{"id":16000,"date":"2012-12-10T04:31:23","date_gmt":"2012-12-10T02:31:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16000"},"modified":"2012-12-10T04:31:23","modified_gmt":"2012-12-10T02:31:23","slug":"x-b-143-07-verletzung-der-sachaufklaerungspflicht-bei-wahrunterstellung-schaetzungsbefugnis-des-finanzgerichts-ueberraschungsentscheidung-fehlen-der-entscheidungsgruende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-143-07-verletzung-der-sachaufklaerungspflicht-bei-wahrunterstellung-schaetzungsbefugnis-des-finanzgerichts-ueberraschungsentscheidung-fehlen-der-entscheidungsgruende\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;143\/07 &#8211; Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht bei Wahrunterstellung &#8211; Sch&auml;tzungsbefugnis des Finanzgerichts &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Fehlen der Entscheidungsgr&uuml;nde"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.6.2008, X B 143\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht bei Wahrunterstellung &#8211; Sch&auml;tzungsbefugnis des Finanzgerichts &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Fehlen der Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Beschwerde, mit der die Zulassung der Revision insoweit begehrt wird, als das Finanzgericht (FG) die Klage abgewiesen hat, hat keinen Erfolg. Der vom Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) geltend gemachte Zulassungsgrund eines Verfahrensmangels i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) liegt nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Das FG hat die ihm obliegende Pflicht, den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen und die daf&uuml;r erforderlichen Beweise zu erheben (&sect; 76 Abs. 1 FGO), nicht dadurch verletzt, dass es Beweisantr&auml;ge des Kl&auml;gers &uuml;bergangen hat. Ordnungsgem&auml;&szlig; gestellte Beweisantr&auml;ge darf das FG unber&uuml;cksichtigt lassen, wenn es die Beweistatsachen als wahr unterstellt. Dies hat das FG getan.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger zielte mit den als wahr unterstellten Beweisantr&auml;gen darauf ab, die vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erstellte Nachkalkulation seiner Ums&auml;tze und Einnahmen durch abweichende Ans&auml;tze einzelner Gr&ouml;&szlig;en der Kalkulation zu widerlegen. Das betrifft z.B. das Teiggewicht der hergestellten Rollos, den bei der Herstellung zu verzeichnenden Mehlverlust und die Unm&ouml;glichkeit, die vom FA angesetzten St&uuml;ckzahlen &uuml;berhaupt zu erzielen. Aus den durch die beantragte Vernehmung von Zeugen bzw. Einholung von Gutachten zu ermittelnden Tatsachen h&auml;tte das FG nach Ansicht des Kl&auml;gers schlie&szlig;en m&uuml;ssen, dass er die Betriebseinnahmen zutreffend erkl&auml;rt habe. Weil das FG zwar die Sch&auml;tzung des FA verworfen, jedoch eine eigene vorgenommen hat und dabei von den vom Kl&auml;ger erkl&auml;rten Einnahmen abgewichen ist, folgert er, das FG habe die Beweistatsachen lediglich verbal, nicht jedoch tats&auml;chlich als wahr unterstellt. Mit dieser Auffassung verkennt der Kl&auml;ger die Bedeutung der als wahr unterstellten Beweistatsachen f&uuml;r den konkreten Streitfall. Sie stellen lediglich einzelne &quot;Bausteine&quot; seiner Kalkulation und der Gewinnermittlung dar. Deren Vorliegen f&uuml;hrt nicht zwingend zu dem vom Kl&auml;ger als richtig angesehenen Gewinn, weil dieser von zus&auml;tzlichen Faktoren abh&auml;ngig ist. Infolgedessen war es dem FG &#8211;entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers&#8211; trotz der Wahrunterstellung m&ouml;glich, zu einem anderen als dem vom Kl&auml;ger f&uuml;r richtig gehaltenen Betriebsergebnis zu gelangen (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20. Dezember 1995 I B 111\/94, BFH\/NV 1996, 383), ohne dass darin eine unzul&auml;ssige Beweisantizipation liegt oder dem FG in seiner Argumentation ein logischer Fehler unterlaufen sein muss.