{"id":18524,"date":"2012-12-18T15:44:23","date_gmt":"2012-12-18T13:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=18524"},"modified":"2012-12-18T15:44:23","modified_gmt":"2012-12-18T13:44:23","slug":"i-r-57-07-geltung-des-kassenstaatsprinzips-fuer-gehaelter-der-versorgungsanstalt-des-bundes-und-der-laender-anwendungsbereich-des-kassenstaatsprinzips-gegenueber-oecd-musterabkommen-erweitertes-besteu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-57-07-geltung-des-kassenstaatsprinzips-fuer-gehaelter-der-versorgungsanstalt-des-bundes-und-der-laender-anwendungsbereich-des-kassenstaatsprinzips-gegenueber-oecd-musterabkommen-erweitertes-besteu\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;57\/07 &#8211; Geltung des Kassenstaatsprinzips f&uuml;r Geh&auml;lter der Versorgungsanstalt des Bundes und der L&auml;nder &#8211; Anwendungsbereich des Kassenstaatsprinzips &#8211; Gegen&uuml;ber OECD-Musterabkommen erweitertes Besteuerungsrecht nach DBA &#8211; Zul&auml;ssigkeit der gegen den Widerruf einer Freistellungsbescheinigung nach &sect; 39b Abs. 6 EStG gerichteten Fortsetzungsfeststellungsklage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.9.2008, I R 57\/07<\/p>\n<p class=\"titel\">Geltung des Kassenstaatsprinzips f&uuml;r Geh&auml;lter der Versorgungsanstalt des Bundes und der L&auml;nder &#8211; Anwendungsbereich des Kassenstaatsprinzips &#8211; Gegen&uuml;ber OECD-Musterabkommen erweitertes Besteuerungsrecht nach DBA &#8211; Zul&auml;ssigkeit der gegen den Widerruf einer Freistellungsbescheinigung nach &sect; 39b Abs. 6 EStG gerichteten Fortsetzungsfeststellungsklage<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>      <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine deutsche Staatsangeh&ouml;rige, ist Angestellte der Versorgungsanstalt des Bundes und der L&auml;nder (VBL) in Karlsruhe. Seit 1991 hat sie ihren Wohnsitz im Elsass. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) best&auml;tigte ihren sog. Grenzg&auml;ngerstatus in widerruflichen und befristeten Freistellungsbescheinigungen nach &sect; 39b Abs. 6 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Die Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus nichtselbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit wurden daher von der VBL nicht dem Lohnsteuerabzug unterworfen, sondern in Frankreich besteuert (Art. 13 Abs. 5 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Franz&ouml;sischen Republik zur Vermeidung der Doppelbesteuerungen und &uuml;ber gegenseitige Amts- und Rechtshilfe auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen sowie der Gewerbesteuern und der Grundsteuern vom 21. Juli 1959, BGBl II 1961, 398, mit sp&auml;teren &Auml;nderungen &#8211;DBA-Frankreich&#8211;).      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit Bescheid vom 25. Juli 2003 widerrief das FA die zuletzt erteilte Freistellungsbescheinigung vom 4. Januar 2001 mit Wirkung zum 1. Januar 2003. Es war der Auffassung, aufgrund des Kassenstaatsprinzips nach Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich stehe Deutschland das Besteuerungsrecht f&uuml;r die Lohneink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin zu, weil sie bei der VBL und damit einer Anstalt des &ouml;ffentlichen Rechts besch&auml;ftigt sei, die keine Gewinnerzielungsabsicht habe (Art. 14 Abs. 3 DBA-Frankreich). Die sog. Grenzg&auml;ngerregelung des Art. 13 Abs. 5 DBA-Frankreich k&ouml;nne daher nicht auf die Kl&auml;gerin angewandt werden.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Das Finanzgericht (FG) Baden-W&uuml;rttemberg, Au&szlig;ensenate Karlsruhe, hat der deswegen erhobenen, in ihrem Hauptantrag auf Aufhebung des Widerrufsbescheids gerichteten Klage mit Urteil vom 26. Juni 2007 1 K 421\/04, ver&ouml;ffentlicht in Entscheidungen der Finanzgerichte 2007, 1401, soweit sie hilfsweise als Fortsetzungsfeststellungsklage fortgef&uuml;hrt wurde, stattgegeben und festgestellt, dass der Widerruf der Freistellungsbescheinigung rechtswidrig gewesen sei.