{"id":18509,"date":"2012-12-18T15:44:21","date_gmt":"2012-12-18T13:44:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18509"},"modified":"2012-12-18T15:44:21","modified_gmt":"2012-12-18T13:44:21","slug":"x-b-87-08-nichtzulassungsbeschwerde-verstoss-gegen-die-denkgesetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-87-08-nichtzulassungsbeschwerde-verstoss-gegen-die-denkgesetze\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;87\/08 &#8211; Nichtzulassungsbeschwerde: Versto&szlig; gegen die Denkgesetze"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.9.2008, X B 87\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Nichtzulassungsbeschwerde: Versto&szlig; gegen die Denkgesetze<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Ihre Begr&uuml;ndung entspricht nicht den Darlegungsanforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO); die vom Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde sind auch nicht gegeben.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Der Kl&auml;ger hat die Verletzung seines rechtlichen Geh&ouml;rs nicht schl&uuml;ssig ger&uuml;gt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                a) Der Kl&auml;ger hat in diesem Zusammenhang vorgetragen, seine Behauptung, er habe mit Schreiben vom 25. November 1999 gegen den Einkommensteuerbescheid 1990 Einspruch eingelegt, habe der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) bestritten. Daraufhin habe er mit Schreiben vom 5. Juni 2007 das Gericht gebeten ihm mitzuteilen, welche zus&auml;tzlichen Informationen oder Unterlagen von der Kl&auml;gerseite noch ben&ouml;tigt w&uuml;rden, um eine sachliche Entscheidung f&auml;llen zu k&ouml;nnen. Obwohl das Finanzgericht (FG) hierauf nicht reagiert habe, sei es im Urteil davon ausgegangen, dass der Kl&auml;ger gegen den Einkommensteuerbescheid 1990 nicht wirksam Einspruch eingelegt habe. Hierin liege eine Verletzung seines Rechts auf Geh&ouml;r.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                b) Dieser Vortrag reicht f&uuml;r eine schl&uuml;ssige R&uuml;ge der Geh&ouml;rsverletzung nicht aus.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                aa) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des Bundesfinanzhofs (BFH) liegt eine &Uuml;berraschungsentscheidung und damit ein Versto&szlig; gegen den Grundsatz des rechtlichen Geh&ouml;rs (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;, &sect;&sect; 96 Abs. 2, 119 Nr. 3 FGO) vor, wenn das Gericht seine Entscheidung auf einen bis dahin nicht er&ouml;rterten rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gesichtspunkt gest&uuml;tzt und damit dem Rechtsstreit eine Wendung gegeben hat, mit der alle oder einige Beteiligte nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens nicht rechnen mussten (vgl. z.B. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 119 Rz 10, m.w.N.). Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r verlangt jedoch nicht, dass das Gericht die ma&szlig;gebenden rechtlichen Gesichtspunkte mit den Beteiligten umfassend er&ouml;rtert. Das Gericht ist grunds&auml;tzlich weder zu einem Rechtsgespr&auml;ch noch zu einem Hinweis auf seine Rechtsauffassung verpflichtet (Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 119 Rz 10a, m.w.N.). Auch wenn die Rechtslage umstritten oder problematisch ist, muss daher ein Verfahrensbeteiligter grunds&auml;tzlich alle vertretbaren rechtlichen Gesichtspunkte von sich aus in Betracht ziehen und seinen Vortrag darauf einrichten (BVerfG-Beschluss vom 13. Oktober 1994&nbsp;&nbsp;2 BvR 126\/94, Deutsches Verwaltungsblatt 1995, 34). Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r liegt erst dann vor, wenn das Gericht ohne vorherigen Hinweis auf einen rechtlichen Gesichtspunkt abstellt, mit dem auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter &#8211;selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der Vielfalt vertretbarer Rechtsauffassungen&#8211; nicht zu rechnen brauchte (BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 15. Januar 1999&nbsp;&nbsp;1 BvR 1274\/92, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1999, 3326; vom 12. Juni 2003&nbsp;&nbsp;1 BvR 2285\/02, NJW 2003, 2524, jeweils m.w.N. aus der Rechtsprechung).