{"id":15784,"date":"2012-12-10T05:55:08","date_gmt":"2012-12-10T03:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=15784"},"modified":"2012-12-10T05:55:08","modified_gmt":"2012-12-10T03:55:08","slug":"iii-b-164-07-fehlende-haertefallregelung-bei-ueberschreitung-des-jahresgrenzbetrages-nicht-verfassungswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-164-07-fehlende-haertefallregelung-bei-ueberschreitung-des-jahresgrenzbetrages-nicht-verfassungswidrig\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;164\/07 &#8211; Fehlende H&auml;rtefallregelung bei &Uuml;berschreitung des Jahresgrenzbetrages nicht verfassungswidrig"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.8.2008, III B 164\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Fehlende H&auml;rtefallregelung bei &Uuml;berschreitung des Jahresgrenzbetrages nicht verfassungswidrig<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Streitig ist der Kindergeldanspruch des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) f&uuml;r seinen Sohn (S) im Zeitraum Juli 2003 bis Dezember 2003. S befand sich im ganzen Jahr 2003 in Ausbildung. Am 5. Juni 2003 vollendete er das 18. Lebensjahr. F&uuml;r den Zeitraum Juli bis Dezember 2003 erhielt S eine Brutto-Ausbildungsverg&uuml;tung von 4 679,07 EUR. Der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung belief sich auf 940,49 EUR. Au&szlig;erdem erhielt S im ersten Halbjahr 2003 Sonderzuwendungen in H&ouml;he von 685,90 EUR abz&uuml;glich Sozialversicherungsbeitr&auml;gen von 137,87 EUR. Im 2. Halbjahr 2003 erhielt er Sonderzuwendungen von 306,85 EUR abz&uuml;glich der Sozialversicherungsbeitr&auml;ge in H&ouml;he von 61,68 EUR.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Bescheid vom 8. November 2005 lehnte die damals zust&auml;ndige Familienkasse die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r S f&uuml;r den Zeitraum ab Juli 2003 ab, weil die eigenen Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des Kindes den anteiligen Jahresgrenzbetrag nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) von (6\/12 von 7 188 EUR =) 3 594 EUR &uuml;berstiegen. In einem weiteren Bescheid vom 8. November 2005 wurde die Festsetzung von Kindergeld, ebenfalls wegen &Uuml;berschreitung des Jahresgrenzbetrages, f&uuml;r den Zeitraum Januar bis Dezember 2004 abgelehnt. Der gegen beide Bescheide gerichtete Einspruch des Kl&auml;gers wurde mit Einspruchsentscheidung vom 5. Dezember 2005 als unzul&auml;ssig verworfen. Die Einspruchsentscheidung wurde mit Schreiben ohne Datum aufgehoben und das Einspruchsverfahren fortgesetzt. Mit Einspruchsentscheidung vom 2. M&auml;rz 2006 wurde der Einspruch hinsichtlich des Jahres 2003 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. F&uuml;r das Jahr 2004 wurde noch keine Entscheidung getroffen. Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) ber&uuml;cksichtigte in der Einspruchsentscheidung als Einkommen f&uuml;r die Monate Juli bis Dezember 2003 einen Betrag von 3 613,18 EUR.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab. Die Familienkasse habe zu Recht die Kindergeldfestsetzung versagt, da die Eink&uuml;nfte des Sohnes im streitigen Zeitraum den anteiligen Jahresgrenzbetrag nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG &uuml;berstiegen. Auf welchen Monat Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge entfielen, sei nicht nach dem Zuflusszeitpunkt, sondern nach der wirtschaftlichen Zurechnung zu bestimmen. Laufender Arbeitslohn sei dabei regelm&auml;&szlig;ig dem Monat zuzuordnen, f&uuml;r den er gezahlt werde. Demgegen&uuml;ber sei f&uuml;r die im Laufe des Kalenderjahres zuflie&szlig;enden sonstigen Bez&uuml;ge und Sonderzuwendungen aus dem Berufsausbildungsverh&auml;ltnis, wie Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Tantiemen, Beihilfen usw. eine Zuordnung zu den Monaten vorzunehmen, auf die sie entfielen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eine w&auml;hrend der Ausbildungsmonate zugeflossene Sonderzuwendung beruhe dabei regelm&auml;&szlig;ig auf dem Berufsausbildungsverh&auml;ltnis und sei deshalb allen Ausbildungsmonaten zeitanteilig zuzuordnen. Entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers seien die Arbeitgeberanteile an den gesetzlichen Sozialversicherungsbeitr&auml;gen nicht bei der Berechnung der eigenen Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des Kindes abzuziehen. Nach Abzug des auf den Zeitraum Juli bis Dezember 2003 entfallenden anteiligen Werbungskostenpauschbetrages l&auml;gen die Eink&uuml;nfte des S mit 3 613,18 EUR &uuml;ber dem anteiligen Jahresgrenzbetrag von 3 594 EUR.