{"id":17334,"date":"2012-12-10T16:20:39","date_gmt":"2012-12-10T14:20:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17334"},"modified":"2012-12-10T16:20:39","modified_gmt":"2012-12-10T14:20:39","slug":"vii-r-21-07-festsetzungsfrist-fuer-den-erlass-eines-haftungsbescheids-gemaess-par-191-abs-3-satz-2-2-halbsatz-ao-bei-leichtfertiger-steuerverkuerzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-21-07-festsetzungsfrist-fuer-den-erlass-eines-haftungsbescheids-gemaess-par-191-abs-3-satz-2-2-halbsatz-ao-bei-leichtfertiger-steuerverkuerzung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;21\/07 &#8211; Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.4.2008, VII R 21\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids ist gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung nur in den F&auml;llen auf f&uuml;nf Jahre verl&auml;ngert, in denen die Haftungsinanspruchnahme auf &sect; 70 AO beruht, nicht aber f&uuml;r jeden Fall der Haftung, dem eine leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung zugrunde liegt, also auch nicht bei der Haftung gem&auml;&szlig; &sect; 69 AO (Klarstellung der Rechtsprechung).<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) war gemeinsam mit dem Gesellschafter W. Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH. Wegen gr&ouml;&szlig;erer Forderungsausf&auml;lle geriet die GmbH in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten mit der Folge, dass auf Antrag der beiden Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer im Mai 1998 das Gesamtvollstreckungsverfahren er&ouml;ffnet und nach Verteilung des Erl&ouml;ses im Dezember 2002 eingestellt wurde. Die zur Tabelle angemeldeten Forderungen des Beklagten und Revisionskl&auml;gers (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) wurden bei der Verteilung des Erl&ouml;ses nicht ber&uuml;cksichtigt. Im Juli 2003 ist die GmbH wegen Verm&ouml;genslosigkeit von Amts wegen im Handelsregister gel&ouml;scht worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nachdem die GmbH die Umsatzsteuererkl&auml;rung 1994 bis zu der ihr einger&auml;umten Frist, dem 30. April 1996, nicht abgegeben hatte, erlie&szlig; das FA im Oktober 1996 einen Sch&auml;tzungsbescheid auf der Grundlage der Voranmeldungen. Steuerr&uuml;ckst&auml;nde gab es zu dieser Zeit nicht. Die daraufhin im September 1997 eingereichte Umsatzsteuererkl&auml;rung wies eine gegen&uuml;ber der Sch&auml;tzung erheblich h&ouml;here Umsatzsteuerbemessungsgrundlage aus. Die darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hrende Nachzahlung konnte die GmbH wegen erheblicher Forderungsausf&auml;lle und daraus folgender Zahlungsschwierigkeiten nicht mehr leisten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Wegen dieser Steuerr&uuml;ckst&auml;nde der GmbH nahm das FA die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer mit Bescheid vom Dezember 2001 gem&auml;&szlig; &sect; 69 i.V.m. &sect; 34 der Abgabenordnung (AO) &#8211;begrenzt auf eine gesch&auml;tzte Tilgungsquote von 70 %&#8211; in Haftung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Einspruch des Kl&auml;gers gegen den Haftungsbescheid blieb erfolglos.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Zwar habe der Kl&auml;ger grob fahrl&auml;ssig seine Pflichten als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer verletzt, so dass er dem Grunde nach f&uuml;r Steuerschulden der GmbH habe in Haftung genommen werden d&uuml;rfen, seiner Inanspruchnahme stehe jedoch der Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung entgegen, die f&uuml;r den Erlass des auf &sect; 69 AO gest&uuml;tzten Haftungsbescheids gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO vier Jahre betrage. Die Festsetzungsfrist in &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO sei nur dann von vier auf f&uuml;nf bzw. zehn Jahre verl&auml;ngert, wenn der Haftungsbescheid auf &sect; 70 AO oder &sect; 71 AO gest&uuml;tzt sei. In anderen Haftungsf&auml;llen &#8211;wie hier nach &sect; 69 AO&#8211; bleibe es bei der vierj&auml;hrigen Festsetzungsfrist, auch wenn die Steuer tats&auml;chlich hinterzogen oder leichtfertig verk&uuml;rzt worden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA, diese Auffassung des FG verletze Bundesrecht und beruft sich auf die entgegenstehende Entscheidung des V. Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) in einem Verfahren der Aussetzung der Vollziehung &#8211;AdV&#8211; (Beschluss vom 7. Februar 2002 V B 86\/01, BFH\/NV 2002, 755), wonach die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines auf &sect; 69 AO gest&uuml;tzten Haftungsbescheids gegen einen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung f&uuml;nf Jahre betrage. Im Streitfall sei der Haftungsbescheid innerhalb der Festsetzungsfrist von f&uuml;nf Jahren und somit zu Recht ergangen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eine solche Auslegung der Vorschrift des &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO sei nach dem Wortlaut m&ouml;glich und zudem gerechtfertigt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Verl&auml;ngerung der Festsetzungsverj&auml;hrung f&uuml;r die Haftung nach &sect; 70 AO beziehe sich ausdr&uuml;cklich nur auf F&auml;lle der Steuerhinterziehung; dann verl&auml;ngere sich die Festsetzungsfrist auf zehn Jahre. Gleiches gelte f&uuml;r eine Haftung nach &sect; 71 AO, die ebenfalls bei Steuerhinterziehung in Frage komme. Die Verl&auml;ngerung der Festsetzungsfrist auf f&uuml;nf Jahre f&uuml;r Haftungsf&auml;lle bei Vorliegen einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung sei nach dem Wortlaut der Norm nicht an das Vorliegen einer Haftung nach &sect; 70 AO gebunden, sondern neutral formuliert. Infolgedessen gelte die Verl&auml;ngerung der Festsetzungsverj&auml;hrung auch in F&auml;llen, in denen eine leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung vorliegt und &#8211;mangels Vorliegens einer gesonderten Haftungsvorschrift f&uuml;r Personen, die die leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung begehen&#8211; die Haftungsinanspruchnahme dieser Personen nach &sect; 69 AO erfolge.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Diese Auslegung der Vorschrift entspreche dem Willen des Gesetzgebers. Einer der Kernpunkte der neuen Abgabenordnung sei die Verk&uuml;rzung der allgemeinen Festsetzungsverj&auml;hrung, die nach dem alten Gesetz f&uuml;nf Jahre betragen habe, auf vier Jahre (&sect; 169 AO) gewesen. Ausnahmen seien jedoch f&uuml;r alle F&auml;lle einer Steuerhinterziehung und einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung zugelassen worden. W&auml;hrend f&uuml;r die Steuerhinterziehung die Festsetzungsfrist weiterhin zehn Jahre habe betragen sollen, sei eine Festsetzungsfrist von f&uuml;nf Jahren bei einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung neu eingef&uuml;hrt worden (Hinweis auf BTDrucks VI\/1982, S. 44, EAO 1974 &sect; 150, S. 94 unter III. Grundz&uuml;ge des Entwurfs, 2., vorletzter Absatz). Nach der Gesetzesbegr&uuml;ndung zu &sect; 150 AO (heute &sect; 169 AO) sei die verl&auml;ngerte Festsetzungsfrist bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung zum Ausgleich der dadurch erschwerten richtigen Steuerfestsetzung auch dann geboten, wenn die Tat nicht durch den Steuerschuldner begangen worden sei (BTDrucks VI\/1982, S. 150).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nichts anderes k&ouml;nne auch bei der Auslegung des &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO gelten. Eine Steuerverk&uuml;rzung erschwere die Feststellung der richtigen Steuer eben auch in den F&auml;llen, die dann zu einer Haftung nach &sect;&sect; 69 ff. AO f&uuml;hrten und zwar unabh&auml;ngig davon, welcher der Haftungstatbest&auml;nde durch den Haftenden nun erf&uuml;llt worden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten k&ouml;nne nicht befriedigen, dass sich die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids gegen die Vertretenen nach &sect; 70 AO auch bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung ihrer Vertreter verl&auml;ngere, w&auml;hrend die eigentlichen T&auml;ter, n&auml;mlich die Vertreter (bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung) nach den Vorschriften der &sect;&sect; 69, 34 AO nur vier Jahre in Haftung genommen werden k&ouml;nnten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Das Urteil des FG entspricht dem Bundesrecht (&sect; 118 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA hat den Kl&auml;ger als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. &sect;&sect; 69, 34 AO wegen der Abgabenr&uuml;ckst&auml;nde der von ihm vertretenen GmbH aus dem Jahr 1994 in Haftung genommen. Die revisionsrechtliche Pr&uuml;fung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit dieses Bescheids nach Grund und H&ouml;he er&uuml;brigt sich hier, da der Inanspruchnahme des Kl&auml;gers, wie das FG zu Recht erkannt hat, der Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO entgegensteht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Nach &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO betr&auml;gt die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass von Haftungsbescheiden regelm&auml;&szlig;ig vier Jahre, &quot;in den F&auml;llen des &sect; 70 bei Steuerhinterziehung zehn Jahre, bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung f&uuml;nf Jahre, in den F&auml;llen des &sect; 71 zehn Jahre&quot;.