{"id":16759,"date":"2012-12-10T06:27:11","date_gmt":"2012-12-10T04:27:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16759"},"modified":"2012-12-10T06:27:11","modified_gmt":"2012-12-10T04:27:11","slug":"i-b-146-07-sachaufklaerungsruege-wenn-festgestellter-sachverhalt-die-entscheidung-traegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-146-07-sachaufklaerungsruege-wenn-festgestellter-sachverhalt-die-entscheidung-traegt\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;146\/07 &#8211; Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge, wenn festgestellter Sachverhalt die Entscheidung tr&auml;gt"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschlu&szlig; vom 11.3.2008, I B 146\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge, wenn festgestellter Sachverhalt die Entscheidung tr&auml;gt<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Haftungsbescheides.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), im streitgegenst&auml;ndlichen Haftungszeitraum (Mit-)Gesellschafterin und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin einer GmbH, ist vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) durch einen Haftungsbescheid vom 29. September 2000 gem&auml;&szlig; &sect; 191 i.V.m. &sect; 71 der Abgabenordnung in Anspruch genommen worden. Im Einspruchsverfahren gegen den Haftungsbescheid kam es am 25. April 2001 zu einer Besprechung bei der Steuerfahndung A zum &quot;Gesamtkomplex&quot; der offenen Steuer- und Haftungsschulden (Steuerschulden von drei Unternehmen; Steuerschulden der Kl&auml;gerin und einem Mitgesellschafter, ihrem Sohn; Haftungsschuld der Kl&auml;gerin). Einzelheiten zu diesem Gespr&auml;ch sind unter den Beteiligten streitig, insbesondere die Frage, ob in diesem Termin ein Vollstreckungsaufschub ausgesprochen wurde. Nach dem Ergehen der Einspruchsentscheidung, mit der der Haftungsbetrag auf &#8230; EUR herabgesetzt wurde, ist die Kl&auml;gerin aufgefordert worden, die Haftungsschuld sofort zu entrichten (Aufforderung vom 5. Juli 2006). Die Klage, mit der insbesondere geltend gemacht wurde, es sei Zahlungsverj&auml;hrung eingetreten, blieb erfolglos (Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts &#8211;FG&#8211; vom 12. Juli 2007&nbsp;&nbsp;11 K 190\/06).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Nichtzulassungsbeschwerde macht die Kl&auml;gerin Verfahrensfehler geltend. Sie beantragt, die Revision gegen das FG-Urteil zuzulassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA hat sich zum Verfahren nicht ge&auml;u&szlig;ert.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet, weil die geltend gemachten Verfahrensm&auml;ngel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) nicht vorliegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, dass das FG zwar festgestellt habe, dass ein Vollstreckungsaufschub zugesagt worden sei; es habe aber nicht ermittelt, welcher Vertreter welcher Finanzbeh&ouml;rde in Bezug auf welchen Steuerbescheid wem gegen&uuml;ber eine Zusage gemacht habe. Dar&uuml;ber hinaus sei unterstellt worden, dass der Zeuge F von der Kl&auml;gerin bevollm&auml;chtigt gewesen sei. Damit habe das FG den entscheidungserheblichen Sachverhalt nicht ausreichend erforscht (Versto&szlig; gegen &sect; 76 Abs. 1 FGO). Bei einer diese Aspekte ber&uuml;cksichtigenden Sachaufkl&auml;rung w&uuml;rde eine erneute Beweisaufnahme ergeben, dass ein Vollstreckungsaufschub tats&auml;chlich nicht zugesagt worden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit diesem Vorbringen hat die Kl&auml;gerin einen Mangel der Aufkl&auml;rung des entscheidungserheblichen Sachverhalts nicht aufgezeigt. Das FG ist ersichtlich davon ausgegangen, dass Gegenstand der Besprechung der &quot;Gesamtkomplex&quot; (so auch die Formulierung der Kl&auml;gerin) der steuerausl&ouml;senden Feststellungen der Steuerfahndung sein sollte. Damit waren sowohl unterschiedliche Unternehmungen als auch unterschiedliche Personen (die Kl&auml;gerin und ihr Sohn) angesprochen, auch betriebliche und private