{"id":16509,"date":"2012-12-18T15:44:31","date_gmt":"2012-12-18T13:44:31","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16509"},"modified":"2012-12-18T15:44:31","modified_gmt":"2012-12-18T13:44:31","slug":"i-b-28-08-bindungswirkung-eines-geaenderten-grundlagenbescheides","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-28-08-bindungswirkung-eines-geaenderten-grundlagenbescheides\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;28\/08 &#8211; Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheides"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.9.2008, I B 28\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheides<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Streitpunkt ist der Umfang der Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheids.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war im Streitjahr (1995) an den Schifffahrtsgesellschaften MS X und MS Y beteiligt. Das jeweils zust&auml;ndige Feststellungsfinanzamt stellte f&uuml;r die Beteiligung an der MS X einheitlich und gesondert einen Gewinnanteil des Kl&auml;gers in H&ouml;he von 18 150 DM &#8211;davon 14 520,42 DM beg&uuml;nstigte ausl&auml;ndische Eink&uuml;nfte i.S. von &sect; 34c Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG 1991)&#8211; und f&uuml;r die Beteiligung an der MS Y einen Verlustanteil des Kl&auml;gers von 112 500 DM (davon 89 999,99 DM Eink&uuml;nfte i.S. des &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991) fest. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte zun&auml;chst bei der Festsetzung der Einkommensteuer des Streitjahres eine Steuersatzerm&auml;&szlig;igung nach &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991 auf Eink&uuml;nfte in H&ouml;he von 14 520,42 DM; eine Saldierung dieses Betrages mit den festgestellten negativen Eink&uuml;nften i.S. des &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991 aus der Beteiligung an der MS Y unterblieb.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach Bestandskraft dieser Einkommensteuerfestsetzung &auml;nderte das f&uuml;r die Beteiligung an der MS Y zust&auml;ndige Finanzamt den Bescheid &uuml;ber die einheitliche und gesonderte Feststellung des Gewinns aus dieser Beteiligung dahin, dass der Verlustanteil des Kl&auml;gers um 16 196 DM auf nunmehr 96 304 DM &#8211;davon 77 043,12 DM Eink&uuml;nfte i.S. des &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991&#8211; reduziert wurde. Das FA erlie&szlig; daraufhin einen ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr, in welchem die negativen Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb um 16 196 DM reduziert wurden; au&szlig;erdem saldierte das FA jetzt die nach &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991 beg&uuml;nstigten Gewinne aus der Beteiligung an der MS X (14 520 DM) mit den gleichartigen negativen Eink&uuml;nften aus der Beteiligung an der MS Y (77 043,12 DM). Wegen der sonach per Saldo negativen Eink&uuml;nfte nach &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991 nahm das FA eine Steuersatzerm&auml;&szlig;igung nach dieser Vorschrift nicht mehr vor. Die dagegen gerichtete Klage hat das Finanzgericht (FG) Berlin-Brandenburg mit Urteil vom 12. Dezember 2007&nbsp;&nbsp;8 K 9137\/06 B abgewiesen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt die Zulassung der Revision gegen das FG-Urteil und st&uuml;tzt sein Begehren auf die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Nichtzulassungsbeschwerde zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen. Der Rechtssache kommt keine grunds&auml;tzliche Bedeutung gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zu; die entscheidungserheblichen Streitfragen sind durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) hinreichend gekl&auml;rt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Gem&auml;&szlig; &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) ist ein Steuerbescheid zu erlassen, aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit ein Grundlagenbescheid, dem Bindungswirkung f&uuml;r diesen Steuerbescheid zukommt, aufgehoben oder ge&auml;ndert wird. Diese Bindungswirkung (vgl. &sect; 171 Abs. 10, &sect; 182 Abs. 1 AO) verpflichtet das f&uuml;r den Erlass eines Folgebescheids zust&auml;ndige Finanzamt, die Folgerungen aus dem Grundlagenbescheid zu ziehen. Sie beschr&auml;nkt sich mithin nicht auf die blo&szlig;e mechanische &Uuml;bernahme von Zahlen, sondern