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach den mit der Revision nicht angegriffenen und damit f&uuml;r den Senat bindenden Feststellungen des FG war die vierj&auml;hrige Festsetzungsfrist bei Erlass des Haftungsbescheids im Dezember 2001 f&uuml;r die in die Haftung einbezogenen Steuern bereits abgelaufen. Dagegen w&auml;re der Bescheid bei Annahme einer f&uuml;nf- oder zehnj&auml;hrigen Festsetzungsfrist noch rechtzeitig ergangen. Die Voraussetzungen des verl&auml;ngerten Verj&auml;hrungszeitraums in &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO liegen jedoch nicht vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Verl&auml;ngerung auf zehn Jahre scheitert schon am insoweit eindeutigen Wortlaut der Regelung, da das FA den Kl&auml;ger nicht wegen Steuerhinterziehung nach &sect; 71 AO in Haftung genommen hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Ob das Verhalten des Kl&auml;gers den Tatbestand einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung (&sect; 378 AO) erf&uuml;llt, wie vom FA unterstellt, bedarf keiner Kl&auml;rung. Denn auch wenn das der Fall w&auml;re, h&auml;tte sich die Verj&auml;hrungsfrist f&uuml;r den Erlass des auf &sect;&sect; 69, 34 AO gest&uuml;tzten Haftungsbescheids nicht verl&auml;ngert.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Schon die Fassung des &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO spricht dagegen, dass sich bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung die Festsetzungsfrist auf f&uuml;nf Jahre unabh&auml;ngig davon verl&auml;ngert, ob die Haftungsinanspruchnahme auf &sect; 70 AO beruht. Die Formulierung &quot;in den F&auml;llen des &sect; 70 bei Steuerhinterziehung zehn Jahre, bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung f&uuml;nf Jahre, in den F&auml;llen des &sect; 71 zehn Jahre&quot; schlie&szlig;t an die Regelung des Normalfalls der vierj&auml;hrigen Festsetzungsfrist in &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;1. Halbsatz AO an. Dann ist es nur folgerichtig, dass die besonderen Verj&auml;hrungsfristen im zweiten Halbsatz die beiden besonderen Haftungsnormen der AO, n&auml;mlich &sect; 70 AO und &sect; 71 AO betreffen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die gew&auml;hlte sprachliche Fassung greift au&szlig;erdem offensichtlich die Formulierung des &sect; 70 AO auf, wonach sowohl die Steuerhinterziehung (&sect; 370 AO) als auch die leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung (&sect; 378 AO) durch den Vertreter die Haftung des Vertretenen begr&uuml;ndet. Das macht deutlich, dass die verl&auml;ngerte Festsetzungsfrist nur in dem Fall der Haftung des Vertretenen (schon) bei einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung (des Vertreters) normiert ist, nicht aber f&uuml;r jeden Fall der Haftung, dem eine leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung zugrunde liegt, also auch nicht im Streitfall bei der Haftung gem&auml;&szlig; &sect; 69 AO (BFH-Beschluss vom 4. September 2002 I B 145\/01, BFHE 199, 95, BStBl II 2003, 223; Boeker in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 191 AO Rz 149; Kruse in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 191 AO Rz 68; Dumke in Schwarz, AO, &sect; 191 Rz 58).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                F&uuml;r die Richtigkeit dieses Verst&auml;ndnisses des &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 2. Halbsatz AO spricht die Gesetzesbegr&uuml;ndung zu &sect; 172 Abs. 2 AO (heute &sect; 191 Abs. 3 AO). Dort hei&szlig;t es: &quot;Die Festsetzungsfrist betr&auml;gt drei (heute vier) Jahre, soweit nicht in den F&auml;llen der &sect;&sect; 70 und 71 die f&uuml;nf- oder zehnj&auml;hrige Festsetzungsfrist in Betracht kommt&quot; (BTDrucks VI\/1982, S. 159 f., Zu &sect; 172). Von einer Verl&auml;ngerung der Frist in anderen F&auml;llen, insbesondere bei Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerhaftung wegen leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung, ist nicht die Rede.