{"id":17205,"date":"2012-12-10T15:10:30","date_gmt":"2012-12-10T13:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17205"},"modified":"2012-12-10T15:10:30","modified_gmt":"2012-12-10T13:10:30","slug":"vi-r-5-05-verjaehrung-von-lohnsteueranspruechen-und-haftungsanspruechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-5-05-verjaehrung-von-lohnsteueranspruechen-und-haftungsanspruechen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;5\/05 &#8211; Verj&auml;hrung von Lohnsteueranspr&uuml;chen und Haftungsanspr&uuml;chen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.3.2008, VI R 5\/05<\/p>\n<p class=\"titel\">Verj&auml;hrung von Lohnsteueranspr&uuml;chen und Haftungsanspr&uuml;chen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Festsetzungsfrist f&uuml;r einen Lohnsteuer-Haftungsbescheid endet nicht vor Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Lohnsteuer (&sect; 191 Abs. 3 Satz 4 1. Halbsatz AO).<\/p>\n<p>2. Der Beginn der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Lohnsteuer richtet sich nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO.<\/p>\n<p>3. F&uuml;r den Beginn der die Lohnsteuer betreffenden Festsetzungsfrist ist die Lohnsteuer-Anmeldung (Steueranmeldung) und nicht die Einkommensteuererkl&auml;rung der betroffenen Arbeitnehmer ma&szlig;gebend.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine juristische Person nach niederl&auml;ndischem Recht und hat ihren Sitz in den Niederlanden. Sie ist eine Tochtergesellschaft der D in S, die alle Anteile an der Kl&auml;gerin h&auml;lt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im November 1994 f&uuml;hrte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung u.a. f&uuml;r das Streitjahr (1990) durch. Das FA gelangte zu der Feststellung, dass die Kl&auml;gerin im Pr&uuml;fungszeitraum &uuml;berwiegend niederl&auml;ndische und deutsche Arbeitnehmer, gelegentlich auch Arbeitnehmer aus Frankreich, Belgien und Gro&szlig;britannien, besch&auml;ftigt und diese sowohl auf niederl&auml;ndischen als auch auf deutschen Baustellen eingesetzt hatte; lohnsteuerliche Konsequenzen waren jedoch lediglich f&uuml;r die Arbeitnehmer mit Wohnsitz und T&auml;tigkeit im Inland gezogen worden. Auf der Grundlage der Pr&uuml;fungsfeststellungen erlie&szlig; das FA am 29. M&auml;rz 1995 einen Haftungsbescheid u.a. &uuml;ber Lohnsteuer 1990 in H&ouml;he von &#8230; DM. Den Bescheid adressierte das FA an &quot;Fa. D &#8230; S&quot; und versah ihn mit dem Zusatz &quot;f&uuml;r Fa. &quot;; unter letztgenanntem Namen hatte die Kl&auml;gerin zun&auml;chst firmiert.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Auf die nach erfolglosem Einspruch eingelegte Klage der Kl&auml;gerin hob das Finanzgericht (FG) den angefochtenen Haftungsbescheid auf, soweit sich die Haftung auf Lohnsteuer f&uuml;r 1990 erstreckt. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte das FG im Wesentlichen aus, selbst wenn man hinsichtlich des Haftungsbescheids von einem Bekanntgabemangel ausgehen wolle, so sei dieser in dem Zeitpunkt, in dem die Kl&auml;gerin tats&auml;chlich von dem Bescheid Kenntnis erlangt habe, entsprechend dem Rechtsgedanken des &sect; 9 Abs. 1 des Verwaltungszustellungsgesetzes (VwZG) geheilt; der Inhaltsadressat und damit der Empfangsberechtigte i.S. des &sect; 9 Abs. 1 VwZG sei hinreichend deutlich geworden. Auch sei die Kl&auml;gerin als ausl&auml;ndische Verleiherin i.S. des &sect; 38 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) anzusehen, denn sie habe im ma&szlig;geblichen Zeitraum weder ihren Sitz (&sect; 11 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) noch den Mittelpunkt der Gesch&auml;ftsleitung (&sect; 10 AO) im Inland gehabt und ihre Arbeitnehmer &#8211;mit entsprechender Erlaubnis&#8211; gewerbsm&auml;&szlig;ig