{"id":18009,"date":"2012-12-10T16:43:21","date_gmt":"2012-12-10T14:43:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18009"},"modified":"2012-12-10T16:43:21","modified_gmt":"2012-12-10T14:43:21","slug":"x-b-129-07-keine-unterbrechung-des-finanzgerichtlichen-verfahrens-durch-massnahmen-zur-sicherung-der-kuenftigen-insolvenzmasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-129-07-keine-unterbrechung-des-finanzgerichtlichen-verfahrens-durch-massnahmen-zur-sicherung-der-kuenftigen-insolvenzmasse\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;129\/07 &#8211; Keine Unterbrechung des finanzgerichtlichen Verfahrens durch Ma&szlig;nahmen zur Sicherung der k&uuml;nftigen Insolvenzmasse"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.4.2008, X B 129\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Unterbrechung des finanzgerichtlichen Verfahrens durch Ma&szlig;nahmen zur Sicherung der k&uuml;nftigen Insolvenzmasse<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), ein in der Immobilienbranche t&auml;tiger Gesch&auml;ftsmann, erhielt f&uuml;r den Nachweis eines Kaufinteressenten eine Vermittlungsprovision in H&ouml;he von &#8230; DM zuz&uuml;glich Umsatzsteuer. Die H&auml;lfte dieses Betrages machte er in seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 1993 als Betriebsausgabe mit der Begr&uuml;ndung geltend, er habe die Summe an die Fa. B, die bei der Vermittlung des Grundst&uuml;cksgesch&auml;fts f&uuml;r den Verk&auml;ufer t&auml;tig geworden sei, weitergeleitet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die behauptete Zahlung nicht als Betriebsausgabe an. Das Finanzgericht (FG) hat die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage abgewiesen. Die betriebliche Veranlassung der Zahlung stehe nicht zur &Uuml;berzeugung des Senats fest. Das Gericht habe nicht feststellen k&ouml;nnen, dass die Fa. B an dem vom Kl&auml;ger vermittelten Grundst&uuml;cksgesch&auml;ft beteiligt gewesen sei. Eine schriftliche Vereinbarung &uuml;ber die gemeinsame Vermittlung des Grundst&uuml;cksgesch&auml;fts sei nach dem Vortrag des Kl&auml;gers nicht getroffen worden. Gegen die vorgelegte Provisionsrechnung und Quittung der Fa. B habe das FA Einwendungen erhoben, die erhebliche Zweifel an der Beweiskraft der Urkunden begr&uuml;ndeten. Die Rechnung sei auf einem abge&auml;nderten Kopfbogen der Fa. B erstellt und nicht unterschrieben worden. Die Quittung trage eine Unterschrift, die mit dem Namen des neuen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers der Fa. B ersichtlich nicht &uuml;bereinstimme. Beide Urkunden seien in S ausgestellt worden, obwohl die Verlegung des Sitzes der Fa. B nach S offenbar nicht vollzogen worden sei. Zudem habe die Fa. B die Umsatzsteuer nicht an das FA abgef&uuml;hrt. Entscheidend gegen eine T&auml;tigkeit der Fa. B spreche, dass der vom Kl&auml;ger benannte Zeuge G den entscheidungserheblichen Sachverhalt nicht nur nicht best&auml;tigt, sondern v&ouml;llig anders dargestellt habe. Nach dessen Einlassung sei die Fa. B nicht vom Grundst&uuml;cksver&auml;u&szlig;erer mit der provisionsausl&ouml;senden Vermittlung betraut worden. Das FG hat die Revision nicht zugelassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach Erhebung der Klage hat das Amtsgericht (AG) X am 11. Oktober 2006 in dem Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahren des Kl&auml;gers Ma&szlig;nahmen zur Sicherung der k&uuml;nftigen Insolvenzmasse nach &sect;&sect; 21 Abs. 2 Nr. 3, 88 der Insolvenzordnung (InsO) angeordnet. Mit Beschluss vom 28. Februar 2007 und damit vor Erlass des FG-Urteils hat das AG in dem Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahren festgestellt, dass der Schuldenbereinigungsplan als angenommen gilt, weil die Gl&auml;ubiger mit den erforderlichen Mehrheiten zugestimmt haben und das Gericht durch rechtskr&auml;ftigen Beschluss vom 22. Januar 2007 die Einwendungen ablehnender Gl&auml;ubiger durch eine Zustimmung ersetzt hat (&sect;&sect; 308 Abs. 1 Satz 1, 309 InsO). Der Schuldenbereinigungsplan hat die Wirkung eines Vergleichs i.S. des &sect; 794 Abs. 1 Nr. 1 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211; (vgl. &sect; 308 Abs. 1 Satz 2 InsO). Die Antr&auml;ge auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers und auf Erteilung einer Restschuldbefreiung gelten als zur&uuml;ckgenommen (&sect; 308 Abs. 2 InsO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen das dem Kl&auml;ger am 18. Juni 2007 zugestellte FG-Urteil wendet sich dieser fristgem&auml;&szlig; mit der Nichtzulassungsbeschwerde und beantragt die