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Soweit der Kl&auml;ger r&uuml;gt, das FG habe anstelle einer Sch&auml;tzung durch Nachkalkulation eine Sch&auml;tzung anhand der amtlichen Richtsatzsammlung vorgenommen, l&auml;sst er au&szlig;er Acht, dass es Sache der Tatsacheninstanz ist, welcher Sch&auml;tzungsmethode sie sich bedienen will, wenn diese geeignet ist, ein vern&uuml;nftiges und der Wirklichkeit entsprechendes Ergebnis zu erzielen (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 24. November 1988 IV R 150\/86, BFH\/NV 1989, 416; vom 28. Juni 1989 I R 89\/85, BFHE 157, 408, BStBl II 1989, 854 f.; vom 5. Oktober 1994 I R 50\/94, BFHE 176, 523, BStBl II 1995, 549; Senatsbeschluss vom 1. September 2004 X B 162\/03, BFH\/NV 2005, 224). Der Steuerpflichtige selbst hat keinen Anspruch auf die Anwendung einer bestimmten Sch&auml;tzungsmethode (Senatsbeschluss vom 1. M&auml;rz 2005 X B 158\/04, BFH\/NV 2005, 1014). Die Einw&auml;nde des Kl&auml;gers gegen die vom FG vorgenommene Sch&auml;tzung, dass sie rechtsfehlerhaft sei und zu keinem sachgerechten Ergebnis gef&uuml;hrt habe, erweisen sich ihrem objektiven Inhalt nach als Kritik an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils und sind deshalb dem materiellen Recht zuzuordnen. Die R&uuml;ge eines Verfahrensfehlers kann darauf nicht gest&uuml;tzt werden (vgl. Senatsbeschluss vom 25. Juni 2002 X B 199\/01, BFH\/NV 2002, 1332).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Die R&uuml;ge des Kl&auml;gers, das angefochtene Urteil stelle eine &Uuml;berraschungsentscheidung dar und verletze daher seinen Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, &sect; 96 Abs. 2 FGO), weil das FG ohne Ank&uuml;ndigung eine eigene Richtsatzsch&auml;tzung an die Stelle der Sch&auml;tzung des FA gesetzt habe, rechtfertigt nicht die Annahme eines Verfahrensfehlers i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO. Kann das FG die Besteuerungsgrundlagen nicht selbst ermitteln, so ist es gem&auml;&szlig; &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO zur eigenen Sch&auml;tzung berechtigt und verpflichtet, ohne dies vorher ank&uuml;ndigen zu m&uuml;ssen (vgl. BFH-Beschluss vom 19. April 2005 XI B 243\/03, BFH\/NV 2005, 1586).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                4. Ebenso wenig rechtfertigt der Umstand, dass das FG die Kassenaufzeichnungen des Nachfolgebetriebs ausgewertet hat, die Annahme einer &Uuml;berraschungsentscheidung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eine &Uuml;berraschungsentscheidung liegt vor, wenn das Gericht seine Entscheidung auf einen bis dahin nicht er&ouml;rterten rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gesichtspunkt gest&uuml;tzt und damit dem Rechtsstreit eine Wendung gegeben hat, mit der auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der Vielzahl vertretbarer Rechtsauffassungen nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens nicht rechnen musste (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 29. Mai 1991&nbsp;&nbsp;1 BvR 1383\/90, BVerfGE 84, 188; Senatsbeschl&uuml;sse vom 15. M&auml;rz 2002 X B 175\/01, BFH\/NV 2002, 944, und vom 2. April 2002 X B 56\/01, BFH\/NV 2002, 947). Im Streitfall war es der rechtskundig vertretene Kl&auml;ger selbst, der mehrfach das Verlangen