ausschlie&szlig;lich der D zur Arbeitsleistung im Inland &uuml;berlassen. F&uuml;r die ausl&auml;ndischen und damit beschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsleistung im Inland erbracht h&auml;tten, habe sie gem&auml;&szlig; &sect; 39d EStG Lohnsteuer einbehalten, anmelden und abf&uuml;hren m&uuml;ssen. Indes sei hinsichtlich der Haftung f&uuml;r die Lohnsteuer des Jahres 1990 Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten. Die &quot;Lohnsteuer-\/Einkommensteueranspr&uuml;che&quot; der beschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer seien festsetzungsverj&auml;hrt. Die Lohnsteuer sei keine eigene Steuerart, sondern lediglich eine Erhebungsform der Einkommensteuer. Die im Jahr 1990 entstandenen Einkommensteueranspr&uuml;che seien mit Ablauf des 31. Dezember 1994 verj&auml;hrt. Die Festsetzungsfrist hierf&uuml;r habe gem&auml;&szlig; &sect; 170 Abs. 1 AO mit Ablauf des Entstehungsjahres begonnen. Eine Anlaufhemmung nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO trete nicht ein, denn f&uuml;r beschr&auml;nkt Steuerpflichtige, deren Steuer mit dem Steuerabzug nach &sect; 50 Abs. 5 EStG abgegolten sei, bestehe keine Pflicht zur Abgabe einer Steuererkl&auml;rung (&sect; 56 der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung). Nachdem die Hauptschuld der Arbeitnehmer verj&auml;hrt sei, k&ouml;nne gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 AO dahinstehen, ob gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin eine Anlaufhemmung nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO eingetreten sei, weil sie eine Lohnsteuer-Anmeldung habe abgeben m&uuml;ssen (&sect; 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). Mangels einer bestehenden Hauptschuld sei der Haftungsbescheid vom 29. M&auml;rz 1995 rechtswidrig, soweit er sich auf Lohnsteuer 1990 erstrecke.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&sect; 191 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 und 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;, unter teilweiser Aufhebung des Urteils des FG des Saarlandes vom 4. M&auml;rz 2004 die Klage auch insoweit abzuweisen, als sie die Haftung f&uuml;r Lohnsteuer 1990 betrifft.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils, soweit es die Haftung f&uuml;r Lohnsteuer 1990 betrifft, und zur Zur&uuml;ckverweisung an die Vorinstanz zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die bisherigen Feststellungen des FG tragen nicht dessen Schlussfolgerung und Gesamtw&uuml;rdigung, dass die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Haftungsbescheid vom 29. M&auml;rz 1995 hinsichtlich der Lohnsteuer 1990 vor Erlass dieses Bescheides abgelaufen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach den mit Revisionsr&uuml;gen nicht angegriffenen und deshalb gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 2 FGO bindenden Feststellungen des FG war die Kl&auml;gerin als ausl&auml;ndische Verleiherin i.S. des &sect; 38 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG anzusehen. Zwischen den Beteiligten ist ferner unstreitig, dass die Kl&auml;gerin auch f&uuml;r ihre ausl&auml;ndischen und damit beschr&auml;nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmer gem&auml;&szlig; &sect; 39d EStG den Lohnsteuerabzug durchzuf&uuml;hren hatte. Indes halten die Erw&auml;gungen, mit denen das FG unter Berufung auf Festsetzungsverj&auml;hrung eine Haftung der Kl&auml;gerin f&uuml;r Lohnsteuer 1990 nach &sect; 42d Abs. 1 Nr. 1 EStG verneint hat, revisionsrechtlicher Pr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wer kraft Gesetzes f&uuml;r eine Steuerschuld haftet, kann durch Haftungsbescheid in Anspruch genommen werden (&sect; 191 Abs. 1 Satz 1 AO). Gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 1 AO sind die