{"id":16587,"date":"2012-12-10T05:57:35","date_gmt":"2012-12-10T03:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16587"},"modified":"2012-12-10T05:57:35","modified_gmt":"2012-12-10T03:57:35","slug":"vi-b-10-07-rechtserheblichkeit-einer-neuen-tatsache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-10-07-rechtserheblichkeit-einer-neuen-tatsache\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;10\/07 &#8211; Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.1.2008, VI B 10\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) veranlagte die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) &#8211;Eheleute&#8211; zusammen zur Einkommensteuer der Streitjahre 2001 bis 2004 und legte dabei insbesondere auch die vom Kl&auml;ger als Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit erkl&auml;rten Arbeitsl&ouml;hne erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; zugrunde.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nachdem im Februar 2006 der Arbeitgeber des Kl&auml;gers ihn dar&uuml;ber informiert hatte, in den Jahren 2001 bis 2004 Ausgleichszahlungen f&uuml;r dessen Altersvorsorge geleistet, als Arbeitslohn behandelt und dem Lohnsteuerabzug unterworfen zu haben, obwohl es sich dabei nach einer neuen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; (Urteile vom 14. September 2005 VI R 148\/98, BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532; vom 15. Februar 2006 VI R 64\/05, BFH\/NV 2006, 1272) nicht um Arbeitslohn i.S. des &sect; 19 des Einkommensteuergesetzes (EStG) handele, beantragten die Kl&auml;ger im Hinblick darauf, die bestandskr&auml;ftig gewordenen streitigen Einkommensteuerbescheide nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO) zu &auml;ndern. Ihnen sei bis Februar 2006 nicht bekannt gewesen, dass der Arbeitgeber Sonderzahlungen erbracht habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage unter Hinweis auf den Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 23. November 1987 GrS 1\/86 (BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180) ab. Entscheidend sei, dass das FA bei Kenntnis der Tatsache der Sonderzahlungen an die Zusatzversorgungskasse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Einkommensteuer ebenso festgesetzt h&auml;tte, wie dies ohne Kenntnis der Tatsache geschehen sei. Denn diese Auffassung h&auml;tte zu den Zeitpunkten des Erlasses der urspr&uuml;nglichen Einkommensteuerbescheide zwischen Januar 2003 und April 2005 der Verwaltungsauffassung entsprochen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der auf &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) gest&uuml;tzten Nichtzulassungsbeschwerde begehren die Kl&auml;ger die Zulassung der Revision. Kl&auml;rungsbed&uuml;rftig sei die Rechtsfrage, ob ein Steuerbescheid nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO zugunsten des Steuerpflichtigen ge&auml;ndert werden k&ouml;nne, wenn der Steuerpflichtige im Zeitpunkt der Rechtskraft des Steuerbescheides keine Kenntnis von den steuermindernden Tatsachen gehabt h&auml;tte und dadurch tats&auml;chlich gehindert gewesen w&auml;re, Rechtsschutz zu erlangen, ohne dass ihn ein grobes Verschulden treffe. Bei Kenntnis der Tatsache h&auml;tte der Kl&auml;ger Rechtsmittel gegen die Einkommensteuerbescheide eingelegt und unter Hinweis auf das vor dem BFH anh&auml;ngige Verfahren VI R 148\/98 das Ruhen des Verfahrens beantragt. Diesem Antrag h&auml;tte das FA mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zugestimmt, so dass die Bestandskraft nicht eingetreten w&auml;re.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Der von den Kl&auml;gern geltend gemachte Zulassungsgrund der grunds&auml;tzlichen Bedeutung liegt nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache erfordert konkreten und substantiierten Vortrag dazu, dass eine Entscheidung zu einer bisher ungekl&auml;rten, kl&auml;rungsbed&uuml;rftigen und im Streitfall kl&auml;rungsf&auml;higen Rechtsfrage aus Gr&uuml;nden der Rechtssicherheit, der Rechtseinheitlichkeit und\/oder der Rechtsentwicklung im allgemeinen Interesse liegt (vgl. BFH-Beschluss vom 12. Juni 2007 VI B 14\/07, BFH\/NV 2007, 1626).