{"id":16025,"date":"2012-12-10T05:50:17","date_gmt":"2012-12-10T03:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16024"},"modified":"2012-12-10T05:50:17","modified_gmt":"2012-12-10T03:50:17","slug":"ii-b-21-08-unterschiede-zwischen-der-verkehrswertermittlung-im-rahmen-der-zwangsvollstreckung-und-der-ermittlung-eines-typisierenden-grundbesitzwertes-fuer-steuerliche-zwecke-verteilung-der-beweislast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-21-08-unterschiede-zwischen-der-verkehrswertermittlung-im-rahmen-der-zwangsvollstreckung-und-der-ermittlung-eines-typisierenden-grundbesitzwertes-fuer-steuerliche-zwecke-verteilung-der-beweislast\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;21\/08 &#8211; Unterschiede zwischen der Verkehrswertermittlung im Rahmen der Zwangsvollstreckung und der Ermittlung eines typisierenden Grundbesitzwertes f&uuml;r steuerliche Zwecke &#8211; Verteilung der Beweislast"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.7.2008, II B 21\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Unterschiede zwischen der Verkehrswertermittlung im Rahmen der Zwangsvollstreckung und der Ermittlung eines typisierenden Grundbesitzwertes f&uuml;r steuerliche Zwecke &#8211; Verteilung der Beweislast<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Mutter des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) &uuml;bertrug diesem mit notariell beurkundetem Vertrag vom 19. Dezember 2003 schenkweise ein mit einem Einfamilienhaus bebautes Grundst&uuml;ck in X und behielt sich dabei den Nie&szlig;brauch vor. Der Kl&auml;ger &uuml;bernahm die dinglichen Lasten, die aus Geh-, Fahr- und Leitungsrechten sowie aus nicht valutierten Grundpfandrechten bestanden. Die Parteien erkl&auml;rten zugleich die Auflassung und bewilligten bzw. beantragten die Umschreibung. Das Einfamilienhaus war vermietet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Bescheid vom 23. Mai 2005 stellte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Grundbesitzwert als Mindestwert gem&auml;&szlig; &sect; 146 Abs. 6 i.V.m. &sect; 145 Abs. 3 des Bewertungsgesetzes in der bei Vertragsschluss geltenden Fassung (BewG) auf 573 500 EUR fest. Der Bescheid wurde bestandskr&auml;ftig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im M&auml;rz 2006 beantragte der Kl&auml;ger, den Feststellungsbescheid u.a. gem&auml;&szlig; &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO) zu &auml;ndern und einen niedrigeren Grundbesitzwert festzustellen. Das FA habe erst nachtr&auml;glich von dem Wegerecht, dem Garagen&uuml;berbau auf das Nachbargrundst&uuml;ck und den Entw&auml;sserungsproblemen erfahren. Das FA lehnte den Antrag mit Verf&uuml;gung vom 27. April 2006 ab. Einspruch und Klage, mit denen der Kl&auml;ger beantragt hatte, das Nie&szlig;brauchsrecht der Mutter sowie die sonstigen dinglichen Belastungen des Grundst&uuml;cks zu ber&uuml;cksichtigen, blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) verneinte die Voraussetzungen der einzigen in Betracht kommenden &Auml;nderungsnorm des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO. Sowohl bei der Bewertung nach &sect; 146 Abs. 2 bis 5 BewG als auch bei der Feststellung des Mindestwerts nach Abs. 6 der Vorschrift spielten die vom Kl&auml;ger vorgetragenen Belastungen und Rechtsm&auml;ngel keine Rolle. Der Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts nach Abs. 7 der Vorschrift w&auml;re Sache des Kl&auml;gers gewesen. Das FA h&auml;tte von sich aus keinen derartigen niedrigeren Wert zu ermitteln brauchen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht der Kl&auml;ger grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache sowie Verfahrensm&auml;ngel geltend. Er sieht in dem Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 18. Mai 2006 V ZB 142\/05 (Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungsreport Zivilrecht &#8211;NJW-RR&#8211; 2006, 1389), wonach das Vollstreckungsgericht bei der Verkehrswertermittlung einem ernstzunehmenden Altlastenverdacht nachgehen muss, einen Umstand, von dem das FA erst nach Ergehen des Feststellungsbescheides erfahren habe. Daran kn&uuml;pft er die Rechtsfrage an, ob und unter welchen Voraussetzungen die Beh&ouml;rde Zweifel an der Bewertung eines Grundst&uuml;cks au&szlig;er Acht lassen d&uuml;rfe, weil das Gesetz nicht vorschreibe, den Zweifeln nachzugehen. Weiter sei zu kl&auml;ren, ob die Beh&ouml;rde auch dann noch unt&auml;tig bleiben d&uuml;rfe, wenn mittlerweile das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) eine &Auml;nderung des Gesetzes vorgeschrieben habe, es aber zu der &Auml;nderung noch nicht gekommen sei. Zu diesen Fragen verweist der Kl&auml;ger erg&auml;nzend auf das zu &sect; 122 Abs. 2 AO ergangene Urteil des Bundesfinanzhofs vom 7. November 1985 V R 3\/83 (BFH\/NV 1987, 274), wonach die Beseitigung von Zweifeln Sache der Beh&ouml;rde sei. Da die genannte Entscheidung des BGH in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht zur Sprache gekommen sei, sei zudem das Recht auf Geh&ouml;r verletzt. Au&szlig;erdem ber&uuml;hre dies die Einheitlichkeit der Rechtsprechung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Ein Grund, die Revision nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 oder Nr. 2 Alt. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zuzulassen, liegt nicht vor. Die Rechtsfrage, der der Kl&auml;ger grunds&auml;tzliche Bedeutung beimisst, stellt sich im Streitfall nicht. Der Beschluss des BGH in NJW-RR 2006, 1389, an den sich die vom Kl&auml;ger aufgeworfene Rechtsfrage anschlie&szlig;t, ist f&uuml;r den Streitfall ohne rechtliche Bedeutung. Der Beschluss umschreibt die Pflichten eines Vollstreckungsgerichts, das nach &sect; 74a Abs. 5 des Gesetzes &uuml;ber die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung (ZVG) den Verkehrswert von Grundst&uuml;cken von Amts wegen zu ermitteln hat (vgl. B&ouml;ttcher, ZVG, Kommentar, 4. Aufl. 2005, &sect; 74a Rz 27). Im Streitfall hatten aber weder das FA noch das FG von Amts wegen den Verkehrswert bzw. in der Terminologie des &sect; 9 BewG den gemeinen Wert zu ermitteln. Ihre Aufgabe bestand gem&auml;&szlig; &sect; 138 Abs. 3 Satz 1 BewG vielmehr darin, abweichend von &sect; 9 BewG einen Grundbesitzwert im typisierenden Verfahren nach &sect; 146 Abs. 1 bis 6 BewG festzustellen bzw. dessen Feststellung auf seine Rechtm&auml;&szlig;igkeit hin zu &uuml;berpr&uuml;fen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen den solcherma&szlig;en zustande gekommenen Grundbesitzwert kann der Steuerpflichtige zwar nach &sect; 146 Abs. 7 BewG vorbringen, der gemeine Wert\/Verkehrswert sei niedriger; er muss dann aber den behaupteten Wert kraft ausdr&uuml;cklicher gesetzlicher Anordnung nachweisen. Da das BVerfG in seinem Beschluss vom 7. November 2006 1 BvL 10\/02 (BStBl II 2007, 192, 215) trotz der Unvereinbarkeit weiter Teile des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes mit Art. 3 des Grundgesetzes (GG) die Weiteranwendung des Gesetzes bis zu einer Neuregelung, die sp&auml;testens bis zum 31. Dezember 2008 zu treffen ist, angeordnet hat, ist auch die weitere vom Kl&auml;ger aufgeworfene Frage nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, welche Bedeutung dem Beschluss des BVerfG f&uuml;r den Streitfall zukommt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Auch der Zulassungsgrund des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO liegt nicht vor. Da die Aufgabenstellung der Vollstreckungsgerichte mit derjenigen der Finanzbeh&ouml;rden und -gerichte nicht vergleichbar ist, m&uuml;ssen Gerichtsentscheidungen zu der jeweiligen Aufgabenstellung notwendigerweise unterschiedlich ausfallen und k&ouml;nnen diese Unterschiede die Einheitlichkeit der Rechtsprechung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO nicht ber&uuml;hren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Daran vermag auch die vom Kl&auml;ger angef&uuml;hrte Vorschrift des &sect; 122 Abs. 2 Nr. 2 Halbsatz 2 AO nichts zu &auml;ndern. Nach dieser Vorschrift liegt die Nachweislast, dass Steuerbescheide zugegangen sind, beim FA. Der Gesetzgeber ist aber nicht gehindert, die Nachweislast in anderen Sachzusammenh&auml;ngen anders zu verteilen und ggf. wie in &sect; 146 Abs. 7 BewG dem Steuerpflichtigen aufzuerlegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                4. Auch die gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO ger&uuml;gten Verfahrensm&auml;ngel liegen nicht vor. Da das FG der (zutreffenden) Rechtsansicht war, die Nachweislast f&uuml;r einen niedrigeren gemeinen Wert liege beim Kl&auml;ger, bedurfte es weder einer weiteren Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 Abs. 1 FGO) noch eines gerichtlichen Hinweises (&sect; 76 Abs. 2 FGO) auf den eine g&auml;nzlich andere Rechtslage betreffenden BGH-Beschluss. Da die Entscheidung des FG auch nicht auf dem o.a. Beschluss des BGH beruht, scheidet eine Verletzung des Rechts des Kl&auml;gers auf Geh&ouml;r im Zusammenhang mit diesem Beschluss ebenfalls aus.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.7.2008, II B 21\/08 Unterschiede zwischen der Verkehrswertermittlung im Rahmen der Zwangsvollstreckung und der Ermittlung eines typisierenden Grundbesitzwertes f&uuml;r steuerliche Zwecke &#8211; Verteilung der Beweislast Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Mutter des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) &uuml;bertrug diesem mit notariell beurkundetem Vertrag vom 19. 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