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA eine Verletzung materiellen Rechts. Es beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage in vollem Umfang abzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>                Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.      <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zutreffend entschieden, dass die Fortsetzungsfeststellungsklage zul&auml;ssig ist (&sect; 100 Abs. 1 Satz 4 FGO), weil die Kl&auml;gerin ein berechtigtes Interesse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit des Widerrufs der Freistellungsbescheinigung hat. Das FA hat auch in der Folgezeit der Kl&auml;gerin keine Freistellungsbescheinigung nach &sect; 39b Abs. 6 EStG erteilt und ferner die Lohnsteuer nachgefordert. Das berechtigte Interesse der Kl&auml;gerin besteht daher sowohl unter dem Gesichtspunkt der Wiederholungsgefahr als auch unter dem der Prozess&ouml;konomie (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 7. Juni 1989 X R 12\/84, BFHE 157, 370, BStBl II 1989, 976).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat aber zu Unrecht angenommen, dass der Widerruf der Freistellungsbescheinigung rechtswidrig gewesen sei. Die Kl&auml;gerin kann f&uuml;r die von der VBL erhaltenen Bez&uuml;ge keine Freistellungsbescheinigung gem&auml;&szlig; &sect; 39b Abs. 6 EStG i.V.m. Art. 13 Abs. 5 DBA-Frankreich beanspruchen. Das Besteuerungsrecht f&uuml;r diese Eink&uuml;nfte steht nicht Frankreich, sondern Deutschland zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die in Frankreich wohnende Kl&auml;gerin ist in Deutschland mit ihren inl&auml;ndischen Eink&uuml;nften aus ihrer hier ausge&uuml;bten nichtselbst&auml;ndigen Arbeit gem&auml;&szlig; &sect; 1 Abs. 4 i.V.m. &sect; 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG beschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig. Nach Art. 13 Abs. 1 DBA-Frankreich steht das Besteuerungsrecht f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit grunds&auml;tzlich dem T&auml;tigkeitsstaat zu. Abweichend hiervon bestimmt Art. 13 Abs. 5 DBA-Frankreich, dass Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit von Personen, die im Grenzgebiet eines Vertragsstaates arbeiten und ihre st&auml;ndige Wohnst&auml;tte, zu der sie in der Regel jeden Tag zur&uuml;ckkehren, im Grenzgebiet des anderen Vertragsstaates haben, nur in diesem anderen Staat besteuert werden. Die Kl&auml;gerin erf&uuml;llt zwar diese Voraussetzungen. Die sog. Grenzg&auml;ngerregelung des Art. 13 Abs. 5 DBA-Frankreich ist aber durch die Sonderregelung des Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich ausgeschlossen (vgl. Senatsurteil vom 5. September 2001 I R 88\/00, BFH\/NV 2002, 623).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich k&ouml;nnen Geh&auml;lter, L&ouml;hne und &auml;hnliche Verg&uuml;tungen sowie Ruhegeh&auml;lter, die einer der Vertragsstaaten, ein Land oder eine juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts dieses Staates oder Landes an in dem anderen Staat ans&auml;ssige nat&uuml;rliche Personen f&uuml;r gegenw&auml;rtige oder fr&uuml;here Dienstleistungen in der Verwaltung oder in den Streitkr&auml;ften zahlt, grunds&auml;tzlich nur in dem erstgenannten Staat besteuert werden. Diese Regelung greift im Streitfall ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die VBL ist nach &sect; 1 ihrer Satzung (VBLS) eine Anstalt des &ouml;ffentlichen Rechts und damit eine juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Kl&auml;gerin erh&auml;lt ihren Lohn von der VBL f&uuml;r &quot;Dienstleistungen in der Verwaltung&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Das Merkmal &quot;in der Verwaltung&quot; erfordert eine gewisse Einbindung des Dienstleistenden in eine Gebietsk&ouml;rperschaft oder juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts und grenzt einmalige oder gelegentliche Leistungen von selbst&auml;ndig oder gewerblich T&auml;tigen f&uuml;r die Verwaltung aus dem Anwendungsbereich des Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich aus (vgl. Kramer in Debatin\/Wassermeyer, Doppelbesteuerung, Art. 14 Frankreich Rz 11). Ferner fordert es eine