{"id":18353,"date":"2012-12-18T09:52:24","date_gmt":"2012-12-18T07:52:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18353"},"modified":"2012-12-18T09:52:24","modified_gmt":"2012-12-18T07:52:24","slug":"iii-b-153-07-verfassungsmaessigkeit-des-familienleistungsausgleichs-kein-anspruch-auf-ein-familiensplitting-oder-sozialleistungen-in-einem-bestimmten-umfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-153-07-verfassungsmaessigkeit-des-familienleistungsausgleichs-kein-anspruch-auf-ein-familiensplitting-oder-sozialleistungen-in-einem-bestimmten-umfang\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;153\/07 &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des Familienleistungsausgleichs &#8211; kein Anspruch auf ein Familiensplitting oder Sozialleistungen in einem bestimmten Umfang"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.8.2008, III B 153\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des Familienleistungsausgleichs &#8211; kein Anspruch auf ein Familiensplitting oder Sozialleistungen in einem bestimmten Umfang<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind Eheleute mit drei in den Jahren 1996, 1998 und 2001 geborenen Kindern. Sie wurden f&uuml;r das Jahr 2003 (Streitjahr) erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Die G&uuml;nstigerpr&uuml;fung nach &sect; 31 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ergab, dass die steuerliche Freistellung des Existenzminimums der Kinder durch das ausgezahlte Kindergeld bewirkt wurde, so dass Kinderfreibetr&auml;ge au&szlig;er Ansatz blieben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Gegen den Einkommensteuerbescheid 2003 erhoben die Kl&auml;ger Einspruch, mit dem sie vortrugen, der Familienleistungsausgleich sei verfassungswidrig. Es bestehe ein Anspruch auf ein Familiensplitting, das zur Folge habe, dass das zu versteuernde Einkommen durch die Zahl der Familienmitglieder zu teilen sei. Auf diese Weise erg&auml;be sich eine Einkommensteuer von Null Euro. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit der Nichtzulassungsbeschwerde machen die Kl&auml;ger die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache geltend.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und wird durch Beschluss verworfen (&sect; 132 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Beschwerdebegr&uuml;ndung gen&uuml;gt nicht den Anforderungen an die Darlegung eines Grundes f&uuml;r die Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO setzt voraus, dass der Beschwerdef&uuml;hrer eine hinreichend bestimmte Rechtsfrage herausstellt, deren Kl&auml;rung im Interesse der Allgemeinheit an der Einheitlichkeit der Rechtsprechung und der Fortentwicklung des Rechts erforderlich ist und die im konkreten Streitfall kl&auml;rbar ist. Dazu ist auszuf&uuml;hren, ob und in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr&uuml;nden die Rechtsfrage umstritten ist. Vor allem sind, sofern zu dem Problemkreis Rechtsprechung und &Auml;u&szlig;erungen im Fachschrifttum vorhanden sind, eine grundlegende Auseinandersetzung damit sowie eine Er&ouml;rterung geboten, warum durch diese Entscheidungen die Rechtsfrage noch nicht als gekl&auml;rt anzusehen ist bzw. weshalb sie ggf. einer weiteren oder erneuten Kl&auml;rung bedarf (z.B. Senatsbeschluss vom 22. Oktober 2003 III B 14\/03, BFH\/NV 2004, 224). Wird die Verfassungswidrigkeit einer Norm ger&uuml;gt, so hat der Beschwerdef&uuml;hrer nicht nur konkret auf die Rechtsfrage &#8211;und damit auf Sinn und Zweck sowie den systematischen Zusammenhang der in Frage stehenden Vorschrift&#8211;, sondern u.a. auch darauf einzugehen, von welcher Seite und aus welchen Gr&uuml;nden ein Versto&szlig; gegen das Grundgesetz (GG) angenommen wird (z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15. Juli 2002 VIII B 65\/02, BFH\/NV 2003, 49).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Diesen Vorgaben gen&uuml;gen die Ausf&uuml;hrungen der Kl&auml;ger nicht. Ihrem Vorbringen l&auml;sst sich entnehmen, dass sie die Frage f&uuml;r grunds&auml;tzlich bedeutsam halten, ob der Familienleistungsausgleich bei Familien mit drei Kindern, bei denen nur einer der Ehegatten ein zur Bestreitung des Unterhalts geeignetes Einkommen bezieht, verfassungsgem&auml;&szlig; ist, insbesondere im Hinblick auf Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und 4 GG. Nach Ansicht der Kl&auml;ger war im Streitjahr 2003 entweder die Bemessung der Einkommensteuer zu hoch oder das Kindergeld zu niedrig.