{"id":17625,"date":"2012-12-10T16:28:14","date_gmt":"2012-12-10T14:28:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=17625"},"modified":"2012-12-10T16:28:14","modified_gmt":"2012-12-10T14:28:14","slug":"ii-r-71-06-ansatz-einer-zugewinnausgleichsverpflichtung-mit-dem-nennwert-rechtsverfolgungskosten-in-wertfeststellungsverfahren-keine-erwerbsmindernden-nachlasskosten-is-des-10-abs-5-nr-3-erbstg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-71-06-ansatz-einer-zugewinnausgleichsverpflichtung-mit-dem-nennwert-rechtsverfolgungskosten-in-wertfeststellungsverfahren-keine-erwerbsmindernden-nachlasskosten-is-des-10-abs-5-nr-3-erbstg\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;71\/06 &#8211; Ansatz einer Zugewinnausgleichsverpflichtung mit dem Nennwert &#8211; Rechtsverfolgungskosten in Wertfeststellungsverfahren keine erwerbsmindernden Nachlasskosten i.S. des 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.7.2008, II R 71\/06<\/p>\n<p class=\"titel\">Ansatz einer Zugewinnausgleichsverpflichtung mit dem Nennwert &#8211; Rechtsverfolgungskosten in Wertfeststellungsverfahren keine erwerbsmindernden Nachlasskosten i.S. des 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Zugewinnausgleichsforderung, die dem &uuml;berlebenden Ehegatten, der weder Erbe noch Verm&auml;chtnisnehmer geworden ist, zum Ausgleich des Zugewinns beim Tode des anderen Ehegatten zusteht, entspricht beim Erben eine Nachlassverbindlichkeit in der Form einer Erblasserschuld, die bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Erwerbs mit ihrem Nennwert abzuziehen ist.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist Alleinerbin nach dem am 7. August 2001 verstorbenen Erblasser, ihrem Lebensgef&auml;hrten H1. Dieser hinterlie&szlig; eine Ehefrau (H2) sowie insgesamt f&uuml;nf Kinder (H3 bis H7). Die hinterbliebenen Verwandten machten gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin Pflichtteils-, die Ehefrau H2 dar&uuml;ber hinaus auch Zugewinnausgleichsanspr&uuml;che geltend.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit H2 sowie H5 bis H7 vereinbarte die Kl&auml;gerin im August 2002, zur Abfindung s&auml;mtlicher g&uuml;ter- sowie erbrechtlicher Anspr&uuml;che insgesamt 355 245,60 EUR (694 800 DM) zu zahlen; auf H2 entfielen hierbei 222 028,50 EUR (434 250 DM), der Rest auf H5 bis H7 zu gleichen Teilen. Mit H3 vereinbarte die Kl&auml;gerin im Juni 2002 eine Zahlung von 65 000 EUR; damit sollten alle erbrechtlichen Anspr&uuml;che abgegolten sein. H4 hatte von der Kl&auml;gerin bis Ende 2002&nbsp;&nbsp;32 579,81 EUR (63 720,57 DM) auf ihren Pflichtteil erhalten. Eine Klage auf Nachberechnung des Pflichtteilsanspruchs gegen die Kl&auml;gerin hat H4 zur&uuml;ckgenommen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Durch letztmals w&auml;hrend des Klageverfahrens ge&auml;nderten Bescheid vom 29. September 2005 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gegen die Kl&auml;gerin Erbschaftsteuer in H&ouml;he von 119 615,19 DM (61 158,28 EUR) fest. Dabei ber&uuml;cksichtigte er als Nachlassverbindlichkeiten die tats&auml;chlichen Zahlungen der Kl&auml;gerin auf die Zugewinnausgleichs- und Pflichtteilsanspr&uuml;che in H&ouml;he von 885 648 DM sowie Kosten der Nachlassregelung in H&ouml;he von 45 963,59 DM.