Vorschriften &uuml;ber die Festsetzungsfrist auf den Erlass von Haftungsbescheiden entsprechend anzuwenden. Nach Satz 2 der Vorschrift betr&auml;gt die Festsetzungsfrist f&uuml;r Haftungsbescheide grunds&auml;tzlich vier Jahre; die Frist beginnt mit Ablauf des Kalenderjahrs, in dem der Tatbestand verwirklicht worden ist, an den das Gesetz die Haftungsfolge kn&uuml;pft (&sect; 191 Abs. 3 Satz 3 AO). Insoweit ist auf die Verwirklichung der Tatbestandsvoraussetzungen einer Haftungsnorm sowie die Entstehung der Steuerschuld abzustellen (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 4. September 2002 I B 145\/01, BFHE 199, 95, BStBl II 2003, 223, unter II. 2. b aa, m.w.N.). Gem&auml;&szlig; &sect; 42d Abs. 1 Nr. 1 EStG haftet der Arbeitgeber f&uuml;r die Lohnsteuer, die er einzubehalten und abzuf&uuml;hren hat. Deshalb ist f&uuml;r die haftungsbegr&uuml;ndende Pflichtverletzung an die Nichtabgabe oder fehlerhafte Abgabe der Lohnsteuer-Anmeldungen (&sect; 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG) und die Nichteinbehaltung (&sect; 38 Abs. 3 Satz 1 EStG) und Nichtabf&uuml;hrung (&sect; 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG) der sich insoweit ergebenden Lohnsteuer anzukn&uuml;pfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Lohnsteuer entsteht in dem Zeitpunkt, in dem der Arbeitslohn dem Arbeitnehmer zuflie&szlig;t (&sect; 38 Abs. 2 Satz 2 EStG); soweit die Haftung des Arbeitgebers reicht, sind der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer Gesamtschuldner der Lohnsteuer (&sect; 42d Abs. 3 Satz 1 EStG). Da der Arbeitgeber gem&auml;&szlig; &sect; 41a Abs. 1 Satz 1 EStG die Anmeldung und Abf&uuml;hrung der entstandenen Lohnsteuer sp&auml;testens am zehnten Tag nach Ablauf eines jeden Lohnsteuer-Anmeldungszeitraums &#8211;dies ist nach &sect; 41a Abs. 2 Satz 1 EStG grunds&auml;tzlich der Kalendermonat&#8211; vorzunehmen hat, beginnt die Festsetzungsfrist f&uuml;r einen Haftungsbescheid hinsichtlich der Lohnsteuer der Monate Januar bis November grunds&auml;tzlich mit Ablauf des entsprechenden Kalenderjahres, hinsichtlich der Lohnsteuer des Monats Dezember mit Ablauf des Folgejahres.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 4&nbsp;&nbsp;1. Halbsatz AO endet die Festsetzungsfrist f&uuml;r einen Haftungsbescheid nicht vor Ablauf der Festsetzungsfrist der Steuer, f&uuml;r die gehaftet wird. Die steuerliche Festsetzungsfrist beginnt im Allgemeinen mit Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist (&sect; 170 Abs. 1 AO). Ist indes gesetzlich die Abgabe einer Steueranmeldung vorgeschrieben wie bei der Lohnsteuer (&sect; 41a EStG), beginnt die Frist nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO erst mit Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steueranmeldung beim Finanzamt eingereicht wird. Dass die Lohnsteuer-Anmeldung vom Arbeitgeber und nicht vom Arbeitnehmer als dem Schuldner der Lohnsteuer (&sect; 38 Abs. 2 Satz 1 EStG) abzugeben ist, ist f&uuml;r die Anwendbarkeit des &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO nicht von Bedeutung (vgl. BFH-Urteil vom 17. April 1996 I R 82\/95, BFHE 180, 365, BStBl II 1996, 608; BFH-Beschluss vom 14. Juli 1999 I B 151\/98, BFHE 190, 1, BStBl II 2001, 556; BFH-Urteile vom 29. Januar 2003 I R 10\/02, BFHE 202, 1, BStBl II 2003, 687, und vom 7. Februar 2008 VI R 83\/04, BFHE 220, 220; Hartz\/Mee&szlig;en\/Wolf, ABC-F&uuml;hrer Lohnsteuer, Stichwort &quot;Verj&auml;hrung&quot; Rz 14; Klein\/R&uuml;sken, AO, 9. Aufl., &sect; 170 Rz 7; Balmes in: K&uuml;hn\/von Wedelst&auml;dt, 18. Aufl., AO, &sect; 170 Rz 4; a.A. Ruban in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler, &sect; 170 AO Rz 16). Werden Lohnsteuer-Anmeldungen entsprechend &sect; 41a Abs. 1 Satz 1 EStG am 10. Tag des Folgemonats abgegeben, beginnt