{"id":17125,"date":"2012-12-19T14:40:04","date_gmt":"2012-12-19T12:40:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17125"},"modified":"2012-12-19T14:40:36","modified_gmt":"2012-12-19T12:40:36","slug":"vi-r-4-06-servicekraefte-in-einem-warenhaus-als-arbeitnehmer-revisibilitaet-der-beweiswuerdigung-voraussetzungen-fuer-die-nachforderung-pauschaler-lohnsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-4-06-servicekraefte-in-einem-warenhaus-als-arbeitnehmer-revisibilitaet-der-beweiswuerdigung-voraussetzungen-fuer-die-nachforderung-pauschaler-lohnsteuer\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;4\/06 &#8211; Servicekr&auml;fte in einem Warenhaus als Arbeitnehmer &#8211; Revisibilit&auml;t der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Voraussetzungen f&uuml;r die Nachforderung pauschaler Lohnsteuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.11.2008, VI R 4\/06<\/p>\n<p class=\"titel\">Servicekr&auml;fte in einem Warenhaus als Arbeitnehmer &#8211; Revisibilit&auml;t der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Voraussetzungen f&uuml;r die Nachforderung pauschaler Lohnsteuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Ob die von einem Warenproduzenten im Rahmen des Vertriebs in Warenh&auml;usern besch&auml;ftigten Servicekr&auml;fte als Arbeitnehmer anzusehen sind, ist anhand einer Vielzahl in Betracht kommender Merkmale nach dem Gesamtbild der Verh&auml;ltnisse zu beurteilen.<\/p>\n<p>2. Die Nachforderung pauschaler Lohnsteuer beim Arbeitgeber setzt voraus, dass der Arbeitgeber der Pauschalierung zustimmt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) produziert Reinigungsmittel im Wesentlichen f&uuml;r Endverbraucher. Die Produkte der Kl&auml;gerin werden auch &uuml;ber SB-Warenh&auml;user vertrieben. Auf Wunsch der Warenh&auml;user beauftragte die Kl&auml;gerin in den Streitjahren (1996 bis 2000) Servicekr&auml;fte mit der Regalpflege, die u.a. Warenannahme und -auszeichnung sowie die Regalauff&uuml;llung umfasste. Nach einer mit der Kl&auml;gerin getroffenen vertraglichen Vereinbarung sollten die Servicekr&auml;fte als selbst&auml;ndige Unternehmer Serviceleistungen vor Ort durch die Warenannahme und das sofortige Auszeichnen der Produkte der Kl&auml;gerin sowie deren fachgerechte Pr&auml;sentation in Verbindung mit einer verantwortungsvollen Regalpflege (S&auml;ubern und Auff&uuml;llen der Ausstellungsregale) erbringen. F&uuml;r die genannten Arbeiten wurde eine Verg&uuml;tung von 9 DM pro Stunde bei einem Maximaleinsatz von 1 bis 3,5 Stunden pro Kalenderwoche vereinbart. Der Auftragnehmer sollte als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen. F&uuml;r die Abrechnung zum Monatsende best&auml;tigte der Leiter des Warenhauses der Servicekraft die Zahl ihrer Arbeitsstunden; die Servicekraft rechnete &uuml;ber den jeweiligen Gebietsverkaufsleiter der Kl&auml;gerin ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach einer Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung gelangte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zu der Auffassung, dass die Servicekr&auml;fte als Arbeitnehmer der Kl&auml;gerin anzusehen seien, f&uuml;r die die Kl&auml;gerin Lohnsteuer anzumelden und abzuf&uuml;hren habe. Mit Bescheid vom 9. Januar 2001, zuletzt ge&auml;ndert durch Bescheid vom 17. Oktober 2003, forderte das FA f&uuml;r die Streitjahre hinsichtlich der an die Servicekr&auml;fte gezahlten Betr&auml;ge Lohnsteuer (nebst Annexsteuern) nach.