{"id":17523,"date":"2012-12-10T16:26:24","date_gmt":"2012-12-10T14:26:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17523"},"modified":"2012-12-10T16:26:24","modified_gmt":"2012-12-10T14:26:24","slug":"i-r-62-06-kein-sog-schachtelprivileg-fuer-gewinnanteile-aus-einer-typisch-stillen-beteiligung-trotz-abkommensrechtlicher-behandlung-als-dividenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-62-06-kein-sog-schachtelprivileg-fuer-gewinnanteile-aus-einer-typisch-stillen-beteiligung-trotz-abkommensrechtlicher-behandlung-als-dividenden\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;62\/06 &#8211; Kein sog. Schachtelprivileg f&uuml;r Gewinnanteile aus einer typisch stillen Beteiligung trotz abkommensrechtlicher Behandlung als Dividenden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.6.2008, I R 62\/06<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein sog. Schachtelprivileg f&uuml;r Gewinnanteile aus einer typisch stillen Beteiligung trotz abkommensrechtlicher Behandlung als Dividenden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Eink&uuml;nfte aus typisch stillen Beteiligungen werden nach Abschn. 11 Satz 2 des Schlussprotokolls zu den Art. 5, 7 und 13 DBA-Luxemburg als Dividenden (Art. 13 DBA-Luxemburg) behandelt. Unbeschadet dessen werden die Eink&uuml;nfte einer in Deutschland ans&auml;ssigen GmbH aus der typisch stillen Beteiligung an einer Luxemburger Kapitalgesellschaft nicht nach Art. 20 Abs. 2 Satz 3 DBA-Luxemburg von der Bemessungsgrundlage f&uuml;r die deutsche Steuer ausgenommen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine GmbH, war im Streitjahr 2000 zu 48 v.H. der Anteile direkt und zus&auml;tzlich als stille Gesellschafterin mit einer Einlage von 100 Mio. DM an einer Kapitalgesellschaft luxemburgischen Rechts mit Sitz und Gesch&auml;ftsleitung in Luxemburg, der I-S.A., beteiligt. Den f&uuml;r das Streitjahr aus der stillen Beteiligung vereinnahmten Gewinnanteil, auf den in Luxemburg eine Quellensteuer in H&ouml;he von 10 v.H. einbehalten worden war, behandelte die Kl&auml;gerin als gem&auml;&szlig; Art. 20 Abs. 2 Satz 3 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Gro&szlig;herzogtum Luxemburg zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und &uuml;ber gegenseitige Amts- und Rechtshilfe auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen sowie der Gewerbesteuern und der Grundsteuern (DBA-Luxemburg) vom 23. August 1958 (BGBl II 1959, 1270) i.V.m. Abschn. 11 Satz 2 der zu den Art. 5, 7 und 13 dieses Abkommens abgegebenen Erkl&auml;rungen der Vertragsstaaten in dem Schlussprotokoll i.d.F. des Erg&auml;nzungsprotokolls vom 15. Juni 1973 (BGBl II 1978, 111) steuerfrei. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) vertrat demgegen&uuml;ber die Auffassung, der Gewinnanteil aus der Luxemburger stillen Gesellschaft sei nach Art. 20 Abs. 3 DBA-Luxemburg in Deutschland unter Anrechnung der ausl&auml;ndischen Steuer gem&auml;&szlig; &sect; 26 Abs. 6 Satz 1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) i.V.m. &sect; 34c Abs. 6 Satz 2, Abs. 1 Satz 2 und 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu besteuern.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Klage gegen den hiernach ergangenen K&ouml;rperschaftsteuerbescheid hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) Baden-W&uuml;rttemberg gab ihr durch Urteil vom 24. Juli 2006&nbsp;&nbsp;6 K 164\/04 statt. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2007, 167 ver&ouml;ffentlicht.