{"id":16388,"date":"2012-12-10T16:30:50","date_gmt":"2012-12-10T14:30:50","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16388"},"modified":"2012-12-10T16:30:50","modified_gmt":"2012-12-10T14:30:50","slug":"vi-b-59-08-ordnungsgeld-gegen-nicht-erschienenen-zeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-59-08-ordnungsgeld-gegen-nicht-erschienenen-zeugen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;59\/08 &#8211; Ordnungsgeld gegen nicht erschienenen Zeugen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.8.2008, VI B 59\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Ordnungsgeld gegen nicht erschienenen Zeugen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Beschwerdef&uuml;hrer wurde durch das Finanzgericht (FG) mit ihm am 8. M&auml;rz 2008 zugestellter Verf&uuml;gung vom 6. M&auml;rz 2008 zu dem auf den 9. April 2008 anberaumten Termin der m&uuml;ndlichen Verhandlung als Zeuge geladen. Mit einem dem FG am 7. April 2008 zugegangenen Schreiben vom 4. April 2008 teilte der Beschwerdef&uuml;hrer mit, wegen einer dringend gebotenen Auslandsreise den Zeugentermin nicht einhalten zu k&ouml;nnen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beschwerdef&uuml;hrer erschien zu dem Termin der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 9. April 2008 nicht. Daraufhin legte mit Beschluss vom 14. April 2008 das FG dem Beschwerdef&uuml;hrer die durch dessen Ausbleiben verursachten Kosten auf und setzte zugleich gegen ihn ein Ordnungsgeld in H&ouml;he von 250 EUR und ersatzweise zwei Tage Ordnungshaft fest. Nach &sect; 380 Abs. 1 Satz 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) i.V.m. &sect; 82 der Finanzgerichtsordnung (FGO) k&ouml;nne einem ordnungsgem&auml;&szlig; geladenen, aber nicht erschienenen Zeugen auch ohne Antrag die durch sein Ausbleiben verursachten Kosten auferlegt und gegen ihn auch ein Ordnungsgeld festgesetzt werden. Nachdem der Beschwerdef&uuml;hrer der Aufforderung zur schriftlichen Beantwortung der im Beweisbeschluss des Senats vom 24. Januar 2008 gestellten Beweisfrage nicht nachgekommen sei, sei er zur m&uuml;ndlichen Verhandlung als Zeuge geladen worden, aber nicht erschienen. Nach &sect; 381 Abs. 1 Satz 1 ZPO i.V.m. &sect; 82 FGO unterbleibe zwar die Auferlegung der Kosten und die Festsetzung des Ordnungsgeldes, wenn das Ausbleiben des Zeugen rechtzeitig gen&uuml;gend entschuldigt werde. Dies sei aber im Streitfall nicht geschehen. Die am 7. April 2008 bei Gericht eingegangene Mitteilung des Beschwerdef&uuml;hrers, dass er wegen einer dringend gebotenen Auslandsreise den Termin nicht einhalten k&ouml;nne, reiche als floskelhafte Begr&uuml;ndung f&uuml;r eine Entschuldigung nicht. Sie lasse nicht erkennen, dass das Ausbleiben auf Umst&auml;nden beruhe, die den Vorrang gegen&uuml;ber dem Interesse an der z&uuml;gigen Erf&uuml;llung der dem Gericht obliegenden Rechtspflegeaufgabe verdienen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende Beschwerde. Der Beschwerdef&uuml;hrer tr&auml;gt zur Begr&uuml;ndung vor, dass er schon seit Jahren an gravierenden R&uuml;ckenbeschwerden leide und schon diverse Orthop&auml;den erfolglos aufgesucht