{"id":16383,"date":"2012-12-18T10:04:56","date_gmt":"2012-12-18T08:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16383"},"modified":"2012-12-18T10:04:56","modified_gmt":"2012-12-18T08:04:56","slug":"vii-b-250-07-widerruf-der-bestellung-als-steuerberater-wegen-vermoegensverfalls-anforderungen-an-erbringung-eines-sog-entlastungsbeweises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-250-07-widerruf-der-bestellung-als-steuerberater-wegen-vermoegensverfalls-anforderungen-an-erbringung-eines-sog-entlastungsbeweises\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;250\/07 &#8211; Widerruf der Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls: Anforderungen an Erbringung eines sog. Entlastungsbeweises"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.9.2008, VII B 250\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Widerruf der Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls: Anforderungen an Erbringung eines sog. Entlastungsbeweises<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) gegen den Widerruf seiner Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls (&sect; 46 Abs. 2 Nr. 4 des Steuerberatungsgesetzes) durch den Bescheid der Beklagten und Beschwerdegegnerin (Steuerberaterkammer) als unbegr&uuml;ndet abgewiesen. Das FG hat die Voraussetzungen f&uuml;r den Widerruf der Bestellung als Steuerberater als gegeben angesehen, da das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers er&ouml;ffnet worden sei und er die daraus folgende Vermutung des Verm&ouml;gensverfalls nicht widerlegt habe. Der Kl&auml;ger habe auch nicht den Nachweis erbracht, dass in seinem Fall ausnahmsweise eine Gef&auml;hrdung der Interessen der Auftraggeber durch den Verm&ouml;gensverfall ausgeschlossen sei. Insoweit sei zu Lasten des Kl&auml;gers insbesondere zu ber&uuml;cksichtigen, dass er laut Anklage der Staatsanwaltschaft und auch nach eigenem Eingest&auml;ndnis nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens in 89 Einzelf&auml;llen Honorare seiner Mandanten &uuml;ber einen Gesamtbetrag von mehr als 60 000 EUR &quot;an der Insolvenzmasse vorbei&quot; f&uuml;r eigene Zwecke vereinnahmt und verbraucht habe, dass er in der Vergangenheit seinen steuerlichen Erkl&auml;rungspflichten nicht nachgekommen sei, indem er Steueranmeldungen in der Regel nicht fristgerecht abgegeben habe, so dass Versp&auml;tungszuschl&auml;ge festgesetzt worden seien, und er f&auml;llige Lohn- und Umsatzsteuer nicht abgef&uuml;hrt habe, und dass er erhebliche Steuerschulden habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Hiergegen richtet sich die Nichtzulassungsbeschwerde des Kl&auml;gers, welche er auf den Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) st&uuml;tzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg, weil der geltend gemachte Zulassungsgrund jedenfalls nicht vorliegt, weshalb der Senat auf die M&auml;ngel bez&uuml;glich der nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO erforderlichen schl&uuml;ssigen Darlegung des Zulassungsgrundes nicht n&auml;her eingehen muss.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Anders als die Beschwerde meint, ist das FG bei der Pr&uuml;fung, ob dem Kl&auml;ger der sog. Entlastungsbeweis gelungen ist, von der Rechtsprechung weder des beschlie&szlig;enden Senats noch des Bundesgerichtshofs (BGH) abgewichen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Nachweis der Nichtgef&auml;hrdung der Auftraggeberinteressen bezieht sich nach der Rechtsprechung des beschlie&szlig;enden Senats auf die nach den Besonderheiten des Einzelfalls zu beurteilende konkrete Gef&auml;hrdungssituation f&uuml;r die Mandanten des in Verm&ouml;gensverfall geratenen Steuerberaters, da ansonsten &#8211;beim Abstellen auf jede denkbare potentielle Gef&auml;hrdung von Mandanten&#8211; der Entlastungsbeweis nicht gef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte. Erforderlich ist insoweit ein substantiierter und glaubhafter Vortrag, aufgrund dessen mit hinreichender Gewissheit die grunds&auml;tzlich beim Verm&ouml;gensverfall zu unterstellende Gefahr ausgeschlossen werden kann, dass der Steuerberater seine Berufspflichten unter dem Druck seiner desolaten Verm&ouml;genslage verletzen wird (Senatsurteil vom 4. Dezember 2007 VII R 64\/06, BStBl II 2008, 401, BFH\/NV 2008, 701, m.w.N.). Von dieser Rechtsprechung ist das FG im Streitfall erkennbar ausgegangen, wenn es an der von der Beschwerde beanstandeten Stelle der Urteilsgr&uuml;nde hei&szlig;t, es m&uuml;sse ganz allgemein ausgeschlossen werden k&ouml;nnen, dass der betroffene Steuerberater unter dem belastenden