hinsichtlich der Lohnsteuer die Festsetzungsfrist f&uuml;r Lohnzufl&uuml;sse der Monate Januar bis November mit Ablauf des Zuflussjahres und f&uuml;r Dezember mit Ablauf des Folgejahres. Insoweit deckt sich dann der Beginn der steuerlichen Festsetzungsfrist mit dem Beginn der Festsetzungsfrist f&uuml;r einen Haftungsbescheid f&uuml;r die entsprechende Steuer. Gilt in diesem Fall &#8211;wie grunds&auml;tzlich f&uuml;r den Haftungsbescheid (&sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO)&#8211; auch eine steuerliche Festsetzungsfrist von vier Jahren (&sect; 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO), so f&uuml;hrt die Ablaufhemmung des &sect; 191 Abs. 3 Satz 4&nbsp;&nbsp;1. Halbsatz AO zu keiner Verl&auml;ngerung der Haftungsfestsetzungsfrist. Werden indes keine Steueranmeldungen abgegeben, so beginnt die steuerliche Festsetzungsfrist nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO sp&auml;testens mit Ablauf des dritten Kalenderjahrs, das auf das Kalenderjahr folgt, in dem die Lohnsteuer entstanden, d.h. der Arbeitslohn zugeflossen ist (&sect; 38 Abs. 2 Satz 2 EStG). Gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 4&nbsp;&nbsp;1. Halbsatz AO wirkt sich diese Anlaufhemmung nach &sect; 170 AO auch auf den Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r einen entsprechenden Haftungsbescheid aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach &sect; 191 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 AO kann ein Haftungsbescheid nicht mehr ergehen, soweit die Steuer gegen den Steuerschuldner nicht festgesetzt worden ist und wegen Ablaufs der Festsetzungsfrist auch nicht mehr festgesetzt werden kann. Soll die Regelung des &sect; 191 Abs. 3 Satz 4 AO vermeiden, dass die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Haftungsbescheid abl&auml;uft, bevor die Steuer &uuml;berhaupt festgesetzt ist, so greift &sect; 191 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 AO dann, wenn gegen&uuml;ber dem Haftungsschuldner eigentlich eine l&auml;ngere Frist liefe als gegen&uuml;ber dem Steuerschuldner (vgl. BFH-Urteil vom 9. August 2000 I R 95\/99, BFHE 193, 12, BStBl II 2001, 13, unter II. 3. c bb; Klein\/R&uuml;sken, a.a.O., &sect; 191 Rz 95).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben h&auml;lt die Entscheidung des FG, dass hinsichtlich der Haftung der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Lohnsteuerbetr&auml;ge des Jahres 1990 Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten sei, revisionsrechtlicher Pr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu Unrecht hat das FG bei der Berechnung der steuerlichen Festsetzungsfrist nicht &#8211;wie erforderlich (II. 1. b)&#8211; auf die Steuer abgestellt, f&uuml;r die die Kl&auml;gerin in Haftung genommen werden soll. Das FG hat nicht auf die Lohnsteuerschuld, sondern auf die Einkommensteuerschuld der betroffenen Arbeitnehmer abgestellt. Die streitige Haftung bezieht sich aber auf die Lohnsteuer und nicht auf die individuelle Einkommensteuer der betroffenen Arbeitnehmer. Demgegen&uuml;ber kann sich das FG nicht darauf berufen, dass die Lohnsteuer eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer ist, denn gleichwohl muss zwischen Lohn- und Einkommensteuerschuld unterschieden werden: Weder entstehen und verj&auml;hren Lohnsteuer- und Einkommensteuerschuld gleichzeitig noch decken sie sich betragsm&auml;&szlig;ig. Gesamtschuldner sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber gem&auml;&szlig; &sect; 42d Abs. 3 Satz 1 EStG lediglich hinsichtlich der bei Lohnzufluss (vgl. &sect; 38 Abs. 2 Satz 2 EStG) entstehenden Entrichtungsschuld. Ob der Arbeitnehmer &uuml;berhaupt Einkommensteuer schuldet (z.B. weil er anderweitige Verluste hat), ist unabh&auml;ngig von einer etwaigen