{"id":17527,"date":"2012-12-10T16:26:23","date_gmt":"2012-12-10T14:26:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17527"},"modified":"2012-12-10T16:26:23","modified_gmt":"2012-12-10T14:26:23","slug":"iii-r-23-07-keine-opfergrenze-bei-unterhalt-an-lebensgefaehrtin-gleichstellung-der-unterhaltenen-person-nach-par-33a-abs-1-satz-2-estg-idf-vom-20122001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-23-07-keine-opfergrenze-bei-unterhalt-an-lebensgefaehrtin-gleichstellung-der-unterhaltenen-person-nach-par-33a-abs-1-satz-2-estg-idf-vom-20122001\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;23\/07 &#8211; Keine Opfergrenze bei Unterhalt an Lebensgef&auml;hrtin &#8211; Gleichstellung der unterhaltenen Person nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG i.d.F. vom 20.12.2001"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.5.2008, III R 23\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Opfergrenze bei Unterhalt an Lebensgef&auml;hrtin &#8211; Gleichstellung der unterhaltenen Person nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG i.d.F. vom 20.12.2001<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Unterhaltsleistungen eines Steuerpflichtigen an seine mit ihm in einer Haushaltsgemeinschaft lebende, mittellose Lebenspartnerin sind ohne Ber&uuml;cksichtigung der sog. Opfergrenze als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG abziehbar (gegen BMF-Schreiben vom 28. M&auml;rz 2003, BStBl I 2003, 243).<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) lebte im Streitjahr 2003 mit seiner damaligen Verlobten und jetzigen Ehefrau in einer ehe&auml;hnlichen Gemeinschaft. Die Verlobte war wegen einer chronischen Erkrankung nicht erwerbst&auml;tig und erzielte keine eigenen Eink&uuml;nfte. Nach einer Bescheinigung der Stadt erhielt sie im Streitjahr keine Hilfe zum Lebensunterhalt. Anfang 2003 hatte sie f&uuml;r die Zahlung des Krankenversicherungsbeitrags Sozialhilfe beantragt. Der Antrag erledigte sich in sonstiger Weise, ohne dass das Sozialamt Zahlungen aufgenommen h&auml;tte. Im Mai 2004 f&uuml;hrte das Sozialamt eine Probeberechnung f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Sozialhilfe durch. Ausgehend von einem Nettoverdienst des Kl&auml;gers in H&ouml;he von 1 100 EUR wurde dessen anrechenbares Einkommen mit 943,13 EUR errechnet. Da dieses den mit 812 EUR (Regels&auml;tze f&uuml;r den Kl&auml;ger 296 EUR und f&uuml;r die Verlobte 237 EUR, Warmmiete 279 EUR) ermittelten Bedarf &uuml;berstieg, ergab sich kein Sozialhilfeanspruch der Verlobten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger erhielt im Streitjahr 2003 einen Bruttoarbeitslohn von 16 169 EUR, dazu 594 EUR Kurzarbeitergeld, 395 EUR steuerfreie Arbeitgeberleistungen f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte, 19 EUR steuerfreie Ausl&ouml;sung sowie eine Einkommensteuererstattung f&uuml;r das Vorjahr in H&ouml;he von 1 129,55 EUR. Er zahlte Lohnsteuer, Solidarit&auml;tszuschlag und Kirchensteuer in H&ouml;he von 1 771 EUR und den Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag in H&ouml;he von 3 038 EUR. Ihm entstanden Werbungskosten in H&ouml;he von 1 560 EUR. Der danach verbleibende Nettobetrag von 11 937 EUR stand dem Kl&auml;ger und seiner Verlobten f&uuml;r die gemeinsame Lebensf&uuml;hrung zur Verf&uuml;gung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Beide wohnten im Streitjahr im 1. Obergeschoss eines Einfamilienhauses, in dem sich Wohnzimmer, Schlafzimmer und ein Badezimmer befanden. Das Erdgeschoss mit Wohnzimmer, K&uuml;che, Bad und Schlafzimmer sowie zwei Souterrainr&auml;ume des Hauses nutzten die Mutter der Verlobten und deren Ehemann. Diese wirtschafteten nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) getrennt vom Kl&auml;ger und seiner Verlobten (z.B. getrennte K&uuml;hlschr&auml;nke), was u.a. mit dem geringen Einkommen der Mutter in H&ouml;he von ca. 1 300 EUR monatlich begr&uuml;ndet wurde. Das Dachgeschoss mit Wohn- und Schlafzimmer bewohnte der Bruder der Verlobten, der das Badezimmer des Kl&auml;gers und seiner Verlobten mitbenutzen durfte. Alle Personen teilten die im Erdgeschoss gelegene K&uuml;che. Hauptmieter des Geb&auml;udes waren die Mutter der Verlobten und ihr Ehemann. Der Kl&auml;ger gab an, f&uuml;r seine Verlobte und sich an die Mutter Miete gezahlt zu haben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2003 machte der Kl&auml;ger Unterhaltsleistungen f&uuml;r Miete und Lebensunterhalt seiner Verlobten in H&ouml;he von 7 188 EUR geltend. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte lediglich 2 741 EUR und begr&uuml;ndete dies damit, dass nach der sog. Opfergrenze nur 23 % des Nettoeinkommens des Kl&auml;gers abziehbar seien. Diese errechnete das FA, indem es f&uuml;r jede vollen 500 EUR des mit 11 918 EUR angenommenen Nettoeinkommens 1 % des Nettoeinkommens zum Abzug zulie&szlig;. Das zu versteuernde Einkommen betrug danach 9 760 EUR und die Einkommensteuer 657 EUR.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Einspruch blieb ohne Erfolg.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG gab der Klage mit Urteil vom 20. Februar 2007&nbsp;&nbsp;13 K 206\/05 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2007, 1169) statt und setzte die Einkommensteuer auf 0 EUR fest. Es f&uuml;hrte aus, die Opfergrenze sei nicht anzuwenden, wenn die unterhaltsbed&uuml;rftige Lebensgef&auml;hrtin auf Grund des Zusammenlebens mit dem Steuerpflichtigen keine Sozialhilfe erhalte; dem entgegenstehenden Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 28. M&auml;rz 2003 (BStBl I 2003, 243) werde nicht gefolgt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA begr&uuml;ndet seine Revision damit, dass die Opfergrenze auch Unterhaltsleistungen an bed&uuml;rftige Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft betreffe. Seit dem Ausschluss des Abzuges von sittlich gebotenen Unterhaltsleistungen durch das Jahressteuergesetz (JStG) 1996 k&ouml;nnten nur noch rechtlich zwangsl&auml;ufige Unterhaltsleistungen ber&uuml;cksichtigt werden. Eine derartige Zwangslage bestehe gegen&uuml;ber den durch &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) gleichgestellten Personen nach der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 23. Oktober 2002 III R 57\/99, BFHE 201, 31, BStBl II 2003, 187) nur, wenn gesetzlich unwiderleglich vermutet werde, dass der Unterhalt durch eine andere Person sichergestellt sei und deshalb zum Unterhalt bestimmte &ouml;ffentliche Mittel gek&uuml;rzt w&uuml;rden. Da nach &sect; 1603 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) keinen Unterhalt zu leisten brauche, wer dazu ohne Gef&auml;hrdung seines eigenen angemessenen Unterhalts au&szlig;erstande sei, und Verlobte keinen Unterhaltsvorrang gen&ouml;ssen, sei der Abzug durch die Opfergrenze beschr&auml;nkt. Das FG leite einen vorrangigen Unterhaltsanspruch zu Unrecht aus &sect; 122 des Bundessozialhilfegesetzes ab. Diese Vorschrift setze nicht die sich aus &sect; 1615i Abs. 3 BGB ergebende Nachrangigkeit der Unterhaltsverpflichtung zwischen nichtehelichen Partnern au&szlig;er Kraft. Auch begr&uuml;nde sie keinen Unterhaltsanspruch, sondern betreffe die Ermittlung des Sozialhilfeanspruchs. Da nichteheliche Partner &#8211;im Gegensatz zu Ehegatten und minderj&auml;hrigen Kindern&#8211; keinen Unterhaltsvorrang gen&ouml;ssen, stehe die im BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 243 vertretene Ansicht mit Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes im Einklang; ihr komme zudem als norminterpretierende Verwaltungsansicht die Qualit&auml;t einer Beweisregel zu. Eine &uuml;ber die Opfergrenze hinausgehende Unterst&uuml;tzung der Verlobten sei vom Kl&auml;ger nicht erwartet worden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zu Recht hat das FG die Unterhaltsleistungen des Kl&auml;gers ohne Ber&uuml;cksichtigung einer Opfergrenze als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zum Abzug zugelassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Aufwendungen f&uuml;r den Unterhalt einer gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen gesetzlich unterhaltsberechtigten Person k&ouml;nnen nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 1 EStG auf Antrag bis zu einem bestimmten Betrag (im Streitjahr bis zu 7 188 EUR) vom Gesamtbetrag der Eink&uuml;nfte abgezogen werden. Den gesetzlich