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dagegen wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Beschwerde, mit der er die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung und zur Fortbildung des Rechts begehrt. Das FG habe bei seiner Argumentation au&szlig;er Acht gelassen, dass die Eink&uuml;nfte des S den Jahresgrenzbetrag lediglich um 19,18 EUR &uuml;berstiegen, mit dem Ergebnis, dass der Kl&auml;ger wegen der nur geringf&uuml;gigen &Uuml;berschreitung des Grenzbetrages kein Kindergeld mehr erhalte. Dem FG h&auml;tte sich in diesem Zusammenhang die Rechtsfrage aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen, ob bei nur geringf&uuml;giger &Uuml;berschreitung des Grenzbetrages die Einf&uuml;hrung einer H&auml;rtefallregelung notwendig sei. Diese Rechtsfrage habe bei der Entscheidung zwingend behandelt werden m&uuml;ssen. Bei richtiger Behandlung der genannten Rechtsfrage h&auml;tte das Urteil des FG anders ausgehen m&uuml;ssen. Danach h&auml;tte dem Kl&auml;ger aufgrund einer H&auml;rteregelung das Kindergeld f&uuml;r den streitgegenst&auml;ndlichen Zeitraum, z.B. unter stufenweisem Wegfall der Kindergeldbeg&uuml;nstigung, weiter zustehen k&ouml;nnen. Die jetzige Situation f&uuml;hre zu einer unbilligen H&auml;rte, die einer Ausnahmeregelung bed&uuml;rfe, denn die finanzielle Leistungsf&auml;higkeit des Kl&auml;gers gerate hierdurch an seine Grenze. Die Regelung des &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG verletze Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG). Der Kl&auml;ger werde im Vergleich zu einem kinderlosen Steuerpflichtigen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig benachteiligt. Ein angemessener Familienlastenausgleich, wie ihn Art. 6 GG gebiete, finde ebenso wenig statt, da die Regelung des &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG wesentliche Umst&auml;nde nicht ber&uuml;cksichtige.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Au&szlig;erdem sei die Revision wegen Erforderlichkeit einer Entscheidung zur Fortbildung des Rechts zuzulassen. Die Ausgestaltung des Jahresgrenzbetrages als Freigrenze sei von der Rechtsprechung zwar verfassungsrechtlich nicht beanstandet worden, trotzdem sei die Regelung in der einschl&auml;gigen Steuerliteratur schon lange umstritten, da sie systematisch nicht &uuml;berzeuge (vgl. Tipke, Die Steuerrechtsordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2003, S. 807 ff., insbesondere S. 809; Kanzler, Deutsche Steuerjuristische Gesellschaft 24 (2001), 416, 450). Zwischenzeitlich werde die Regelung auch von einem Teil der finanzgerichtlichen Rechtsprechung kritisch beurteilt. Das Nieders&auml;chsische FG vertrete in seiner Entscheidung vom 23. Februar 2006&nbsp;&nbsp;1 K 76\/04 die Ansicht, dass bei einer geringf&uuml;gigen &Uuml;berschreitung der Einkommensgrenze des &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG das Kindergeld nicht vollst&auml;ndig versagt werden d&uuml;rfe. Die angesprochene Rechtsfrage sei im Rahmen einer Revision auch kl&auml;rbar. Beim Bundesfinanzhof (BFH) sei unter dem Az. III R 54\/06 ein Revisionsverfahren mit der hier aufgeworfenen Rechtsfrage bei vergleichbarem Sachverhalt anh&auml;ngig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und wird durch Beschluss zur&uuml;ckgewiesen (&sect; 132 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Revision ist weder wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) noch zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO) zuzulassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die vom Kl&auml;ger ger&uuml;gte fehlende H&auml;rtefallregelung in &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG ist nach &Uuml;berzeugung des Senats nicht verfassungswidrig, so dass eine verfassungskonforme Auslegung oder eine Anrufung des Bundesverfassungsgerichts nach Art. 100 Abs. 1 GG ausscheidet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Ausgestaltung des Grenzbetrages nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG als Freigrenze ist nach der Rechtsprechung des VI. und des VIII. Senats des BFH verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden (z.B. Urteile vom 21. Juli 2000 VI R 153\/99, BFHE 192, 316, BStBl II 2000, 566; vom 25. Mai 2004 VIII R 66\/99, BFH\/NV 2005, 24, und vom 13. Juli 2004 VIII R 20\/02, BFH\/NV 2005, 36, jeweils m.w.N.). Der Senat hat sich dieser Rechtsprechung angeschlossen und in mehreren Verfahren die Zulassung der Revision mangels grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache abgelehnt (s. zuletzt Beschluss vom 10. August 2007 III B 96\/06, BFH\/NV 2007, 2274, m.w.N.). Zur Begr&uuml;ndung im Einzelnen nimmt der Senat auf das BFH-Urteil in BFHE 192, 316, BStBl II 2000, 566 Bezug. Der Senat hat diese Rechtsprechung inzwischen erneut in seinem Beschluss nach &sect; 126a FGO vom 29. Mai 2008 III R 54\/06 best&auml;tigt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.8.2008, III B 164\/07 Fehlende H&auml;rtefallregelung bei &Uuml;berschreitung des Jahresgrenzbetrages nicht verfassungswidrig Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Streitig ist der Kindergeldanspruch des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) f&uuml;r seinen Sohn (S) im Zeitraum Juli 2003 bis Dezember 2003. S befand sich im ganzen Jahr 2003 in Ausbildung. Am 5. 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