{"id":16764,"date":"2012-12-10T06:27:08","date_gmt":"2012-12-10T04:27:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=16764"},"modified":"2012-12-10T06:27:08","modified_gmt":"2012-12-10T04:27:08","slug":"vii-b-74-07-ersatzzustellung-an-eine-haushaltshilfe-wiedereinsetzung-bei-zweifelhaftem-zustellungsdatum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-74-07-ersatzzustellung-an-eine-haushaltshilfe-wiedereinsetzung-bei-zweifelhaftem-zustellungsdatum\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;74\/07 &#8211; Ersatzzustellung an eine Haushaltshilfe &#8211; Wiedereinsetzung bei zweifelhaftem Zustellungsdatum"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschlu&szlig; vom 5.3.2008, VII B 74\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Ersatzzustellung an eine Haushaltshilfe &#8211; Wiedereinsetzung bei zweifelhaftem Zustellungsdatum<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Nach mehreren vergeblichen Vollstreckungsversuchen wegen r&uuml;ckst&auml;ndiger Steuerforderungen forderte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) mit Verwaltungsakten vom 13. Juni 2002 zur Vorlage eines Verm&ouml;gensverzeichnisses auf und lud ihn zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung gem&auml;&szlig; &sect; 284 der Abgabenordnung (AO) am 24. Juli 2002. Laut Angaben auf der Postzustellungsurkunde wurde der Umschlag mit diesen Verwaltungsakten &quot;in der Wohnung (des Kl&auml;gers) einem zu seiner Familie geh&ouml;renden erwachsenen Hausgenossen\/im Dienst der Familie stehenden Erwachsenen&quot; am 14. Juni 2002 &uuml;bergeben. Das auf dem Briefumschlag der Postzustellungsurkunde handschriftlich vermerkte Zustellungsdatum kann als 14. oder 19. Juni 2002 gelesen werden. Die Postzustellungsurkunde kam zu den Akten des FA am 18. Juni 2002 zur&uuml;ck. Mit Schreiben vom 19. Juli 2002, eingegangen per Fax am selben Tag, legte der Kl&auml;ger Einspruch gegen die Verwaltungsakte ein. Auf den Hinweis, dass der Einspruch versp&auml;tet sei, gab der Kl&auml;ger an, er habe den Brief erst am 16. Juli 2002, dem Tag seiner R&uuml;ckkehr von einer Reise, erhalten und auf dem Umschlag sei als Zustellungsdatum der 19. Juni 2002 vermerkt gewesen. Die Einspruchsfrist sei also gewahrt, jedenfalls sei ihm aus den genannten Gr&uuml;nden Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren. W&auml;hrend des Einspruchsverfahrens f&uuml;hrte das FA eine fruchtlose Pf&auml;ndung beim Kl&auml;ger durch und beantragte danach die Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers. Mangels Masse wurde dies abgelehnt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA wies den Einspruch wegen Vers&auml;umung der einmonatigen Einspruchsfrist als unzul&auml;ssig zur&uuml;ck (&sect; 358 AO). Gr&uuml;nde, die eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand rechtfertigten, l&auml;gen nicht vor. F&uuml;r die vom Kl&auml;ger behauptete Gesch&auml;ftsreise habe er keinerlei Nachweise erbracht. Gleiches gelte auch f&uuml;r die Behauptung des Kl&auml;gers, auf dem Briefumschlag der Postzustellungsurkunde sei als Bekanntgabedatum der Verwaltungsakte der 19. Juni 2002 vermerkt worden. Im &Uuml;brigen h&auml;tten die Voraussetzungen zur Abnahme der eidesstattlichen Versicherung vorgelegen und das Ermessen sei aufgrund der Dauer und des negativen Verlaufs der bisherigen Vollstreckung und wegen der H&ouml;he der R&uuml;ckst&auml;nde sachgerecht ausge&uuml;bt worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die dagegen gerichtete Klage blieb ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hielt die materiell-rechtlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Aufforderung zur Vorlage eines Verm&ouml;gensverzeichnisses und Abgabe der eidesstattlichen Versicherung f&uuml;r gegeben. Die m&ouml;gliche Versp&auml;tung des Einspruchs lie&szlig; es deswegen offen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen die Nichtzulassung der Revision durch das FG wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Beschwerde, die er auf die Zulassungsgr&uuml;nde der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) und der Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2, 1. Alternative FGO) st&uuml;tzt. Der Kl&auml;ger h&auml;lt die von ihm sinngem&auml;&szlig; aufgeworfene Rechtsfrage f&uuml;r kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, ob die von ihm nach der streitigen Aufforderung des FA unterzeichnete Niederschrift &uuml;ber die fruchtlose Pf&auml;ndung, das von ihm im Rahmen des Insolvenzverfahrens erstellte Verzeichnis &uuml;ber seine Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und das im Insolvenzverfahren erstellte Sachverst&auml;ndigengutachten vergleichbare Quellen zu einem vom FA verlangten Verm&ouml;gensverzeichnis darstellen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Beschwerde scheitert nicht schon daran, dass der Kl&auml;ger den Einspruch gegen den streitigen Bescheid versp&auml;tet eingelegt hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dem Tatbestand des FG-Urteils ist zu entnehmen, dass der Postbedienstete in der Postzustellungsurkunde &#8211;unstreitig&#8211; bescheinigt hat, das angefochtene Schriftst&uuml;ck in der Wohnung des Kl&auml;gers einem zu dessen Familie