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Einspruch und Klage machte die Kl&auml;gerin u.a. geltend, als Nachlassverbindlichkeiten seien nicht die von ihr tats&auml;chlich gezahlten, sondern die rechtlich entstandenen Zugewinnausgleichs- und Pflichtteilsanspr&uuml;che in H&ouml;he ihres Nennwerts von 1 402 440,10 DM zu ber&uuml;cksichtigen. Auch seien als Kosten zur Regelung des Nachlasses Gutachterkosten (3 942,95 DM) sowie Steuer- und Rechtsberatungskosten (15 343,28 DM) erwerbsmindernd zus&auml;tzlich anzusetzen und ein zum Nachlass geh&ouml;rendes Erbbaurecht in L sei nicht mit 58 000 DM, sondern nur mit 12 000 DM zu bewerten. Schlie&szlig;lich sei die Ber&uuml;cksichtigung eines Grundst&uuml;cks in &Ouml;sterreich mit dem Verkehrswert im Rahmen des &sect; 19 Abs. 2 und 3 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (ErbStG) gemeinschaftsrechtswidrig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Klage hatte nur teilweise Erfolg. Das Finanzgericht (FG) erkannte lediglich die geltend gemachten Kosten des Verkehrswertgutachtens als erwerbsmindernd an; im &Uuml;brigen wies es die Klage ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Revision h&auml;lt die Kl&auml;gerin an ihrer materiell-rechtlichen Auffassung fest und macht zus&auml;tzlich in verfahrensrechtlicher Hinsicht geltend, das FG sei zur Aussetzung des Verfahrens gem&auml;&szlig; &sect; 74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verpflichtet gewesen, da der Bedarfswert f&uuml;r das zum Nachlass geh&ouml;rende Erbbaurecht noch nicht bestandskr&auml;ftig festgestellt worden sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und den Erbschaftsteuerbescheid vom 29. September 2005 dahin zu &auml;ndern, dass die Steuer auf 0 EUR herabgesetzt wird.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Die Vorentscheidung war aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der Auffassung des FG, die der Ehefrau H2 zustehende Zugewinnausgleichsforderung sei als Nachlassverbindlichkeit nur mit dem Betrag zu ber&uuml;cksichtigen, auf den sich H2 und die Kl&auml;gerin in der Vereinbarung vom August 2002 geeinigt haben, vermag der erkennende Senat nicht zu folgen. Vielmehr ist die Zugewinnausgleichsforderung mit ihrem Nennwert abzuziehen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Gem&auml;&szlig; &sect; 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG sind vom Erwerb die vom Erblasser herr&uuml;hrenden Schulden, die gem&auml;&szlig; &sect; 1922 Abs. 1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) i.V.m. &sect; 45 Abs. 1 der Abgabenordnung (AO) auf die Erben &uuml;bergegangen sind, als Nachlassverbindlichkeiten abzuziehen. Der Zugewinnausgleichsforderung, die dem &uuml;berlebenden Ehegatten, der weder Erbe noch Verm&auml;chtnisnehmer geworden ist, zum Ausgleich des Zugewinns nach den Vorschriften der &sect;&sect; 1371 bis 1383, 1390 BGB beim Tode des anderen Ehegatten zusteht (&sect; 1371 Abs. 2 BGB), entspricht beim Erben eine Nachlassverbindlichkeit in der Form einer Erblasserschuld, die zwar den Erblasser selbst nie getroffen hat, jedoch aus einem Dauerrechtsverh&auml;ltnis herr&uuml;hrt, in dem er zu Lebzeiten stand und das sich im Zeitpunkt seines Todes zur Ausgleichsforderung verengt hat. Die Erben k&ouml;nnen diese Nachlassverbindlichkeit nach &sect; 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG von ihrem Erwerb abziehen (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10. M&auml;rz 1993 II R 27\/89, BFHE 170, 466, BStBl II 1993, 368). Die Ausgleichsforderung ist eine Geldforderung. Der Abzug nach &sect; 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG hat daher zum Nennwert zu erfolgen (&sect; 12 Abs.1 ErbStG, &sect; 12 Abs. 1 des Bewertungsgesetzes &#8211;BewG&#8211;; ebenso Troll\/Gebel\/J&uuml;licher, ErbStG, &sect; 10 Rz 121); dies gilt auch dann, wenn Erf&uuml;llungsabreden getroffen werden (BFH-Urteil in BFHE 170, 466, BStBl II 1993, 368).