ge&auml;u&szlig;ert hatte, die Erkenntnisse heranzuziehen, die durch eine Betriebspr&uuml;fung bei seinen Nachfolgern gewonnen wurden, die getrennt die beiden Betriebe pachtweise fortgef&uuml;hrt haben. Zu diesem Zweck befreiten die Nachfolger auf Initiative des Kl&auml;gers das f&uuml;r sie zust&auml;ndige Finanzamt vom Steuergeheimnis. Es kann dann keine &Uuml;berraschung darstellen, wenn das FG diesem Verlangen nachkommt und gewonnene Erkenntnisse aus diesen Betriebspr&uuml;fungen verwertet, ohne dass es vorher die Beteiligten im Einzelnen darauf hinweisen m&uuml;sste. Wenn das FG nach Ansicht des Kl&auml;gers die Erkenntnisse nur selektiv verwertet, so liegt darin kein Verfahrensfehler, sondern allenfalls ein materiell-rechtlicher Fehler, der jedoch die Zulassung der Revision nicht rechtfertigt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                5. Schlie&szlig;lich greift auch die R&uuml;ge des Kl&auml;gers nicht durch, das angefochtene Urteil sei i.S. des &sect; 119 Nr. 6 FGO insoweit nicht mit Entscheidungsgr&uuml;nden versehen, als das FG eine leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung bejaht und deshalb die Festsetzungsfrist auf f&uuml;nf Jahre ausgedehnt habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der behauptete Verfahrensmangel liegt vor allem dann vor, wenn &uuml;berhaupt jede Begr&uuml;ndung der Entscheidung fehlt. Dem v&ouml;lligen Fehlen der Entscheidungsgr&uuml;nde steht es gleich, wenn diese zwar vorhanden, aber derart unverst&auml;ndlich und verworren sind, dass nicht mehr erkennbar ist, welche &Uuml;berlegungen f&uuml;r die (Sach-)Entscheidung ma&szlig;gebend waren. Hingegen stellt grunds&auml;tzlich eine blo&szlig; l&uuml;ckenhafte Begr&uuml;ndung keinen Mangel in diesem Sinne dar (vgl. z.B. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 119 Rz 23, m.w.N. aus der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung). Allerdings kann &sect; 105 Abs. 2 Nr. 5 FGO aber auch dann verletzt sein, wenn die Entscheidungsgr&uuml;nde nur zum Teil fehlen. Dies setzt indes grobe Begr&uuml;ndungsm&auml;ngel in einem Ausma&szlig; voraus, dass die vom FG fixierten Entscheidungsgr&uuml;nde zum Nachweis der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Urteilsspruchs schlechterdings ungeeignet erscheinen und den Beteiligten keine (hinl&auml;ngliche) Kenntnis dar&uuml;ber vermitteln, auf welchen Feststellungen, Erkenntnissen und rechtlichen Erw&auml;gungen das Urteil beruht (vgl. dazu z.B. die Nachweise aus der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung bei Gr&auml;ber\/ Ruban, a.a.O., &sect; 119 Rz 24). Davon kann nicht gesprochen werden, wenn lediglich das Fehlen von Begr&uuml;ndungserw&auml;gungen zu einzelnen Tatbestandsmerkmalen &#8211;hier zum Schuldvorwurf der Leichtfertigkeit der Steuerverk&uuml;rzung&#8211; einer Rechtsnorm geltend gemacht wird (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 9. Februar 1977 I R 136\/76, BFHE 121, 298, BStBl II 1977, 351; vom 13. November 1997 IV R 12\/97, BFH\/NV 1998, 606; vom 1. April 2003 X B 105\/02, BFH\/NV 2003, 1193).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.6.2008, X B 143\/07 Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht bei Wahrunterstellung &#8211; Sch&auml;tzungsbefugnis des Finanzgerichts &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Fehlen der Entscheidungsgr&uuml;nde Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; Die Beschwerde, mit der die Zulassung der Revision insoweit begehrt wird, als das Finanzgericht (FG) die Klage abgewiesen hat, hat keinen Erfolg. 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