{"id":16511,"date":"2012-12-18T16:23:26","date_gmt":"2012-12-18T14:23:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16511"},"modified":"2012-12-18T16:23:26","modified_gmt":"2012-12-18T14:23:26","slug":"i-r-42-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-glaubhaftmachung-des-fehlenden-verschuldens-an-der-fristversaeumung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-42-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-glaubhaftmachung-des-fehlenden-verschuldens-an-der-fristversaeumung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;42\/08 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.10.2008, I R 42\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Mit Urteil vom 11. M&auml;rz 2008&nbsp;&nbsp;5 K 139\/05 hat das S&auml;chsische Finanzgericht (FG) die von der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erhobene Klage abgewiesen; die Revision hat das FG zugelassen. Das FG-Urteil wurde der von der Kl&auml;gerin bevollm&auml;chtigten Wirtschaftspr&uuml;fungsgesellschaft mittels Postzustellungsurkunde am 22. M&auml;rz 2008 (Karsamstag) zugestellt. Mit am Donnerstag, den 24. April 2008, beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangenem Schriftsatz hat die Kl&auml;gerin Revision gegen das FG-Urteil eingelegt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nachdem die Kl&auml;gerin mit am 30. Mai 2008 zugegangenem richterlichen Hinweis auf die Vers&auml;umung der Revisionsfrist hingewiesen wurde, hat sie am 13. Juni 2008 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt. Zur Begr&uuml;ndung tr&auml;gt sie u.a. vor, das FG-Urteil sei von der Posteingangsstelle ihrer Prozessbevollm&auml;chtigen zur Fristerfassung an deren langj&auml;hrige, geschulte und vertrauensw&uuml;rdige Mitarbeiterin B, deren T&auml;tigkeit bislang keinerlei Anlass zu Beanstandungen gegeben habe, weitergeleitet worden; diese habe als Datum des Zugangs des Urteils den 25. M&auml;rz 2008 (Dienstag nach Ostern) im elektronischen Fristenkontrollprogramm eingetragen. Ein Zustellungsnachweis (gelber Umschlag) habe dem Urteil zu diesem Zeitpunkt nicht beigelegen, so dass B &quot;den normalen Posteingang&quot; zugrunde gelegt habe. Die fehlerhafte Erfassung der Revisionsfrist habe daher darauf beruht, dass der Zustellungsnachweis unverschuldet verlorengegangen sei und deshalb bei der Fristerfassung keine Ber&uuml;cksichtigung habe finden k&ouml;nnen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unzul&auml;ssig und deshalb gem&auml;&szlig; &sect; 126 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) durch Beschluss zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist erst nach Ablauf der in &sect; 120 Abs. 1 Satz 1 FGO bestimmten Monatsfrist beim BFH eingegangen. Die Frist beginnt gem&auml;&szlig; &sect; 120 Abs. 1 Satz 1 FGO mit Zustellung des angefochtenen Urteils an den Revisionskl&auml;ger. Die Zustellung des FG-Urteils an die Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin ist ausweislich der Postzustellungsurkunde am 22. M&auml;rz 2008 erfolgt; somit lief die Revisionsfrist am 22. April 2008 (einem Dienstag) ab. Die Revisionsschrift ist erst zwei Tage nach diesem Zeitpunkt beim BFH eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect; 56 FGO kann nicht bewilligt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wiedereinsetzung ist zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden an der Einhaltung der gesetzlichen Frist gehindert war (&sect; 56 Abs. 1 FGO). Hiernach schlie&szlig;t jedes Verschulden &#8211;also auch einfache Fahrl&auml;ssigkeit&#8211; die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus (Senatsurteil vom 29. April 2008 I R 67\/06, BFH\/NV 2008, 1621, BFHE 221, 201, m.w.N.). Der Beteiligte muss sich ein Verschulden seines Prozessbevollm&auml;chtigten zurechnen lassen (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 85 Abs. 2 