{"id":17405,"date":"2012-12-10T16:20:43","date_gmt":"2012-12-10T14:20:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17405"},"modified":"2012-12-10T16:20:43","modified_gmt":"2012-12-10T14:20:43","slug":"vii-r-62-06-nacherhebung-von-einfuhrabgaben-frage-der-erkennbarkeit-eines-irrtums-der-zollbehoerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-62-06-nacherhebung-von-einfuhrabgaben-frage-der-erkennbarkeit-eines-irrtums-der-zollbehoerde\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;62\/06 &#8211; Nacherhebung von Einfuhrabgaben: Frage der Erkennbarkeit eines Irrtums der Zollbeh&ouml;rde"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.4.2008, VII R 62\/06<\/p>\n<p class=\"titel\">Nacherhebung von Einfuhrabgaben: Frage der Erkennbarkeit eines Irrtums der Zollbeh&ouml;rde<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Werden Einfuhrabgaben irrt&uuml;mlich mit einem zu geringen Betrag buchm&auml;&szlig;ig erfasst, ist hinsichtlich der bei der nachtr&auml;glichen buchm&auml;&szlig;igen Erfassung zu pr&uuml;fenden Frage, ob der Irrtum vom Zollschuldner vern&uuml;nftigerweise erkannt werden konnte, nicht auf den Zeitpunkt der Abgabe der Zollanmeldung, sondern auf den Zeitpunkt der Mitteilung des urspr&uuml;nglichen Abgabenbetrags abzustellen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) meldete am 18. August 1995 eine Sendung entbeinter, gefrorener H&auml;hnchenbrust mit Ursprung in China unter Vorlage eines Ursprungszeugnisses zur Abfertigung zum freien Verkehr unter Anwendung des Pr&auml;ferenzzollsatzes an. Die Zollstelle nahm die Anmeldung an, &uuml;berlie&szlig; die Waren und meldete die Sendung der Zentralstelle Zollkontingente zur Anrechnung auf das Zollkontingent, wobei sie wegen eines Fehlers im Deutschen Gebrauchszolltarif nicht erkannte, dass die Anwendung des Pr&auml;ferenzzollsatzes die Vorlage einer Einfuhrlizenz voraussetzte, welche von der Kl&auml;gerin jedoch nicht vorgelegt worden war. Dieser Fehler wurde aufgrund einer am selben Tag an das Bundesministerium der Finanzen (BMF) gerichteten Anfrage entdeckt und korrigiert. Die Mitarbeiterin P des mit der Kl&auml;gerin verbundenen Unternehmens B, die auch f&uuml;r die Zollabfertigungen der Kl&auml;gerin zust&auml;ndig war, wurde am 22. August 1995 per Telefax vom BMF &uuml;ber die Notwendigkeit der Vorlage einer Einfuhrlizenz unterrichtet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Abgabenbescheid vom 24. August 1995 setzte die Abfertigungszollstelle die Einfuhrabgaben f&uuml;r die Warensendung gleichwohl unter Anwendung der im Rahmen des Kontingents vorgesehenen pr&auml;ferenziellen Zollfreiheit fest. Nachdem festgestellt worden war, dass die Warensendung mangels Einfuhrlizenz nicht auf das Kontingent h&auml;tte angerechnet werden d&uuml;rfen, erhob das seinerzeit zust&auml;ndige Hauptzollamt, dessen Zust&auml;ndigkeit auf den Beklagten und Revisionsbeklagten (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) &uuml;bergegangen ist, die dem Zolltarif entsprechenden Einfuhrabgaben nach.