{"id":16566,"date":"2012-12-10T05:56:51","date_gmt":"2012-12-10T03:56:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16566"},"modified":"2012-12-10T05:56:51","modified_gmt":"2012-12-10T03:56:51","slug":"xi-b-201-06-hinweispflicht-und-ermittlungspflicht-des-fg-bei-erstmaligen-zweifeln-an-der-rechnungsanschrift-des-leistenden-unternehmers-vermeidung-einer-ueberraschungsentscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-201-06-hinweispflicht-und-ermittlungspflicht-des-fg-bei-erstmaligen-zweifeln-an-der-rechnungsanschrift-des-leistenden-unternehmers-vermeidung-einer-ueberraschungsentscheidung\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;201\/06 &#8211; Hinweispflicht und Ermittlungspflicht des FG bei erstmaligen Zweifeln an der Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmers &#8211; Vermeidung einer &Uuml;berraschungsentscheidung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschlu&szlig; vom 12.2.2008, XI B 201\/06<\/p>\n<p class=\"titel\">Hinweispflicht und Ermittlungspflicht des FG bei erstmaligen Zweifeln an der Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmers &#8211; Vermeidung einer &Uuml;berraschungsentscheidung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine Holding AG. Alleiniger Aktion&auml;r und Vorstand war A, der seinerzeit zugleich alleiniger Gesellschafter und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der B-GmbH (GmbH) war.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin erwarb auf Grund mehrerer Kaufvertr&auml;ge vom 28. April und 31. Mai 1997, in denen die Anschrift der GmbH und der Kl&auml;gerin mit &quot;C-Str. &#8230;, &#8230; D-Stadt&quot; angegeben wurde, von der GmbH mehrere Gegenst&auml;nde (z.B. zwei Fahrzeuge, Hunde und Einrichtungsgegenst&auml;nde), die sie (teilweise) an die GmbH zur&uuml;ck vermietete, wof&uuml;r sie der GmbH Umsatzsteuer in Rechnung stellte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin reichte ihre Umsatzsteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 1997 am 4. Januar 2000 beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ein und machte Vorsteuer aus den Kaufvertr&auml;gen mit der GmbH vom 28. April und 31. Mai 1997 geltend. Im Anschluss an eine betriebsnahe Veranlagung, die mangels Mitwirkung zu Lasten der Kl&auml;gerin davon ausging, dass die Lieferungen tats&auml;chlich nicht erfolgt seien, erkannte das FA die Kaufvertr&auml;ge als Scheingesch&auml;fte nicht an und lie&szlig; die geltend gemachte Vorsteuer aus den Rechnungen der GmbH nicht zum Abzug zu. Der Einspruch der Kl&auml;gerin, der sich insbesondere gegen die Annahme von Scheingesch&auml;ften wandte, blieb erfolglos.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin legte durch ihren Vorstand gegen die Einspruchsentscheidung, die u.a. auch die K&ouml;rperschaftsteuer 1998 und 1999 betraf, Klage ein. Das Verfahren wegen Umsatzsteuer wurde abgetrennt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In diesem Verfahren erging am 17. Januar 2006 eine Aufkl&auml;rungsanordnung an die Kl&auml;gerin, wonach diese den Nachweis zu erbringen hatte, dass die in den Rechnungen vom 28. April und 31. Mai 1997 genannten Gegenst&auml;nde f&uuml;r das Unternehmen der Kl&auml;gerin verwendet worden seien. Nachdem die Kl&auml;gerin Unterlagen vorgelegt hatte, erging am 7. April 2006 nach &sect; 79b Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) die Aufforderung, bis 28. April 2006 nachzuweisen, dass der in den Rechnungen vom 28. April und 31. Mai 1997 angegebene Sitz der GmbH in der C-Stra&szlig;e &#8230;, &#8230; D-Stadt bestanden