fordert, dass der Folgebescheid zutreffend und vollst&auml;ndig an den Regelungsinhalt angepasst wird. Diese Grunds&auml;tze gelten auch, wenn ein zun&auml;chst nicht oder fehlerhaft ausgewerteter Grundlagenbescheid sp&auml;ter ge&auml;ndert wird und das FA aus dem &Auml;nderungsbescheid die gebotenen Konsequenzen zieht (BFH-Urteile vom 14. April 1988 IV R 219\/85, BFHE 153, 285, BStBl II 1988, 711; vom 29. Juni 2005 X R 31\/04, BFH\/NV 2005, 1749, m.w.N.). Die Aufgabe, den Folgebescheid an den Grundlagenbescheid anzupassen, rechtfertigt allerdings keine Wiederaufrollung der gesamten Steuerveranlagung; sie reicht nur so weit, wie es die Bindungswirkung des Grundlagenbescheids verlangt (BFH-Urteil vom 25. Juni 1991 IX R 57\/88, BFHE 164, 502, BStBl II 1991, 821). Der Erlass, die &Auml;nderung oder die Aufhebung eines Grundlagenbescheids darf deshalb nicht zum Anlass genommen werden, f&uuml;r den Folgebescheid bedeutsame Besteuerungsgrundlagen zu &auml;ndern, wegzulassen oder erstmals aufzunehmen, die weder Gegenstand des Grundlagenbescheids sind noch durch seinen Regelungsinhalt beeinflusst werden (BFH-Beschluss vom 27. Mai 1998 IV B 151\/97, BFH\/NV 1998, 1452).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Streitfall l&auml;sst sich, wie das FG zutreffend angenommen hat, nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben beurteilen: Im ersten Folgebescheid hat das FA den urspr&uuml;nglichen Grundlagenbescheid betreffend die Verlustanteile des Kl&auml;gers an der MS Y fehlerhaft ausgewertet, indem es den festgestellten Verlustanteil zwar einkommensmindernd ber&uuml;cksichtigt, es jedoch vers&auml;umt hat, ihn auch bei der Ermittlung (Saldierung) der nach &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991 tarifbeg&uuml;nstigten Eink&uuml;nfte einzubeziehen. Diese Ber&uuml;cksichtigung des Verlustanteils bei der Ermittlung der tarifbeg&uuml;nstigten Einkommensteile durfte und musste das FG nach der &Auml;nderung des Grundlagenbescheids gem&auml;&szlig; &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO nachholen, um diesen ge&auml;nderten Bescheid nunmehr vollst&auml;ndig auszuwerten. Da der saldierte Betrag der nach &sect; 34c Abs. 4 EStG tarifbeg&uuml;nstigten Einkommensteile von dem im Grundlagenbescheid festgestellten Verlustanteil der Beteiligung an der MS Y beeinflusst wird, wird eine &Auml;nderung des Verlustanteils auch insoweit von der Bindungswirkung des Grundlagenbescheids umfasst; die &Auml;nderung des Folgebescheids &uuml;berschreitet demzufolge nicht die durch &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO gesetzten Grenzen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Entgegen der Sicht des Kl&auml;gers bedarf es im Streitfall nicht deshalb einer Neudefinition dieser Grenzen, weil die &Auml;nderung des nur die Einkunftsquelle MS Y betreffenden Grundlagenbescheids &uuml;ber die &Auml;nderung des Folgebescheids dazu gef&uuml;hrt hat, dass die urspr&uuml;nglich gew&auml;hrte Tarifbeg&uuml;nstigung f&uuml;r die unver&auml;ndert gebliebene Einkunftsquelle MS X in Wegfall geraten ist. Denn der ge&auml;nderte Folgebescheid des FA ber&uuml;cksichtigt weiterhin ungeschm&auml;lert den festgestellten Gewinnanteil des Kl&auml;gers aus der Beteiligung an der MS X und dessen Tarifbeg&uuml;nstigung nach &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991. Dieser tarifbeg&uuml;nstigte Gewinn wirkt sich nur deshalb im Ergebnis nicht mehr steuermindernd aus, weil er der H&ouml;he nach von dem jetzt auch ber&uuml;cksichtigten Verlust aus der Beteiligung an der MS Y &uuml;bertroffen wird, so dass nach Saldierung kein beg&uuml;nstigungsf&auml;higes positives Einkommen nach &sect; 34c Abs. 4 EStG 1991 mehr verbleibt. F&uuml;r die Bef&uuml;rchtung des Kl&auml;gers, nach den Ma&szlig;st&auml;ben des FG-Urteils f&uuml;hre jede &Auml;nderung eines Grundlagenbescheids in Bezug auf den Folgebescheid zu einer &quot;totalen Neuveranlagung&quot;, besteht demnach kein Anlass.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.9.2008, I B 28\/08 Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheides Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Streitpunkt ist der Umfang der Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheids. 2&nbsp; Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war im Streitjahr (1995) an den Schifffahrtsgesellschaften MS X und MS Y beteiligt. 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