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Das FG urteilte, dass Art. 220 Abs. 2 Buchst. b des Zollkodex (ZK) der Nacherhebung nicht entgegenstehe. Zwar beruhe die Nichterhebung der gesetzlich geschuldeten Abgaben auf einem sog. aktiven Irrtum der Zollbeh&ouml;rde. Dieser Irrtum sei aber f&uuml;r die Kl&auml;gerin erkennbar gewesen, weil die f&uuml;r die Zollabfertigung der Kl&auml;gerin zust&auml;ndige Mitarbeiterin P bereits am 22. August 1995 vom BMF auf das Erfordernis einer Einfuhrlizenz f&uuml;r die Inanspruchnahme des Pr&auml;ferenzzollsatzes hingewiesen worden sei. Bei Erhalt des Abgabenbescheids vom 24. August 1995 h&auml;tte die Kl&auml;gerin daher erkennen k&ouml;nnen, dass ihr die Zollbefreiung nicht h&auml;tte gew&auml;hrt werden d&uuml;rfen. Entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin komme es bei der Frage nach der Erkennbarkeit des Irrtums nicht auf den Zeitpunkt der Zollanmeldung an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit ihrer Revision macht die Kl&auml;gerin weiterhin geltend, dass der ma&szlig;gebliche Zeitpunkt bez&uuml;glich der Erkennbarkeit des Irrtums der Zollbeh&ouml;rde der Zeitpunkt der Zollanmeldung, im Streitfall also der 18. August 1995, gewesen sei. Hierf&uuml;r spreche u.a., dass die buchm&auml;&szlig;ige Erfassung, an die Art. 220 Abs. 2 ZK ankn&uuml;pfe, nach Art. 218 Abs. 1 ZK im Fall des Entstehens einer Zollschuld durch Annahme der Zollanmeldung sp&auml;testens am zweiten Tag nach der &Uuml;berlassung der Ware zu erfolgen habe. Daraus ergebe sich, dass Art. 220 Abs. 2 Buchst. b ZK f&uuml;r die Frage der Erkennbarkeit des Irrtums nur diesen Zwei-Tage-Zeitraum im Blick habe und sp&auml;ter eintretende Umst&auml;nde f&uuml;r die Beurteilung der Erkennbarkeit und der Gutgl&auml;ubigkeit nicht zu ber&uuml;cksichtigen seien. Dass Art. 220 Abs. 2 Buchst. b ZK verlange, dass der Zollanmelder alle geltenden Vorschriften &uuml;ber die Zollanmeldung eingehalten habe, spreche ebenfalls daf&uuml;r, dass hinsichtlich der Erkennbarkeit des Irrtums nur solche Umst&auml;nde Ber&uuml;cksichtigung finden k&ouml;nnten, die der Zollanmeldung zeitlich vorgelagert seien.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das HZA schlie&szlig;t sich der Auffassung des FG an.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect; 126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Revision der Kl&auml;gerin ist nach &sect; 126 Abs. 2 FGO zur&uuml;ckzuweisen, denn das FG hat die Klage zu Recht abgewiesen. Der angefochtene Steuer&auml;nderungsbescheid ist rechtm&auml;&szlig;ig (&sect; 100 Abs. 1 Satz 1 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Dass seinerzeit der Pr&auml;ferenzzollsatz mangels Vorlage einer Einfuhrlizenz nicht angewendet werden konnte, ist zwischen den Beteiligten nicht im Streit, weshalb Ausf&uuml;hrungen des Senats hierzu entbehrlich sind. Aus der unzutreffenden Anwendung des Pr&auml;ferenzzollsatzes folgt, dass die Einfuhrabgaben nicht in der gesetzlich geschuldeten H&ouml;he buchm&auml;&szlig;ig erfasst und erhoben worden sind, weshalb gem&auml;&szlig; Art. 220 Abs. 1 ZK die bisher nicht erhobenen Einfuhrabgaben nachtr&auml;glich buchm&auml;&szlig;ig zu erfassen waren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Das FG hat zu Recht entschieden, dass Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK der Nacherhebung des gesetzlich geschuldeten Abgabenbetrags nicht entgegensteht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach dieser Vorschrift erfolgt keine nachtr&auml;gliche buchm&auml;&szlig;ige Erfassung, wenn der gesetzlich geschuldete Abgabenbetrag aufgrund eines Irrtums der Zollbeh&ouml;rden nicht buchm&auml;&szlig;ig erfasst worden ist, sofern dieser Irrtum vern&uuml;nftigerweise vom Zollschuldner nicht erkannt werden konnte und dieser gutgl&auml;ubig gehandelt und alle geltenden Bestimmungen betreffend die Zollerkl&auml;rung beachtet hat. Diese