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Einspruch der Kl&auml;gerin blieb ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) wies die dagegen erhobene Klage mit den in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2007, 285 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen Rechts.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Sie beantragt, den ge&auml;nderten Lohnsteuer-Nachforderungsbescheid vom 17. Oktober 2003 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 20. Oktober 2003 dahingehend zu &auml;ndern, dass die nachzuerhebende Lohnsteuer f&uuml;r die Kalenderjahre 1996 bis 2000 auf insgesamt 1 541,55 EUR (nebst Annexsteuern) festgesetzt wird.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zwar ist die Entscheidung des FG, dass die im Rahmen des Vertriebs der Produkte der Kl&auml;gerin in Warenh&auml;usern besch&auml;ftigten Servicekr&auml;fte als Arbeitnehmer der Kl&auml;gerin anzusehen sind, revisionsrechtlich nicht zu beanstanden (1.). Das FG hat jedoch nicht hinreichend gepr&uuml;ft, ob hinsichtlich der Lohnsteuer der Servicekr&auml;fte die Voraussetzungen f&uuml;r eine Inanspruchnahme der Kl&auml;gerin durch Nachforderungsbescheid vorliegen (2.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Das FG ist zu Recht davon ausgegangen, dass die Servicekr&auml;fte lohnsteuerrechtlich als Arbeitnehmer zu behandeln sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der Arbeitgeber hat die Lohnsteuer f&uuml;r Rechnung des Arbeitnehmers bei jeder Lohnzahlung vom Arbeitslohn einzubehalten (&sect; 38 Abs. 3 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;) und abzuf&uuml;hren (&sect; 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Nach &sect; 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG geh&ouml;ren zu den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit u.a. Bez&uuml;ge und Vorteile, die f&uuml;r eine Besch&auml;ftigung im &ouml;ffentlichen oder privaten Dienst gew&auml;hrt werden. Nach &sect; 1 Abs. 2 S&auml;tze 1 und 2 der Lohnsteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung (i.V.m. &sect; 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a EStG), die nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) den Arbeitnehmerbegriff zutreffend auslegen, liegt ein Dienstverh&auml;ltnis vor, wenn der Angestellte (Besch&auml;ftigte) dem Arbeitgeber seine Arbeitskraft schuldet. Dies ist der Fall, wenn die t&auml;tige Person in der Bet&auml;tigung ihres gesch&auml;ftlichen Willens unter der Leitung des Arbeitgebers steht oder im gesch&auml;ftlichen Organismus des Arbeitgebers dessen Weisungen zu folgen verpflichtet ist (BFH-Urteile vom 14. Juni 1985 VI R 150-152\/82, BFHE 144, 225, BStBl II 1985, 661; vom 23. Oktober 1992 VI R 59\/91, BFHE 170, 48, BStBl II 1993, 303; vom 2. Dezember 1998 X R 83\/96, BFHE 188, 101, BStBl II 1999, 534; vom 14. Juni 2007 VI R 5\/06, BFHE 218, 233; vom 29. Mai 2008 VI R 11\/07, BFHE 221, 182, BStBl II 2008, 933; vom 22. Juli 2008 VI R 51\/05, BStBl II 2008, 981).