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Einigen sich der Erbe und der Ausgleichsberechtigte vergleichsweise &uuml;ber die H&ouml;he des Zugewinnausgleichs, sind die Grunds&auml;tze zum Erbvergleich nicht &uuml;bertragbar. Der sog. Erbvergleich &#8211;die einvernehmliche Bereinigung streitiger Erbrechtsverh&auml;ltnisse einschlie&szlig;lich etwa bestehender Ungewissheiten &uuml;ber einzelne Erbteile oder &uuml;ber die den Erben und sonstigen Berechtigten zufallenden Betr&auml;ge&#8211; ist nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH auch der Besteuerung zugrunde zu legen (vgl. m.w.N. der st&auml;ndigen Rechtsprechung BFH-Urteil vom 26. Februar 2008 II R 82\/05, BFH\/NV 2008, 1051). Ein solcher Vergleich kann jedoch nur insoweit Verbindlichkeit im Besteuerungsverfahren beanspruchen, als er seinen letzten Rechtsgrund noch im Erbrecht findet. Die erbschaftsteuerliche Anerkennung des sog. Erbvergleichs stellt eine nicht weiter verallgemeinerungsf&auml;hige Ausnahme von dem Grundsatz dar, dass weder die Miterben noch sonst am Nachlass beteiligte Personen berechtigt sind, den Kreis der steuerpflichtigen Personen oder den Umfang der steuerpflichtigen Bereicherung nach dem Erbfall durch freie Vereinbarung eigenm&auml;chtig neu zu bestimmen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2008, 1051).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Zugewinnausgleichsforderung ist dagegen eine Erblasserschuld. Auf der Seite des Anspruchsberechtigten f&uuml;hrt sie &#8211;im Gegensatz zum Pflichtteilsanspruch&#8211; zu keinem der Erbschaftsteuer unterliegenden Erwerb (vgl. &sect; 5 Abs. 2 ErbStG). Sie hat ihren Rechtsgrund nicht im Erbrecht, sondern im ehelichen G&uuml;terrecht. Die Ausgleichsverpflichtung ist daher wie jede andere Erblasserschuld zu behandeln (BFH-Urteil in BFHE 170, 466, BStBl II 1993, 368; a.A. Moench, Trost aus Schulden &#8211; Vom rechten Abzug der Nachlassverbindlichkeiten nach &sect; 10 Abs. 5 ErbStG, Deutsches Steuerrecht 1992, 1185 ff., 1186; Schuck in Viskorf\/Glier\/H&uuml;bner\/Knobel\/Schuck, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Bewertungsgesetz, 2. Aufl., &sect; 10 ErbStG Rz 76).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Verpflichtung zum Ausgleich des Zugewinns war im Streitfall auch nicht ausnahmsweise mangels wirtschaftlicher Belastung der Kl&auml;gerin mit einem Betrag unterhalb ihres Nennwerts anzusetzen. Zwar setzt der Abzug einer Erblasserschuld voraus, dass die Verbindlichkeit rechtlich besteht und den Erblasser im Todeszeitpunkt wirtschaftlich belastet hat (vgl. m.w.N. BFH-Urteil vom 27. Juni 2007 II R 30\/05, BFHE 217, 190, BStBl II 2007, 651). An einer wirtschaftlichen Belastung fehlt es, wenn bei objektiver W&uuml;rdigung der Verh&auml;ltnisse angenommen werden kann, dass der Gl&auml;ubiger seine Forderung nicht geltend machen wird (vgl. m.w.N. BFH-Urteil vom 24. M&auml;rz 1999 II R 34\/97, BFH\/NV 1999, 1339). Die Zugewinnausgleichsverpflichtung kann deshalb nur insoweit wegen fehlender wirtschaftlicher Belastung mit einem Betrag unterhalb ihres Nennwerts angesetzt werden, als der Verpflichtete (Kl&auml;gerin) damit rechnen konnte, der &uuml;berlebende Ehegatte (H2) werde die Zugewinnausgleichsforderung nicht oder nicht in voller H&ouml;he geltend machen (ebenso Meincke, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Kommentar, 14. Aufl., &sect; 10 Rz 32). Anhaltspunkte f&uuml;r eine solche Sachverhaltskonstellation hat das FG aber nicht festgestellt und sind auch sonst nicht ersichtlich.