{"id":16280,"date":"2012-12-18T16:23:20","date_gmt":"2012-12-18T14:23:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16280"},"modified":"2012-12-18T16:23:20","modified_gmt":"2012-12-18T14:23:20","slug":"vii-b-93-08-zur-rechtswirksamen-zustellung-eines-branntweinsteuerbescheids-in-italien-darlegung-der-grundsaetzlichen-bedeutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-93-08-zur-rechtswirksamen-zustellung-eines-branntweinsteuerbescheids-in-italien-darlegung-der-grundsaetzlichen-bedeutung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;93\/08 &#8211; Zur rechtswirksamen Zustellung eines Branntweinsteuerbescheids in Italien &#8211; Darlegung der grunds&auml;tzlichen Bedeutung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.10.2008, VII B 93\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur rechtswirksamen Zustellung eines Branntweinsteuerbescheids in Italien &#8211; Darlegung der grunds&auml;tzlichen Bedeutung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) stellte Wodka her, den sie im Steueraussetzungsverfahren mit dem Ziel der Ausfuhr aus der Gemeinschaft im Juni und Juli 1997 nach Litauen bef&ouml;rdern lie&szlig;. Die ordnungsgem&auml;&szlig;e Erledigung der Steuerversandverfahren wurde durch gef&auml;lschte Zollstempel nur vorget&auml;uscht. Tats&auml;chlich wurde bei vier Sendungen der Wodka in Deutschland abgeladen und an Abnehmer weiterver&auml;u&szlig;ert. Mit Steuerbescheid vom &#8230; nahm der Beklagte und Beschwerdegegner (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) die Kl&auml;gerin zun&auml;chst auf Zahlung der Branntweinsteuer f&uuml;r insgesamt 15 Sendungen Wodka in Anspruch. Der Bescheid wurde durch das deutsche Generalkonsulat in Mailand im September 2004 bekanntgegeben. Mit Steuer&auml;nderungsbescheid vom &#8230; reduzierte das HZA die Forderung auf die Branntweinsteuer, die f&uuml;r den Wodka der vier in Deutschland verbliebenen Lieferungen entstanden war. In einem weiteren Schreiben wurde der Betrag aufgrund erfolgter Zahlungen anderer Schuldner nochmals reduziert. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) urteilte, dass der Steuerbescheid &uuml;ber die nach &sect; 143 Abs. 1 und 4 des Branntweinmonopolgesetzes (BranntwMonG) entstandene Steuer der Kl&auml;gerin wirksam zugestellt worden sei. Abgesehen davon, dass etwaige Zustellungsm&auml;ngel nach &sect; 9 Abs. 1 des Verwaltungszustellungsgesetzes (VwZG) jedenfalls durch den tats&auml;chlichen Erhalt des Bescheids geheilt worden seien, lasse die Bekanntgabe des Bescheids keine Rechtsfehler erkennen. Die Zustellung sei gem&auml;&szlig; &sect; 14 Abs. 1 VwZG in der bis zum 31. Januar 2006 geltenden Fassung durch die konsularische Vertretung des Bundes erfolgt. Dem stehe Art. 5 der Richtlinie 76\/308\/EWG (BeitreibungsRL) des Rates vom 15. M&auml;rz 1976 &uuml;ber die gegenseitige Unterst&uuml;tzung bei der Beitreibung von Forderungen im Zusammenhang mit Ma&szlig;nahmen, die Bestandteil des Finanzierungssystems des Europ&auml;ischen Ausrichtungs- und Garantiefonds f&uuml;r die Landwirtschaft sind, sowie von Absch&ouml;pfungen und Z&ouml;llen (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften &#8211;ABlEG&#8211; Nr. L 73\/18), auf den sich die Kl&auml;gerin nicht unmittelbar berufen k&ouml;nne, nicht entgegen. Zustellungen au&szlig;erhalb dieser Vorschrift blieben weiterhin m&ouml;glich. Dass die Kl&auml;gerin in Italien eine Sicherheit geleistet habe, spiele im Streitfall keine Rolle. Diese k&ouml;nne allenfalls im Falle einer Beitreibung durch die italienischen Beh&ouml;rden in Anspruch genommen werden. Zudem &uuml;bersehe die Kl&auml;gerin, dass die BeitreibungsRL die Vollstreckung aus dem angefochtenen Bescheid in Deutschland unber&uuml;hrt lasse.