Voraussetzungen sind im Streitfall nicht erf&uuml;llt. Zwar ist mit den Beteiligten und dem FG davon auszugehen, dass die Abgabenerhebung unter Zugrundelegung des Pr&auml;ferenzzollsatzes auf einem Irrtum der zust&auml;ndigen Zollstelle beruhte. Dieser Irrtum war jedoch &#8211;wie das FG zutreffend ausgef&uuml;hrt hat&#8211; f&uuml;r die Kl&auml;gerin erkennbar, weil bei Erhalt des Abgabenbescheids vom 24. August 1995 die f&uuml;r die Zollabfertigungen der Kl&auml;gerin zust&auml;ndige Mitarbeiterin P bereits durch das vorangegangene Telefax des BMF vom 22. August 1995 &uuml;ber das Erfordernis der Vorlage einer Einfuhrlizenz f&uuml;r die Inanspruchnahme des Pr&auml;ferenzzollsatzes unterrichtet war.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Tatbestandsmerkmale des Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK, dass der Irrtum vom Zollschuldner vern&uuml;nftigerweise nicht erkannt werden konnte und er gutgl&auml;ubig gehandelt hat, werden in der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH) h&auml;ufig zu der Voraussetzung zusammengefasst, dass der beh&ouml;rdliche Irrtum f&uuml;r einen gutgl&auml;ubigen Abgabenschuldner nicht erkennbar war (vgl. EuGH-Urteil vom 3. M&auml;rz 2005 Rs. C-499\/03 P, EuGHE 2005, I-1751, Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern &#8211;ZfZ&#8211; 2005, 228, m.w.N.). Dies mag daran liegen, dass die eine evtl. B&ouml;sgl&auml;ubigkeit des Abgabenschuldners begr&uuml;ndenden Umst&auml;nde regelm&auml;&szlig;ig auch diejenigen sind, welche zur Annahme der Erkennbarkeit des Irrtums f&uuml;hren (vgl. Witte\/Alexander, Zollkodex, 4. Aufl., Art. 220 Rz 44). Anders als die Revision meint, kann aber aus den im Regelfall gemeinsam zu pr&uuml;fenden Merkmalen des &quot;gutgl&auml;ubigen Handelns&quot; und der &quot;Nichterkennbarkeit des Irrtums&quot; nicht geschlossen werden, dass f&uuml;r die Frage, ob der beh&ouml;rdliche Irrtum erkennbar war, ma&szlig;geblich auf den Zeitpunkt des letzten aktiven &quot;Handelns&quot; des Zollbeteiligten und damit in der Regel auf den Zeitpunkt der Abgabe der Zollanmeldung abzustellen ist.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dass der Zollanmelder au&szlig;erdem alle geltenden Vorschriften &uuml;ber die Zollanmeldung eingehalten haben muss, ist eine neben der fehlenden Erkennbarkeit des Irrtums gesondert zu pr&uuml;fende Voraussetzung f&uuml;r ein Absehen von der Nacherhebung gem&auml;&szlig; Art. 220 Abs. 2 Buchst. b ZK. R&uuml;ckschl&uuml;sse auf den hinsichtlich der Erkennbarkeit des Irrtums ma&szlig;geblichen Zeitpunkt erlaubt diese Tatbestandsvoraussetzung nicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Entgegen der Ansicht der Revision kann auch nicht aus Art. 218 Abs. 1 ZK hergeleitet werden, dass Umst&auml;nde, die erst sp&auml;ter als zwei Tage nach Annahme der Zollanmeldung eintreten, f&uuml;r die Frage der Erkennbarkeit des Irrtums ohne Bedeutung sind. Art. 220 ZK setzt allein voraus, dass der geschuldete Abgabenbetrag buchm&auml;&szlig;ig nicht erfasst worden ist. Auf die in Art. 218 ZK vorgeschriebene Frist f&uuml;r die buchm&auml;&szlig;ige Erfassung kommt es nicht an. Diese Frist hat nur Bedeutung f&uuml;r die Abf&uuml;hrung der Eigenmittel an die Kommission; sie dient nicht dem Interesse des Zollschuldners, aus einer Frist&uuml;berschreitung kann er keine Rechte herleiten (Witte\/Alexander, a.a.O., Art. 220 Rz 2).