahrensfehler (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) liegt nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Das FG hat seine richterliche Hinweispflicht (&sect; 76 Abs. 2 FGO) nicht verletzt und damit der Kl&auml;gerin das rechtliche Geh&ouml;r (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes; &sect; 96 Abs. 2 FGO) nicht i.S. der &sect;&sect; 119 Nr. 3, 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO versagt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegenstand der angefochtenen Entscheidung ist die Frage, ob der Kl&auml;gerin Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect; 56 FGO zu gew&auml;hren ist. Das FG hat dazu auf die in der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) hinreichend gekl&auml;rten Voraussetzungen der Regelung verwiesen. Werde ein Wiedereinsetzungsantrag auf die Behauptung der fristgerechten Absendung eines beim Adressaten nicht eingegangenen Schriftsatzes gest&uuml;tzt, seien nach st&auml;ndiger Rechtsprechung zum einen genaue Angaben dazu erforderlich, wann (an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit), in welcher Weise (Einwurf in einen bestimmten Postbriefkasten oder Abgabe in einer bestimmten Postfiliale) und von welcher Person der Schriftsatz zur Post gegeben worden sei. Ferner sei die Organisation der Fristenkontrolle nach Art und Umfang darzulegen. Schlie&szlig;lich seien diese Angaben durch geeignete Beweismittel glaubhaft zu machen. Dazu sei sowohl die Abgabe detaillierter eidesstattlicher Versicherungen der mit der Anfertigung und Absendung des Schriftsatzes unmittelbar befassten Personen als auch die Vorlage von Ausz&uuml;gen aus dem Fristenkontrollbuch und dem Postausgangsbuch erforderlich (Hinweis auf BFH-Beschl&uuml;sse vom 23. Mai 2006 VI B 147\/05, BFH\/NV 2006, 1509; vom 14. August 2006 VI B 54\/06, BFH\/NV 2006, 2282; vgl. auch Senatsbeschluss vom 19. Juni 1996 I R 13\/96, BFH\/NV 1997, 120; BFH-Beschluss vom 26. November 1993 VIII R 53\/93, BFH\/NV 1994, 645). Dass die Vorlage des Postausgangsbuches bei Bevollm&auml;chtigten, die Rechtsberatung berufsm&auml;&szlig;ig aus&uuml;ben, zur Glaubhaftmachung des Absendevorgangs regelm&auml;&szlig;ig erforderlich ist, wird in der Tat in der BFH-Rechtsprechung st&auml;ndig hervorgehoben (vgl. u.a. BFH-Urteil vom 7. Dezember 1988 X R 80\/87, BFHE 155, 275, BStBl II 1989, 266; BFH-Beschluss vom 25. April 1995 VIII R 86\/94, BFH\/NV 1995, 1002; Senatsbeschluss vom 10. August 2004 I B 40\/04, juris).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Es ist im Zusammenhang mit dem Verbot &uuml;berraschender Rechtsanwendung durch ein Gericht in st&auml;ndiger Rechtsprechung anerkannt, dass das Gericht zu einem ausf&uuml;hrlichen Rechtsgespr&auml;ch mit den Beteiligten nicht verpflichtet ist (z.B. BFH-Urteil vom 3. M&auml;rz 1998 VIII R 66\/96, BFHE 185, 422, BStBl II 1998, 383). Der Anspruch auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs verlangt nicht, dass das Gericht die f&uuml;r die Entscheidung ma&szlig;geblichen Gesichtspunkte mit den Beteiligten umfassend er&ouml;rtert (z.B. BFH-Urteil vom 31. Juli 1991 VIII R 23\/89, BFHE 165, 398, BStBl II 1992, 375) bzw. die einzelnen f&uuml;r seine Entscheidung ma&szlig;geblichen Gesichtspunkte im Voraus andeutet (z.B. BFH-Beschluss vom 27. Dezember 2004 IV B 16\/03, BFH\/NV 2005, 1078). Allerdings darf das Gericht nicht einen bis dahin nicht er&ouml;rterten rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gesichtspunkt zur Grundlage seiner Entscheidung machen und damit dem Rechtsstreit eine Wendung geben, mit der die Beteiligten nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens nicht zu rechnen brauchten (z.B. BFH-Beschluss vom 31. Juli 1997 III B 31\/95, BFH\/NV 1998, 325).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Diese Ma&szlig;gabe ist zur Begrenzung des Umfangs der Prozessf&uuml;rsorgepflicht bzw. der richterlichen Hinweispflicht des &sect; 76 Abs. 2 FGO sinnentsprechend heranzuziehen (so in der Sache BFH-Beschluss vom 22. Mai 2006 X B 187\/05, BFH\/NV 2006, 1507). Ist ein Beteiligter anwaltlich vertreten und ist der Verfahrensgegenstand auf der Grundlage feststehender Rechtsgrunds&auml;tze zu beurteilen, ist das Gericht unter Wahrung einer Eigenverantwortlichkeit der Beteiligten (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2006, 1507) nicht gehalten, darauf hinzuweisen, wie ein Beteiligter seinen Vortrag glaubhaft(er) gestalten k&ouml;nne (BFH-Beschluss vom 27. Februar 2006 III S 32\/05 (PKH), BFH\/NV 2006, 1131).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG seine richterliche Hinweispflicht gem&auml;&szlig; &sect; 76 Abs. 2 FGO nicht verletzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Soweit die Kl&auml;gerin eine Divergenz tragender Rechtss&auml;tze des angefochtenen Urteils von Entscheidungen des Bundesgerichtshofs r&uuml;gt, erf&uuml;llt dies die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO nicht. Denn der Hinweis des FG, dass eidesstattliche Versicherungen zur Glaubhaftmachung einer unverschuldeten Fristvers&auml;umnis nicht ausreichen w&uuml;rden, wenn die rechtzeitige Aufgabe eines Schriftst&uuml;cks zur Post streitig sei, sondern dass vielmehr dargelegt werden m&uuml;sse, weshalb objektive Beweismittel nicht vorgelegt werden k&ouml;nnten, ist jedenfalls nicht als ein die Entscheidung tragender Rechtssatz des FG anzusehen. Denn das FG erg&auml;nzt in dieser Urteilspassage nur seine die Ablehnung des Antrags auf Wiedereinsetzung tragende W&uuml;rdigung des Vortrags der Kl&auml;gerin im vorherigen Absatz der Entscheidungsgr&uuml;nde. Dort wird das Ergebnis, dass die Kl&auml;gerin eine rechtzeitige Versendung der Klageschrift nicht glaubhaft gemacht habe, insbesondere darauf gest&uuml;tzt, dass im Aussetzungsantrag an das FA davon die Rede sei, dass die Kl&auml;gerin derzeit eine Klage vorbereite, was gegen die Abfassung einer Klageschrift am 8. Dezember 2003 spreche, und dass die Absendung der Klageschrift nicht durch ein Postausgangsbuch belegt worden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.7.2008, I B 12\/08 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; rechtliches Geh&ouml;r Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Streitig ist, ob Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (Vers&auml;umung der Klagefrist) zu gew&auml;hren ist. 2&nbsp; Am 22. Januar 2004 ging beim Hessischen Finanzgericht (FG) ein Fax der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), einer GmbH, ein. 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