geh&ouml;renden Hausgenossen bzw. im Dienst der Familie stehenden Erwachsenen am 14. Juni 2002 &uuml;bergeben zu haben. Damit ist die nach &sect; 284 Abs. 6 Satz 1 AO an den Vollstreckungsschuldner selbst vorzunehmende Zustellung, die sich gem&auml;&szlig; &sect; 122 Abs. 5 Satz 2 AO nach den Vorschriften des Verwaltungszustellungsgesetzes (VwZG) richtet, in der Form der Ersatzzustellung &quot;an einen zu der Familie geh&ouml;renden erwachsenen Hausgenossen oder an eine in der Familie dienende erwachsene Person&quot; (gem&auml;&szlig; &sect; 3 Abs. 3 VwZG i.V.m. &sect; 181 Abs. 1 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211; jeweils in der bis zum 30. Juni 2002 geltenden Fassung) bewirkt worden. Auch an eine Raumpflegerin, die auf Dauer, wenn auch nur stundenweise, im Haushalt des Adressaten besch&auml;ftigt ist, kann hierdurch wirksam zugestellt werden (Baumbach\/Lauterbach\/Albers\/ Hartmann, Zivilprozessordnung, 66. Auflage, &sect; 178 Rz 13).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dadurch, dass das Zustellungsdatum auf dem zugestellten Briefumschlag als 14. oder 19. Juni 2002 gelesen werden kann, wird der durch die Postzustellungsurkunde (&ouml;ffentliche Urkunde i.S. von &sect; 418 Abs. 1 ZPO) gef&uuml;hrte Beweis des Zugangsdatums nicht zweifelhaft. Denn der vom FG festgestellte R&uuml;cklauf der Postzustellungsurkunde beim FA am 18. Juni 2002 zeigt, dass die Zustellung nicht erst am 19. Juni 2002 stattgefunden haben kann.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Rechtsbehelfsfrist von einem Monat begann nach alledem am 15. Juni 2002 zu laufen und endete mit Ablauf des 15. Juli 2002. Das Einspruchsschreiben ist dem FA erst am 19. Juli 2002 zugegangen, so dass der Einspruch damit versp&auml;tet eingelegt worden ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dem Kl&auml;ger war aber Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren (&sect; 110 Abs. 1 AO). Es mag dahinstehen, ob die R&uuml;ckkehr von der berufsbedingten Reise erst am 16. Juli 2002 als Entschuldigung f&uuml;r die Fristvers&auml;umnis ausreichend i.S. des &sect; 110 Abs. 2 Satz 2 AO nachgewiesen ist (vgl. dazu Senatsbeschluss vom 21. Januar 1992 VII B 234\/91, BFH\/NV 92, 578; Klein\/Brockmeyer, AO, 9. Aufl., &sect; 110 Rz 6). Jedenfalls ist nicht zu widerlegen, dass er aufgrund des auf dem Briefumschlag vermerkten und nach den Feststellungen des FG zu Zweifeln Anlass gebenden, nicht eindeutigen Zustellungsdatums angenommen hat, der Brief sei am 19. Juni 2002 zugestellt worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Es kann dahinstehen, ob der Kl&auml;ger die Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit der von ihm aufgeworfenen Rechtsfrage in der nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO erforderlichen Weise dargelegt hat; jedenfalls ist die Beschwerde deshalb unbegr&uuml;ndet, weil die aufgeworfene Rechtsfrage nicht kl&auml;rungsf&auml;hig ist. Zum einen lagen dem FA nach den vom Kl&auml;ger nicht mit Verfahrensr&uuml;gen angegriffenen Feststellungen des FG mit dem Protokoll &uuml;ber die fruchtlose Pf&auml;ndung und dem Insolvenzgutachten keine vom Kl&auml;ger selbst abgegebenen Erkl&auml;rungen &#8211;wie sie im Verm&ouml;gensverzeichnis gefordert sind&#8211; vor. Zum anderen war das FA nach Auffassung des FG wegen des bis zur m&uuml;ndlichen Verhandlung abgelaufenen Zeitraums und der zwischenzeitlich m&ouml;glicherweise aufgenommenen gesch&auml;ftlichen Aktivit&auml;ten des Kl&auml;gers berechtigt, die aktuellen Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse des Kl&auml;gers zu erfahren. Die vom Kl&auml;ger problematisierte Fallkonstellation lag &#8211;nach Auffassung des FG&#8211; nicht vor oder konnte jedenfalls dem FA wegen des Zeitablaufs nicht mehr entgegengehalten werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=top>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Ob diese Rechtsauffassung des FG materiell-rechtlich zutrifft, ist f&uuml;r die Beurteilung der Nichtzulassungsbeschwerde nicht entscheidend. Auch berechtigte Zweifel daran, insbesondere was die Ber&uuml;cksichtigung der nach Ergehen der Einspruchsentscheidung eingetretenen wirtschaftlichen Entwicklung beim Kl&auml;ger oder die Bewertung der aus dem Insolvenzgutachten sich ergebenden Erkenntnisse angeht, rechtfertigen die Zulassung der Revision nicht. Zwar er&ouml;ffnet &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2, 2. Alternative FGO die Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung auch dann, wenn das Urteil des FG an einem derart schwerwiegenden Fehler leidet, dass es willk&uuml;rlich und unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt vertretbar erscheint (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs vom 29. Oktober 2003 III B 15\/03, BFH\/NV 2004, 166; vom 28. Juni 2002 III B 28\/02, BFH\/NV 2002, 1474). Daf&uuml;r bietet aber weder die Beschwerde Anhaltspunkte, noch sind solche sonst ersichtlich.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschlu&szlig; vom 5.3.2008, VII B 74\/07 Ersatzzustellung an eine Haushaltshilfe &#8211; Wiedereinsetzung bei zweifelhaftem Zustellungsdatum Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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