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Es entspricht st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH, dass der Arbeitnehmerbegriff sich nicht durch Aufz&auml;hlung feststehender Merkmale abschlie&szlig;end bestimmen l&auml;sst. Das Gesetz bedient sich nicht eines tatbestandlich scharf umrissenen Begriffs. Es handelt sich vielmehr um einen offenen Typusbegriff, der nur durch eine gr&ouml;&szlig;ere und unbestimmte Zahl von Merkmalen beschrieben werden kann. Die Frage, ob jemand eine T&auml;tigkeit selbst&auml;ndig oder nichtselbst&auml;ndig aus&uuml;bt, ist deshalb anhand einer Vielzahl in Betracht kommender Merkmale nach dem Gesamtbild der Verh&auml;ltnisse zu beurteilen. Hierzu hat der erkennende Senat in seinem Urteil in BFHE 144, 225, BStBl II 1985, 661 zahlreiche Kriterien (Indizien) beispielhaft aufgef&uuml;hrt, die f&uuml;r die bezeichnete Abgrenzung Bedeutung haben k&ouml;nnen. Diese Merkmale sind im konkreten Einzelfall jeweils zu gewichten und gegeneinander abzuw&auml;gen. Diese Aufgabe obliegt in erster Linie den Finanzgerichten als Tatsacheninstanz. Die im Wesentlichen auf tatrichterlichem Gebiet liegende Beurteilung ist revisionsrechtlich nur begrenzt &uuml;berpr&uuml;fbar (BFH-Beschl&uuml;sse vom 9. September 2003 VI B 53\/03, BFH\/NV 2004, 42; vom 9. November 2004 VI B 150\/03, BFH\/NV 2005, 347; vom 16. November 2006 VI B 74\/06, BFH\/NV 2007, 235; BFH-Urteil vom 7. November 2006 VI R 81\/02, BFH\/NV 2007, 426; BFH-Urteil in BFHE 218, 233, jeweils m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben l&auml;sst die W&uuml;rdigung des FG, die fraglichen Servicekr&auml;fte seien als Arbeitnehmer der Kl&auml;gerin anzusehen, keinen Rechtsfehler erkennen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Ausgehend von der einschl&auml;gigen h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung hat das FG eine umfassende W&uuml;rdigung der besonderen Umst&auml;nde des Streitfalles vorgenommen. Gegen die vom FG seiner W&uuml;rdigung zugrunde gelegten Feststellungen zu den konkreten Bedingungen, denen die von der Kl&auml;gerin besch&auml;ftigten Servicekr&auml;fte bei ihrer T&auml;tigkeit unterworfen waren, hat die Kl&auml;gerin keine Verfahrensr&uuml;gen vorgebracht; der Senat ist deshalb an diese Feststellungen gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 2 FGO gebunden. Auch die Gewichtung der einzelnen Merkmale des Arbeitnehmerbegriffs ist eine tatrichterliche Aufgabe des FG, die der BFH nur bei Rechtsverst&ouml;&szlig;en &uuml;berpr&uuml;fen kann (BFH-Urteile in BFHE 144, 225, BStBl II 1985, 661, und in BFHE 218, 233). Kommen &#8211;wie hier&#8211; keine Verst&ouml;&szlig;e gegen die Verfahrensordnung in Betracht, so ist die Beweisw&uuml;rdigung nur bei Verst&ouml;&szlig;en gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss&auml;tze revisibel (vgl. z.B. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 118 Rz 30, m.w.N.). Derartige im Revisionsverfahren beachtliche Rechtsfehler l&auml;sst die angegriffene finanzgerichtliche Entscheidung jedoch nicht erkennen. Das FG hat u.a. darauf abgestellt, ob die von der Kl&auml;gerin besch&auml;ftigten Servicekr&auml;fte einfache T&auml;tigkeiten (Handarbeiten) ausge&uuml;bt haben, und darauf hingewiesen, dass dies f&uuml;r eine Arbeitnehmereigenschaft spreche. Ein solcher Schluss ist m&ouml;glich; die Arbeitnehmereigenschaft indiziert der Umstand, dass die T&auml;tigkeit des Besch&auml;ftigten weniger durch dessen pers&ouml;nliche F&auml;higkeiten und Eigenschaften gepr&auml;gt, sondern eher rein mechanischer Natur ist (vgl. BFH-Urteil in BFHE 218, 233).