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Auch aus dem EuGH-Urteil in EuGHE 2005, I-1751, ZfZ 2005, 228 l&auml;sst sich nichts f&uuml;r die Auffassung der Revision herleiten. Die Ausf&uuml;hrungen des EuGH unter Rz 55 des Urteils, auf die sich die Revision bezieht, betreffen die Frage, ob der Fehler der Zollverwaltung bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt seitens der Einf&uuml;hrer h&auml;tte erkannt werden k&ouml;nnen und ob dementsprechend die Einf&uuml;hrer jenes Falles sich mit ausreichender Sorgfalt &uuml;ber die Einfuhrbedingungen informiert hatten. F&uuml;r die im Streitfall allein ma&szlig;gebende Frage, ob Umst&auml;nde, die in der Zeit zwischen der Abgabe der Zollanmeldung und der Festsetzung der Einfuhrabgaben eintreten und die den Irrtum der Zollbeh&ouml;rden bei der Abgabenfestsetzung erkennbar machen, bei der Anwendung des Art. 220 Abs. 2 Buchst. b ZK zu ber&uuml;cksichtigen sind oder nicht, trifft das vorgenannte EuGH-Urteil keine Aussage.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK soll das berechtigte Vertrauen des Zollschuldners in die Richtigkeit aller Gesichtspunkte gesch&uuml;tzt werden, die bei der Entscheidung dar&uuml;ber, ob Z&ouml;lle nacherhoben werden, Ber&uuml;cksichtigung finden (vgl. EuGH-Urteil vom 27. Juni 1991 Rs. C-348\/89, EuGHE 1991, I-3277). Entscheidend ist (u.a.) &#8211;was aus dem eindeutigen Wortlaut der Vorschrift folgt&#8211; die f&uuml;r den Zollschuldner gegebene Erkennbarkeit des beh&ouml;rdlichen Irrtums, der die buchm&auml;&szlig;ige Erfassung der Einfuhrabgaben durch die Zollbeh&ouml;rde fehlerhaft macht. Die Frage, ob der Irrtum f&uuml;r den Zollschuldner erkennbar ist, kann sich somit erst stellen, wenn dieser die H&ouml;he der buchm&auml;&szlig;ig erfassten Abgaben erf&auml;hrt, was regelm&auml;&szlig;ig erst mit der Bekanntgabe des Einfuhrabgabenbescheids der Fall ist, also zu einem nach der Abgabe der Zollanmeldung liegenden Zeitpunkt. All dies hat das FG in dem angefochtenen Urteil bereits zutreffend ausgef&uuml;hrt, so dass hierauf verwiesen werden kann.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im &Uuml;brigen geh&ouml;ren zu den beh&ouml;rdlichen Irrt&uuml;mern i.S. des Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK insbesondere diejenigen bei der Auslegung und Anwendung des f&uuml;r den jeweiligen Zollfall ma&szlig;gebenden Rechts (vgl. EuGH-Urteil in EuGHE 1991, I-3277), die naturgem&auml;&szlig; erst begangen werden k&ouml;nnen, nachdem die Zollanmeldung abgegeben worden ist. Die von der Kl&auml;gerin vertretene Auffassung liefe darauf hinaus, dass sich hinsichtlich solcher beh&ouml;rdlicher Rechtsirrt&uuml;mer bei der buchm&auml;&szlig;igen Erfassung der Einfuhrabgaben die Frage nach der Erkennbarkeit des Irrtums gar nicht stellen k&ouml;nnte, weil im Zeitpunkt der Zollanmeldung der Irrtum noch gar nicht begangen war.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Aus dem Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 23. M&auml;rz 1993&nbsp;&nbsp;11 K 65\/91 Z (ZfZ 1994, 116) ergeben sich keine f&uuml;r die Rechtsansicht der Kl&auml;gerin sprechenden Argumente. Wenn es in dem Leitsatz jener Entscheidung hei&szlig;t, dass es f&uuml;r die Erkennbarkeit des Irrtums ma&szlig;geblich auf die Verh&auml;ltnisse zur Zeit der Zollanmeldung ankomme, so ist das FG in jener Entscheidung offenbar von dem &uuml;blichen Fall ausgegangen, dass die Zollanmeldung und die Abgabenerhebung in etwa zeitgleich stattfinden. Einen Fall, in dem die Abgaben erst mehrere Tage nach Abgabe der Zollanmeldung