{"id":18219,"date":"2012-12-10T16:38:16","date_gmt":"2012-12-10T14:38:16","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18219"},"modified":"2012-12-10T16:38:16","modified_gmt":"2012-12-10T14:38:16","slug":"v-b-63-07-verstoss-gegen-bindende-wirkung-der-zurueckverweisenden-entscheidung-des-bfh-als-verfahrensmangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-63-07-verstoss-gegen-bindende-wirkung-der-zurueckverweisenden-entscheidung-des-bfh-als-verfahrensmangel\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;63\/07 &#8211; Versto&szlig; gegen bindende Wirkung der zur&uuml;ckverweisenden Entscheidung des BFH als Verfahrensmangel"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.1.2008, V B 63\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Versto&szlig; gegen bindende Wirkung der zur&uuml;ckverweisenden Entscheidung des BFH als Verfahrensmangel<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) belieferte im Jahr 1989 u.a. die Firma V unter Eigentumsvorbehalt mit Tapeten. V ver&auml;u&szlig;erte die Tapeten an die Firma R weiter und trat mit Vertrag vom 15. M&auml;rz 1989 die ihr daraus k&uuml;nftig gegen R zustehenden Anspr&uuml;che an die Kl&auml;gerin ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Anfang 1990 wurde der Antrag auf Er&ouml;ffnung des Konkursverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen der V mangels Masse abgelehnt. Zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Forderungen der Kl&auml;gerin gegen V aus der Lieferung von Tapeten, die V inzwischen an R weiterverkauft hatte, auf 1 444 365,80 DM. Die Kl&auml;gerin erhielt f&uuml;r den Forderungsausfall von ihrer Versicherung eine Erstattung in H&ouml;he von 140 000 DM. In H&ouml;he der Differenz zwischen der Versicherungsleistung und dem wegen des Konkurses der V endg&uuml;ltig ausgefallenen Betrag schrieb die Kl&auml;gerin ihre Forderungen gegen V ab und berichtigte die Umsatzsteuer f&uuml;r die Lieferungen an V nach &sect; 17 des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Einem im Juni 1993 geschlossenen Vergleich entsprechend zahlte R zum Ausgleich der von der Kl&auml;gerin gegen sie geltend gemachten Schadensersatzforderung wegen Verletzung ihres Eigentums an den &uuml;ber V an R gelieferten Tapeten einen Betrag in H&ouml;he von 750 000 DM.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) sah in dieser Zahlung ein nachtr&auml;gliches Entgelt f&uuml;r die Tapetenlieferung an V und erh&ouml;hte deshalb die f&uuml;r 1993 festgesetzte Umsatzsteuer um 92 104,48 DM (14 v.H. aus 750 000 DM).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der Bundesfinanzhof (BFH) hob das Urteil des Finanzgerichts (FG), mit dem dieses die Klage abgewiesen hatte, durch das Urteil vom 16. Januar 2003 V R 36\/01 (BFH\/NV 2003, 667) auf und verwies die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ck. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte er aus, anhand der Feststellungen des FG k&ouml;nne nicht abschlie&szlig;end beurteilt werden, ob die Zahlung der R an die Kl&auml;gerin aufgrund des Vergleichs als nachtr&auml;gliches Entgelt f&uuml;r die Lieferung der Kl&auml;gerin an V i.S. des &sect; 17 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 UStG zu beurteilen sei. Das sei nur der Fall, wenn bzw. soweit R selbst ihre Kaufpreisschuld gegen&uuml;ber V bisher nicht wirksam erf&uuml;llt hatte &#8211;z.B., weil sie ihre Schuld noch nicht (ganz) an V oder bei Kenntnis der Abtretung abredewidrig nicht an die Kl&auml;gerin bezahlt hatte&#8211;, und mit der Vergleichssumme deshalb zugleich die erf&uuml;llungshalber an die Kl&auml;gerin abgetretene eigene Kaufpreisschuld erf&uuml;llt habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im zweiten Rechtsgang wies das FG die Klage nach Beweiserhebung erneut ab. Zur Begr&uuml;ndung bezog es sich auf die Aussagen der Zeugen X und Y, die 1993 Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der R gewesen waren und nach deren Einsch&auml;tzung es sich bei dem im Vergleich vereinbarten Betrag von 750 000 DM nicht um Schadensersatz, sondern um eine Zahlung f&uuml;r die Lieferung der Tapeten gehandelt habe.