{"id":16196,"date":"2012-12-19T14:46:58","date_gmt":"2012-12-19T12:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16196"},"modified":"2012-12-19T14:46:58","modified_gmt":"2012-12-19T12:46:58","slug":"viii-b-4-08-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-erst-kurz-vor-der-muendlichen-verhandlung-erfolgten-hinweises-zum-sachantrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-4-08-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-erst-kurz-vor-der-muendlichen-verhandlung-erfolgten-hinweises-zum-sachantrag\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;4\/08 &#8211; Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch erst kurz vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung erfolgten Hinweises zum Sachantrag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.12.2008, VIII B 4\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch erst kurz vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung erfolgten Hinweises zum Sachantrag<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), hatte bei dem als selbstst&auml;ndiger Wirtschaftspr&uuml;fer und Steuerberater t&auml;tigen Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) eine Au&szlig;enpr&uuml;fung angeordnet. Einspruch und Klage hiergegen hatten keinen Erfolg. Nach rechtskr&auml;ftigem Abschluss des Klageverfahrens durch Zur&uuml;ckweisung einer Nichtzulassungsbeschwerde beantragte der Kl&auml;ger die Aufhebung der Pr&uuml;fungsanordnung wegen der nach seiner Auffassung zwischenzeitlich eingetretenen Festsetzungsverj&auml;hrung f&uuml;r die Steuern der Streitjahre.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen die Ablehnung der Aufhebung wandte sich der Kl&auml;ger erneut mit Einspruch und Klage. Wenige Tage vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 23. Oktober 2007 vor dem Finanzgericht (FG) wies das Gericht darauf hin, dass das Rechtsschutzbed&uuml;rfnis f&uuml;r den bis dahin angek&uuml;ndigten Antrag (auf Verpflichtung des Beklagten zur Aufhebung der Anordnung) entfallen sein d&uuml;rfte, da sich die Pr&uuml;fungsanordnung mit dem Abschluss der Pr&uuml;fung und dem Bericht vom 6. Mai 2004 erledigt habe, weshalb angeregt werde, den Antrag im Sinne einer Fortsetzungsfeststellungsklage umzustellen, da die Klage andernfalls als unzul&auml;ssig abgewiesen werden m&uuml;sse.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In der m&uuml;ndlichen Verhandlung r&uuml;gte der Kl&auml;ger, dass f&uuml;r eine R&uuml;ck&auml;u&szlig;erung lediglich drei Arbeitstage bis zum Verhandlungstermin verblieben seien und stellte einen Antrag auf Einr&auml;umung einer Erkl&auml;rungsfrist. In der Sache hielt er an seinem Verpflichtungsantrag fest.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG stellte fest, dass der Regelungsgehalt der Ablehnung des FA auf Aufhebung der Pr&uuml;fungsanordnung sich mit dem Abschluss der Au&szlig;enpr&uuml;fung beziehungsweise mit dem Hinweis des FA, dass nach dessen Auffassung die Pr&uuml;fung beendet sei, ersch&ouml;pft habe. Im Hinblick auf den nicht umgestellten Antrag des Kl&auml;gers wies es die Klage wegen Unzul&auml;ssigkeit ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im &Uuml;brigen sieht der Senat von der Wiedergabe des Tatbestandes ab (&sect; 116 Abs. 5 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist nicht begr&uuml;ndet. Die vom Kl&auml;ger geltend gemachten Gr&uuml;nde i.S. von &sect; 115 Abs. 2 FGO f&uuml;r eine Zulassung der Revision liegen nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. von &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO. Ausgehend von der den Bundesfinanzhof (BFH) gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 2 FGO grunds&auml;tzlich bindenden erstinstanzlichen Tatbestandsw&uuml;rdigung einer abgeschlossenen Pr&uuml;fung kam es auf die Ausf&uuml;hrungen des Kl&auml;gers zum Pr&uuml;fungsbeginn, zum Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung und zur Rechtswidrigkeit der Pr&uuml;fungsanordnung nicht an. Von grunds&auml;tzlicher Bedeutung k&ouml;nnte nur eine Rechtsfrage sein, an deren Beantwortung ein allgemeines Interesse besteht, weil ihre Kl&auml;rung das Interesse der Allgemeinheit an der Entwicklung und Handhabung der Rechts betrifft (st&auml;ndige Rechtsprechung, s. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 23 ff., m.w.N.; BFH-Beschluss vom 27. April 2007 VIII B 250\/05, BFH\/NV 2007, 1675). Es muss sich um eine aus rechtssystematischen Gr&uuml;nden bedeutsame und auch f&uuml;r die einheitliche Rechtsanwendung wichtige Frage handeln, die zudem im Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig und kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist. An einer derart qualifizierten Rechtsfrage fehlt es im Streitfall.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. &Uuml;ber die nach Auffassung des Kl&auml;gers im konkreten Einzelfall nicht eingetretene Ablaufhemmung nach &sect; 171 Abs. 4 der Abgabenordnung (AO) und den Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung k&ouml;nnte im Hinblick auf das angefochtene Prozessurteil in einem Revisionsverfahren auch nicht wegen der geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde einer Fortbildung des Rechts oder der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2, Alternativen 1 und 2 FGO) befunden werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Soweit der Kl&auml;ger Einwendungen gegen die materielle Richtigkeit des angefochtenen Urteils erhebt, wird damit kein Zulassungsgrund dargetan. Dies gilt auch f&uuml;r die revisionsrechtlich dem materiellen Recht zuzuordnende Sachverhaltsw&uuml;rdigung (vgl. BFH-Beschluss vom 3. Februar 2000 I B 40\/99, BFH\/NV 2000, 874). Das prozessuale Rechtsinstitut der Nichtzulassungsbeschwerde dient nicht dazu, allgemein die Richtigkeit finanzgerichtlicher Urteile zu gew&auml;hrleisten (BFH-Beschluss vom 27. M&auml;rz 2007 VIII B 152\/05, BFH\/NV 2007, 1335, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Der vom Kl&auml;ger geltend gemachte Verfahrensfehler eines versp&auml;teten gerichtlichen Hinweises und der daraus folgenden Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs liegt ersichtlich nicht vor. Der rechtskundige Kl&auml;ger musste zur Vorbereitung der m&uuml;ndlichen Verhandlung grunds&auml;tzlich alle vertretbaren rechtlichen Gesichtspunkte von sich aus in Betracht ziehen und seinen Vortrag darauf einrichten (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 29. Dezember 2006 IX B 139\/05, BFH\/NV 2007, 1084; vom 18. Dezember 2007 XI B 178\/06, BFH\/NV 2008, 562; vom 27. August 2008 IX B 207\/07, BFH\/NV 2008, 2022, jeweils m.w.N.). Dass das FA mit der &Uuml;bersendung des Pr&uuml;fungsberichts von einem Abschluss der Au&szlig;enpr&uuml;fung ausging, lag auf der Hand, so dass der Kl&auml;ger auch ohne gerichtlichen Hinweis Anlass gehabt h&auml;tte, von sich aus seinen Sachantrag zu pr&uuml;fen und den Antrag umzustellen &#8211;und sei es als Hilfsantrag&#8211; oder doch zumindest auf das Erfordernis einer Antragsumstellung vorbereitet zu sein.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die vom Kl&auml;ger in diesem Zusammenhang angef&uuml;hrten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des BFH sind zu jeweils anders gelagerten und mit dem Streitfall nicht vergleichbaren Sachverhalten ergangen (BVerfG-Entscheidung vom 24. Januar 1961&nbsp;&nbsp;2 BvR 402\/60, BVerfGE 12, 110 zum Abwarten einer vom Gericht selbst gesetzten Frist; BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 12. Juni 1968&nbsp;&nbsp;2 BvR 31\/68, BVerfGE 24, 23 zur angemessenen &Auml;u&szlig;erungsfrist des Prozessgegners zur Beschwerdebegr&uuml;ndung; vom 27. September 1978&nbsp;&nbsp;1 BvR 570\/77, BVerfGE 49, 212 zur objektiv nicht ausreichenden Frist zur Erteilung erbetener Ausk&uuml;nfte). Das BFH-Urteil vom 21. Februar 1980 V R 71-73\/79 (BFHE 130, 157, BStBl II 1980, 457) befasste sich mit einer Ausschlussfrist f&uuml;r das Einreichen der Prozessvollmacht, deren Dauer im Hinblick auf glaubw&uuml;rdig geltend gemachte vor&uuml;bergehende Hinderungsgr&uuml;nde (Auslandsaufenthalt des Vollmachtgebers) f&uuml;r die Beibringung der Vollmacht zu kurz bemessen war. Im Urteil vom 26. Oktober 1970 III R 122\/66 (BFHE 101, 49, 55, BStBl II 1971, 201, 204) hatte der BFH (u.a.) &uuml;ber eine ausreichende Frist zur Aktenvorlage zu befinden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.12.2008, VIII B 4\/08 Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch erst kurz vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung erfolgten Hinweises zum Sachantrag Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), hatte bei dem als selbstst&auml;ndiger Wirtschaftspr&uuml;fer und Steuerberater t&auml;tigen Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) eine Au&szlig;enpr&uuml;fung angeordnet. 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