unterhaltsberechtigten Personen ist nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG eine Person gleichgestellt, wenn ihr zum Unterhalt bestimmte inl&auml;ndische &ouml;ffentliche Mittel mit R&uuml;cksicht auf die Unterhaltsleistungen des Steuerpflichtigen gek&uuml;rzt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dem Abzug der Unterhaltsleistungen des Kl&auml;gers steht nicht entgegen, dass seiner Verlobten mangels Antragstellung zum Unterhalt bestimmte &ouml;ffentliche Mittel tats&auml;chlich nicht gek&uuml;rzt wurden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zu &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG i.d.F. des JStG 1996, nach dem eine Person gleichgestellt war, &quot;soweit ihr &#8230; Mittel &#8230; gek&uuml;rzt werden&quot;, wurde die Auffassung vertreten, es m&uuml;sse tats&auml;chlich zu einer K&uuml;rzung oder Versagung von &ouml;ffentlichen Mitteln gekommen sein; eine hypothetische Minderung oder Ablehnung von Sozialleistungen gen&uuml;ge nicht (so Hessisches FG, Urteil vom 23. September 1999&nbsp;&nbsp;11 K 1056\/99, EFG 2000, 436; offen gelassen im Senatsurteil in BFHE 201, 31, BStBl II 2003, 187). Seit der &Auml;nderung der Vorschrift durch das Steuer&auml;nderungsgesetz 2001 vom 20. Dezember 2001 (BStBl I 2002, 4) &#8211;Ersetzung des Wortes &quot;soweit&quot; durch &quot;wenn&quot;&#8211; ist es nach vorherrschender Auffassung nicht erforderlich, dass beantragte Sozialleistungen gek&uuml;rzt oder abgelehnt worden sind; es reicht aus, dass die unterhaltene Person wegen der Unterhaltsleistungen keinen Anspruch auf Sozialleistungen hat (BTDrucks 14\/6877, 26; Pust in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect; 33a Rz 161; Schmidt\/Loschelder, EStG, 27. Aufl., &sect; 33a Rz 22; BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 243, 244). Der Senat folgt dem schon deshalb, weil Steuerpflichtige, die im Vertrauen auf die Verwaltungsansicht von einer erfolglosen Antragstellung bei der Sozialbeh&ouml;rde abgesehen haben, nicht benachteiligt werden d&uuml;rfen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Die Opfergrenze ist auf Unterhaltsleistungen an den in Haushaltsgemeinschaft lebenden nichtehelichen Partner nicht anzuwenden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Unterhaltsaufwendungen f&uuml;r andere als gem&auml;&szlig; &sect; 1609 BGB vorrangig unterhaltsberechtigte Personen k&ouml;nnen nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des Senats im Allgemeinen nur dann als zwangsl&auml;ufig und folglich als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung anerkannt werden, wenn sie in einem angemessenen Verh&auml;ltnis zum Nettoeinkommen des Leistenden stehen und diesem nach Abzug der Unterhaltsleistungen noch die angemessenen Mittel zur Bestreitung des Lebensbedarfs f&uuml;r sich sowie ggf. f&uuml;r seine Ehefrau und seine Kinder verbleiben (sog. Opfergrenze; vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 30. Juni 1989 III R 258\/83, BFHE 157, 422, BStBl II 1989, 1009, m.w.N.). Denn nach &sect; 1603 BGB ist nicht unterhaltspflichtig, wer bei Ber&uuml;cksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen au&szlig;erstande ist, ohne Gef&auml;hrdung seines angemessenen Unterhalts den Unterhalt zu gew&auml;hren. Auf Ehegatten wird die Opfergrenze wegen deren vorrangigen Unterhaltsanspr&uuml;chen nicht angewandt (Mellinghoff in Kirchhoff, EStG, 8. Aufl., &sect; 33a Rz. 37).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Gegen&uuml;ber den nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG gleichgestellten Personen besteht keine Unterhaltspflicht. Der gesetzgeberische Grund der Gleichstellung liegt darin, dass der Unterhalt Leistende sich in einer vergleichbaren &#8211;sittlichen, nicht rechtlichen&#8211; Zwangslage wie der gesetzlich zum Unterhalt Verpflichtete befindet, wenn der Unterhaltsbed&uuml;rftige durch Versagung von Sozialleistungen praktisch auf das Einkommen seines Lebenspartners verwiesen wird.