habe. Innerhalb der Frist lie&szlig; die Kl&auml;gerin vortragen, dass die GmbH zum damaligen Zeitpunkt beim Gewerbeamt ordnungsgem&auml;&szlig; mit dem Firmensitz C-Stra&szlig;e &#8230;, &#8230; D-Stadt, gemeldet gewesen sei. Ebenso sei sie im Handelsregister D-Stadt unter Nr. &#8230; eingetragen worden. Auch sei der Betriebs-PKW der GmbH auf die C-Stra&szlig;e &#8230;, &#8230; D-Stadt, zugelassen worden. Aus den vorliegenden Unterlagen ergebe sich ferner, dass der Hauptsitz der GmbH in der C-Stra&szlig;e in D-Stadt gewesen sei und sich eine Zweigniederlassung in E-Stadt befunden habe. Die Kl&auml;gerin bat um richterlichen Hinweis, sofern ihre Angaben nicht ausreichen sollten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Schriftsatz vom 10. April 2006 &uuml;bersandte das FA dem Finanzgericht (FG) die Steuerakten der GmbH. Darin befindet sich ein Bericht des FA &uuml;ber Ermittlungen bei der GmbH vom 5. M&auml;rz 1999. Dort wird ausgef&uuml;hrt, dass zwar nach &sect; 1 der Satzung der Sitz der GmbH D-Stadt sei und die GmbH unter der Anschrift C-Stra&szlig;e &#8230;, &#8230; D-Stadt ihr Gewerbe angemeldet habe. Im Rahmen der Ermittlungen sei die GmbH unter dieser Anschrift aber nicht aufgefunden worden. Weder im Haus noch an der Au&szlig;enfront noch den Briefk&auml;sten seien Firmenschilder angebracht gewesen. Das &quot;Gesch&auml;ftslokal&quot; in der C-Stra&szlig;e sei daher noch im Rahmen einer offiziellen Besichtigung zu &uuml;berpr&uuml;fen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Verf&uuml;gung vom 29. Mai 2006 wurde zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 28. Juni 2006 geladen. Ausweislich der Akten fand am 30. Mai 2006 ein Telefongespr&auml;ch zwischen der Berichterstatterin am FG und dem Vertreter der Kl&auml;gerin statt. Mit Schriftsatz vom 19. Juni 2006 verzichtete die Kl&auml;gerin unter Bezugnahme auf das Telefongespr&auml;ch auf m&uuml;ndliche Verhandlung und auf die steuerliche Geltendmachung von Vorsteuer f&uuml;r zwei Hunde, obgleich diese von dem mittlerweile zust&auml;ndigen FA F &quot;steuerlich&quot; anerkannt worden seien. Die Kl&auml;gerin legte nochmals den Handelsregisterauszug der GmbH und deren Gewerbeanmeldung vor, au&szlig;erdem den Fahrzeugbrief, in dem als Sitz &#8230; D-Stadt angegeben ist. Vorgelegt wurde ferner eine Best&auml;tigung der Aufsichtsratsvorsitzenden vom 17. Juni 2006, wonach die streitigen Kauf- bzw. Mietvertr&auml;ge von den Beteiligten in der C-Stra&szlig;e &#8230;, &#8230; D-Stadt abgeschlossen und unterschrieben worden seien. Sollten noch Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Vorsteueranspruchs bestehen, so werde um richterlichen Hinweis gebeten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG wies die Klage ab. Nach den bisherigen Feststellungen k&ouml;nne nicht davon ausgegangen werden, dass der in den Rechnungen vom 28. April und 31. Mai 1997 angegebene Sitz der GmbH in D-Stadt, C-Stra&szlig;e &#8230; bei Ausf&uuml;hrung der Leistung und bei Rechnungsstellung tats&auml;chlich bestanden habe, denn unter der angegebenen Adresse sei laut Bericht vom 5. M&auml;rz 1999 ein Gesch&auml;ftssitz der GmbH nicht auffindbar gewesen. Die an die GmbH vermieteten Gegenst&auml;nde, deren Erwerb die Kl&auml;gerin geltend mache, h&auml;tten sich vielmehr in E-Stadt befunden. Damit sei nachgewiesen, dass der in den streitigen Rechnungen angegebene Sitz tats&auml;chlich nicht bestanden habe. Die Gewerbeanmeldung auf die Anschrift C-Stra&szlig;e in D-Stadt, der Eintrag im Handelsregister und auch der vorgelegte Fahrzeugbrief seien nicht