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA Verletzung materiellen Rechts. Es beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das dem Verfahren beigetretene Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat sich dem FA in der Sache angeschlossen, jedoch keine eigenen Antr&auml;ge gestellt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Klageabweisung. Die Vorinstanz hat das Besteuerungsrecht Deutschlands f&uuml;r den in Rede stehenden Gewinn aus der stillen Beteiligung der Kl&auml;gerin an der luxemburgischen I-S.A. im Ergebnis zu Unrecht verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin ist in Deutschland ans&auml;ssig und unterf&auml;llt hier mit ihrem Welteinkommen der unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht (&sect; 1 Abs. 1 KStG). Das betrifft auch ihre Gewinnanteile aus ihrer direkten wie stillen Beteiligung an der luxemburgischen I-S.A., in dem ersteren Fall als Dividenden gem&auml;&szlig; &sect; 8 Abs. 1 KStG i.V.m. &sect; 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG, in dem letzteren Fall gem&auml;&szlig; &sect; 8 Abs. 1 KStG i.V.m. &sect; 20 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das DBA-Luxemburg &auml;ndert daran prinzipiell nichts: Das Besteuerungsrecht f&uuml;r Dividenden richtet sich grunds&auml;tzlich nach Art. 13 DBA-Luxemburg. Gewinnanteile aus stillen Beteiligungen werden abkommensrechtlich als Zinsen angesehen (vgl. Gradel in Strunk\/Kaminski\/K&ouml;hler, AStG\/DBA, Art. 10 OECD-MA Rz 75, und dort auch Geurts, Art. 11 OECD-MA Rz 71; Wassermeyer in Debatin\/Wassermeyer, Doppelbesteuerung, Art. 11 MA Rz 10; P&ouml;llath\/Lohbeck in Vogel\/Lehner, DBA, 5. Aufl., Art. 11 Rz 63a f., jeweils m.w.N.), f&uuml;r die Art. 14 DBA-Luxemburg einschl&auml;gig ist. Das Besteuerungsrecht sowohl f&uuml;r Dividenden als auch f&uuml;r Zinsen steht nach Art. 13 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 DBA-Luxemburg grunds&auml;tzlich dem Wohnsitzstaat, im Streitfall also Deutschland zu. Es wird hinsichtlich der Dividenden lediglich durch das Recht des anderen Vertragsstaats, hier also Luxemburgs, zum Steuerabzug an der Quelle eingeschr&auml;nkt (Art. 13 Abs. 2 DBA-Luxemburg); diese Quellensteuer ist in Deutschland auf die K&ouml;rperschaftsteuer anzurechnen (Art. 20 Abs. 3 DBA-Luxemburg).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Allerdings macht Art. 20 Abs. 2 DBA-Luxemburg von den vorstehenden Besteuerungsgrunds&auml;tzen eine Ausnahme f&uuml;r Dividenden, die einer Kapitalgesellschaft von einer Kapitalgesellschaft mit Wohnsitz in dem anderen Vertragsstaat gezahlt werden, deren stimmberechtigte Anteile zu mindestens 25 v.H. der erstgenannten Gesellschaft geh&ouml;ren. Solche Dividenden sind von der Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Steuer des Wohnsitzstaates ausgenommen (Art. 20 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Satz 3 DBA-Luxemburg).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dieses sog. Schachtelprivileg k&ouml;nnte im Streitfall &#8211;und dar&uuml;ber streiten die Beteiligten im Kern&#8211; auch f&uuml;r die Gewinnanteile aus der stillen Beteiligung der Kl&auml;gerin an der I-S.A. einschl&auml;gig sein, und zwar aufgrund der von den Vertragsstaaten in dem Schlussprotokoll zu den Art. 5, 7 und 13 DBA-Luxemburg abgegebenen erg&auml;nzenden Erkl&auml;rungen. Denn nach Abschn. 11 Satz 2 des Protokolls werden die Eink&uuml;nfte aus der Beteiligung als stiller Gesellschafter als Dividenden (Art. 13 DBA-Luxemburg) behandelt. Dies betrifft zwar erkl&auml;rterma&szlig;en (nur) Art. 5, 7 und 13 des Abkommens, die das Besteuerungsrecht der jeweiligen Vertragsstaaten f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus gewerblichen Unternehmen und f&uuml;r Dividenden zuordnen und sich in erster Linie an den jeweiligen Quellenstaat richten. Die Sachzusammenh&auml;nge und die systematischen Verkn&uuml;pfungen zwischen jenen Verteilungsartikeln und Art. 20 Abs. 2 Satz 3 und Abs. 3 DBA-Luxemburg, dessen