{"id":18362,"date":"2012-12-18T09:52:27","date_gmt":"2012-12-18T07:52:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18362"},"modified":"2012-12-18T09:52:27","modified_gmt":"2012-12-18T07:52:27","slug":"vi-b-68-08-bestimmung-des-oertlich-zustaendigen-finanzgerichts-durch-den-bfh-wenn-der-beklagte-eine-ag-ist-grenzen-der-bindungswirkung-eines-verweisungsbeschlusses-nach-par-17a-abs-2-satz-3-gvg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-68-08-bestimmung-des-oertlich-zustaendigen-finanzgerichts-durch-den-bfh-wenn-der-beklagte-eine-ag-ist-grenzen-der-bindungswirkung-eines-verweisungsbeschlusses-nach-par-17a-abs-2-satz-3-gvg\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;68\/08 &#8211; Bestimmung des &ouml;rtlich zust&auml;ndigen Finanzgerichts durch den BFH, wenn der Beklagte eine AG ist &#8211; Grenzen der Bindungswirkung eines Verweisungsbeschlusses nach &sect; 17a Abs. 2 Satz 3 GVG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.8.2008, VI B 68\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Bestimmung des &ouml;rtlich zust&auml;ndigen Finanzgerichts durch den BFH, wenn der Beklagte eine AG ist &#8211; Grenzen der Bindungswirkung eines Verweisungsbeschlusses nach &sect; 17a Abs. 2 Satz 3 GVG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in X, die im Bereich Projektentwicklung und kommerzielle Dienstleistungen t&auml;tig ist. In der Zeit von September 2004 bis August 2005 war der Kl&auml;ger nach eigenen Angaben als &quot;Senior Manager&quot; t&auml;tig. Die Beklagte &uuml;berwies dem Kl&auml;ger in dieser Zeit monatlich 5 000 EUR, ohne Lohnsteuer einzubehalten und abzuf&uuml;hren. Mit seiner vor dem Arbeitsgericht (ArbG) erhobenen Klage vertritt der Kl&auml;ger die Auffassung, dass er als Arbeitnehmer der Beklagten t&auml;tig geworden sei. Die Beklagte sei verpflichtet gewesen, neben einem an den Kl&auml;ger zu zahlenden monatlichen Nettobetrag in H&ouml;he von 5 000 EUR monatlich auch noch Lohnsteuer in H&ouml;he von 3 104,75 EUR und Solidarit&auml;tszuschlag in H&ouml;he von 170,76 EUR an das Wohnsitzfinanzamt des Kl&auml;gers, das Finanzamt Y, zu zahlen. Die Beklagte bestreitet den Abschluss eines Arbeitsvertrags mit dem Kl&auml;ger.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Beschluss vom &#8230; hat das ArbG den Rechtsweg zu den Gerichten f&uuml;r Arbeitssachen f&uuml;r unzul&auml;ssig erkl&auml;rt und &#8211;nach entsprechender Berichtigung seines Beschlusses&#8211; den Rechtsstreit an das Hessische Finanzgericht (FG) verwiesen. Die Beteiligten haben diesen Beschluss nicht angefochten.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach Anh&ouml;rung der Beteiligten hat das FG mit Beschluss vom 17. Juni 2008&nbsp;&nbsp;4 K 3538\/07 den Bundesfinanzhof (BFH) angerufen zwecks Entscheidung dar&uuml;ber, welches Finanzgericht im vorliegenden Rechtsstreit &ouml;rtlich zust&auml;ndig ist. Das FG h&auml;lt den berichtigten Verweisungsbeschluss des ArbG zwar f&uuml;r inhaltlich falsch, weil nicht vorrangig &uuml;ber die Pflicht zur Abf&uuml;hrung von Lohnsteuer gestritten werde, sondern um das Bestehen eines Arbeitverh&auml;ltnisses und die sich daraus ergebenden Anspr&uuml;che. Das FG sieht sich jedoch durch den Beschluss des ArbG hinsichtlich des Rechtswegs gebunden (&sect; 17a Abs. 2 Satz 3 des Gerichtsverfassungsgesetzes &#8211;GVG&#8211;), weil die Verweisung nicht offensichtlich unhaltbar sei. Gem&auml;&szlig; &sect; 39 Abs. 1 Nr. 5 der Finanzgerichtsordnung (FGO) m&uuml;sse jedoch das &ouml;rtlich zust&auml;ndige Finanzgericht durch den BFH bestimmt werden. Eine &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit nach &sect; 38 FGO sei nicht gegeben, weil es sich bei der Beklagten nicht um eine Finanzbeh&ouml;rde, sondern um eine juristische Person des Zivilrechts handele.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Das Gesuch um Bestimmung des &ouml;rtlich zust&auml;ndigen Gerichts ist zul&auml;ssig, denn der Finanzrechtsweg ist zul&auml;ssig, eine &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit nach &sect; 38 FGO jedoch nicht gegeben (&sect; 39 Abs. 1 Nr. 5 FGO). Als &ouml;rtlich zust&auml;ndiges Gericht war das Finanzgericht zu bestimmen, in dessen Bezirk die Beklagte ihren Sitz hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Anrufung des BFH nach &sect; 39 Abs. 2 Satz 1 FGO durch das FG liegen vor.