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat sich weiter auch mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Servicekr&auml;fte weisungsgebunden hinsichtlich Ort, Zeit und Inhalt ihrer T&auml;tigkeit gewesen sind. Seine W&uuml;rdigung, dass den Servicekr&auml;ften bereits vertragliche Vorgaben gemacht worden seien, die weitere konkrete Weisungen entbehrlich gemacht h&auml;tten, ist jedenfalls nachvollziehbar. Der Schluss, dass die Kl&auml;gerin die Servicekr&auml;fte jedenfalls mittelbar durch die Leitung der jeweiligen Kunden (Warenh&auml;user) &uuml;berwacht habe, ist gleichfalls m&ouml;glich. Diese W&uuml;rdigung betrifft auch die Frage der Eingliederung der Servicekr&auml;fte in die betriebliche Organisation der Kl&auml;gerin. Des Weiteren hat sich das FG mit der Frage besch&auml;ftigt, ob die Servicekr&auml;fte Unternehmerrisiko getragen und Unternehmerinitiative entwickelt haben. Dabei konnte das FG ohne Rechtsversto&szlig; zu der Folgerung gelangen, dass die Verdienstm&ouml;glichkeiten der Servicekr&auml;fte vertraglich begrenzt gewesen seien und die den Servicekr&auml;ften offen stehende M&ouml;glichkeit, auch noch weitere Regalpflegearbeiten in dem gleichen oder in anderen Warenh&auml;usern zu &uuml;bernehmen, nur zu weiteren Arbeitsverh&auml;ltnissen der Besch&auml;ftigten gef&uuml;hrt h&auml;tte. Das FG hat insoweit auch nachvollziehbar dargelegt, dass der nur wegen des offenen Zeitpunkts der Warenanlieferung bestehende zeitliche Spielraum der Servicekr&auml;fte kein Ausdruck unternehmerischer Entscheidungsfreiheit gewesen sei. Ebenso durfte das FG davon ausgehen, dass die fehlende Vereinbarung von Sozialleistungen nicht zwingend gegen das Vorliegen eines Arbeitsverh&auml;ltnisses spricht. Damit hat das FG seine W&uuml;rdigung auf mehrere, ganz unterschiedliche Indizien gest&uuml;tzt. Bei jeder Gesamtw&uuml;rdigung ist denkbar, dass das eine oder andere Merkmal anders gesehen werden kann, es aber wegen der Gesamtbetrachtung an Bedeutung in der einen Richtung gewinnt oder verliert (BFH-Urteil vom 1. M&auml;rz 1973 IV R 231\/69, BFHE 109, 39, BStBl II 1973, 458). Revisionsrechtlich gen&uuml;gt es deshalb, dass die vom FG vorgenommene W&uuml;rdigung &#8211;wie hier&#8211; m&ouml;glich ist. Der BFH darf als Revisionsgericht seine eigene W&uuml;rdigung nicht an die Stelle der noch vertretbaren W&uuml;rdigung des FG setzen (z.B. BFH-Urteile vom 2. Dezember 2005 VI R 16\/03, BFH\/NV 2006, 544, und in BFHE 221, 182, BStBl II 2008, 933).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der erkennende Senat geht davon aus, dass die Kl&auml;gerin den angefochtenen Nachforderungsbescheid nur hinsichtlich der H&ouml;he der nachgeforderten pauschalen Lohnsteuer (nebst Annexsteuern) angreift, das FA also nicht auf die Haftung nach &sect; 42d EStG verweisen will. Aufgrund der bisherigen Feststellungen des FG l&auml;sst sich jedoch revisionsrechtlich nicht &uuml;berpr&uuml;fen, ob das FG zu Recht angenommen hat, dass das FA die Kl&auml;gerin auch hinsichtlich der auf die Servicekr&auml;fte in den Streitjahren entfallenden Lohnsteuer durch Nachforderungsbescheid in Anspruch nehmen durfte.