habe. Dem Beschwerdef&uuml;hrer sei dann als Kapazit&auml;t ein Orthop&auml;de in X\/&Ouml;sterreich empfohlen worden. Da dieser Orthop&auml;de &#8211;Dr. A&#8211; seine Praxis ab 12. April 2008 bis zur n&auml;chsten Wintersaison geschlossen h&auml;tte, h&auml;tte er sich beeilen m&uuml;ssen, um am 10. und 11. April 2008 noch eine Behandlung zu bekommen. Daher sei der Beschwerdef&uuml;hrer am 8. April 2008 nach Y geflogen. Dort habe ihn seine Tochter abgeholt und ihn weiter nach X gefahren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat der Beschwerde nicht abgeholfen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat zu Recht dem Beschwerdef&uuml;hrer die Kosten auferlegt und ein Ordnungsgeld festgesetzt. Denn der Beschwerdef&uuml;hrer hat sein Ausbleiben als Zeuge nicht rechtzeitig gen&uuml;gend entschuldigt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Gem&auml;&szlig; &sect; 380 Abs. 1 ZPO i.V.m. &sect; 82 FGO werden einem ordnungsgem&auml;&szlig; geladenen Zeugen, der nicht erscheint, die durch sein Ausbleiben verursachten Kosten auferlegt, ohne dass es eines Antrages bedarf. Zugleich wird gegen ihn ein Ordnungsgeld festgesetzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beschwerdef&uuml;hrer war ordnungsgem&auml;&szlig; geladen, die Ladung zum Termin der m&uuml;ndlichen Verhandlung war dem Beschwerdef&uuml;hrer wirksam zugestellt (&sect;&sect; 82 FGO, 377 Abs. 1 Satz 2 ZPO i.V.m. &sect; 53 Abs. 2 FGO, &sect; 166 ZPO) und entsprach auch im &Uuml;brigen den gesetzlichen Anforderungen der &sect;&sect; 82 FGO, 377 Abs. 2 ZPO.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Die Auferlegung der Kosten und die Festsetzung eines Ordnungsmittels unterbleiben nach &sect; 381 Abs. 1 Satz 1 ZPO i.V.m. &sect; 82 FGO, wenn das Ausbleiben des Zeugen rechtzeitig gen&uuml;gend entschuldigt wird. Erfolgt eine solche Entschuldigung nicht rechtzeitig, so unterbleiben nach &sect; 381 Abs. 1 Satz 2 ZPO i.V.m. &sect; 82 FGO die Auferlegung der Kosten und die Festsetzung eines Ordnungsmittels nur dann, wenn glaubhaft gemacht wird, dass den Zeugen an der Versp&auml;tung der Entschuldigung kein Verschulden trifft. Die gegen den Zeugen bereits getroffenen Anordnungen werden nach &sect; 381 Abs. 1 Satz 3 ZPO i.V.m. &sect; 82 FGO wieder aufgehoben, wenn die gen&uuml;gende Entschuldigung nachtr&auml;glich erfolgt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der Beschwerdef&uuml;hrer hat sein Ausbleiben vor dem Termin am 9. April 2008 nicht hinreichend entschuldigt. Zutreffend verweist insoweit das FG in seinem angefochtenen Beschluss darauf, dass die Mitteilung des Beschwerdef&uuml;hrers vom 4. April 2008, den f&uuml;r die Zeugenaussagen anberaumten Termin &quot;wegen einer dringend gebotenen Auslandsreise&quot; nicht einhalten zu k&ouml;nnen, eine floskelhafte Begr&uuml;ndung darstelle, die f&uuml;r eine Entschuldigung nicht ausreiche. Dieses Vorbringen einer dringend gebotenen Auslandsreise ist in der Sache unsubstantiiert, beschr&auml;nkt sich in seiner Grundaussage darauf, dass der Beschwerdef&uuml;hrer nach seiner eigenen subjektiven Einsch&auml;tzung diese Reise als dringlich beurteilt, und