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Angesichts dieser speziellen Gesetzesbegr&uuml;ndung besteht keine Veranlassung, auf die Erw&auml;gungen zur Einf&uuml;hrung des &sect; 150 AO (heute &sect; 169 AO) zur&uuml;ckzugreifen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zwar trifft es zu, dass mit &sect; 169 AO neben der allgemeinen Festsetzungsverj&auml;hrung von vier Jahren und der zehnj&auml;hrigen Festsetzungsfrist f&uuml;r die Steuerhinterziehung eine gesonderte f&uuml;nfj&auml;hrige Festsetzungsfrist bei einer leichtfertigen Steuerverk&uuml;rzung neu eingef&uuml;hrt wurde (vgl. BTDrucks VI\/1982, S. 44, EAO 1974 &sect; 150, S. 94, unter III. Grundz&uuml;ge des Entwurfs, 2., vorletzter Absatz) und damit auch die durch die leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung eingetretene Erschwernis der richtigen Steuerfestsetzung zum Teil ausgeglichen werden sollte, unabh&auml;ngig davon, wer jeweils der T&auml;ter ist (BTDrucks VI\/1982, S. 150, Zu &sect; 150 AO &#8211;heute &sect; 169 AO&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Damit l&auml;sst sich aber die Auslegung des &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO durch das FA nicht rechtfertigen, auch wenn es nicht unmittelbar einleuchtet, dass die eigentlichen T&auml;ter, n&auml;mlich die Vertreter, bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung nach den Vorschriften der &sect;&sect; 69, 34 AO nur vier Jahre, die Vertretenen nach &sect; 70 AO bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung ihrer Vertreter aber f&uuml;nf Jahre lang in Haftung genommen werden k&ouml;nnen. Der Gesetzgeber hat jedoch klar zum Ausdruck gebracht, dass mit &sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO die L&auml;nge der Festsetzungsfrist eigenst&auml;ndig geregelt werden sollte (Klein\/R&uuml;sken, AO, 9. Aufl., &sect; 191 Rz 98; Kruse in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect; 191 AO Rz 68). Andernfalls h&auml;tte es mit der Regelung des &sect; 191 Abs. 3 Satz 1 AO, wonach die Vorschriften &uuml;ber die Festsetzungsfrist auf den Erlass von Haftungsbescheiden entsprechend anwendbar sind, sein Bewenden haben k&ouml;nnen. Dass das nicht gewollt war, zeigt sich aber auch daran, dass die einj&auml;hrige Festsetzungsfrist f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern nach &sect; 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO in &sect; 191 Abs. 3 AO nicht &uuml;bernommen worden ist (BTDrucks VI\/1982, S. 220, Gegen&auml;u&szlig;erung der Bundesregierung zu der Stellungnahme des Bundesrates Zu 30. (&sect; 172 Abs. 2 Satz 2 AO)).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Senat weicht mit seiner vorliegenden Entscheidung nicht i.S. des &sect; 11 Abs. 2 FGO vom Beschluss des V. Senats des BFH in BFH\/NV 2002, 755 ab. Zwar hat der V. Senat dort den rechtzeitigen Erlass eines auf &sect;&sect; 69, 34 AO gest&uuml;tzten Haftungsbescheids gegen den Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH bejaht, weil die von der GmbH geschuldete Umsatzsteuer leichtfertig verk&uuml;rzt (&sect; 378 AO) worden sei und die Festsetzungsfrist deshalb f&uuml;nf Jahre (&sect; 191 Abs. 3 Satz 2 AO) betrage. Einer Anfrage gem&auml;&szlig; &sect; 11 Abs. 3 FGO beim V. Senat, ob er an dieser Rechtsauffassung festh&auml;lt, bedarf es aber nicht, denn der Beschluss betrifft nur ein Verfahren wegen AdV, in dem naturgem&auml;&szlig; Rechtsfragen nicht abschlie&szlig;end beurteilt werden (BFH-Urteil vom 2. Juli 1997 I R 25\/96, BFHE 183, 33, BStBl II 1997, 714, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.4.2008, VII R 21\/07 Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung Leits&auml;tze Die Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids ist gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz AO bei leichtfertiger Steuerverk&uuml;rzung nur in den F&auml;llen auf f&uuml;nf Jahre verl&auml;ngert, in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-21-07-festsetzungsfrist-fuer-den-erlass-eines-haftungsbescheids-gemaess-par-191-abs-3-satz-2-2-halbsatz-ao-bei-leichtfertiger-steuerverkuerzung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;21\/07 &#8211; Festsetzungsfrist f&uuml;r den Erlass eines Haftungsbescheids gem&auml;&szlig; &sect; 191 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;2. 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