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin, das FG habe gegen die bindende Wirkung des im ersten Rechtsgang erlassenen Revisionsurteils versto&szlig;en, da es seine Entscheidung auf die subjektive Einsch&auml;tzung der Zeugen gest&uuml;tzt habe, statt die vom BFH als erforderlich bezeichneten Feststellungen zu treffen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt nach &sect; 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. Der von der Kl&auml;gerin geltend gemachte Verfahrensmangel liegt vor. Die Vorentscheidung kann auf diesem Fehler beruhen (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Das FG hat bei seiner Entscheidung die bindende Wirkung des im ersten Rechtsgang erlassenen Revisionsurteils nicht beachtet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Das Gericht, an das die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckverwiesen ist, hat nach &sect; 126 Abs. 5 FGO seiner Entscheidung die rechtliche Beurteilung des BFH zugrunde zu legen. Geschieht dies nicht, ohne dass eine Ausnahme von der Bindungswirkung vorliegt, handelt es sich um einen Verfahrensmangel, der mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision geltend gemacht werden kann (BFH-Beschl&uuml;sse vom 20. Februar 1991 II B 85\/90, BFH\/NV 1992, 43, und vom 8. Januar 1998 VII B 102\/97, BFH\/NV 1998, 729; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 126 Rz 25, 27 bis 29; Bergkemper in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 126 FGO Rz 81 bis 85, 88).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Das FG hat gegen die Bindungswirkung des im ersten Rechtsgang erlassenen Revisionsurteils versto&szlig;en, indem es die Zahlung der R als nachtr&auml;gliches Entgelt f&uuml;r die Lieferung der Kl&auml;gerin an V beurteilt hat, ohne das Vorliegen der nach diesem Urteil daf&uuml;r erforderlichen Voraussetzungen festzustellen. Danach kommt es allein darauf an, ob Kaufpreisverbindlichkeiten der R aus den an sie erfolgten Tapetenlieferungen der V noch ganz oder teilweise offen waren und R mit der Vergleichssumme deshalb zugleich die erf&uuml;llungshalber an die Kl&auml;gerin abgetretenen Kaufpreisforderungen der V gegen R erf&uuml;llt hat. Danach ist es nicht entscheidungserheblich, wie die seinerzeitigen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der R die Zahlung an die Kl&auml;gerin beurteilt haben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Es erscheint sachgerecht, nach &sect; 116 Abs. 6 FGO die Vorentscheidung aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen. Es wird nunmehr festzustellen haben, ob die im Revisionsurteil in BFH\/NV 2003, 667 bezeichneten tats&auml;chlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Beurteilung der Zahlung der R an die Kl&auml;gerin als nachtr&auml;gliches Entgelt f&uuml;r die Tapetenlieferungen der Kl&auml;gerin an V vorliegen. K&ouml;nnen die f&uuml;r diese Beurteilung erforderlichen Tatsachen nicht festgestellt werden, geht dies nach den Regeln &uuml;ber die Feststellungslast (objektive Beweislast) zu Lasten des FA, da es sich um steuererh&ouml;hende Tatsachen handelt (BFH-Urteile vom 2. M&auml;rz 2006 II R 57\/04, BFH\/NV 2006, 1480, unter II. 6., m.w.N., und vom 20. Juni 2007 II R 66\/06, BFH\/NV 2007, 2057; Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 96 FGO Rz 154, 159; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 96 FGO Rz 83, 85).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.1.2008, V B 63\/07 Versto&szlig; gegen bindende Wirkung der zur&uuml;ckverweisenden Entscheidung des BFH als Verfahrensmangel Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) belieferte im Jahr 1989 u.a. die Firma V unter Eigentumsvorbehalt mit Tapeten. V ver&auml;u&szlig;erte die Tapeten an die Firma R weiter und trat mit Vertrag vom 15. M&auml;rz &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-63-07-verstoss-gegen-bindende-wirkung-der-zurueckverweisenden-entscheidung-des-bfh-als-verfahrensmangel\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;63\/07 &#8211; Versto&szlig; gegen bindende Wirkung der zur&uuml;ckverweisenden Entscheidung des BFH als Verfahrensmangel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-18219","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18219"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18219\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}