{"id":16579,"date":"2012-12-18T15:24:41","date_gmt":"2012-12-18T13:24:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16579"},"modified":"2012-12-18T15:24:41","modified_gmt":"2012-12-18T13:24:41","slug":"vi-b-72-07-zuweisung-bereits-anhaengiger-sachen-an-anderen-spruchkoerper-ruege-der-ueberlangen-verfahrensdauer-ruege-einer-ueberraschungsentscheidung-folgen-der-kuendigung-des-vollmachtsvertrags-oder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-72-07-zuweisung-bereits-anhaengiger-sachen-an-anderen-spruchkoerper-ruege-der-ueberlangen-verfahrensdauer-ruege-einer-ueberraschungsentscheidung-folgen-der-kuendigung-des-vollmachtsvertrags-oder\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;72\/07 &#8211; Zuweisung bereits anh&auml;ngiger Sachen an anderen Spruchk&ouml;rper &#8211; R&uuml;ge der &uuml;berlangen Verfahrensdauer &#8211; R&uuml;ge einer &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Folgen der K&uuml;ndigung des Vollmachtsvertrags oder der Mandatsniederlegung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.9.2008, VI B 72\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Zuweisung bereits anh&auml;ngiger Sachen an anderen Spruchk&ouml;rper &#8211; R&uuml;ge der &uuml;berlangen Verfahrensdauer &#8211; R&uuml;ge einer &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Folgen der K&uuml;ndigung des Vollmachtsvertrags oder der Mandatsniederlegung<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Beschwerde f&uuml;hrt nicht zum Erfolg. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und deshalb zu verwerfen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Nach &sect; 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist die Revision nur zuzulassen, wenn die Rechtssache grunds&auml;tzliche Bedeutung hat, die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) erfordert oder ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird und vorliegt, auf dem die Entscheidung beruhen kann. In der Beschwerdebegr&uuml;ndung m&uuml;ssen die Voraussetzungen des &sect; 115 Abs. 2 FGO dargelegt werden (&sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO). Dies erfordert hinsichtlich der Zulassungsgr&uuml;nde des &sect; 115 Abs. 2 Nrn. 1 und 2 FGO, dass der Beschwerdef&uuml;hrer substantiierte und konkrete Angaben dar&uuml;ber macht, weshalb eine Entscheidung des Revisionsgerichts &uuml;ber eine bestimmte vom Beschwerdef&uuml;hrer herauszuarbeitende Rechtsfrage aus Gr&uuml;nden der Rechtsklarheit, der Rechtsfortbildung oder der Einheitlichkeit der Rechtsprechung im allgemeinen Interesse liegt (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 19. Dezember 2006 X B 183\/06, juris; Gr&auml;ber\/ Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 116 Rz 26, m.w.N. aus der Rechtsprechung des BFH). Bei dem Zulassungsgrund des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO (Verfahrensmangel) ist weitergehend eine konkrete und schl&uuml;ssige Bezeichnung der Tatsachen zu fordern, die den behaupteten Verfahrensfehler ergeben (vgl. auch &sect; 120 Abs. 3 Nr. 2b FGO). Au&szlig;erdem muss dargelegt werden, dass die angefochtene Entscheidung &#8211;ausgehend von der insoweit ma&szlig;gebenden, gegebenenfalls auch unrichtigen materiell-rechtlichen Auffassung des Finanzgerichts (FG)&#8211; auf dem geltend gemachten Verfahrensmangel beruhen kann, sie also ohne den Verfahrensmangel m&ouml;glicherweise anders ausgefallen w&auml;re (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 25. August 2006 VIII B 13\/06, BFH\/NV 2006, 2122; vom 6. November 2007 VIII B 25\/07, BFH\/NV 2008, 241, und vom 29. November 2007 VIII B 58\/07, BFH\/NV 2008, 399; vom 19. Mai 2008 V B 29\/07, BFH\/NV 2008, 1501).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die Beschwerdebegr&uuml;ndung wird den Darlegungserfordernissen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO nicht gerecht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Dies gilt zun&auml;chst f&uuml;r die sinngem&auml;&szlig; erhobene R&uuml;ge, die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) seien ihrem gesetzlichen Richter entzogen worden, weshalb die angefochtene Entscheidung auf einem wesentlichen Verfahrensmangel i.S. von &sect; 119 Nr. 1 FGO beruhe. Zwar ist ein solcher Verfahrensmangel u.a. gegeben, wenn durch eine die Besetzung des erkennenden Gerichts betreffende Ma&szlig;nahme zugleich Art. 101 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes (GG) verletzt ist. &sect; 21e Abs. 