Dienstleistung f&uuml;r die Gebietsk&ouml;rperschaft oder juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts. Allein die Besoldung durch Bund, L&auml;nder oder sonstige juristische Personen des &ouml;ffentlichen Rechts reicht demnach nicht aus, wenn der Bedienstete &#8211;wie im Sachverhalt, der dem Senatsurteil vom 17. Dezember 1997 I R 60-61\/97 (BFHE 185, 376, BStBl II 1999, 13) zugrunde lag&#8211; mittels Dienstleistungs&uuml;berlassungsvertrag einem privaten Steuersubjekt &uuml;berlassen wird und diesem das Weisungs- und Direktionsrecht zusteht. Ebenso wenig fallen &#8211;wie sich aus Art. 14 Abs. 3 DBA-Frankreich ergibt&#8211; auf Gewinnerzielung gerichtete gewerbliche T&auml;tigkeiten eines Vertragsstaates, eines Landes oder einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts dieses Staates oder Landes unter Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Eine weitere Abgrenzung danach, ob mit den Dienstleistungen unmittelbar &ouml;ffentliche Aufgaben verwirklicht werden, ist entgegen der Auffassung des FG nicht vorzunehmen. Vielmehr k&ouml;nnen auch Dienstleistungen, die z.B. im Bereich der Verm&ouml;gensverwaltung oder auf privatrechtlicher Grundlage erbracht werden, unter Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich fallen. Dies folgt zwar nicht unmittelbar aus dem Wortlaut der Bestimmung, der mehrere Deutungsm&ouml;glichkeiten zul&auml;sst; es ergibt sich jedoch aus dem Aufbau des Art. 14 DBA-Frankreich. Die Regelung in Art. 14 Abs. 3 DBA-Frankreich, nach der Zahlungen f&uuml;r Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit einer auf Gewinnerzielung gerichteten gewerblichen T&auml;tigkeit eines der beiden Vertragsstaaten, eines Landes oder einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts dieses Staates oder Landes stehen, nicht unter Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich fallen, w&auml;re &uuml;berfl&uuml;ssig, wenn bereits nach Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich alle T&auml;tigkeiten, die nicht der unmittelbaren Erf&uuml;llung &ouml;ffentlicher Aufgaben dienten, von der Geltung des Kassenstaatsprinzips ausgeschlossen w&auml;ren. Dies spricht daf&uuml;r, dass Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich allein an die &ouml;ffentlich-rechtliche Rechtsform des Dienstherrn ankn&uuml;pft und alle Aufwendungen f&uuml;r Arbeitnehmer oder Personen mit arbeitnehmer&auml;hnlicher Einbindung in die Verwaltung der juristischen Personen erfassen will. Nur dann, wenn die juristischen Personen des &ouml;ffentlichen Rechts wie Privatrechtssubjekte eine auf Gewinnerzielung ausgerichtete T&auml;tigkeit aus&uuml;ben, wird das Kassenstaatsprinzip durch Art. 14 Abs. 3 DBA-Frankreich weiter eingeschr&auml;nkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Auffassung, nur hoheitliche T&auml;tigkeiten fielen unter Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich, f&uuml;hrte dar&uuml;ber hinaus zu erheblichen Abgrenzungsschwierigkeiten, weil es weitgehend in das Belieben des Staates gestellt ist, welche Aufgaben er sich als &ouml;ffentliche Aufgabe zu Eigen macht. Ebenso steht es ihm grunds&auml;tzlich frei, ob er seine Aufgaben in privatrechtlicher oder &ouml;ffentlich-rechtlicher Form erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ferner kann es sich &#8211;wie der Streitfall zeigt&#8211; auch bei Leistungen, die nicht unmittelbar dem hoheitlichen Bereich zuzurechnen sind, wirtschaftlich betrachtet gleichwohl um Aufwendungen f&uuml;r Dienstleistungen im &ouml;ffentlichen Dienst handeln. Die VBL gew&auml;hrt den bei ihren Mitgliedern (&sect; 19 VBLS) Besch&auml;ftigten eine im Umlageverfahren finanzierte zus&auml;tzliche Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenversorgung. Diese Versorgung wird &uuml;berwiegend von den &ouml;ffentlichen Arbeitgebern finanziert (B&ouml;hm\/Spiertz\/Sponer\/Steinherr, Bundesangestelltentarif, Kommentar &sect; 16 ATV Rz 6), die hierzu tarifvertraglich verpflichtet sind (&sect; 46 des Bundesangestelltentarifvertrags). Aus Sicht der Arbeitgeber handelt es sich bei den Umlagen zur Finanzierung