{"id":18515,"date":"2012-12-18T15:24:27","date_gmt":"2012-12-18T13:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18515"},"modified":"2012-12-18T15:24:27","modified_gmt":"2012-12-18T13:24:27","slug":"vii-b-239-07-aufrechnung-gegen-nach-aufhebung-des-insolvenzverfahrens-ermittelte-forderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-239-07-aufrechnung-gegen-nach-aufhebung-des-insolvenzverfahrens-ermittelte-forderung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;239\/07 &#8211; Aufrechnung gegen nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens ermittelte Forderung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.9.2008, VII B 239\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufrechnung gegen nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens ermittelte Forderung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war Insolvenzverwalter in dem Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen des &#8230; (Schuldner) und ist mit der im M&auml;rz 2004 vom Insolvenzgericht f&uuml;r den Schuldner angek&uuml;ndigten Restschuldbefreiung zum Treuh&auml;nder bestellt worden. Nachdem es dem Kl&auml;ger nicht gelungen war, Verm&ouml;genswerte des Schuldners zu realisieren, hob das Insolvenzgericht im Juli 2004 das Insolvenzverfahren ohne Schlussverteilung auf.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Aus der Einkommensteuerveranlagung 2004 des Schuldners ergab sich eine Steuererstattung, die der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Juli 2006 mit Steuerr&uuml;ckst&auml;nden des Schuldners verrechnete. Die von Seiten des Kl&auml;gers beantragte Erstattung des Guthabens, soweit es auf den Zeitraum bis zur Aufhebung des Insolvenzverfahrens entfiel, lehnte das FA ab, auch nachdem das Insolvenzgericht auf Antrag des Kl&auml;gers im Oktober 2006 die Nachtragsverteilung angeordnet hatte, und erteilte einen entsprechenden Abrechnungsbescheid. Den Einspruch des Kl&auml;gers wies das FA mit der Begr&uuml;ndung zur&uuml;ck, dass zur Insolvenzmasse geh&ouml;rende Forderungen, die nach Abschluss des Insolvenzverfahrens ermittelt w&uuml;rden, erst mit dem Beschluss &uuml;ber die Nachtragsverteilung, dem keine R&uuml;ckwirkung zukomme, der Insolvenzbeschlagnahme unterl&auml;gen. Die hiergegen erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) unter Bezugnahme auf die Gr&uuml;nde der Einspruchsentscheidung ab.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Hiergegen richtet sich die Nichtzulassungsbeschwerde des Kl&auml;gers, welche er auf die Zulassungsgr&uuml;nde der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache sowie der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 und 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) st&uuml;tzt.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg, da die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde nicht vorliegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                1. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung, weil sich die von der Beschwerde bezeichnete Rechtsfrage, ob eine Aufrechnung des FA wirksam ist, die nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens und vor Anordnung einer Nachtragsverteilung erkl&auml;rt wird, nur so beantworten l&auml;sst, wie das FG es getan hat.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die im Streitfall vom FA erkl&auml;rte Aufrechnung war nicht gem&auml;&szlig; &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 der Insolvenzordnung (InsO) unzul&auml;ssig. Zwar handelte es sich bei dem aus der Einkommensteuerveranlagung 2004 resultierenden Erstattungsanspruch des Schuldners um einen nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens begr&uuml;ndeten Anspruch, der nach &sect; 35 Abs. 1 InsO in die Insolvenzmasse fiel, jedoch gelten die besonderen, die Aufrechnung durch Insolvenzgl&auml;ubiger betreffenden Vorschriften der &sect;&sect; 94 bis 96 InsO nur