Zulassung der Revision. Er tr&auml;gt vor, das FG habe &uuml;bersehen, dass das AG &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers das Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahren er&ouml;ffnet und erste Sicherungsma&szlig;nahmen zugunsten der Insolvenzmasse getroffen habe. Gem&auml;&szlig; &sect; 155 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect; 240 ZPO sei das FG-Verfahren unterbrochen worden, weil die vom FA mit dem Einkommensteuerbescheid 1993 geltend gemachten Steuerforderungen Gegenstand der Insolvenzanmeldung gewesen seien. Im Ergebnis h&auml;tte das FG nach Abschluss des Insolvenzverfahrens die Erledigung des Rechtsstreits feststellen m&uuml;ssen. Zudem habe das FG entgegen seiner sich aus &sect; 76 Abs. 1 FGO ergebenden Feststellungspflicht den entscheidungserheblichen Sachverhalt nicht vollst&auml;ndig aufgekl&auml;rt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Der Kl&auml;ger hat den von ihm geltend gemachten Zulassungsgrund eines Verfahrensmangels gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO nicht in der nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO gebotenen Weise dargelegt. Die von ihm zudem ger&uuml;gte Verfahrensunterbrechung ist nicht eingetreten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die R&uuml;ge des Kl&auml;gers, das FG habe die Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO) verletzt, rechtfertigt die Zulassung der Revision nicht. R&uuml;gt der Beschwerdef&uuml;hrer die Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht des FG mit der Begr&uuml;ndung, das FG habe Zeugen nicht vernommen, obwohl er selbst keinen entsprechenden Beweisantrag gestellt hat, so muss er darlegen, weshalb sich die Zeugenvernehmung dem FG auch ohne Antrag h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen (st&auml;ndige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211;, vgl. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 120 Rz 70, m.w.N.) und dass der Mangel der unterlassenen Beweiserhebung in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG ger&uuml;gt worden sei. Ein solches Vorbringen hat der im Klageverfahren rechtskundig vertretene Kl&auml;ger unterlassen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Beschwerdebegr&uuml;ndung ersch&ouml;pft sich im Kern in der Kritik, dass das FG den Sachverhalt unzutreffend gew&uuml;rdigt habe. Damit kann jedoch ein Verfahrensmangel grunds&auml;tzlich nicht begr&uuml;ndet werden; denn die Grunds&auml;tze der Tatsachen- und Beweisw&uuml;rdigung sind revisionsrechtlich dem materiellen Recht zuzuordnen und deshalb der Pr&uuml;fung des BFH im Rahmen einer Verfahrensr&uuml;ge entzogen (vgl. hierzu die Nachweise der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung bei Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 115 Rz 82).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Einwand des Kl&auml;gers, das FG-Verfahren sei gem&auml;&szlig; &sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 240 ZPO wegen des Insolvenzverfahrens &uuml;ber sein Verm&ouml;gen unterbrochen gewesen und ein Urteil h&auml;tte nicht ergehen d&uuml;rfen, geht fehl. Tats&auml;chlich hat das AG Ma&szlig;nahmen zur Sicherung der k&uuml;nftigen Insolvenzmasse im Rahmen des Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahrens nach &sect;&sect; 21 Abs. 2 Nr. 3, 88 InsO angeordnet. Mangels eines allgemeinen Verf&uuml;gungsverbots (&sect; 22 Abs. 1 Satz 1 InsO i.V.m. &sect; 21 Abs. 2 Nr. 1, 2 InsO) hat das Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahren das finanzgerichtliche Verfahren im vorliegenden Streitfall nicht unterbrochen (vgl. auch BFH-Beschluss vom 31. Mai 2005 VIII B 294\/03, BFH\/NV 2005, 1832). Das Insolvenzverfahren selbst ist niemals er&ouml;ffnet worden. Vielmehr gelten nach dem im Rahmen des Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahrens ergangenen Beschluss des AG die Antr&auml;ge auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Kl&auml;gers und auf Erteilung der Restschuldbefreiung als zur&uuml;ckgenommen (&sect; 308 Abs. 2 InsO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 8.4.2008, X B 129\/07 Keine Unterbrechung des finanzgerichtlichen Verfahrens durch Ma&szlig;nahmen zur Sicherung der k&uuml;nftigen Insolvenzmasse Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), ein in der Immobilienbranche t&auml;tiger Gesch&auml;ftsmann, erhielt f&uuml;r den Nachweis eines Kaufinteressenten eine Vermittlungsprovision in H&ouml;he von &#8230; DM zuz&uuml;glich Umsatzsteuer. 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