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Die Sache ist nicht spruchreif.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der Senat kann den f&uuml;r die Ermittlung des steuerpflichtigen Erwerbs ma&szlig;geblichen Nennwert der Zugewinnausgleichsforderung nicht bestimmen; das FG hat hierzu &#8211;von seinem Rechtsstandpunkt aus verst&auml;ndlich&#8211; keine ausreichenden tats&auml;chlichen Feststellungen getroffen. Das ist im zweiten Rechtsgang nachzuholen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) F&uuml;r den Fall, dass es nach Ansatz der Ausgleichsforderung mit dem Nennwert noch darauf ankommen sollte, wird auf Folgendes hingewiesen:      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Die Pflichtteilsanspr&uuml;che sind gem&auml;&szlig; &sect; 10 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. Abs. 5 Nr. 2 ErbStG nur in der H&ouml;he anzusetzen, wie sie von der Kl&auml;gerin auf Grund der geschlossenen Vergleiche erf&uuml;llt wurden. Denn die Berechtigten haben sich nach ernstlichem Streit &uuml;ber die H&ouml;he des Pflichtteils vergleichsweise mit weniger zufrieden gegeben als sie beansprucht hatten und ihnen zustand. Nach der Rechtsprechung des BFH k&ouml;nnen die Pflichtteilsberechtigten in einem solchen Fall nur aus dem vergleichsweise vereinbarten, niedrigeren Wert besteuert werden (BFH-Urteile vom 19. Juli 2006 II R 1\/05, BFHE 213, 122, BStBl II 2006, 718; vom 18. Juli 1973 II R 34\/69, BFHE 110, 196, BStBl II 1973, 798). Korrespondierend hiermit k&ouml;nnen beim verpflichteten Erben die entsprechenden Pflichtteilsverbindlichkeiten auch nur mit diesem niedrigeren Wert ber&uuml;cksichtigt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Die der Kl&auml;gerin entstandenen Kosten ihrer Rechtsvertretung in den Steuerfestsetzungs- und Wertfeststellungsverfahren sind nicht als Nachlassverbindlichkeit abzuziehen. Dies ergibt sich aus &sect; 10 Abs. 8 ErbStG, wonach die vom Erwerber zu entrichtende eigene Erbschaftsteuer nicht als Nachlassverbindlichkeit i.S. des &sect; 10 Abs. 5 ErbStG abzugsf&auml;hig ist. Das Abzugsverbot erstreckt sich auch auf die einem Erwerber entstehenden Rechtsverfolgungskosten, die er zur Abwehr der von ihm zu entrichtenden eigenen Erbschaftsteuer aufwendet (BFH-Urteil vom 20. Juni 2007 II R 29\/06, BFHE 217, 187, BStBl II 2007, 722), und gilt auch f&uuml;r die Rechtsverfolgungskosten, die mit gesonderten Feststellungen der Grundbesitzwerte des zum Nachlass geh&ouml;renden Grundverm&ouml;gens zusammenh&auml;ngen. Denn derartige Aufwendungen haben einen unmittelbaren Bezug zu der vom Erben zu entrichtenden Erbschaftsteuer (vgl. FG N&uuml;rnberg, Urteil vom 21. November 2002 IV 350\/2001, Entscheidungen der Finanzgerichte 2003, 633; ebenso Gebel in Troll\/Gebel\/J&uuml;licher, a.a.O., &sect; 10 Rz 220).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Dies gilt nicht f&uuml;r die der Kl&auml;gerin entstandenen Gutachterkosten f&uuml;r die Ermittlung des Verkehrswerts des zum Nachlass geh&ouml;renden &ouml;sterreichischen Grundst&uuml;cks. Denn diese sind nach den Feststellungen des FG im zivilrechtlichen Klageverfahren gegen H3 und damit unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses entstanden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                cc) Die Bewertung des Grundst&uuml;cks in &Ouml;sterreich zur Ermittlung des Steuersatzes f&uuml;r den ganzen Erwerb (&sect; 19 