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes verbietet es jedoch nicht, durch den j&auml;hrlichen Gesch&auml;ftsverteilungsplan bereits anh&auml;ngige Sachen einem anderen Spruchk&ouml;rper zuzuweisen als dem, bei dem sie im Zeitpunkt ihres Einganges anh&auml;ngig geworden sind; der jeweilige Gesch&auml;ftsverteilungsplan muss die Aufgaben nach allgemeinen, abstrakten und objektiven Merkmalen &#8211;d.h. nicht speziell, sondern generell&#8211; verteilen (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 11. Juli 2006 IX B 179\/05, BFH\/NV 2006, 1873, m.w.N.). Die Beschwerdebegr&uuml;ndung l&auml;sst jedoch nicht hinreichend erkennen, dass bei der Zuweisung des Ausgangsverfahrens an einen anderen Senat des FG dieses sog. Abstraktionsprinzip nicht beachtet worden ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Soweit sich die Kl&auml;ger sinngem&auml;&szlig; wegen einer angeblichen &uuml;berlangen Verfahrensdauer auf Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (MRK) berufen, sind die Art. der MRK wegen des &ouml;ffentlich-rechtlichen Charakters der Besteuerung bereits nicht anwendbar (BFH-Beschluss vom 31. Juli 2003 IX E 6\/03, BFH\/NV 2003, 1603, m.w.N.). Aber auch im Hinblick auf Art. 19 Abs. 4 GG haben die Kl&auml;ger eine dem FG anzulastende &uuml;berlange Verfahrensdauer nicht schl&uuml;ssig dargelegt. Hierzu m&uuml;ssten Umst&auml;nde vorgetragen werden, die der Finanzverwaltung oder dem FG angelastet werden k&ouml;nnten und die die Dauer des Verfahrens als unverst&auml;ndlich und nicht gerechtfertigt erscheinen lie&szlig;en. F&uuml;r eine zul&auml;ssige Verfahrensr&uuml;ge muss dargelegt werden, worauf die Dauer des Verfahrens beruht und dass es bei einer k&uuml;rzeren Verfahrensdauer zu einer anderen Entscheidung h&auml;tte kommen k&ouml;nnen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 17. Januar 2006 VIII B 172\/05, BFH\/NV 2006, 799, und vom 15. November 2006 XI B 17\/06, BFH\/NV 2007, 474, jeweils m.w.N.). Der blo&szlig;e Hinweis, dass die ausweislich der Finanzgerichtsakten am 9. M&auml;rz 2004 beim FG eingegangene Klage im Mai 2007 entschieden worden sei, gen&uuml;gt hierzu nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                cc) Auch die von den Kl&auml;gern ger&uuml;gte Geh&ouml;rsverletzung (Art. 103 Abs. 1 GG, &sect; 96 Abs. 2 FGO, &sect; 119 Nr. 3 FGO) ist nicht ausreichend substantiiert. Der sinngem&auml;&szlig;e Vortrag, das FG habe in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht auf die beabsichtigte Klageabweisung hingewiesen, beinhaltet den Vorwurf einer &Uuml;berraschungsentscheidung. Eine solche ist gegeben, wenn das Gericht einen bis dahin nicht er&ouml;rterten rechtlichen Gesichtspunkt zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht und damit dem Rechtsstreit eine Wendung gegeben hat, mit der auch ein kundiger Beteiligter nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens nicht zu rechnen brauchte (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 21. November 2007 X B 121\/06, BFH\/NV 2008, 245, und vom 29. Februar 2008 IV B 21\/07, BFH\/NV 2008, 974, jeweils m.w.N.). Schl&uuml;ssige Angaben zu diesen Voraussetzungen machen die schon vor dem FG durch einen Steuerberater vertretenen Kl&auml;ger indes nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                dd) Soweit die Kl&auml;ger &quot;Divergenzen des angefochtenen Urteils zum geltenden Recht&quot; r&uuml;gen, l&auml;sst die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht erkennen, weshalb eine Entscheidung des Revisionsgerichts &uuml;ber eine bestimmte Rechtsfrage aus Gr&uuml;nden der Rechtsklarheit, der Rechtsfortbildung oder der Einheitlichkeit der Rechtsprechung im allgemeinen Interesse liegt. Dies gilt auch, soweit sich die Kl&auml;ger gegen die &quot;bisherige Steuerrechtsprechung&quot; wenden. Im Ergebnis wenden sich die Kl&auml;ger gegen eine unzutreffende Tatsachenw&uuml;rdigung und fehlerhafte Rechtsanwendung des FG; mit diesen der Revision vorbehaltenen Angriffen k&ouml;nnen sie jedoch im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren nicht geh&ouml;rt werden (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 8. M&auml;rz 2005 IX B 183\/04, BFH\/NV 2005, 1243; vom 25. September 2006 VI B 69\/05, BFH\/NV 2007, 83; vom 3. April 2007 VIII B 101\/06, BFH\/NV 2007, 1343; vom 12. Oktober 2007 VI B 161\/06, BFH\/NV 2008, 45; vom 20. M&auml;rz 2008 VI B 37\/07, juris).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                ee) Ohne Auswirkung auf das Verfahren ist die K&uuml;ndigung des Vollmachtsvertrages oder die Mandatsniederlegung, die der Prozessbevollm&auml;chtigte am 4. April 2008 schrifts&auml;tzlich mitgeteilt hat. Beide Vorg&auml;nge erlangen gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 62a Abs. 1 S&auml;tze 1 und 2, 155 FGO i.V.m. &sect; 87 Abs. 1 Halbsatz 2 der Zivilprozessordnung erst durch die Anzeige der Bestellung eines anderen Vertreters i.S. des &sect; 62a FGO rechtliche Wirksamkeit (BFH-Beschluss vom 23. Januar 2006 VI B 106\/05, BFH\/NV 2006, 804, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.9.2008, VI B 72\/07 Zuweisung bereits anh&auml;ngiger Sachen an anderen Spruchk&ouml;rper &#8211; R&uuml;ge der &uuml;berlangen Verfahrensdauer &#8211; R&uuml;ge einer &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Folgen der K&uuml;ndigung des Vollmachtsvertrags oder der Mandatsniederlegung Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; Die Beschwerde f&uuml;hrt nicht zum Erfolg. 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