enth&auml;lt aber keinerlei Tatsachen (vgl. Z&ouml;ller\/Greger, ZPO, 26. Aufl., &sect; 381 Rz 2), die zur Beurteilung erforderlich sind, ob das Ausbleiben tats&auml;chlich hinreichend entschuldigt ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Soweit schlie&szlig;lich der Beschwerdef&uuml;hrer mit der Beschwerdebegr&uuml;ndung vom 7. Mai 2008 weitere Gr&uuml;nde vorbringt, hat er nicht i.S. des &sect; 381 Abs. 1 Satz 2 ZPO glaubhaft gemacht, dass ihn an der Versp&auml;tung der Entschuldigung kein Verschulden trifft. Denn angesichts der zeitlichen Abfolge der Ereignisse sind keine Gr&uuml;nde daf&uuml;r ersichtlich, dass der Beschwerdef&uuml;hrer die n&auml;heren Umst&auml;nde f&uuml;r den nach seiner Auffassung dringlichen Arzttermin in X nicht schon vor dem Termin der m&uuml;ndlichen Verhandlung dem Gericht h&auml;tte mitteilen k&ouml;nnen. Solche Gr&uuml;nde werden vom Beschwerdef&uuml;hrer auch nicht vorgebracht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Der Beschwerdef&uuml;hrer kann sich schlie&szlig;lich auch nicht darauf berufen, dass er aus Krankheitsgr&uuml;nden daran gehindert gewesen sei, den Termin wahrzunehmen. Denn der Beschwerdef&uuml;hrer war nach eigenen Angaben einen Tag vor dem Termin der m&uuml;ndlichen Verhandlung in der Lage, mit dem Flugzeug nach Y und von dort mit dem PKW weiter bis nach X in &Ouml;sterreich zu reisen. Angesichts dessen lagen offensichtlich keine Krankheitssymptome vor, die so gravierend gewesen w&auml;ren, dass das Erscheinen des Beschwerdef&uuml;hrers unzumutbar oder unm&ouml;glich gewesen w&auml;re. Im &Uuml;brigen entspricht es st&auml;ndiger Rechtsprechung und allgemeiner Auffassung, dass selbst eine krankheitsbedingte Arbeitsunf&auml;higkeit allein nicht geeignet ist, ein Fernbleiben des Zeugen zu entschuldigen, wenn diese Arbeitsunf&auml;higkeit keine Reise-, Verhandlungs- oder Aussageunf&auml;higkeit bedingt (vgl. Beschluss des Saarl&auml;ndischen Oberlandesgerichts &#8211;OLG&#8211; vom 22. Januar 2007&nbsp;&nbsp;5 W 8\/07 u.a., OLGR Saarbr&uuml;cken 2007, 464; Beschluss des OLG K&ouml;ln vom 27. August 1999 13 W 54\/99, OLGR K&ouml;ln 1999, 415; Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs vom 16. Dezember 2005 VIII B 204\/05, BFH\/NV 2006, 771; vom 14. Januar 1998 II B 34\/97, BFH\/NV 1998, 864; Baumbach\/Lauterbach\/Albers\/Hartmann, Zivilprozessordnung, 66. Aufl., &sect; 381 Rz 6; M&uuml;nchKommZPO\/Damrau, 3. Aufl., &sect; 381 Rz 6).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Das vom FG festgesetzte Ordnungsgeld in H&ouml;he von 250 EUR liegt im unteren Viertel des vorgegebenen Rahmens von 5 EUR bis 1 000 EUR und begegnet daher hinsichtlich der H&ouml;he keinerlei Bedenken.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.8.2008, VI B 59\/08 Ordnungsgeld gegen nicht erschienenen Zeugen Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Beschwerdef&uuml;hrer wurde durch das Finanzgericht (FG) mit ihm am 8. M&auml;rz 2008 zugestellter Verf&uuml;gung vom 6. M&auml;rz 2008 zu dem auf den 9. April 2008 anberaumten Termin der m&uuml;ndlichen Verhandlung als Zeuge geladen. 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