Adressat der Wohnsitzstaat ist, sprechen aber daf&uuml;r, dass die begriffliche Fiktion im Grundsatz hier wie dort gleicherma&szlig;en einschl&auml;gig ist: Eine anderweitige Begriffsdefinition der Dividende enth&auml;lt das Abkommen nicht; es ist auch nicht erkennbar, dass Art. 20 Abs. 2 Satz 3 und Abs. 3 DBA-Luxemburg aus sich heraus ein abweichendes Begriffsverst&auml;ndnis geb&ouml;te. Nicht zuletzt w&auml;re es bei einem anderweitigen Verst&auml;ndnis ausgeschlossen, die jeweilige Quellensteuer nach Art. 20 Abs. 3 DBA-Luxemburg auf die im Wohnsitzstaat erfassten Dividenden anzurechnen. Daf&uuml;r kann es aber keine Rolle spielen, ob die Dividenden solche origin&auml;rer oder aber nur fiktiver Art sind. Das entspricht denn auch der im Schrifttum &uuml;berwiegend vertretenen Auffassung (vgl. z.B. Siegers in Debatin\/Wassermeyer, a.a.O., Art. 20 Luxemburg Rz 125, dort ebenso &#8211;aus Luxemburger Sicht&#8211; Steichen, Rz 212; Wagner, Die steuerliche Betriebspr&uuml;fung &#8211;StBp&#8211; 2001, 349; derselbe, Die Steuerberatung &#8211;Stbg&#8211; 2007, 21; Suchanek\/Herbst, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2003, 1108; dieselben, FR 2006, 1112; R&ouml;dder\/Ritzer, Internationales Steuerrecht &#8211;IStR&#8211; 2006, 666; Grotherr in Gosch\/Kroppen\/Grotherr, DBA, Art. 20 Luxemburg Rz 18; Jacobs, Internationale Unternehmensbesteuerung, 5. Aufl., S. 962; Wassermeyer, IStR 2007, 413, 415; allgemein Vogel in Vogel\/Lehner, a.a.O., Art. 23 Rz 108; anders Fries, IStR 2005, 805).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Einzelnen kommt es darauf jedoch nicht an. Denn der Regelungswortlaut ebenso wie der Systemzusammenhang, in den die Gew&auml;hrung des beschriebenen Schachtelprivilegs gestellt ist, zeigen auf, dass Gewinnanteile des lediglich still an einer Kapitalgesellschaft Beteiligten von jener Beg&uuml;nstigung ohnehin auszunehmen sind. Es handelt sich, legt man jene Fiktion in Abschn. 11 des Schlussprotokolls zugrunde, zwar auch hierbei um Dividenden. Begreift man die Schachtelprivilegierung jedoch als eine solche, die &#8211;nur&#8211; f&uuml;r Dividenden einzur&auml;umen ist, welche aus einer 25 %igen Kapitalbeteiligung herr&uuml;hren, so wird deutlich, dass es sich insoweit nicht um fiktive, sondern um &quot;echte&quot; Dividenden aus einer entsprechenden Beteiligung handeln muss. Es bedarf der &#8212;zus&auml;tzlichen&#8211; direkten Kapitalbeteiligung, um den tatbestandlichen Anforderungen des Art. 20 Abs. 2 Satz 3 DBA-Luxemburg zu gen&uuml;gen; stille Beteiligungen und die daraus flie&szlig;enden Eink&uuml;nfte reichen unbeschadet dessen, dass Abschn. 11 Satz 2 des Schlussprotokolls diese Eink&uuml;nfte fiktiv als Dividenden qualifiziert, hierf&uuml;r nicht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Regelungswortlaut des Art. 20 Abs. 2 Satz 3 DBA-Luxemburg ist insoweit zwar nicht g&auml;nzlich eindeutig. Bei weiter Normauslegung lie&szlig;e sich vertreten, dass jegliche Dividenden &#8211;origin&auml;re ebenso wie fiktive&#8211; beg&uuml;nstigt w&auml;ren, sobald die erw&auml;hnten Beteiligungsanforderungen &#8211;wie auch im Streitfall infolge der zus&auml;tzlichen direkten Beteiligung der Kl&auml;gerin an der I-S.A.&#8211; erf&uuml;llt sind (in diese Richtung &#8211;allerdings nur bezogen auf abkommensrechtlich abgesenkte Quellensteuers&auml;tze f&uuml;r Schachtelbeteiligungen&#8211; z.B. Tischbirek in Vogel\/Lehner, a.a.O., Art. 10 Rz 166 ff., 168, und dem folgend M&ouml;ssner in M&ouml;ssner u.a., Steuerrecht international t&auml;tiger Unternehmen, 3. Aufl., Rz B 178). Zwingend ist ein derartiges Regelungsverst&auml;ndnis jedoch nicht. Vielmehr erm&ouml;glicht der Wortlaut ein entsprechend eingeschr&auml;nktes Verst&auml;ndnis, das sich besser mit Ziel und Zweck der Freistellung und damit auch dem Willen der Vertragsschlie&szlig;enden in Einklang bringen l&auml;sst (vgl. Art. 31 Abs. 1 des Wiener &Uuml;bereinkommens &uuml;ber das Recht der Vertr&auml;ge vom 23. Mai 1969, BGBl II 1985, 927, in innerstaatliches Recht transformiert seit Inkrafttreten des Zustimmungsgesetzes vom 3. August 1985, BGBl II 1985, 926, am 20. August 1987, BGBl II 1987, 757): Zum einen dehnt Abschn. 