{"id":18261,"date":"2012-12-10T16:40:46","date_gmt":"2012-12-10T14:40:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18261"},"modified":"2012-12-10T16:40:46","modified_gmt":"2012-12-10T14:40:46","slug":"ii-b-6-08-erteilung-einer-steuernummer-fuer-umsatzsteuerliche-zwecke-an-gmbh-eingriff-in-das-grundrecht-auf-berufsfreiheit-unternehmereigenschaft-auslaendischer-gesellschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-6-08-erteilung-einer-steuernummer-fuer-umsatzsteuerliche-zwecke-an-gmbh-eingriff-in-das-grundrecht-auf-berufsfreiheit-unternehmereigenschaft-auslaendischer-gesellschaften\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;6\/08 &#8211; Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke an GmbH &#8211; Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit &#8211; Unternehmereigenschaft ausl&auml;ndischer Gesellschaften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.2.2008, II B 6\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke an GmbH &#8211; Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit &#8211; Unternehmereigenschaft ausl&auml;ndischer Gesellschaften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin), eine GmbH mit Sitz in X, wurde durch Notarurkunde vom 22. August 2007 von einem ungarischen Staatsangeh&ouml;rigen als Alleingesellschafter nach deutschem Recht errichtet und im September 2007 in das Handelsregister eingetragen. Der in Ungarn wohnende Alleingesellschafter wurde zum Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer bestellt. Den Gegenstand des Unternehmens bilden der Handel mit und der Vertrieb von Buntmetall sowie die Unternehmensberatung ohne Rechts- und Steuerberatung.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die von der Antragstellerin bevollm&auml;chtigte Steuerberatungsgesellschaft meldete die Gr&uuml;ndung beim Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) an und legte die Er&ouml;ffnungsbilanz, den mit der auch zur Prozessf&uuml;hrung bevollm&auml;chtigten Rechtsanwaltskanzlei und der A-GmbH geschlossenen Miet- und Gesch&auml;ftsbesorgungsvertrag vom 22. August 2007 sowie eine Angebotsbest&auml;tigung einer in Deutschland ans&auml;ssigen GmbH vom 1. Oktober 2007 vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA lehnte im Anschluss an eine Umsatzsteuernachschau gem&auml;&szlig; &sect; 27b des Umsatzsteuergesetzes (UStG) den Antrag der Antragstellerin, ihr eine Steuernummer zu erteilen, wiederholt mit der Begr&uuml;ndung ab, die Gesamtumst&auml;nde lie&szlig;en auf keine selbst&auml;ndige unternehmerische T&auml;tigkeit der Antragstellerin i.S. des &sect; 2 UStG schlie&szlig;en.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Antragstellerin beantragte daraufhin beim Finanzgericht (FG) den Erlass einer einstweiligen Anordnung gem&auml;&szlig; &sect; 114 der Finanzgerichtsordnung (FGO) und legte weitere Unterlagen &uuml;ber die Anbahnung von Gesch&auml;ftsbeziehungen mit inl&auml;ndischen Unternehmen vor. Das FG gab dem Antrag statt und verpflichtete das FA, der Antragstellerin bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens eine Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke zu erteilen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Beschwerde, der das FG nicht abgeholfen hat, vertritt das FA die Ansicht, der Antragstellerin stehe kein Anspruch auf Erteilung einer Steuernummer zu. Sie sei keine Unternehmerin i.S. des &sect; 2 UStG. Die an ihrem Sitz in den Gesch&auml;ftsr&auml;umen der A-GmbH vorhandenen R&auml;umlichkeiten teile sie mit 21 anderen Firmen. Ihre Gesch&auml;ftsleitung k&ouml;nne dort nicht t&auml;tig werden. Bei Erteilung der Steuernummer erscheine eine Steuergef&auml;hrdung als m&ouml;glich, zumal der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer seinen Wohnsitz im Ausland habe und es daher zu Schwierigkeiten bei der Vollstreckung von Steuerforderungen kommen k&ouml;nne. Im Bereich des Altmetallhandels entst&uuml;nden durch Umsatzsteuerbetrug Steuerausf&auml;lle in Milliardenh&ouml;he. Die Vorgehensweise entspreche dabei derjenigen bei der Antragstellerin. Der Antragstellerin stehe auch kein Anspruch auf Erteilung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zu. Dies schlie&szlig;e die Erteilung der Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke aus.