w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens. Nach der Aufhebung des Insolvenzverfahrens hingegen k&ouml;nnen die Insolvenzgl&auml;ubiger nach &sect; 201 Abs. 1 InsO ihre Forderungen gegen den Schuldner unbeschr&auml;nkt geltend machen. Daher kann ein Insolvenzgl&auml;ubiger nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens die Aufrechnung gegen Forderungen des Schuldners erkl&auml;ren, die zwar w&auml;hrend des Insolvenzverfahrens begr&uuml;ndet, jedoch nicht ermittelt wurden oder aus anderen Gr&uuml;nden nicht in die Schlussverteilung eingegangen sind und &uuml;ber die der Schuldner nunmehr wieder frei verf&uuml;gen kann, da sie nicht mehr der Insolvenzbeschlagnahme (&sect; 80 Abs. 1 InsO) unterliegen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Etwas anderes gilt auch nicht w&auml;hrend der sog. Wohlverhaltensphase nach Ank&uuml;ndigung der Restschuldbefreiung. So hat der Senat bereits entschieden, dass das FA nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens w&auml;hrend der sog. Wohlverhaltensphase gegen Lohnsteuererstattungsanspr&uuml;che des Schuldners die Aufrechnung erkl&auml;ren kann, weil der InsO keine die Aufrechnungsbefugnis von Insolvenzgl&auml;ubigern in der Wohlverhaltensperiode ausschlie&szlig;ende Bestimmung zu entnehmen ist und dies insbesondere auch nicht aus dem Zwangsvollstreckungsverbot des &sect; 294 Abs. 1 InsO hergeleitet werden kann (Senatsurteile vom 21. November 2006 VII R 1\/06, BFHE 216, 1, BStBl II 2008, 272, und VII R 66\/05, BFH\/NV 2007, 1066).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Wird eine zur Insolvenzmasse geh&ouml;rende Forderung des Schuldners &#8211;wie im Streitfall&#8211; erst nachtr&auml;glich ermittelt, kann zwar eine Nachtragsverteilung auch dann angeordnet werden, wenn das Insolvenzverfahren bereits aufgehoben worden ist (&sect; 203 Abs. 1 Nr. 3 Abs. 2 InsO). In diesem Fall tritt aber eine erneute Insolvenzbeschlagnahme bez&uuml;glich dieser Forderung erst mit dem Beschluss &uuml;ber die Anordnung der Nachtragsverteilung ein, dem keine R&uuml;ckwirkung zukommt (M&uuml;nchKommInsO\/ Hintzen, &sect; 203 Rz 21; Hess, Insolvenzrecht, Gro&szlig;kommentar, &sect; 203 Rz 29; Uhlenbruck, Insolvenzordnung, 12. Aufl., &sect; 203 Rz 12, jeweils m.w.N.).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                2. Der Zulassungsgrund der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung ist nicht gegeben, weil das FG-Urteil &#8211;anders als die Beschwerde meint&#8211; nicht von dem Senatsbeschluss vom 7. Juni 2006 VII B 329\/05 (BFHE 212, 436, BStBl II 2006, 641) abweicht. Der Senat hat in jenem Beschluss ausgef&uuml;hrt, dass eine erst nach dem Schlusstermin ermittelte zur Insolvenzmasse geh&ouml;rende Forderung des Schuldners nicht aus der Insolvenzbeschlagnahme entlassen, sondern ggf. nach &sect; 203 Abs. 1 Nr. 3 InsO Gegenstand einer Nachtragsverteilung ist und dass, falls diese Anordnung erst nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens ergeht, damit eine erneute Insolvenzbeschlagnahme bez&uuml;glich dieser Forderung eintritt. Dies bedeutet gerade nicht, dass mit der Anordnung der Nachtragsverteilung nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens die nachtr&auml;glich ermittelten Gegenst&auml;nde der Masse der Insolvenzbeschlagnahme r&uuml;ckwirkend unterfallen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>   <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.9.2008, VII B 239\/07 Aufrechnung gegen nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens ermittelte Forderung Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war Insolvenzverwalter in dem Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen des &#8230; (Schuldner) und ist mit der im M&auml;rz 2004 vom Insolvenzgericht f&uuml;r den Schuldner angek&uuml;ndigten Restschuldbefreiung zum Treuh&auml;nder bestellt worden. 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