Lohnsteuerschuld. Deshalb ist im Zusammenhang mit der Lohnsteuer auch nicht von Bedeutung, ob und wann der Arbeitnehmer eine Einkommensteuererkl&auml;rung abzugeben hat oder tats&auml;chlich abgibt. Folglich ist im Streitfall auch hinsichtlich der Anlaufhemmung nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO (vgl. II. 1. b) nicht darauf abzustellen, ob eine Einkommensteuererkl&auml;rung abzugeben war. Ma&szlig;geblich ist vielmehr, ob und ggf. wann die Kl&auml;gerin Lohnsteuer-Anmeldungen f&uuml;r die im Streitfall betroffenen Lohnsteuer-Anmeldungszeitr&auml;ume abgegeben hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Mangels Spruchreife geht die Sache an das FG zur erneuten Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ck (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FGO). Auf der Grundlage der vom FG getroffenen Feststellungen l&auml;sst sich der Beginn der steuerlichen Festsetzungsfrist nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO nicht bestimmen. Das FG hat sich n&auml;mlich &#8211;aus seiner Sicht zu Recht&#8212; nicht mit der tats&auml;chlichen Frage befasst, ob und ggf. wann die Kl&auml;gerin Lohnsteuer-Anmeldungen f&uuml;r die Lohnsteuer-Anmeldungszeitr&auml;ume (vgl. &sect; 41a Abs. 2 EStG) des Jahres 1990 abgegeben hat. Das FG hat nur in Ankn&uuml;pfung an die Feststellungen der Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung ausgef&uuml;hrt, dass von der Kl&auml;gerin lohnsteuerliche Konsequenzen lediglich f&uuml;r die Arbeitnehmer mit Wohnsitz und T&auml;tigkeit im Inland gezogen worden seien. Dieser Umstand spricht daf&uuml;r, dass die Kl&auml;gerin Lohnsteuer-Anmeldungen abgegeben hat, in denen jedenfalls die inl&auml;ndischen Arbeitnehmer der Kl&auml;gerin ber&uuml;cksichtigt worden sind. Das FA hat in seiner Revisionsbegr&uuml;ndung hingegen vorgetragen, die Kl&auml;gerin sei ihrer Verpflichtung zur Abgabe einer Steueranmeldung nach &sect; 38 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 3 i.V.m. &sect; 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG nicht nachgekommen. Das FG erh&auml;lt als Tatsachengericht Gelegenheit, die Abgabe von Steueranmeldungen hinsichtlich der Lohnsteuer 1990 weiter aufzukl&auml;ren und zu pr&uuml;fen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf neuer Tatsachengrundlage und nach Ma&szlig;gabe der unter II. 1. b benannten Ma&szlig;st&auml;be wird das FG die Voraussetzungen des &sect; 191 Abs. 3 Satz 4 AO erneut zu pr&uuml;fen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch wird das FG ggf. zu pr&uuml;fen haben, ob die steuerliche Festsetzungsfrist k&uuml;rzer als die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Haftungsbescheid ist und deshalb die Vorschrift des &sect; 191 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 AO, auf den sich die Kl&auml;gerin beruft, zur Anwendung kommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.3.2008, VI R 5\/05 Verj&auml;hrung von Lohnsteueranspr&uuml;chen und Haftungsanspr&uuml;chen Leits&auml;tze 1. Die Festsetzungsfrist f&uuml;r einen Lohnsteuer-Haftungsbescheid endet nicht vor Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Lohnsteuer (&sect; 191 Abs. 3 Satz 4 1. Halbsatz AO). 2. Der Beginn der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Lohnsteuer richtet sich nach &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-5-05-verjaehrung-von-lohnsteueranspruechen-und-haftungsanspruechen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;5\/05 &#8211; Verj&auml;hrung von Lohnsteueranspr&uuml;chen und Haftungsanspr&uuml;chen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-17205","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17205"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17205\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}