Abs. 2 ErbStG) mit dem gemeinen Wert (&sect; 12 Abs. 6 ErbStG i.V.m. &sect; 31 Abs. 1 Satz 1 und &sect; 9 Abs. 1 BewG) ist nach der neueren Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (EuGH) gemeinschaftsrechtswidrig (EuGH-Urteil vom 17. Januar 2008 Rs. C-256\/06, J&auml;ger, Zeitschrift f&uuml;r Erbrecht und Verm&ouml;gensnachfolge 2008, 87). Dieser Versto&szlig; ist jedenfalls f&uuml;r eine belastende Ausnahmeregelung durch geltungserhaltende gemeinschaftsrechtskonforme Auslegung zu beseitigen. Dies gilt auch bei der Ermittlung des Steuersatzes nach &sect; 19 Abs. 2 ErbStG, und zwar dann, wenn sich f&uuml;r den ganzen Erwerb ein h&ouml;herer Steuersatz ergibt als sich bei einer Bewertung des ausl&auml;ndischen Grundst&uuml;cks in Anlehnung an die &sect;&sect; 138 ff. BewG erg&auml;be.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                &sect; 12 Abs. 6 ErbStG i.V.m. &sect; 31 BewG ist danach insoweit nicht mehr anwendbar, als f&uuml;r ausl&auml;ndischen Grundbesitz h&ouml;here Werte anzusetzen sind als f&uuml;r den Erwerb eines vergleichbaren Grundbesitzes bei Belegenheit im Inland. Gem&auml;&szlig; &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. &sect; 162 AO ist deshalb zu sch&auml;tzen, wie der streitgegenst&auml;ndliche Grundbesitz gem&auml;&szlig; den Vorschriften zur Bedarfsbewertung des Grundverm&ouml;gens (&sect;&sect; 138 ff. BewG) zu bewerten w&auml;re, wenn er im Inland l&auml;ge.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                dd) Da die Vorentscheidung aus materiell-rechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben und zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen war, bedarf es keines Eingehens auf die von der Kl&auml;gerin erhobene Verfahrensr&uuml;ge, das FG h&auml;tte das Verfahren wegen der noch fehlenden Bestandskraft der gesonderten Feststellung des Grundst&uuml;ckswerts f&uuml;r das Erbbaurecht aussetzen m&uuml;ssen (&sect; 74 FGO). F&uuml;r den weiteren Fortgang des Verfahrens weist der BFH darauf hin, dass eine Verpflichtung, das Verfahren auszusetzen, auch nicht besteht. Einer &Auml;nderung der Wertfeststellung kann nach &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO jederzeit Rechnung getragen werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 1.7.2008, II R 71\/06 Ansatz einer Zugewinnausgleichsverpflichtung mit dem Nennwert &#8211; Rechtsverfolgungskosten in Wertfeststellungsverfahren keine erwerbsmindernden Nachlasskosten i.S. des 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG Leits&auml;tze Der Zugewinnausgleichsforderung, die dem &uuml;berlebenden Ehegatten, der weder Erbe noch Verm&auml;chtnisnehmer geworden ist, zum Ausgleich des Zugewinns beim Tode des anderen Ehegatten zusteht, entspricht beim Erben &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-71-06-ansatz-einer-zugewinnausgleichsverpflichtung-mit-dem-nennwert-rechtsverfolgungskosten-in-wertfeststellungsverfahren-keine-erwerbsmindernden-nachlasskosten-is-des-10-abs-5-nr-3-erbstg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;71\/06 &#8211; Ansatz einer Zugewinnausgleichsverpflichtung mit dem Nennwert &#8211; Rechtsverfolgungskosten in Wertfeststellungsverfahren keine erwerbsmindernden Nachlasskosten i.S. des 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-17625","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17625","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17625"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17625\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}