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                bb) Eine &Uuml;berraschungsentscheidung und damit ein Versto&szlig; gegen den Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art. 103 Abs. 1 GG, &sect; 96 Abs. 2 FGO) wie auch eine Verletzung der richterlichen Hinweispflicht (&sect; 76 Abs. 2 FGO) sind nicht gegeben (vgl. dazu BFH-Beschl&uuml;sse vom 8. November 2005 III B 33\/05, BFH\/NV 2006, 568; vom 7. Dezember 2005 I B 90\/05, BFH\/NV 2006, 601).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Nach den oben dargelegten Ma&szlig;st&auml;ben musste das FG den Kl&auml;ger nicht darauf hinweisen, dass durch seinen bisherigen Vortrag der Eingang des Einspruchschreibens vom 25. November 1999 beim FA nicht nachgewiesen ist. Streitig zwischen den Beteiligten war, ob der Kl&auml;ger wirksam Einspruch gegen den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid 1990 erhoben hat. Das FA hat mit Schreiben vom 24. April 2007 dem FG mitgeteilt, dass im Klageverfahren 13 K 2941\/95 E zur Einkommensteuer 1990 am 22. November 1999 aufgrund der gerichtlich protokollierten Einigung vom 7. Juli 1999 ein entsprechender &Auml;nderungsbescheid ergangen sei. Gegen diesen sei kein Einspruch eingelegt worden. Vielmehr habe der Kl&auml;ger gegen das Urteil am 13. September 1999 Nichtzulassungsbeschwerde erhoben, die als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen worden sei. Vor diesem Hintergrund h&auml;tte sich der Kl&auml;ger im Schreiben vom 5. Juni 2007 nicht ein weiteres Mal damit begn&uuml;gen d&uuml;rfen, das FG um Mitteilung zu bitten, welche zus&auml;tzlichen Informationen oder Unterlagen er noch beibringen solle. Es h&auml;tte vielmehr &#8211;auch ohne Aufforderung durch das Gericht&#8211; ihm oblegen, z.B. schrifts&auml;tzlich bzw. in der m&uuml;ndlichen Verhandlung seine Ehefrau als Zeugin f&uuml;r die fristgerechte Einlegung eines Einspruchs gegen den Einkommensteuer&auml;nderungsbescheid 1990 zu benennen und das Schreiben vom 6. Dezember 1999 vorzulegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der vom Kl&auml;ger ger&uuml;gte Versto&szlig; gegen die Denkgesetze f&uuml;hrt nicht zur Zulassung der Revision wegen eines Verfahrensmangels. Verst&ouml;&szlig;e gegen Denkgesetze und Erfahrungss&auml;tze stellen in der Regel materiell-rechtliche Fehler dar, und zwar auch dann, wenn sich diese Fehler nicht auf die rechtliche Subsumtion, sondern auf die W&uuml;rdigung von Tatsachen erstrecken (vgl. die Nachweise aus der Rechtsprechung bei Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 115 Rz 83). Abgesehen davon vermag der angerufene Senat nicht zu erkennen, dass das FG im Rahmen seiner W&uuml;rdigung der Verh&auml;ltnisse des Streitfalls gegen die Denkgesetze versto&szlig;en haben sollte. Insbesondere wurden die Einkommensteuerbescheide 1991 und 1994 nicht aufgrund eines Einspruchs vom 25. November 1999 ge&auml;ndert.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                3. Die zus&auml;tzliche Begr&uuml;ndung vom 22. September 2008 ist als nachgereichter Schriftsatz versp&auml;tet. Die Zul&auml;ssigkeit einer Nichtzulassungsbeschwerde, insbesondere hinsichtlich der Anforderungen an ihre Begr&uuml;ndung ist nach &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO nur nach den innerhalb der gesetzlichen Begr&uuml;ndungsfrist (&sect; 116 Abs. 1 S&auml;tze 1 und 4 FGO) vorgebrachten Ausf&uuml;hrungen zu beurteilen; sp&auml;tere Darlegungen sind &#8211;abgesehen von blo&szlig;en Erl&auml;uterungen und Erg&auml;nzungen&#8211; nicht zu ber&uuml;cksichtigen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 23.9.2008, X B 87\/08 Nichtzulassungsbeschwerde: Versto&szlig; gegen die Denkgesetze Gr&uuml;nde &nbsp; 1&nbsp; Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Ihre Begr&uuml;ndung entspricht nicht den Darlegungsanforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO); die vom Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde sind auch nicht gegeben. 2&nbsp; 1. Der Kl&auml;ger hat die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-87-08-nichtzulassungsbeschwerde-verstoss-gegen-die-denkgesetze\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;87\/08 &#8211; Nichtzulassungsbeschwerde: Versto&szlig; gegen die Denkgesetze<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-18509","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18509"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18509\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}