{"id":17562,"date":"2012-12-10T16:23:47","date_gmt":"2012-12-10T14:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17562"},"modified":"2012-12-10T16:23:47","modified_gmt":"2012-12-10T14:23:47","slug":"iii-r-9-07-abm-kraefte-als-arbeitnehmer-im-sinne-des-investitionszulagenrechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-9-07-abm-kraefte-als-arbeitnehmer-im-sinne-des-investitionszulagenrechts\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;9\/07 &#8211; ABM-Kr&auml;fte als Arbeitnehmer im Sinne des Investitionszulagenrechts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2008, III R 9\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">ABM-Kr&auml;fte als Arbeitnehmer im Sinne des Investitionszulagenrechts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Personen, die im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen nach dem Arbeitsf&ouml;rderungsgesetz in einem Betrieb t&auml;tig werden, sind Arbeitnehmer im Sinne des Investitionszulagenrechts und deshalb miteinzubeziehen, soweit es f&uuml;r die erh&ouml;hte Investitionszulage auf die Zahl der in einem Betrieb besch&auml;ftigten Arbeitnehmer ankommt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Revisionskl&auml;ger ist Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen der vormaligen Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin, einer GmbH &#038; Co. KG (KG), in deren Betrieb im Streitjahr 1995 neben 240 &quot;regul&auml;ren&quot; Arbeitnehmern auch 12 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen (ABM) besch&auml;ftigte Personen arbeiteten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte im ge&auml;nderten Investitionszulagenbescheid f&uuml;r 1995 die Festsetzung erh&ouml;hter Investitionszulage ab, weil die KG mehr als 250 Arbeitnehmer in einem gegenw&auml;rtigen Dienstverh&auml;ltnis besch&auml;ftigt habe. Der Einspruch der KG blieb erfolglos.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Es war der Auffassung, bei den 12 ABM-Kr&auml;ften handele es sich nach der auch f&uuml;r das Investitionszulagenrecht ma&szlig;geblichen Norm des &sect; 1 der Lohnsteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung (LStDV) ebenfalls um Arbeitnehmer.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Zur Begr&uuml;ndung der Revision wird vorgetragen, die Steuerverwaltung beziehe Auszubildende nicht in den Schwellenwert ein und halte sich insoweit selbst nicht an &sect; 1 LStDV. ABM h&auml;tten vorrangig arbeitsmarkt- und sozialpolitische Ausrichtung. Sie dienten vornehmlich der Erhaltung oder Wiedererlangung der Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit arbeitsloser Arbeitnehmer. Auf die nach Abstimmung mit der EU f&uuml;r die Bestimmung des zulagenrechtlichen Schwellenwertes ma&szlig;gebenden Kriterien wie Umsatz, Marktposition, Managementstrukturen und Wertsch&ouml;pfungsprozesse im Unternehmen h&auml;tten ABM-Kr&auml;fte keinen Einfluss. ABM w&uuml;rden nach den &sect;&sect; 260 bis 271 des Dritten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB III) nur gef&ouml;rdert, wenn die zu verrichtenden Arbeiten zus&auml;tzlich anfielen und im &ouml;ffentlichen Interesse l&auml;gen. ABM-Kr&auml;fte w&uuml;rden nicht vom Unternehmen eingestellt und entlassen, sondern vom Arbeitsamt zugewiesen und abberufen; das Unternehmen habe nach den Vorschriften des SGB III die Funktion des Tr&auml;gers der ABM. Eine Einbeziehung der ABM-Kr&auml;fte in den Schwellenwert st&auml;nde dem F&ouml;rderzweck der ABM-Ma&szlig;nahme entgegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Revisionskl&auml;ger beantragt, das FG-Urteil sowie die Einspruchsentscheidung aufzuheben und unter &Auml;nderung des ge&auml;nderten Investitionszulagenbescheids f&uuml;r 1995 eine weitere Investitionszulage in H&ouml;he von &#8230; EUR festzusetzen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach zutreffender Entscheidung des FG steht dem Revisionskl&auml;ger die erh&ouml;hte Investitionszulage nicht zu, weil auch die ABM-Kr&auml;fte Arbeitnehmer im Sinne des Investitionszulagenrechts sind und durch sie die f&uuml;r erh&ouml;hte Investitionszulage ma&szlig;gebende Arbeitnehmerzahl &uuml;berschritten wurde.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die hier beanspruchte erh&ouml;hte Investitionszulage setzt nach &sect; 5 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 des Investitionszulagengesetzes (InvZulG) 1996, das auf das Streitjahr 1995 anzuwenden ist (&sect; 11 Abs. 1 InvZulG 1996), voraus, dass der Betrieb zu Beginn des Wirtschaftsjahrs, in dem die Investitionen vorgenommen werden, nicht mehr als 250 Arbeitnehmer in einem gegenw&auml;rtigen Dienstverh&auml;ltnis besch&auml;ftigte, die Arbeitslohn, Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld oder Winterausfallgeld bezogen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Das InvZulG 1996 definiert den Begriff des Arbeitnehmers nicht. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Senats sind die im Investitionszulagenrecht verwendeten Begriffe nach den f&uuml;r die Einkommensbesteuerung ma&szlig;gebenden Grunds&auml;tzen auszulegen, soweit sich nicht aus dem InvZulG, seinem Zweck und seiner Entstehungsgeschichte etwas anderes entnehmen l&auml;sst (Senatsurteil vom 26. Januar 2006 III R 5\/04, BFHE 212, 381, BStBl II 2006, 771, m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Auch nach der Gesetzesbegr&uuml;ndung soll der Begriff des Arbeitnehmers nach steuerlichen Grunds&auml;tzen auszulegen sein (BTDrucks 12\/7427, S. 34). Ma&szlig;geblich ist die in &sect; 1 LStDV enthaltene Begriffsbestimmung (Rosarius, Investitionsf&ouml;rderung Handbuch, &sect; 2 InvZulG 1999 Rz 189). Arbeitnehmer sind danach u.a. Personen, die in privatem Dienst angestellt oder besch&auml;ftigt sind und dem Arbeitgeber ihre Arbeitskraft schulden; dies ist der Fall, wenn die Personen in der Bet&auml;tigung ihres gesch&auml;ftlichen Willens unter der Leitung des Arbeitgebers stehen oder im gesch&auml;ftlichen Organismus des Arbeitgebers dessen Weisungen zu folgen verpflichtet sind.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die ABM-Kr&auml;fte sind Arbeitnehmer in diesem Sinne. Das FG hat festgestellt, dass sie ihre Arbeitskraft der insolvent gewordenen KG aufgrund eines mit dieser geschlossenen Vertrages schuldeten, dass sie unter deren Leitung standen und von ihr den Arbeitslohn bezogen. Daraus hat das FG zutreffend gefolgert, dass die Voraussetzungen des &sect; 1 LStDV erf&uuml;llt seien.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Die tats&auml;chlichen und arbeitsrechtlichen Besonderheiten der ABM, bei denen der Arbeitgeber als Tr&auml;ger im Sinne des Arbeitsf&ouml;rderungsgesetzes (AFG) F&ouml;rderungsleistungen der Arbeitsverwaltung erh&auml;lt, um Arbeitsgelegenheiten f&uuml;r arbeitslose Arbeitnehmer zu schaffen, f&uuml;hren nicht zu einer abweichenden Beurteilung. Weder die Tatsache, dass die Arbeitnehmer von der Agentur f&uuml;r Arbeit zugewiesen werden m&uuml;ssen (&sect; 267a SGB III), noch die besonderen K&uuml;ndigungsrechte und Befristungsm&ouml;glichkeiten (vgl. ErfK\/M&uuml;ller-Gl&ouml;ge &sect; 14 TzBfG Rz 64) widersprechen den ma&szlig;geblichen Tatbestandsmerkmalen des &sect; 1 LStDV. Dies gilt auch f&uuml;r die Bezuschussung der Lohnkosten (&sect; 260, &sect; 264 SGB III) und die Einschr&auml;nkungen hinsichtlich der f&ouml;rderbaren Ma&szlig;nahmen (&sect; 261 SGB III) und der f&ouml;rderungsbed&uuml;rftigen Arbeitnehmer (&sect; 263 SGB III).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen&uuml;ber den &quot;regul&auml;ren&quot; Arbeitnehmern deutlich herabgesetzte Einsatzm&ouml;glichkeiten und eine niedrigere Wertsch&ouml;pfung rechtfertigen es nicht, ABM-Kr&auml;fte trotz Vorliegens der Merkmale des &sect; 1 LStDV bei der Pr&uuml;fung des Schwellenwertes des &sect; 5 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 InvZulG 1996 nicht mitzuz&auml;hlen. Eine Differenzierung nach der Leistungsf&auml;higkeit und Einsatzbreite der Arbeitnehmer l&auml;sst sich mit dem nur auf die Zahl abstellenden Gesetzeswortlaut nicht vereinbaren.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Der Revisionskl&auml;ger kann sich nicht auf die Behandlung der Auszubildenden durch die Steuerverwaltung berufen. Dar&uuml;ber, ob Auszubildende als Arbeitnehmer i.S. des &sect; 1 LStDV zu beurteilen sind, ist im Streitfall nicht zu entscheiden. Dass die Steuerverwaltung Auszubildende bei der Ermittlung des Schwellenwerts anscheinend nicht als Arbeitnehmer einbezieht (vgl. Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern vom 2. Juli 1998 IV 300-InvZ 1260-30\/98, juris; dagegen Rosarius, Die Information f&uuml;r Steuerberater und Wirtschaftspr&uuml;fer 1998, 555), bindet den Senat nicht bei der Auslegung, ob ABM-Kr&auml;fte die Tatbestandsmerkmale des &sect; 1 LStDV erf&uuml;llen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2008, III R 9\/07 ABM-Kr&auml;fte als Arbeitnehmer im Sinne des Investitionszulagenrechts Leits&auml;tze Personen, die im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen nach dem Arbeitsf&ouml;rderungsgesetz in einem Betrieb t&auml;tig werden, sind Arbeitnehmer im Sinne des Investitionszulagenrechts und deshalb miteinzubeziehen, soweit es f&uuml;r die erh&ouml;hte Investitionszulage auf die Zahl der in einem Betrieb besch&auml;ftigten Arbeitnehmer ankommt. 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