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Die Nachforderung von Lohnsteuer beim Arbeitgeber durch Steuerbescheid kommt in Betracht, wenn die Lohnsteuer vorschriftswidrig nicht angemeldet worden ist und es sich um eine eigene Steuerschuld des Arbeitgebers handelt (vgl. Hartz\/Mee&szlig;en\/Wolf, ABC-F&uuml;hrer Lohnsteuer, Stichwort Nachforderung von Lohnsteuer, Rz 2 und 55; K&uuml;ttner\/Huber, Personalbuch 2008, Stichwort Lohnsteuernachforderung, Rz 2 und 16). Eine eigene Steuerschuld des Arbeitgebers liegt auch vor, wenn die Voraussetzungen f&uuml;r eine Pauschalierung der Lohnsteuer nach &sect; 40a Abs. 2 EStG in seiner in den Streitjahren geltenden Fassung (a.F.) &#8211;wie sie das FA f&uuml;r die Servicekr&auml;fte seinem angefochtenen Bescheid in Ankn&uuml;pfung an den Bericht &uuml;ber die Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung zugrunde gelegt hat&#8211; vorliegen. Denn der Arbeitgeber ist nach &sect; 40 Abs. 3 Satz 2 EStG, der gem&auml;&szlig; &sect; 40a Abs. 5 EStG u.a. auch auf die Pauschalierung nach &sect; 40a Abs. 2 EStG anzuwenden ist, Schuldner der pauschalen Lohnsteuer. Pauschale Lohnsteuer schuldet der Arbeitgeber indes nur, wenn er der Pauschalierung zustimmt. Nach &sect; 40a Abs. 2 Satz 1 EStG a.F. kann der Arbeitgeber unter Verzicht auf die Vorlage einer Lohnsteuerkarte bei Arbeitnehmern, die nur in geringem Umfang und gegen geringen Arbeitslohn besch&auml;ftigt werden, die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 20 % des Arbeitslohns erheben. Indem das Gesetz die Wahl des Erhebungsverfahrens dem Arbeitgeber &uuml;berl&auml;sst (&quot;kann&quot;), er&ouml;ffnet es dem Arbeitgeber ein Pauschalierungswahlrecht (vgl. K.J. Wagner in Herrmann\/Heuer\/Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect; 40a EStG Rz 17). Dem Arbeitgeber steht es frei, ob und f&uuml;r welche Arbeitnehmer er von den gesetzlichen Pauschalierungsm&ouml;glichkeiten Gebrauch macht (vgl. BFH-Urteil vom 25. Mai 1984 VI R 223\/80, BFHE 141, 54, BStBl II 1984, 569; n&auml;her dazu z.B. HHR\/K.J. Wagner, a.a.O.; Eisgruber in Kirchhof, EStG, 8. Aufl., &sect; 40a Rz 2; Bl&uuml;mich\/ Heuermann, &sect; 40a EStG Rz 6). Auch die Pauschalierung der Lohnsteuer nach &sect; 40a Abs. 2 EStG a.F. darf deshalb nicht gegen den Willen des Arbeitgebers vorgenommen werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Nach den bislang vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen l&auml;sst sich nicht beurteilen, ob die Kl&auml;gerin das ihr zustehende Pauschalierungswahlrecht ausge&uuml;bt hat und deshalb die vom FA angenommenen Voraussetzungen f&uuml;r einen Nachforderungsbescheid auch hinsichtlich der Servicekr&auml;fte der Kl&auml;gerin vorliegen. Im zweiten Rechtsgang wird das FG die entsprechenden Feststellungen nachzuholen und die Voraussetzungen der Nachforderung pauschaler Lohnsteuer der Servicekr&auml;fte zu pr&uuml;fen haben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.11.2008, VI R 4\/06 Servicekr&auml;fte in einem Warenhaus als Arbeitnehmer &#8211; Revisibilit&auml;t der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Voraussetzungen f&uuml;r die Nachforderung pauschaler Lohnsteuer Leits&auml;tze 1. 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