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Die Bestimmung eines &ouml;rtlich zust&auml;ndigen Finanzgerichts durch den BFH setzt voraus, dass der Finanzrechtsweg zul&auml;ssig ist. Das FG ist zu Recht davon ausgegangen, dass es an den Verweisungsbeschluss des ArbG hinsichtlich des Rechtswegs gebunden ist. Denn auch ein rechtskr&auml;ftiger Verweisungsbeschluss nach &sect; 17a Abs. 2 Satz 3 GVG, der sachlich nicht h&auml;tte ergehen d&uuml;rfen, entfaltet Bindungswirkung hinsichtlich des Rechtswegs, wenn er nicht offensichtlich unhaltbar ist (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 26. Februar 2004 VII B 341\/03, BFHE 204, 413, BStBl II 2004, 458; vom 20. Dezember 2004 VI S 7\/03, BFHE 209, 1, BStBl II 2005, 573). Zwar betrifft das Klagebegehren des Kl&auml;gers im Kern eine b&uuml;rgerlich-rechtliche Streitigkeit, wenn sich dieser auf das Bestehen eines Arbeitsverh&auml;ltnisses beruft und &uuml;ber das Bestehen einer Nettolohnvereinbarung und die daraus folgenden Anspr&uuml;che streitet (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 29. Juni 1993 VI B 108\/92, BFHE 171, 409, BStBl II 1993, 760; BFH-Urteil vom 13. Dezember 2007 VI R 57\/04, BStBl II 2008, 434). Schlechthin als nicht mehr nachvollziehbar erscheint der arbeitsgerichtliche Verweisungsbeschluss jedoch nicht, nachdem bei auch lohnsteuerliche Fragen ber&uuml;hrenden Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Zul&auml;ssigkeit des Rechtswegs von Arbeits- und Finanzgerichten nicht durchweg einheitlich beurteilt wird.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Gem&auml;&szlig; &sect; 39 Abs. 1 Nr. 5 FGO wird das zust&auml;ndige Finanzgericht durch den BFH bestimmt, wenn eine &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit nach &sect; 38 FGO nicht gegeben ist. &sect; 38 FGO geht f&uuml;r die Bestimmung der &ouml;rtlichen Zust&auml;ndigkeit davon aus, dass es sich bei dem Beklagten um eine (Finanz-)Beh&ouml;rde handelt; eine juristische Person des privaten Rechts als Beklagten kennt die Vorschrift nicht. Deshalb l&auml;sst sich die &ouml;rtliche Zust&auml;ndigkeit nicht nach &sect; 38 FGO bestimmen, wenn der Beklagte die Rechtsform der Aktiengesellschaft hat. Insoweit entsteht jedenfalls im Anschluss an eine hinsichtlich des Rechtswegs bindende Verweisung eine L&uuml;cke, die die Anwendung des &sect; 39 Abs. 1 Nr. 5 FGO er&ouml;ffnet (zweifelnd an der L&uuml;ckenhaftigkeit des &sect; 38 FGO hingegen Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 39 FGO Rz 7; v. Beckerath in Beermann\/Gosch, FGO &sect; 39 Rz 16; Steinhauff in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 39 FGO Rz 36).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. F&uuml;r die Bestimmung der &ouml;rtlichen Zust&auml;ndigkeit ist im Streitfall ma&szlig;gebend, in welchem Finanzgerichtsbezirk die Beklagte ihren Sitz hat. Diese Bestimmung folgt der Grundregel in &sect; 38 Abs. 1 FGO, die auf den Sitz der beklagten Beh&ouml;rde abstellt und die auf Fallkonstellationen wie im Streitfall entsprechende Anwendung finden kann. Sie wird best&auml;tigt durch die Regelung des &sect; 17 Abs. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO), wonach der allgemeine Gerichtsstand (&sect; 12 ZPO) von Gesellschaften, die als solche verklagt werden k&ouml;nnen, durch ihren Sitz bestimmt wird und als Sitz, wenn sich nichts anderes ergibt, der Ort gilt, wo die Verwaltung gef&uuml;hrt wird. Dabei kann offen bleiben, ob die Vorschrift des &sect; 17 ZPO &uuml;ber &sect; 155 FGO im finanzgerichtlichen Verfahren entsprechende Anwendung finden kann (verneinend Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 39 Rz 8); jedenfalls st&uuml;tzt auch sie die grunds&auml;tzliche Ankn&uuml;pfung an den Sitz des Beklagten, selbst wenn es sich bei dem Beklagten im finanzgerichtlichen Verfahren nicht um eine Beh&ouml;rde, sondern um eine juristische Person des privaten Rechts handelt. Demgegen&uuml;ber sprechen im Streitfall keinerlei Gesichtspunkte daf&uuml;r, in entsprechender Anwendung des &sect; 38 Abs. 2 FGO &#8211;und damit in Abweichung von der benannten Grundregel&#8211; der Bestimmung der &ouml;rtlichen Zust&auml;ndigkeit den Wohnsitz des Kl&auml;gers zugrunde zu legen. Ebenso ist nicht ersichtlich, dass die Ankn&uuml;pfung an den Sitz der Finanzbeh&ouml;rde, an die die vom Kl&auml;ger begehrten Zahlungen von der Beklagten geleistet werden sollen, einem der Beteiligten f&uuml;r das finanzgerichtliche Verfahren irgendwelche Vor- oder Nachteile br&auml;chte. Auch sonst ist kein Zusammenhang zwischen dem Sitz eines am Rechtsstreit nicht beteiligten Dritten und der Bestimmung der &ouml;rtlichen Zust&auml;ndigkeit erkennbar. Dass das nunmehr als &ouml;rtlich zust&auml;ndig bestimmte FG bereits mit der Sache befasst gewesen ist, ist f&uuml;r die Zust&auml;ndigkeitsbestimmung nicht entscheidend.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Der Beschluss ist unanfechtbar (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 37 Abs. 2 ZPO).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.8.2008, VI B 68\/08 Bestimmung des &ouml;rtlich zust&auml;ndigen Finanzgerichts durch den BFH, wenn der Beklagte eine AG ist &#8211; Grenzen der Bindungswirkung eines Verweisungsbeschlusses nach &sect; 17a Abs. 2 Satz 3 GVG Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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