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) F&uuml;r die Beurteilung der Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache in Zusammenhang mit &sect; 173 AO ist allein ma&szlig;gebend, wie die Finanzbeh&ouml;rde bei urspr&uuml;nglicher Kenntnis der Tatsachen oder Beweismittel entschieden h&auml;tte. Nur wenn das FA bei rechtzeitiger Kenntnis der Tatsachen oder Beweismittel schon bei der urspr&uuml;nglichen Veranlagung zu einer anderen Entscheidung gelangt w&auml;re, f&uuml;hren nachtr&auml;glich bekannt gewordene Tatsachen und Beweismittel zu einer niedrigeren Steuer i.S. des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO. Wie das FA bei Kenntnis bestimmter Tatsachen und Beweismittel einen Sachverhalt in seinem urspr&uuml;nglichen Bescheid gew&uuml;rdigt h&auml;tte, ist im Einzelfall aufgrund des Gesetzes, wie es nach der damaligen Rechtsprechung des BFH ausgelegt wurde, und den die F&Auml; bindenden Verwaltungsanweisungen zu beurteilen, die im Zeitpunkt des urspr&uuml;nglichen Bescheiderlasses durch das FA gegolten haben. Dies ist seit dem Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180 st&auml;ndige Rechtsprechung (vgl. BFH-Urteile vom 15. M&auml;rz 2007 III R 57\/06, BFH\/NV 2007, 1461; vom 20. Juni 2001 VI R 70\/00, BFH\/NV 2001, 1527; vom 15. Dezember 1999 XI R 22\/99, BFH\/NV 2000, 818; Senatsbeschluss vom 10. Oktober 2007 VI B 48\/06, BFH\/NV 2008, 191, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die von den Kl&auml;gern mit ihrer Beschwerde aufgeworfene Rechtsfrage gr&uuml;ndet dagegen f&uuml;r die Beurteilung der Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache nicht mehr allein auf dem Kenntnisstand der Finanzbeh&ouml;rde, sondern &#8211;insoweit abweichend von der vorstehend genannten st&auml;ndigen Rechtsprechung&#8211; auch auf der Kenntnis des Steuerpflichtigen. Schon das FG hat zu Recht darauf hingewiesen, dass rechtfertigender Grund f&uuml;r die Durchbrechung der Bestandskraft nach &sect; 173 AO nicht die Unrichtigkeit der Steuerfestsetzung selbst, sondern der Umstand sei, dass das FA bei seiner Entscheidung von einem unvollst&auml;ndigen Sachverhalt ausgegangen sei. Der Gro&szlig;e Senat des BFH hatte in seinem Beschluss betont, dass die Unkenntnis von Tatsachen oder Beweismitteln f&uuml;r die urspr&uuml;ngliche Veranlagung urs&auml;chlich sein m&uuml;sste und die nachtr&auml;gliche Ber&uuml;cksichtigung neuer Tatsachen und Beweismittel strikt von der Korrektur von Rechtsfehlern abzugrenzen sei. Auf dieser Grundlage gelangte der Gro&szlig;e Senat des BFH zu der Auffassung, dass nur dann, wenn das FA bei rechtzeitiger Kenntnis der Tatsachen oder Beweismittel schon bei der urspr&uuml;nglichen Veranlagung zu einer anderen Entscheidung gelangt w&auml;re, nachtr&auml;glich bekannt gewordene Tatsachen und Beweismittel zu einer niedrigeren Steuer i.S. des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 2 AO f&uuml;hrten (vgl. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2008, 191). Damit ist auch die im Streitfall der Kl&auml;ger gegebene Sachverhaltskonstellation entschieden, dass dem Steuerpflichtigen selbst eine Tatsache nicht bekannt war. Angesichts dieser gefestigten h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung ergeben sich zur Frage der Rechtserheblichkeit im Rahmen des &sect; 173 Abs. 1 AO aus dem Vorbringen der Kl&auml;ger keine durchgreifenden weiteren, vom BFH fr&uuml;her nicht schon ber&uuml;cksichtigten Erw&auml;gungen, die in einem Revisionsverfahren zu kl&auml;ren w&auml;ren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.1.2008, VI B 10\/07 Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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