geeignet, den &quot;tats&auml;chlichen&quot; Gesch&auml;ftssitz der Firma zu begr&uuml;nden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Nichtzulassungsbeschwerde st&uuml;tzt sich auf Verfahrensm&auml;ngel und Divergenz. Die Kl&auml;gerin macht geltend, sie habe wiederholt um richterliche Hinweise gebeten, sofern ihr Vortrag nicht ausreichen sollte. Aus ihrer Sicht sei daher das Urteil &#8211;unter Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r&#8211; v&ouml;llig &uuml;berraschend gewesen. Sie habe eine Reihe von Unterlagen vorgelegt, aus der sich der Sitz der GmbH ergeben habe. Auch habe am 30. Mai 2006 ein Telefongespr&auml;ch zwischen ihrem Vorstand und der Berichterstatterin stattgefunden, in dem Letztere best&auml;tigt habe, dass die Unterlagen zur Darlegung des Sitzes ausreichten (Beweisantrag: eidliche Parteieinvernahme des Vorstands der Kl&auml;gerin). Deswegen habe sie auf m&uuml;ndliche Verhandlung verzichtet. Sie habe erstmals aus dem Urteil erfahren, dass die Angaben zum rechtlichen Sitz der GmbH nicht ausreichten. H&auml;tte sie das gewusst, so h&auml;tte sie nicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung verzichtet und als Zeugen den Steuerberater der Kl&auml;gerin pr&auml;sentiert, der die Gesch&auml;ftsr&auml;ume der GmbH im Jahr 1997 gekannt habe und best&auml;tigt h&auml;tte, dass die GmbH in der C-Stra&szlig;e in D-Stadt, in dem der Zeuge seine eigene Kanzlei gehabt habe, per Post und Telefon zu erreichen gewesen sei und auch ein Firmenschild angebracht gewesen sei (Beweisantrag: Steuerberater G, C-Stra&szlig;e &#8230;, &#8230; D-Stadt). Auch habe ihre Aufsichtsratsvorsitzende schriftlich best&auml;tigt, dass sich bei Abschluss der Kaufvertr&auml;ge am angegebenen Ort B&uuml;ror&auml;ume der GmbH befunden h&auml;tten. Diesen Vortrag habe das FG nicht als versp&auml;tet zur&uuml;ckgewiesen und dies h&auml;tte auf Grund des Amtsermittlungsgrundsatzes zu weiterer Beweiserhebung veranlassen m&uuml;ssen. Im &Uuml;brigen w&uuml;rde das FG mit seiner Auffassung, in der C-Stra&szlig;e in D-Stadt h&auml;tten sich Gesch&auml;ftsr&auml;ume der GmbH befinden m&uuml;ssen, vom Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 31. Januar 2002 V B 108\/01 (BFHE 198, 208, BStBl II 2004, 622) abweichen, weil danach ein &quot;Briefkastensitz&quot; mit postalischer Erreichbarkeit der Gesellschaft ausreichen k&ouml;nne.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA tritt der Nichtzulassungsbeschwerde entgegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Nichtzulassungsbeschwerde der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG wird gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 6 i.V.m. &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO aufgehoben. Der Rechtsstreit wird zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen. Die Kl&auml;gerin r&uuml;gt zu Recht das Vorliegen einer verfahrensfehler-haft zustande gekommenen &Uuml;berraschungsentscheidung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH liegt eine &Uuml;berraschungsentscheidung vor, wenn das Gericht in seinem Urteil ohne vorherigen Hinweis auf einen rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gesichtspunkt abstellt, mit dem auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbevollm&auml;chtigter oder Beteiligter selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der Vielzahl vertretener Rechtsauffassungen nicht zu rechnen brauchte (sog. &Uuml;berraschungsentschei-dung; vgl. z.B. Beschluss des erkennenden Senats des BFH vom 19. Juli 2007 XI B 188\/06, BFH\/NV 2007, 1885, m.w.N.). Nach &sect; 76 Abs. 2 FGO hat zudem der Vorsitzende darauf hinzuwirken, dass Formfehler beseitigt, sachdienliche Antr&auml;ge gestellt, unklare Antr&auml;ge erl&auml;utert, ungen&uuml;gende tats&auml;chliche Angaben erg&auml;nzt und ferner alle f&uuml;r die Feststellung und Beurteilung des Sachverhalts wesentlichen Erkl&auml;rungen abgegeben werden. Der richterliche Hinweis nach &sect; 76 Abs. 2 FGO dient in erster Linie der Gew&auml;hrleistung eines fairen Verfahrens und der Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r, ohne dass allerdings die Eigenverantwortlichkeit der Beteiligten dadurch eingeschr&auml;nkt oder beseitigt wird. Der Erfolg einer Klage soll nicht an der Unerfahrenheit eines Kl&auml;gers zumal in Formsachen scheitern. Inhalt und Umfang der aus &sect; 76 Abs. 2 FGO folgenden Hinweispflichten sind von der Sach- und Rechtslage des einzelnen Falles abh&auml;ngig, von der Mitwirkung der Beteiligten und von deren individuellen M&ouml;glichkeiten (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 22. Mai 2006 X B 187\/05, BFH\/NV 2006, 1507; vom 28. November 2003 III B 7\/03, BFH\/NV 2004, 645).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Vor diesem prozessualen Hintergrund erweist sich die Vorentscheidung als verfahrensfehlerhaft.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der erkennende Senat l&auml;sst dahingestellt, ob die Vorentscheidung schon deswegen unter Verletzung des Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG), &sect; 96 Abs. 2 FGO zustande gekommen ist, weil das FG in der Aufkl&auml;rungsanordnung vom 7. April 2006 Nachweise &uuml;ber den &quot;Sitz&quot; der GmbH in D-Stadt, C-Stra&szlig;e angefordert hat und &#8211;wie von der Kl&auml;gerin zu Recht vorgetragen&#8211; unter &quot;Sitz&quot; der rechtliche Sitz zu verstehen ist (vgl. z.B. &sect; 11 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;; &sect; 1 Abs. 1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes &#8211;KStG&#8211;; &sect; 3 Abs. 1 Nr. 1 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung &#8211;GmbHG&#8211;). Auf die hier entscheidungserhebliche Frage bezogen, h&auml;tte das FG von der im Klageverfahren nicht (steuer)rechtskundig vertretenen Kl&auml;gerin richtigerweise Nachweise zur (seinerzeitigen) &quot;Anschrift&quot; der GmbH (&sect; 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 in der im Streitjahr geltenden Fassung des Umsatzsteuergesetzes 1993 &#8211;UStG&#8211;) anfordern m&uuml;ssen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die Vorentscheidung verletzt den Anspruch der Kl&auml;gerin auf rechtliches Geh&ouml;r, weil die Kl&auml;gerin mit der Klageabweisung aus dem im Urteil genannten Grund nicht rechnen musste.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Streitgegenstand war der Vorsteuerabzug aus den Rechnungen der GmbH gem&auml;&szlig; &sect; 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG. Das FA hatte ihn mit der Begr&uuml;ndung abgelehnt, es l&auml;gen zwischen der Kl&auml;gerin und der GmbH sog. Scheingesch&auml;fte vor. Der Vorsteuerabzug setzte ferner voraus, dass die Kl&auml;gerin nach &sect;&sect; 14, 14a UStG ausgestellte Rechnungen der GmbH besitzt, also solche, die &sect; 14 Abs. 1 UStG entsprechen. Die in der Rechnung angegebene Anschrift muss im Zeitpunkt der Lieferung bzw. Rechnungsstellung, hier im April bzw. Mai 1997, zutreffend gewesen sein (z.B. BFH-Urteil vom 27. Juni 1996 V R 51\/93, BFHE 181, 197, BStBl II 1996, 620). Unterstellt, die Kl&auml;gerin war sich trotz der ungenau formulierten Aufkl&auml;rungsanordnung