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde, die sie auf s&auml;mtliche in &sect; 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genannten Zulassungsgr&uuml;nde st&uuml;tzt, begehrt die Kl&auml;gerin die Zulassung der Revision. Sie ist der Auffassung, dass &sect; 14 Abs. 1 VwZG a.F. durch Art. 5 BeitreibungsRL ersetzt worden sei. Soweit dem Gesetz zur Durchf&uuml;hrung der EG-Beitreibungsrichtlinie (EG-Beitreibungsgesetz) sowie den hierzu ergangenen Verwaltungsanweisungen etwas anderes entnommen werden k&ouml;nne, sei die Umsetzung des Gemeinschaftsrechts fehlerhaft. Vorsorglich werde beantragt, dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH) die Fragen vorzulegen, ob die BeitreibungsRL eine Zustellung nach nationalen Vorschriften verbiete, ob sich der Steuerschuldner zur Abwendung der Vollstreckung auf eine in seinem Mitgliedstaat geleistete Sicherheit berufen k&ouml;nne und ob der Steuerpflichtige auf die BeitreibungsRL insoweit verweisen k&ouml;nne, als Kompetenzkonflikte der Mitgliedstaaten zu seinen Lasten gingen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Art. 15 und Art. 13 der Richtlinie 92\/12\/EWG (SystemRL) des Rates vom 25. Februar 1992 &uuml;ber das allgemeine System, den Besitz, die Bef&ouml;rderung und die Kontrolle verbrauchsteuerpflichtiger Waren (ABlEG Nr. L 76\/1) w&uuml;rden v&ouml;llig leer laufen, wenn jeder Mitgliedstaat nach nationalem Recht vollstrecken k&ouml;nnte. Vorsorglich werde deshalb beantragt, vom EuGH die Fragen kl&auml;ren zu lassen, ob sich der Steuerpflichtige gegen&uuml;ber einem anderen Mitgliedstaat auf eine in seinem Mitgliedstaat nach Art. 15 SystemRL geleistete Sicherheit berufen k&ouml;nne, ob die Sicherheit im Falle der Vollstreckung in einem anderen Mitgliedstaat zu ber&uuml;cksichtigen sei und ob die beteiligten Mitgliedstaaten ein gegenseitiges Einvernehmen zu erzielen h&auml;tten, wenn sie eine Verbrauchsteuer aufgrund desselben Sachverhalts geltend machen w&uuml;rden. In der fehlerhaften Auffassung des FG liege zugleich ein Verfahrensmangel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig, weil die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde nicht schl&uuml;ssig dargelegt sind, wie es &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO erfordert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Im Stil einer Revisionsbegr&uuml;ndung wendet sich die Kl&auml;gerin gegen die ihrer Ansicht nach rechtsfehlerhafte Auffassung des FG, dass der streitgegenst&auml;ndliche Steuerbescheid wirksam zugestellt worden sei, bzw. dass etwaige Zustellungsm&auml;ngel durch den tats&auml;chlichen Empfang des Schriftst&uuml;cks geheilt worden seien. Die vermeintlich unzutreffende Rechtsanwendung belegt die Kl&auml;gerin durch auszugsweise Wiedergabe des Inhalts der BeitreibungsRL, gegen deren Geist das FG versto&szlig;en haben soll. Mit diesem Vorbringen wird allenfalls ein Individualinteresse der Kl&auml;gerin an einer &Uuml;berpr&uuml;fung des erstinstanzlichen Urteils, jedoch nicht ein Interesse der Allgemeinheit an der Kl&auml;rung einer grunds&auml;tzlich bedeutsamen Rechtsfrage dargelegt. Mit dem blo&szlig;en Hinweis auf den Beitritt weiterer Mitgliedstaaten und auf das Erfordernis der Kalkulierbarkeit der Risiken eines Steuerversandverfahrens in andere Mitgliedstaaten wird das allgemeine Interesse nicht substantiiert belegt. Auch die Anregung, im Rahmen