der zus&auml;tzlichen Altersversorgung um Lohnaufwendungen f&uuml;r die Besch&auml;ftigten im &ouml;ffentlichen Dienst und damit um Kosten, die im Zusammenhang mit der Erf&uuml;llung &ouml;ffentlicher Aufgaben anfallen. Die Erfassung dieser Geh&auml;lter entspricht demnach auch dem Zweck des Kassenstaatsprinzips, die Vertragsstaaten durch die Aus&uuml;bung der Besteuerungsrechte nicht bei der Wahrnehmung &ouml;ffentlicher Aufgaben zu behindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ccc) Der Auffassung des FG, aus Art. 19 des OECD-Musterabkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen (OECD-MustAbk), der nur Bund und L&auml;nder, nicht dagegen sonstige juristische Personen des &ouml;ffentlichen Rechts nenne, folge, dass das Merkmal &quot;in der Verwaltung&quot; in Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich restriktiv auszulegen sei, ist nicht zu folgen. Es gibt keinen Grundsatz, dass Bestimmungen in DBA, die das Besteuerungsrecht hinsichtlich bestimmter Eink&uuml;nfte gegen&uuml;ber den entsprechenden Regelungen im OECD-Musterabkommen erweitern, im Interesse einer m&ouml;glichst geringen Abweichung vom OECD-Musterabkommen einschr&auml;nkend auszulegen sind. Die Vertragsstaaten haben in Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich nicht nur Verg&uuml;tungen der Vertragsstaaten oder einer ihrer Gebietsk&ouml;rperschaften, sondern ausdr&uuml;cklich auch Verg&uuml;tungen, die von sonstigen juristischen Personen des &ouml;ffentlichen Rechts bezahlt werden, einbezogen. Diese Entscheidung ist nicht durch restriktive Auslegung anderer Merkmale des Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich zu konterkarieren. Zwar ist zu vermuten, dass die Vertragsstaaten die Bestimmung eines DBA, die ihrem Wortlaut nach mit einer Bestimmung des OECD-Musterabkommens &uuml;bereinstimmt, auch im Sinne des Musterkommentars verstanden haben. Diese Vermutung greift jedoch bei einer vom Wortlaut des OECD-Musterabkommens abweichenden Regelung nicht ein und gilt erst recht nicht, wenn die Bestimmung &#8211;wie hier&#8211; in einem DBA bereits vor Schaffung des ersten Musterabkommens im Jahr 1963 zwischenstaatlich vereinbart wurde. Im &Uuml;brigen wird auch zu Art. 19 OECD-MustAbk die Auffassung vertreten, ma&szlig;geblich sei nicht die Aus&uuml;bung einer hoheitlichen T&auml;tigkeit, sondern allein die &ouml;ffentlich-rechtliche Rechtsform des Dienstherrn (Wassermeyer in Debatin\/Wassermeyer, a.a.O., Art. 19 MA Rz 40).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ddd) Eine andere Beurteilung ist auch nicht deshalb angezeigt, weil die Kl&auml;gerin in den Streitjahren als &#8230; von ihrer eigentlichen T&auml;tigkeit freigestellt war. Eine Abgrenzung nach der Art der ausge&uuml;bten T&auml;tigkeit ist allenfalls dann erforderlich, wenn die juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts auch T&auml;tigkeiten mit Gewinnerzielungsabsicht aus&uuml;bt (vgl. Senatsbeschluss vom 7. April 2004 I B 196\/03, BFH\/NV 2004, 1377). Denn insoweit ist die Anwendung des Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich ausgeschlossen (Art. 14 Abs. 3 DBA-Frankreich). Dies ist hier jedoch nicht der Fall. Die VBL entfaltet keine auf Gewinnerzielung gerichtete T&auml;tigkeit. Die Kl&auml;gerin f&auml;llt danach nicht unter die Grenzg&auml;ngerregelung des Art. 13 Abs. 5 DBA-Frankreich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG ist von anderen Grunds&auml;tzen ausgegangen. Sein Urteil ist daher aufzuheben und die Klage ist insgesamt abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.9.2008, I R 57\/07 Geltung des Kassenstaatsprinzips f&uuml;r Geh&auml;lter der Versorgungsanstalt des Bundes und der L&auml;nder &#8211; Anwendungsbereich des Kassenstaatsprinzips &#8211; Gegen&uuml;ber OECD-Musterabkommen erweitertes Besteuerungsrecht nach DBA &#8211; Zul&auml;ssigkeit der gegen den Widerruf einer Freistellungsbescheinigung nach &sect; 39b Abs. 6 EStG gerichteten Fortsetzungsfeststellungsklage Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. 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