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;). Die Tatsachen, die auf ein fehlendes Verschulden schlie&szlig;en lassen, sind vom Antragsteller glaubhaft zu machen (&sect; 56 Abs. 2 Satz 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat die Kl&auml;gerin ein fehlendes Verschulden ihrer Prozessbevollm&auml;chtigten an der Fristvers&auml;umung nicht glaubhaft gemacht; ihr Vorbringen l&auml;sst vielmehr die M&ouml;glichkeit offen, dass es sich bei dem die Fristvers&auml;umung verursachenden Fehlverhalten nicht nur um ein B&uuml;roversehen der Mitarbeiterin B gehandelt, sondern dass auch ein von der Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin mit der Sache befasster Berufstr&auml;ger (Rechtsanwalt oder Steuerberater) unsorgf&auml;ltig gehandelt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den von der Kl&auml;gerin vorgelegten &quot;Policy zur Fristenkontrolle&quot; (Gliederungspunkt 1. &quot;Bearbeitung der Fristsachen durch die Fachmitarbeiter&quot;) ihrer Prozessbevollm&auml;chtigten sind Fristsachen sp&auml;testens am Tag nach dem Posteingang dem f&uuml;r das Mandat zust&auml;ndigen Berufstr&auml;ger vorzulegen; dieser pr&uuml;ft unter anderem, ob f&uuml;r jede Frist ein Fristenkontrollblatt angelegt wurde und ob die Fristberechnung korrekt ist. Nach dem Vorbringen der Kl&auml;gerin soll eine &Uuml;berpr&uuml;fung im Streitfall stattgefunden haben &#8211;durch wen, bleibt offen&#8211;, bei der mangels vorhandenen Zustellungsnachweises die Fehlerhaftigkeit des eingetragenen Zeitpunkts f&uuml;r den Fristbeginn nicht habe bemerkt werden k&ouml;nnen. Diese nicht weiter erl&auml;uterte Behauptung widerspricht indes den Eintragungen in dem als Anlage eingereichten Fristenkontrollblatt. Dieses enth&auml;lt unter der Rubrik &quot;Fristsache korrekt erfasst?&quot; die (undatierte) handschriftliche Bemerkung &quot;Zustellung nicht erkennbar!!!&quot;, die mit einem K&uuml;rzel abgezeichnet ist, welches sich an anderen Stellen im Fristenkontrollblatt &uuml;ber der Bemerkung &quot;K&uuml;rzel Berufstr&auml;ger&quot; befindet. Des Weiteren wurde in der Rubrik &quot;Fristsache korrekt erfasst?&quot; weder das K&auml;stchen f&uuml;r &quot;ja&quot; noch jenes f&uuml;r &quot;nein&quot; angekreuzt. Das legt die Annahme nahe, dass der mit der &Uuml;berpr&uuml;fung der Fristerfassung betraute Berufstr&auml;ger das Fehlen des Zustellungsnachweises zwar bemerkt, gleichwohl aber keine Ma&szlig;nahmen ergriffen hat, den Zustellungszeitpunkt anderweit (z.B. durch Nachfrage beim FG) in Erfahrung zu bringen; ein solches Verhalten w&auml;re jedenfalls als schuldhafte Verletzung der Sorgfaltspflicht anzusehen. Da ein solches Fehlverhalten nach dem Vorbringen der Kl&auml;gerin nicht ausgeschlossen werden kann, reicht dieses zur Darlegung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung nicht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.10.2008, I R 42\/08 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Mit Urteil vom 11. M&auml;rz 2008&nbsp;&nbsp;5 K 139\/05 hat das S&auml;chsische Finanzgericht (FG) die von der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erhobene Klage abgewiesen; die Revision hat das FG zugelassen. Das FG-Urteil wurde &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-42-08-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-glaubhaftmachung-des-fehlenden-verschuldens-an-der-fristversaeumung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;42\/08 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-16511","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16511","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16511"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16511\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16511"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16511"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16511"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}