dar&uuml;ber im Klaren, dass das FG Nachweise zur &quot;Anschrift&quot; der GmbH verlangte, so musste sie jedoch zu keinem Zeitpunkt damit rechnen, dass das FG den Vorsteuerabzug f&uuml;r die im Jahr 1997 ausgestellten Rechnungen deswegen versagt, weil eine Au&szlig;enpr&uuml;fung im Jahr 1999 &#8211;also ca. zwei Jahre sp&auml;ter&#8211; bei der angegebenen Adresse kein auf die GmbH hinweisendes Firmenschild vorgefunden hat. Selbst wenn der erkennende Senat zu Lasten der Kl&auml;gerin ferner unterstellt, dass diese sich noch im Jahr 2006 an den Inhalt des Berichts vom M&auml;rz 1999 erinnert hat bzw. erinnern musste, so gibt der Bericht keinen Anlass anzunehmen, die in den Rechnungen angegebene Anschrift sei bereits im Jahr 1997 unzutreffend gewesen. Auch hat der Bericht insoweit selbst f&uuml;r das Jahr 1999 keine abschlie&szlig;ende Feststellung getroffen, sondern noch eine &Uuml;berpr&uuml;fung durch eine offizielle Besichtigung des &quot;Gesch&auml;ftslokals&quot; f&uuml;r erforderlich gehalten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Klageabweisung aus dem im Urteil genannten Grund war auch deswegen &uuml;berraschend, weil das FA w&auml;hrend des gesamten Verfahrens nie bestritten hatte, dass die Anschrift der GmbH im Zeitpunkt der Lieferung bzw. Rechnungsstellung D-Stadt, C-Stra&szlig;e &#8230; gewesen sei. Zudem hatte das FA noch mit Schriftsatz vom 10. April 2006 die Steuerakten der bei ihm erfassten GmbH vorgelegt, aus denen sich ergibt, dass die GmbH in der C-Stra&szlig;e &#8230; in &#8230; D-Stadt eine Anschrift hatte, unter der &#8211;wie auch von der Kl&auml;gerin vorgetragen&#8211; Bescheide, Mahnungen o.&Auml;. zumindest im damaligen Zeitraum die GmbH erreichten. Ausweislich der Akten der GmbH (&quot;Dauerunterlagen&quot;) kam erstmals ein am 19. Juli 2000 abgesandtes Schreiben an das beklagte FA zur&uuml;ck.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Auf die Fragen, ob das FG unter Ber&uuml;cksichtigung der Schreiben der Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Kl&auml;gerin vom 24. April und 17. Juni 2006 diese gem&auml;&szlig; &sect; 76 Abs. 1 FGO von Amts wegen als Zeugin h&auml;tte vernehmen m&uuml;ssen oder zumindest die nicht rechtskundig vertretene Kl&auml;gerin auf die Stellung eines sachdienlichen Beweisantrags gem&auml;&szlig; &sect; 76 Abs. 2 FGO h&auml;tte hinweisen m&uuml;ssen, kommt es somit ebenso wenig mehr an wie auf den unter Beweis gestellten Inhalt des Telefongespr&auml;chs zwischen dem Vorstand der Kl&auml;gerin und der Berichterstatterin am 30. Mai 2006.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Da die Kl&auml;gerin in der Beschwerdebegr&uuml;ndung zudem u.a. dargelegt hat, dass sie bei rechtzeitiger Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs die Vernehmung des Steuerberaters der GmbH beantragt h&auml;tte (vgl. hierzu z.B. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 119 Rz 11, 14, m.w.N.), kann das Urteil des FG keinen Bestand haben. Der erkennende Senat h&auml;lt es f&uuml;r sachgerecht, schon in diesem Verfahren das Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur weiteren Sachaufkl&auml;rung zur&uuml;ckzuverweisen (&sect; 116 Abs. 6 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschlu&szlig; vom 12.2.2008, XI B 201\/06 Hinweispflicht und Ermittlungspflicht des FG bei erstmaligen Zweifeln an der Rechnungsanschrift des leistenden Unternehmers &#8211; Vermeidung einer &Uuml;berraschungsentscheidung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine Holding AG. 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