erhoben werden und der Abgabenschuldner w&auml;hrend dieses Zeitraums weitere Erkenntnisse hinsichtlich des gesetzlich geschuldeten Abgabenbetrags gewinnt, hatte das FG Baden-W&uuml;rttemberg nicht zu beurteilen. Das Gleiche gilt hinsichtlich der von der Kl&auml;gerin f&uuml;r ihren Standpunkt angef&uuml;hrten Kommentierung von Alexander (in Witte, a.a.O., Art. 220 Rz 24), welche den Leitsatz vorstehend genannter Entscheidung des FG Baden-W&uuml;rttemberg lediglich sinngem&auml;&szlig; wiedergibt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der seitens der Kl&auml;gerin hervorgehobene Umstand, dass sich die Zollverwaltung hinsichtlich des Erfordernisses einer Einfuhrlizenz schon seit geraumer Zeit in einem &quot;Dauerirrtum&quot; befunden habe, rechtfertigt ebenfalls keine andere Entscheidung. Auch insofern kann auf die zutreffenden Ausf&uuml;hrungen des FG verwiesen werden. Soweit die Kl&auml;gerin des Weiteren geltend macht, dass sie sp&auml;testens mit der Annahme der Zollanmeldung und &Uuml;berlassung der Ware jeglichen zollrechtlichen Handlungsspielraum verloren habe, hat das FG zu Recht darauf hingewiesen, dass sich das Vertrauen des Zollschuldners, um dessen Schutz es in Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK geht, nicht auf die Richtigkeit seiner Zollanmeldung, sondern auf die Richtigkeit der urspr&uuml;nglichen buchm&auml;&szlig;igen Erfassung der Einfuhrabgaben durch die Zollbeh&ouml;rde bezieht. H&auml;tte die zust&auml;ndige Zollstelle den Irrtum nicht begangen, sondern die Abgaben sogleich in der gesetzlich geschuldeten H&ouml;he festgesetzt, h&auml;tte sich die Kl&auml;gerin nicht darauf berufen k&ouml;nnen, bisher hinsichtlich der Entbehrlichkeit einer Einfuhrlizenz in gutem Glauben gewesen zu sein.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Senat hat aus den dargelegten Gr&uuml;nden keine vern&uuml;nftigen Zweifel an der Auslegung des Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK und sieht deshalb keine Verpflichtung, eine Vorabentscheidung des EuGH einzuholen (vgl. dazu: EuGH-Urteil vom 6. Oktober 1982 Rs. 283\/81, EuGHE 1982, 3415, 3430).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Es bedarf schlie&szlig;lich keiner Ausf&uuml;hrungen zum Vorbringen der Revision, dass die Kl&auml;gerin alle Vorschriften &uuml;ber die Zollanmeldung eingehalten habe, weil sich das angefochtene FG-Urteil nicht darauf st&uuml;tzt, dass es an dieser Voraussetzung des Art. 220 Abs. 2 Buchst. b Unterabs. 1 ZK fehle.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 24.4.2008, VII R 62\/06 Nacherhebung von Einfuhrabgaben: Frage der Erkennbarkeit eines Irrtums der Zollbeh&ouml;rde Leits&auml;tze Werden Einfuhrabgaben irrt&uuml;mlich mit einem zu geringen Betrag buchm&auml;&szlig;ig erfasst, ist hinsichtlich der bei der nachtr&auml;glichen buchm&auml;&szlig;igen Erfassung zu pr&uuml;fenden Frage, ob der Irrtum vom Zollschuldner vern&uuml;nftigerweise erkannt werden konnte, nicht auf den Zeitpunkt der Abgabe der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-62-06-nacherhebung-von-einfuhrabgaben-frage-der-erkennbarkeit-eines-irrtums-der-zollbehoerde\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;62\/06 &#8211; Nacherhebung von Einfuhrabgaben: Frage der Erkennbarkeit eines Irrtums der Zollbeh&ouml;rde<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-17405","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17405\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}