Druck seiner desolaten Verm&ouml;genslage seine Berufspflichten verletze. Anders als die Beschwerde meint, kann diesen Ausf&uuml;hrungen des FG nicht entnommen werden, dass das FG f&uuml;r den Entlastungsbeweis den Ausschluss jeder nur theoretisch denkbaren M&ouml;glichkeit der Gef&auml;hrdung von Auftraggeberinteressen gefordert hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Beantwortung der Frage, ob der Entlastungsbeweis gelungen ist, erfordert eine dem Tatrichter vorbehaltene zusammenfassende Beurteilung der komplexen Verh&auml;ltnisse des Einzelfalls, bei der eine Reihe gesetzlich nicht abschlie&szlig;end festgelegter Kriterien zu ber&uuml;cksichtigen ist, die je nach dem Einzelfall in unterschiedlicher Gewichtung f&uuml;r oder gegen die M&ouml;glichkeit einer Gef&auml;hrdung von Auftraggeberinteressen sprechen k&ouml;nnen; diese Tatsachenw&uuml;rdigung kann revisionsrechtlich nur daraufhin &uuml;berpr&uuml;ft werden, ob das FG von zutreffenden rechtlichen Ma&szlig;st&auml;ben ausgegangen, seine Entscheidung insoweit nachvollziehbar begr&uuml;ndet und nicht durch Denkfehler oder die Verletzung von Erfahrungss&auml;tzen beeinflusst ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. Senatsurteil in BStBl II 2008, 401, BFH\/NV 2008, 701, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dies entspricht der Rechtsprechung des BGH hinsichtlich des von einem in Verm&ouml;gensverfall geratenen Rechtsanwalt nach &sect; 14 Abs. 2 Nr. 7 der Bundesrechtsanwaltsordnung zu f&uuml;hrenden sog. Entlastungsbeweises. Auch der BGH beurteilt die Frage, ob der Entlastungsbeweis gef&uuml;hrt ist, aufgrund einer Gesamtw&uuml;rdigung aller Umst&auml;nde (vgl. BGH-Beschl&uuml;sse vom 18. Oktober 2004 AnwZ (B) 43\/03, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2005, 511; vom 25. Juni 2007 AnwZ (B) 101\/05, NJW 2007, 2924). Wenn daher der BGH in einem zu entscheidenden Einzelfall eines Rechtsanwalts im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung bestimmte einzelne Umst&auml;nde zu dessen Gunsten ber&uuml;cksichtigt hat, so stellt es keine Abweichung von dieser Entscheidung dar, wenn in einem anderen Fall diesen Umst&auml;nden bei der Gesamtw&uuml;rdigung ein geringeres Gewicht beigemessen wird und andere Umst&auml;nde in den Vordergrund r&uuml;cken.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Es ist daher entgegen der Ansicht der Beschwerde rechtlich nicht zu beanstanden, dass das FG im Streitfall nicht entscheidend auf den konkreten Zugriff des Kl&auml;gers auf Mandantengelder abgestellt hat, sondern auf dessen Unzuverl&auml;ssigkeit, die deutlich geworden ist durch die unrechtm&auml;&szlig;ige Vereinnahmung von zur Insolvenzmasse geh&ouml;renden Geldern sowie durch die Verletzung steuerlicher Pflichten des Kl&auml;gers in der Vergangenheit. Dies entspricht ebenfalls der st&auml;ndigen Rechtsprechung des beschlie&szlig;enden Senats, der wiederholt darauf hingewiesen hat, dass eine konkrete Gef&auml;hrdung von Auftraggeberinteressen nicht verneint werden kann, wenn festgestellt worden ist, dass der Steuerberater in sonstigen gesch&auml;ftlichen oder auch eigenen Angelegenheiten unzuverl&auml;ssig ist und sich an gesetzliche Vorgaben nicht h&auml;lt, denn in diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Steuerberater unter dem Druck seiner Verm&ouml;genslosigkeit auch Mandanteninteressen unter Missachtung vertraglicher Vereinbarungen verletzt, so gro&szlig;, dass von einer konkreten Gef&auml;hrdung von Auftraggeberinteressen auszugehen ist (Senatsurteil in BStBl II 2008, 401, BFH\/NV 2008, 701, m.w.N.). Diese zutage getretene Bereitschaft des Kl&auml;gers, sich an gesetzliche Vorgaben nicht zu halten, ist bereits f&uuml;r sich allein geeignet, den Entlastungsbeweis als nicht erbracht anzusehen, weshalb das FG die &uuml;brigen von der Beschwerde angef&uuml;hrten Gesichtspunkte als wahr unterstellen konnte, ohne &#8211;wie die Beschwerde meint&#8211; verpflichtet zu sein, Interessen der Auftraggeber des Kl&auml;gers als nicht gef&auml;hrdet anzusehen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Soweit die Beschwerde erg&auml;nzend vortr&auml;gt, dass inzwischen ein Insolvenzplan beschlossen und vom Insolvenzgericht best&auml;tigt worden sei, handelt es sich um im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde unzul&auml;ssiges neues Tatsachenvorbringen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.9.2008, VII B 250\/07 Widerruf der Bestellung als Steuerberater wegen Verm&ouml;gensverfalls: Anforderungen an Erbringung eines sog. 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