11 des Schlussprotokolls lediglich den f&uuml;r Art. 13 DBA-Luxemburg ma&szlig;gebenden Dividendenbegriff auf die Gewinnanteile aus stillen Beteiligungen aus, ersetzt aber nicht zugleich fiktiv die qualifizierten (und auf die Beteiligungsgesellschaft bezogenen) Beteiligungsanforderungen des Art. 20 Abs. 2 Satz 3 DBA-Luxemburg; an einer solchen &#8211;weitergehenden&#8211; Fiktion fehlt es. Zum anderen z&ouml;ge eine Freistellung in beiden Vertragsstaaten im wirtschaftlichen Ergebnis unbesteuert bleibende Eink&uuml;nfte nach sich, weil die Gewinnanteile aus der &quot;hybriden&quot;, stillen Beteiligung in Luxemburg unbeschadet ihrer Behandlung als Dividenden und deren Belastung mit Quellensteuer im Ans&auml;ssigkeitsstaat als Betriebsausgaben abzugsf&auml;hig sind (vgl. Wagner, StBp 2001, 349). Schlie&szlig;lich l&auml;uft die verbleibende Dividendenregelung infolge des einschr&auml;nkenden Normverst&auml;ndnisses nicht leer: Sowohl origin&auml;re wie fiktive Dividenden sind gem&auml;&szlig; Art. 20 Abs. 3 DBA-Luxemburg im Wohnsitzstaat unter Anrechnung ausl&auml;ndischer Quellensteuern zu besteuern. Dem Dividendenbegriff innerhalb des Art. 20 DBA-Luxemburg muss dazu nicht, wie teilweise bef&uuml;rchtet wird (z.B. Siegers in Debatin\/ Wassermeyer, ebenda; R&ouml;dder\/Ritzer, IStR 2006, 666, 667), ein unterschiedliches Verst&auml;ndnis beigelegt werden. Der Dividendenbegriff ist derselbe. Allerdings wird nur eine &quot;Teilmenge&quot; dieser Dividenden, eben jene aus direkten Kapitalbeteiligungen, durch die &quot;Schachtelfreistellung&quot; des Art. 20 Abs. 2 Satz 3 DBA-Luxemburg privilegiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass das Ergebnis dieser normativen und systematischen Auslegung sich mittlerweile ausdr&uuml;cklich in einigen in j&uuml;ngerer Zeit geschlossenen Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung wiederfindet, so beispielsweise in den Abkommen mit &Ouml;sterreich (vom 24. August 2000, Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 4), mit Rum&auml;nien (vom 12. November 2001, Art. 23 Abs. 2 Buchst. a Satz 3), Kroatien (vom 6. Februar 2006, Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 3), Slowenien (vom 3. Mai 2006, Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 3) und in dem mit den Vereinigten Staaten von Amerika geschlossenen Abkommen vom 29. August 1989 i.d.F. des &Auml;nderungsprotokolls vom 1. Juni 2006 (Art. 23 Abs. 3 Buchst. a Satz 4) widerspricht dem nicht. Die Verdeutlichung in jenen Abkommen schlie&szlig;t nicht aus, dass es sich nach Wortlaut und Regelungszusammenh&auml;ngen jedenfalls in dem mit Luxemburg geschlossenen Abkommen ebenso verh&auml;lt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Vorinstanz hat eine hiervon abweichende Rechtsauffassung vertreten. Ihr Urteil war aus diesem Grunde aufzuheben; die Klage war abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.6.2008, I R 62\/06 Kein sog. Schachtelprivileg f&uuml;r Gewinnanteile aus einer typisch stillen Beteiligung trotz abkommensrechtlicher Behandlung als Dividenden Leits&auml;tze Eink&uuml;nfte aus typisch stillen Beteiligungen werden nach Abschn. 11 Satz 2 des Schlussprotokolls zu den Art. 5, 7 und 13 DBA-Luxemburg als Dividenden (Art. 13 DBA-Luxemburg) behandelt. 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