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und den Antrag abzulehnen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Antragstellerin beantragt, die Beschwerde als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das FG hat zu Recht im Wege der einstweiligen Anordnung die Verpflichtung des FA ausgesprochen, der Antragstellerin eine Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke zuzuteilen. Die Vorentscheidung steht in Einklang mit den Urteilen des FG M&uuml;nster vom 27. M&auml;rz 2007&nbsp;&nbsp;1 K 3553\/06 S (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2007, 1575) und 1 K 3554\/06 S (juris) sowie des Nieders&auml;chsischen FG vom 23. August 2007&nbsp;&nbsp;5 K 364\/06 (EFG 2007, 1929), denen sich der Bundesfinanzhof (BFH) in einem einstweiligen, auf die Zuteilung einer Steuernummer gerichteten Rechtsschutzverfahren durch Beschluss vom 20. Dezember 2007 IX B 194\/07 angeschlossen hat (ebenso auch FG N&uuml;rnberg, Beschluss vom 4. Juni 2007&nbsp;&nbsp;2 V 373\/2007, EFG 2007, 1820). Das FG K&ouml;ln hat im Beschluss vom 29. Mai 2007&nbsp;&nbsp;8 V 1653\/07 (juris) den Anspruch von Unternehmern i.S. des &sect; 2 UStG auf Erteilung einer Steuernummer ebenfalls bejaht, jedoch im entschiedenen Einzelfall das Bestehen eines solchen Anspruchs verneint, weil der Antragsteller, eine nat&uuml;rliche Person, nicht selbst&auml;ndig t&auml;tig war.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Im Einzelnen gilt Folgendes:      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der Antragstellerin steht der geltend gemachte Anordnungsanspruch zu.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Anspruch von Unternehmern i.S. des &sect; 2 UStG auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke ist zwar weder im Gemeinschaftsrecht noch im&nbsp;&nbsp;inl&auml;ndischen Recht ausdr&uuml;cklich vorgesehen; das Bestehen eines solchen Anspruchs ergibt sich aber mittelbar aus &sect; 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 UStG. Nach dieser Vorschrift muss eine Rechnung u.a. die dem leistenden Unternehmer vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die ihm vom Bundeszentralamt f&uuml;r Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer enthalten. In den in &sect; 14 Abs. 2 Satz 1 UStG geregelten F&auml;llen ist der Unternehmer, der eine Lieferung oder eine sonstige Leistung nach &sect; 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG ausf&uuml;hrt, verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Ausf&uuml;hrung der Leistung eine Rechnung auszustellen. Dies ist der Fall, wenn der Unternehmer einen Umsatz an einen anderen Unternehmer f&uuml;r dessen Unternehmen oder an eine juristische Person ausf&uuml;hrt (&sect; 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 UStG) oder wenn er eine steuerpflichtige Werklieferung (&sect; 3 Abs. 4 Satz 1 UStG) oder sonstige Leistung im Zusammenhang mit einem Grundst&uuml;ck ausf&uuml;hrt (&sect; 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Steuernummer dient danach nicht nur der verwaltungstechnischen Erfassung von Steuerpflichtigen und der Durchf&uuml;hrung des Besteuerungsverfahrens. Sie ist vielmehr regelm&auml;&szlig;ig Voraussetzung f&uuml;r ein selbst&auml;ndiges gewerbliches oder berufliches T&auml;tigwerden, soweit nicht ausnahmsweise ausschlie&szlig;lich Ums&auml;tze ausgef&uuml;hrt werden sollen, f&uuml;r die die Ausstellung einer Rechnung nicht vorgeschrieben ist. Der Verpflichtung des Unternehmers zur Ausstellung von Rechnungen unter Angabe der Steuernummer steht demgem&auml;&szlig; ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Anspruch des Unternehmers auf Erteilung einer Steuernummer gegen&uuml;ber. Die Steuernummer ist zudem auch Voraussetzung f&uuml;r die Erteilung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nach &sect; 27a UStG. In dem Antrag auf Erteilung einer solchen Nummer ist n&auml;mlich die Steuernummer, unter der der Antragsteller umsatzsteuerlich gef&uuml;hrt wird, anzugeben (&sect; 27a Abs. 1 Satz 6 UStG).