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Die Kl&auml;ger sind nicht auf die Rechtsprechung eingegangen, der zufolge es aus verfassungsrechtlicher Sicht unbedenklich ist, dass nach &sect; 31 Satz 1 EStG die steuerliche Freistellung des Existenzminimums von Kindern einschlie&szlig;lich des Betreuungsbedarfs f&uuml;r Erziehung oder Ausbildung entweder durch die Freibetr&auml;ge nach &sect; 32 Abs. 6 EStG oder durch das Kindergeld nach dem X. Abschnitt des EStG bewirkt wird. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat bei seinen Berechnungen, ob ein Einkommensbetrag in H&ouml;he des Existenzminimums eines Kindes von der Steuer freigestellt ist, nicht nur den Kinderfreibetrag ber&uuml;cksichtigt, sondern auch das &#8211;in einen Freibetrag umgerechnete&#8211; Kindergeld einbezogen (vgl. dazu BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 29. Mai 1990&nbsp;&nbsp;1 BvL 20\/84 u.a., BVerfGE 82, 60, BStBl II 1990, 653; vom 25. September 1992&nbsp;&nbsp;2 BvL 5\/91 u.a., BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413; vom 10. November 1998&nbsp;&nbsp;2 BvL 42\/93, BVerfGE 99, 246, BStBl II 1999, 174; vom 10. November 1998&nbsp;&nbsp;2 BvR 1852\/97 u.a., BVerfGE 99, 273, BStBl II 1999, 194). Es hat es in das Ermessen des Gesetzgebers gestellt, ob er die verfassungsrechtlich gebotene steuerliche Entlastung durch Steuerfreibetr&auml;ge oder das Kindergeld herbeif&uuml;hren will (BVerfG-Beschl&uuml;sse in BVerfGE 82, 60, BStBl II 1990, 653, unter C.III.1.; in BVerfGE 99, 246, BStBl II 1999, 174, unter C.I.5.c cc). Diese Wahlm&ouml;glichkeit hat das BVerfG auch in dem die Betreuung betreffenden Beschluss vom 10. November 1998&nbsp;&nbsp;2 BvR 1057\/91 u.a. (BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182, unter C.I.) einger&auml;umt. Entgegen der Ansicht der Kl&auml;ger ergibt sich aus der Rechtsprechung des BVerfG kein Anspruch auf ein Familiensplitting (s. BFH-Urteil vom 22. Juli 1997 VI R 114\/96, BFHE 183, 549, BStBl II 1997, 697).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Die Kl&auml;ger haben nicht durch Berechnungen dargelegt, dass die bei zusammen veranlagten Eheleuten anzusetzenden Freibetr&auml;ge von 3 648 EUR je Kind f&uuml;r das s&auml;chliche Existenzminimum sowie von 2 160 EUR je Kind f&uuml;r den Betreuungs- und Erziehungsaufwand der H&ouml;he nach nicht den Vorgaben des BVerfG gen&uuml;gen (vgl. zum s&auml;chlichen Existenzminimum BVerfG-Beschl&uuml;sse in BVerfGE 82, 60, BStBl II 1990, 653; in BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413; in BVerfGE 99, 246, BStBl II 1999, 174; in BVerfGE 99, 273, BStBl II 1999, 194; vgl. zum Betreuungsbedarf BVerfG-Beschluss in BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182). Mit der Behauptung, die Bemessung der Einkommensteuer sei bei einem Alleinverdiener-Ehepaar mit drei Kindern in verfassungswidriger Weise &uuml;berh&ouml;ht, haben sie die Darlegungserfordernisse des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO nicht erf&uuml;llt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                c) Hinsichtlich des Kindergeldes verkennen die Kl&auml;ger, dass dem in Art. 20 Abs. 1 GG verankerten Sozialstaatsprinzip i.V.m. Art. 6 GG nicht das Gebot zu entnehmen ist, Sozialleistungen in einer bestimmten Weise und einem bestimmten Umfang zu gew&auml;hren und jegliche die Familien treffenden Belastungen auszugleichen (BFH-Urteil vom 11. M&auml;rz 2003 VIII R 76\/02, BFH\/NV 2003, 1303). Der Gesetzgeber war lediglich verpflichtet, das nach sozialhilferechtlichen Kriterien zu ermittelnde Existenzminimum des Steuerpflichtigen und seiner Familie und ab dem Jahr 2000 zus&auml;tzlich einen Betreuungsbedarf (BVerfG-Beschluss in BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182) im wirtschaftlichen Ergebnis von der Einkommensteuer freizustellen. Dementsprechend besteht kein Recht auf Kindergeld in einer bestimmten H&ouml;he (vgl. Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect; 66 EStG Rz 4).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.8.2008, III B 153\/07 Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des Familienleistungsausgleichs &#8211; kein Anspruch auf ein Familiensplitting oder Sozialleistungen in einem bestimmten Umfang Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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