eines Vorabentscheidungsersuchens mehrere Fragen dem EuGH vorzulegen, reicht nicht aus, zumal die Beschwerde eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung und Literatur zum einschl&auml;gigen Gemeinschaftsrecht &#8211;insbesondere zur BeitreibungsRL und SystemRL&#8211; sowie zum VwZG vermissen l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem &uuml;bersieht die Beschwerde, dass das FG seine Entscheidung nicht ausschlie&szlig;lich auf eine wirksam erfolgte Zustellung nach &sect; 14 Abs. 1 VwZG a.F., sondern auch darauf gest&uuml;tzt hat, dass die Kl&auml;gerin den Steuerbescheid tats&auml;chlich erhalten hat und sich dagegen mit den daf&uuml;r vorgesehenen Rechtsbehelfen zur Wehr setzen konnte. Sofern diesen Ausf&uuml;hrungen ein allgemeiner Rechtsgedanke entnommen werden k&ouml;nnte, w&uuml;rde sich die von der Kl&auml;gerin aufgeworfene Rechtsfrage, ob die BeitreibungsRL eine Zustellung nach dem VwZG verbiete, nicht stellen. Dar&uuml;ber hinaus geht die Beschwerde nicht auf die Begr&uuml;ndungserw&auml;gung der BeitreibungsRL ein, dass die Richtlinie nicht dazu f&uuml;hren d&uuml;rfe, dass die gegenseitige Unterst&uuml;tzung, die sich einige Mitgliedstaaten aufgrund bilateraler oder multinationaler Abkommen oder Vereinbarungen gew&auml;hren, eingeschr&auml;nkt werde. Das in dieser Erkl&auml;rung zum Ausdruck kommende Verst&auml;ndnis des Anwendungsbereichs der BeitreibungsRL ist deshalb bedeutsam, weil es zwischen Italien und Deutschland entsprechende Vereinbarungen gibt. So besteht mit Italien z.B. ein nichtvertragliches Einverst&auml;ndnis, dass die Bekanntgabe eines Verwaltungsaktes durch einen einfachen Brief erfolgen kann (BStBl I 2000, 190, 199). Dies l&auml;sst die Beschwerde, die von einer ausschlie&szlig;lichen Anwendbarkeit von Art. 5 BeitreibungsRL ausgeht, uner&ouml;rtert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Sofern die Kl&auml;gerin weitere Fragen in Bezug auf die vermeintlich gebotene vorrangige Inanspruchnahme der von ihr in Italien geleisteten Sicherheit aufwirft, legt sie die Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit dieser Fragen in Bezug auf den Streitfall nicht dar, bei dem es allein um die Inanspruchnahme der Kl&auml;gerin als Steuerschuldnerin einer nach &sect; 143 Abs. 1 BranntwMonG entstandenen Branntweinsteuer und um die Zustellung des entsprechenden Steuerbescheids geht. Die Kl&auml;gerin &uuml;bersieht, dass das HZA Vollstreckungsma&szlig;nahmen noch gar nicht eingeleitet und hierzu ein Beitreibungsersuchen an die italienischen Beh&ouml;rden noch gar nicht gerichtet hat. Somit k&ouml;nnten sich Fragen &uuml;ber die Inanspruchnahme der in Italien geleisteten Sicherheit im Streitfall, bei dem es wie bereits ausgef&uuml;hrt nur um die Wirksamkeit der Zustellung eines Steuerbescheids geht, nicht stellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Den behaupteten Verfahrensmangel vermag die Beschwerde ebenfalls nicht ausreichend zu bezeichnen. Das Vorbringen ersch&ouml;pft sich darin, dass das FG die Zustellung zu Unrecht als wirksam angesehen und damit rechtsfehlerhaft geurteilt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.10.2008, VII B 93\/08 Zur rechtswirksamen Zustellung eines Branntweinsteuerbescheids in Italien &#8211; Darlegung der grunds&auml;tzlichen Bedeutung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) stellte Wodka her, den sie im Steueraussetzungsverfahren mit dem Ziel der Ausfuhr aus der Gemeinschaft im Juni und Juli 1997 nach Litauen bef&ouml;rdern lie&szlig;. 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