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die der Opfergrenze zugrunde liegende Wertung l&auml;sst sich aber auch auf sittliche Unterhaltsverpflichtungen &uuml;bertragen, denn grunds&auml;tzlich wird von niemandem erwartet, den eigenen angemessenen Unterhalt durch dem Grunde nach sittlich gebotene Unterhaltsleistungen zu gef&auml;hrden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Dies ist aber anders, wenn zusammen lebende Partner eine sozialrechtliche Bedarfsgemeinschaft bilden und daher gemeinsam wirtschaften m&uuml;ssen. Erzielt nur einer der Partner &#8211;wie hier der Kl&auml;ger&#8211; Eink&uuml;nfte oder Bez&uuml;ge, so ist es &#8211;jedenfalls bei Steuerpflichtigen in einfachen Verh&auml;ltnissen&#8211; praktisch unumg&auml;nglich, daraus die gr&ouml;&szlig;ten Ausgaben wie Miete samt Nebenkosten, Nahrungsmittel und Kleidung f&uuml;r beide zu begleichen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                In derartigen F&auml;llen w&auml;re es auch sittlich nicht zu billigen, den bed&uuml;rftigen Partner, welchem mit R&uuml;cksicht auf die Unterhaltsleistungen &ouml;ffentliche Mittel verweigert werden, nur unzureichend zu unterst&uuml;tzen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Die gleichm&auml;&szlig;ige Verteilung der zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel unter in einer Haushaltsgemeinschaft lebenden Personen wird daher auch von der Rechtsprechung als Erfahrungssatz angesehen. Nach dem Senatsurteil vom 19. April 2007 III R 65\/06 (BFHE 218, 70, BFH\/NV 2007, 1753, m.w.N.) entspricht es der Lebenserfahrung, dass in einer kinderlosen Ehe, in der ein Ehepartner allein verdient und ein durchschnittliches Nettoeinkommen erzielt, dem nicht verdienenden Ehepartner ungef&auml;hr die H&auml;lfte dieses Nettoeinkommens zuflie&szlig;t, soweit dem verdienenden Ehepartner ein verf&uuml;gbares Einkommen in H&ouml;he des steuerrechtlichen Existenzminimums verbleibt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Auch im Senatsurteil vom 19. Juni 2002 III R 28\/99 (BFHE 199, 355, BStBl II 2002, 753) wurde unterstellt, dass mehrere in Haushaltsgemeinschaft lebende Personen zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts die zur Verf&uuml;gung stehenden Betr&auml;ge nach K&ouml;pfen aufteilen, ohne den unterschiedlichen Unterhaltsbedarf der einzelnen Mitglieder zu ber&uuml;cksichtigen (vgl. auch das Senatsurteil vom 12. November 1993 III R 39\/92, BFHE 174, 317, BStBl II 1994, 731, betr. Aufteilung des einheitlichen Unterst&uuml;tzungsbetrags auf die Gro&szlig;eltern und das in ihrem Haushalt untergebrachte Kind).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                e) Die Anwendung der Opfergrenze st&uuml;nde zudem im Widerspruch zum Sozialrecht, da der Verlobten dann sozialrechtlich &#8211;wie auch die sp&auml;tere Proberechnung des Sozialamtes belegt&#8211; ein h&ouml;herer Anteil des Einkommens des Kl&auml;gers zugerechnet w&uuml;rde als dieser wegen der Opfergrenze abziehen k&ouml;nnte. Einen derartigen Widerspruch hatte der Senat bereits im Urteil in BFHE 199, 355, BStBl II 2002, 753 (unter II. 2. c, betr. die Auslegung des &sect; 33a Abs. 1 Satz 4 EStG) als nicht hinnehmbar beurteilt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.5.2008, III R 23\/07 Keine Opfergrenze bei Unterhalt an Lebensgef&auml;hrtin &#8211; Gleichstellung der unterhaltenen Person nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG i.d.F. vom 20.12.2001 Leits&auml;tze Unterhaltsleistungen eines Steuerpflichtigen an seine mit ihm in einer Haushaltsgemeinschaft lebende, mittellose Lebenspartnerin sind ohne Ber&uuml;cksichtigung der sog. Opfergrenze als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung nach &sect; 33a &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-23-07-keine-opfergrenze-bei-unterhalt-an-lebensgefaehrtin-gleichstellung-der-unterhaltenen-person-nach-par-33a-abs-1-satz-2-estg-idf-vom-20122001\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;23\/07 &#8211; Keine Opfergrenze bei Unterhalt an Lebensgef&auml;hrtin &#8211; Gleichstellung der unterhaltenen Person nach &sect; 33a Abs. 1 Satz 2 EStG i.d.F. vom 20.12.2001<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-17527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17527"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17527\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}