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Lehnt das FA die Erteilung einer Steuernummer an eine GmbH ab, die zur Ausstellung von Rechnungen verpflichtende Ums&auml;tze ausf&uuml;hren will, hat dies insoweit die Wirkung eines T&auml;tigkeitsverbots und greift somit unmittelbar in den Schutzbereich des Grundrechts auf Berufsfreiheit nach Art. 12 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) ein. Dieses Grundrecht steht nicht nur &quot;allen Deutschen&quot; als nat&uuml;rlichen Personen zu, sondern es ist nach Art. 19 Abs. 3 GG auch auf inl&auml;ndische juristische Personen des Privatrechts anwendbar, soweit sie eine Erwerbszwecken dienende T&auml;tigkeit aus&uuml;ben, die ihrem Wesen und ihrer Art nach in gleicher Weise einer juristischen wie einer nat&uuml;rlichen Person offen steht (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 26. Juni 2002&nbsp;&nbsp;1 BvR 558, 1428\/91, BVerfGE 105, 252, 265). Das Grundrecht sch&uuml;tzt sowohl das Recht, einen Beruf frei zu w&auml;hlen, als auch die freie Berufsaus&uuml;bung. Unter Beruf ist dabei jede auf Erwerb gerichtete T&auml;tigkeit zu verstehen, die auf Dauer angelegt ist und der Schaffung und Aufrechterhaltung einer Lebensgrundlage dient (BVerfG-Urteil vom 28. M&auml;rz 2006&nbsp;&nbsp;1 BvR 1054\/01, BVerfGE 115, 276, 300).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Eingriffe in das Grundrecht der Berufsfreiheit sind nach Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG nur auf der Grundlage einer gesetzlichen Regelung erlaubt, die den Anforderungen der Verfassung an grundrechtsbeschr&auml;nkende Gesetze gen&uuml;gt. Dies ist der Fall, wenn die eingreifende Norm kompetenzgem&auml;&szlig; erlassen wurde, durch hinreichende, der Art der betroffenen Bet&auml;tigung und der Intensit&auml;t des jeweiligen Eingriffs Rechnung tragende Gr&uuml;nde des Gemeinwohls gerechtfertigt wird und dem Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit entspricht (BVerfG-Urteil in BVerfGE 115, 276, 303 f.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Der in der Ablehnung der Erteilung einer Steuernummer liegende Eingriff in die Berufsfreiheit einer GmbH entspricht schon deshalb nicht den Anforderungen des Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG, weil es f&uuml;r einen solchen Eingriff, der unter den oben genannten Voraussetzungen einem T&auml;tigkeitsverbot gleichkommt, an einer gesetzlichen Grundlage fehlt. Eine solche Grundlage l&auml;sst sich insbesondere nicht dem &sect; 85 der Abgabenordnung (AO) entnehmen. Nach dieser Vorschrift haben die Finanzbeh&ouml;rden die Steuern nach Ma&szlig;gabe der Gesetze gleichm&auml;&szlig;ig festzusetzen und zu erheben. Insbesondere haben sie sicherzustellen, dass Steuern nicht verk&uuml;rzt, zu Unrecht erhoben oder Steuererstattungen und Steuerverg&uuml;tungen nicht zu Unrecht gew&auml;hrt oder versagt werden. Wie sich auch aus der amtlichen &Uuml;berschrift &quot;Besteuerungsgrunds&auml;tze&quot; ergibt, umschreibt die Vorschrift die Aufgaben der Finanzbeh&ouml;rden in allgemeiner Form, verleiht diesen aber keine Eingriffsbefugnisse (S&ouml;hn in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler, &sect; 85 AO Rz 14 f.; Tipke in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 85 AO Rz 1, 45, je m.w.N.). Die Gewerbeuntersagung wegen Unzuverl&auml;ssigkeit ist in &sect; 35 der Gewerbeordnung eingehend geregelt und obliegt den zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden, nicht aber den f&uuml;r die Erteilung einer Steuernummer zust&auml;ndigen Finanz&auml;mtern.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Unternehmer im umsatzsteuerrechtlichen Sinn ist, wer eine gewerbliche oder berufliche T&auml;tigkeit selbst&auml;ndig aus&uuml;bt. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige T&auml;tigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt (&sect; 2 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 3 UStG). Zur Begr&uuml;ndung der Unternehmereigenschaft ist die Aufnahme der tats&auml;chlichen Umsatzt&auml;tigkeit nicht erforderlich. Die Unternehmereigenschaft beginnt vielmehr bereits mit den ersten auf die Ausf&uuml;hrung entgeltlicher Leistungen gerichteten, nach au&szlig;en ersichtlichen Handlungen; dazu geh&ouml;ren auch Vorbereitungshandlungen wie etwa Investitionen in R&auml;ume oder Werbema&szlig;nahmen. Entscheidend ist dabei die durch objektive Anhaltspunkte belegte Absicht, eine unternehmerische T&auml;tigkeit auszu&uuml;ben (BFH-Urteile vom 22. Februar 2001 V R 77\/96, BFHE 194, 498, BStBl II 2003, 426, und vom 17. Mai 2001 V R 38\/00, BFHE 195, 437, BStBl II 2003, 434; BFH-Beschl&uuml;sse vom 23. Mai 2002 V B 104\/01, BFH\/NV 2002, 1351, und vom 20. Dezember 2007 IX B 194\/07).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Erf&uuml;llt eine in das Handelsregister eingetragene GmbH diese Anforderungen an die Unternehmereigenschaft, ist sie auch dann als Unternehmerin i.S. des &sect; 2 UStG zu beurteilen, wenn ihr alleiniger Gesellschafter und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer seinen Wohnsitz im Ausland hat. Auch Ausl&auml;nder, die im Inland keinen Wohnsitz oder st&auml;ndigen Aufenthalt haben, k&ouml;nnen nach &sect; 6 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung (GmbHG) zu Gesch&auml;ftsf&uuml;hrern bestellt werden, jedenfalls wenn sie jederzeit in das Inland einreisen k&ouml;nnen, wie dies insbesondere innerhalb der EU der Fall ist (Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 2. Mai 2007&nbsp;&nbsp;9 W 26\/07, OLGR Celle 2007, 445; Hueck\/Fastrich in Baumbach\/Hueck, GmbHG, 18. Aufl., &sect; 6 Rz 9, je m.w.N.). Unternehmer im Sinne des UStG kann zudem selbst eine nach ausl&auml;ndischem Recht errichtete und im Ausland ans&auml;ssige Gesellschaft sein, und zwar unabh&auml;ngig davon, ob sie nach deutschem Recht rechtsf&auml;hig ist (BFH-Urteil vom 21. April 1994 V R 105\/91, BFHE 174, 469, BStBl II 1994, 671). M&ouml;gliche Schwierigkeiten bei der Vollstreckung von Steuerforderungen spielen dabei keine Rolle.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die GmbH braucht nicht &uuml;ber Gesch&auml;ftsr&auml;ume zu verf&uuml;gen, die gewisse Mindestanforderungen erf&uuml;llen, um Unternehmerin i.S. des &sect; 2 UStG sein zu k&ouml;nnen. Als Unternehmer im Sinne dieser Vorschrift kommen auch Domizilgesellschaften und &quot;Strohm&auml;nner&quot; in Betracht (BFH-Beschl&uuml;sse von 9. Juli 1998 V B 143\/97, BFH\/NV 1999, 221, und vom 18. Juli 2001 V B 198\/00, BFH\/NV 2002, 78).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                d) Der Antragstellerin steht danach ein &ouml;ffentlich-rechtlicher Anspruch auf Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke zu. Sie ist als juristische Person, die nicht Organgesellschaft ist (&sect; 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG), selbst&auml;ndig t&auml;tig und hat ihre Absicht, im Inland eine unternehmerische T&auml;tigkeit auszu&uuml;ben, durch objektive Anhaltspunkte belegt, und zwar durch den Abschluss des Miet- und Gesch&auml;ftsbesorgungsvertrags und die Anbahnung von Gesch&auml;ftsbeziehungen mit anderen inl&auml;ndischen Unternehmen. Der Eigenschaft der Antragstellerin als Unternehmerin i.S. des &sect; 2 UStG steht nicht entgegen, dass ihr alleiniger Gesellschafter und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer seinen Wohnsitz in Ungarn, einem Mitgliedstaat der EU, hat und die Antragstellerin im Inland &uuml;ber keine eigenen Gesch&auml;ftsr&auml;ume verf&uuml;gt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die vom FA angef&uuml;hrte Gefahr, es k&ouml;nne zu Steuerverk&uuml;rzungen und Schwierigkeiten bei der Vollstreckung kommen, kann die erforderliche gesetzliche Grundlage f&uuml;r den Eingriff in die Berufsfreiheit der Antragstellerin, der in der Versagung der Steuernummer liegt, nicht ersetzen. Es ist Aufgabe des f&uuml;r die Besteuerung zust&auml;ndigen Finanzamts, die Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuererkl&auml;rungen (&sect; 18 Abs. 1 und 3 UStG) auf m&ouml;gliche Steuerverk&uuml;rzungen zu &uuml;berpr&uuml;fen. Dieses Finanzamt kann zudem von den M&ouml;glichkeiten Gebrauch machen, die &sect; 18f UStG hinsichtlich einer