Steuerfestsetzungen, auch die Haftungsschuld der Kl&auml;gerin. Damit ergibt sich aber, dass die an der Besprechung teilnehmenden Personen von den Steuer- und Haftungsschuldnern erm&auml;chtigt waren, jedenfalls f&uuml;r sie g&uuml;nstige Erkl&auml;rungen der Gegenseite entgegenzunehmen &#8211; und dass dies unabh&auml;ngig von fr&uuml;her erteilten Prozess- oder Vertretungsvollmachten m&ouml;glich ist. Umgekehrt ergibt sich, dass eine Erkl&auml;rung (z.B. &uuml;ber ein &quot;Stillhalten&quot; im Sinne eines Vollstreckungsaufschubs) Wirkung f&uuml;r alle an dem Gesamtkomplex beteiligten Beh&ouml;rden hat, wenn nicht die jeweilige Beh&ouml;rde (hier: das FA als f&uuml;r die Haftungsschuld zust&auml;ndige Beh&ouml;rde) ausdr&uuml;cklich widerspricht. Einer ausdr&uuml;cklichen Feststellung des FG &uuml;ber die Teilnehmer an der Besprechung, &uuml;ber den die Zusage erteilenden Beh&ouml;rdenvertreter oder die konkrete Steuer- oder Haftungsschuld bedurfte es daher nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Soweit die Kl&auml;gerin die W&uuml;rdigung der erhobenen Beweise durch das FG r&uuml;gt (insbesondere die Einsch&auml;tzung der Zeugin als glaubw&uuml;rdig), macht sie in der Sache keinen Verfahrensfehler i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO, sondern einen materiell-rechtlichen Fehler des FG geltend. Mit einem solchen gegen die inhaltliche Richtigkeit des FG-Urteils gerichteten Vorbringen, ohne dass eine willk&uuml;rliche oder greifbar gesetzwidrige Beurteilung ersichtlich w&auml;re, kann jedoch die Zulassung der Revision nicht erreicht werden (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17. Januar 2006 IX B 79\/05, BFH\/NV 2006, 802).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das FG habe einen im Laufe des Verfahrens gestellten Beweisantrag zu Unrecht unber&uuml;cksichtigt gelassen, ist schon aus dem von der Kl&auml;gerin in der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 12. Juli 2007 gestellten Sachantrag nicht ersichtlich, dass der Beweisantrag noch aufrechterhalten wurde (s. insoweit &sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung; BFH-Beschluss vom 15. M&auml;rz 2007 IX B 234\/06, BFH\/NV 2007, 1179). Im &Uuml;brigen kann dem FG auch nicht vorgehalten werden, es habe unter Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r (&quot;&uuml;berraschend&quot;) entschieden, weil sich die Kl&auml;gerin &#8211;z.B. durch die Benennung weiterer Zeugen&#8211; nicht vor der Sitzung darauf habe einstellen k&ouml;nnen, dass das FA auch eine (im Schriftverkehr bisher nicht benannte) Zeugin pr&auml;sentiere. Der Kl&auml;gerin h&auml;tte es ohne weiteres zugestanden, im Rahmen der Beweiserhebung im Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung weitere Beweisantr&auml;ge zu stellen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschlu&szlig; vom 11.3.2008, I B 146\/07 Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge, wenn festgestellter Sachverhalt die Entscheidung tr&auml;gt Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Haftungsbescheides. 2&nbsp; Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), im streitgegenst&auml;ndlichen Haftungszeitraum (Mit-)Gesellschafterin und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin einer GmbH, ist vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) durch einen Haftungsbescheid vom 29. September 2000 gem&auml;&szlig; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-146-07-sachaufklaerungsruege-wenn-festgestellter-sachverhalt-die-entscheidung-traegt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;146\/07 &#8211; Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge, wenn festgestellter Sachverhalt die Entscheidung tr&auml;gt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-16759","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16759","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16759"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16759\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}