Sicherheitsleistung vorsieht. Das Vorbringen des FA, im Bereich des Altmetallhandels entst&uuml;nden durch Umsatzsteuerbetrug Steuerausf&auml;lle in Milliardenh&ouml;he und die Vorgehensweise entspreche dabei derjenigen bei der Antragstellerin, ist im &Uuml;brigen weder substantiiert noch belegt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Sollte die GmbH, wie das FA ersichtlich bef&uuml;rchtet, in ein sog. Umsatzsteuerkarussell einbezogen werden, steht ihr unter den im BFH-Urteil vom 19. April 2007 V R 48\/04 (BFHE 217, 194, BFH\/NV 2007, 2035) genannten Voraussetzungen kein Vorsteuerabzug zu. Die GmbH tr&auml;gt dabei nach den ma&szlig;gebenden Beweisregeln die Feststellungslast (objektive Beweislast) f&uuml;r die Erf&uuml;llung der Voraussetzungen f&uuml;r den Anspruch auf Vorsteuerabzug, und zwar grunds&auml;tzlich auch hinsichtlich des den Vorsteuerabzug ausschlie&szlig;enden Wissens oder Wissenk&ouml;nnens vom Tatplan eines Vor- oder Nachlieferanten (vgl. im Einzelnen BFH-Urteil in BFHE 217, 194, BFH\/NV 2007, 2035, unter II.C.3.b). Entsprechendes gilt auch f&uuml;r den Vorsteuerabzug aus den Rechnungen der Antragstellerin.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                e) Die Erteilung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer nach &sect; 27a UStG ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens und ggf. nach einem entsprechenden Antrag der Antragstellerin gesondert zu pr&uuml;fen. Es bedarf daher keiner Entscheidung,      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                ob, wie das FA unter Hinweis auf den Sonderbericht des Europ&auml;ischen Rechnungshofs Nr. 8\/2007 &uuml;ber die Zusammenarbeit der Verwaltungsbeh&ouml;rden auf dem Gebiet der Mehrwertsteuer meint, aus einer Analyse der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie vom 28. November 2006 (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr. L 347 S. 1) hervorgeht, dass Wirtschaftsbeteiligte, die keine echte Wirtschaftst&auml;tigkeit aus&uuml;ben, sondern im Rahmen von Mehrwertsteuer-Betrug nur Ums&auml;tze bewirken, um eine solche T&auml;tigkeit vorzut&auml;uschen, keinen Anspruch auf Besitz einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer haben, und ob und ggf. wie diese Grunds&auml;tze auf eine neu gegr&uuml;ndete GmbH vor Aufnahme der tats&auml;chlichen Umsatzt&auml;tigkeit angewandt werden k&ouml;nnen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Anordnungsgrund ergibt sich daraus, dass die Antragstellerin ohne die Erteilung der Steuernummer die geplante unternehmerische T&auml;tigkeit nicht aus&uuml;ben kann und die ihr dadurch entstehenden Nachteile nicht mehr r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden k&ouml;nnten, wenn sie mit ihrem Begehren erst im Hauptsacheverfahren Erfolg h&auml;tte. Bei diesen Nachteilen handelt es sich um wesentliche i.S. des &sect; 114 Abs. 1 Satz 2 FGO, zumal sich die Ablehnung der Erteilung der Steuernummer als ein gewichtiger und nicht durch entsprechende Vorschriften begr&uuml;ndeter Eingriff in das Grundrecht der Antragstellerin auf Berufsfreiheit darstellt. Vom Vorliegen eines Anordnungsgrundes ist auch der BFH im Beschluss vom 20. Dezember 2007 IX B 194\/07 ausgegangen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Durch die vom FG ausgesprochene Verpflichtung des FA, der Antragstellerin bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens eine Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke zu erteilen, wird die Hauptsache nicht vorweggenommen. Gew&auml;hrt wird vielmehr nur vorl&auml;ufiger Rechtsschutz mit den sich aus &sect; 114 Abs. 3 FGO ergebenden Folgen (BFH-Beschluss vom 20. Dezember 2007 IX B 194\/07).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.2.2008, II B 6\/08 Erteilung einer Steuernummer f&uuml;r umsatzsteuerliche Zwecke an GmbH &#8211; Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit &#8211; Unternehmereigenschaft ausl&auml;ndischer Gesellschaften Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin), eine GmbH mit Sitz in X, wurde durch Notarurkunde vom 22. 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