{"id":22007,"date":"2013-01-03T15:55:21","date_gmt":"2013-01-03T13:55:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=22007"},"modified":"2013-07-16T10:39:31","modified_gmt":"2013-07-16T08:39:31","slug":"zu-%c2%a7-42-missbrauch-von-rechtlichen-gestaltungsmoglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zu-%c2%a7-42-missbrauch-von-rechtlichen-gestaltungsmoglichkeiten\/","title":{"rendered":"Zu \u00a7 42 &#8211; Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu \u00a7 42 &#8211; Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Bei Anwendung des \u00a7 42 Abs. 1 Satz 2 ist zun\u00e4chst zu pr\u00fcfen, ob das im Einzelfall anzuwendende Einzelsteuergesetz f\u00fcr den vorliegenden Sachverhalt eine Regelung enth\u00e4lt, die der Verhinderung von Steuerumgehungen dient. <sup>2<\/sup>Ob eine Regelung in einem Einzelsteuergesetz der Verhinderung der Steuerumgehung dient, ist nach dem Wortlaut der Regelung und dem Sinnzusammenhang, nach der systematischen Stellung im Gesetz sowie nach der Entstehungsgeschichte der Regelung zu beurteilen.<sup>3<\/sup>Liegt danach eine Regelung vor, die der Verhinderung von Steuerumgehungen dient, gilt Folgendes:<\/p>\n<ul>\n<li><sup>1<\/sup>Ist der Tatbestand der Regelung erf\u00fcllt, bestimmen sich die Rechtsfolgen allein nach dieser Vorschrift, nicht nach \u00a7 42 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. Abs. 2. <sup>2<\/sup>In diesem Fall ist unerheblich, ob auch die Voraussetzungen des \u00a7 42 Abs. 2 vorliegen.<\/li>\n<li><sup>1<\/sup>Ist der Tatbestand der Regelung dagegen nicht erf\u00fcllt, ist in einem weiteren Schritt zu pr\u00fcfen, ob ein Missbrauch i.S.d. \u00a7 42 Abs. 2 vorliegt. <sup>2<\/sup>Allein das Vorliegen einer einzelgesetzlichen Regelung, die der Verhinderung von Steuerumgehungen dient, schlie\u00dft die Anwendbarkeit des \u00a7 42 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. Abs. 2 damit nicht aus.<span style=\"color: #333333; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; font-size: 13px; line-height: 19px;\">\u00a0<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\">Sofern ein Missbrauch i.S.d. \u00a7 42 Abs. 2 vorliegt, entsteht der Steueranspruch bei allen vom Sachverhalt Betroffenen so, wie er bei einer den wirtschaftlichen Vorg\u00e4ngen angemessenen rechtlichen Gestaltung entsteht (\u00a7 42 Abs. 1 Satz 3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.1<\/td>\n<td valign=\"top\">Ein Missbrauch i.S.d. \u00a7 42 Abs. 2 liegt vor, wenn<\/p>\n<ul>\n<li>eine rechtliche Gestaltung gew\u00e4hlt wird, die den wirtschaftlichen Vorg\u00e4ngen nicht angemessen ist,<\/li>\n<li>die gew\u00e4hlte Gestaltung beim Steuerpflichtigen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem Steuervorteil f\u00fchrt,<\/li>\n<li>dieser Steuervorteil gesetzlich nicht vorgesehen ist und<\/li>\n<li>der Steuerpflichtige f\u00fcr die von ihm gew\u00e4hlte Gestaltung keine au\u00dfersteuerlichen Gr\u00fcnde nachweist, die nach dem Gesamtbild der Verh\u00e4ltnisse beachtlich sind.<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.2<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Ob eine rechtliche Gestaltung unangemessen ist, ist f\u00fcr jede Steuerart gesondert nach den Wertungen des Gesetzgebers, die den jeweiligen ma\u00dfgeblichen steuerrechtlichen Vorschriften zugrunde liegen, zu beurteilen. <sup>2<\/sup>Das Bestreben, Steuern zu sparen, macht f\u00fcr sich allein eine Gestaltung noch nicht unangemessen. <sup>3<\/sup>Eine Gestaltung ist aber insbesondere dann auf ihre Angemessenheit zu pr\u00fcfen, wenn sie ohne Ber\u00fccksichtigung der beabsichtigten steuerlichen Effekte unwirtschaftlich, umst\u00e4ndlich, kompliziert, schwerf\u00e4llig, gek\u00fcnstelt, \u00fcberfl\u00fcssig, ineffektiv oder widersinnig erscheint. <sup>4<\/sup>Die Ungew\u00f6hnlichkeit einer Gestaltung begr\u00fcndet allein noch keine Unangemessenheit.<sup>5<\/sup>Indizien f\u00fcr die Unangemessenheit einer Gestaltung sind zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>die Gestaltung w\u00e4re von einem verst\u00e4ndigen Dritten in Anbetracht des wirtschaftlichen Sachverhalts und der wirtschaftlichen Zielsetzung ohne den Steuervorteil nicht gew\u00e4hlt worden;<\/li>\n<li>die Vor- oder Zwischenschaltung von Angeh\u00f6rigen oder anderen nahe stehenden Personen oder Gesellschaften war rein steuerlich motiviert;<\/li>\n<li>die Verlagerung oder \u00dcbertragung von Eink\u00fcnften oder Wirtschaftsg\u00fctern auf andere Rechtstr\u00e4ger war rein steuerlich motiviert.<\/li>\n<\/ul>\n<p><sup>6<\/sup>Bei einer grenz\u00fcberschreitenden Gestaltung ist nach der Rechtsprechung des EuGH (vgl. z.B. Urteil vom 12.9.2006 &#8211; Rs. C-196\/04 &#8211; EuGHE I, 7995) Unangemessenheit insbesondere dann anzunehmen, wenn die gew\u00e4hlte Gestaltung rein k\u00fcnstlich ist und nur dazu dient, die Steuerentstehung im Inland zu umgehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.3<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Bei der Pr\u00fcfung, ob die gew\u00e4hlte Gestaltung zu Steuervorteilen f\u00fchrt, sind die steuerlichen Auswirkungen der gew\u00e4hlten Gestaltung mit der hypothetischen steuerlichen Auswirkung einer angemessenen Gestaltung zu vergleichen. <sup>2<\/sup>Dabei sind auch solche Steuervorteile zu ber\u00fccksichtigen, die nicht beim handelnden Steuerpflichtigen selbst, sondern bei Dritten eintreten. <sup>3<\/sup>Dritte i.S.d. \u00a7 42 Abs. 2 Satz 1 sind nur solche Personen, die in einer gewissen N\u00e4he zum Steuerpflichtigen stehen. <sup>4<\/sup>Dies ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die Beteiligten Angeh\u00f6rige des Steuerpflichtigen i.S.d. \u00a7 15 oder pers\u00f6nlich oder wirtschaftlich mit ihm verbunden sind (z.B. nahe stehende Personen i.S.v. H 36 KStH 2006 oder \u00a7 1 Abs. 2 AStG).<span style=\"color: #333333; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; font-size: 13px; line-height: 19px;\">\u00a0<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.4<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Der in \u00a7 42 Abs. 2 verwendete Begriff des &#8222;gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteils&#8220; ist nicht deckungsgleich mit dem &#8222;nicht gerechtfertigten Steuervorteil&#8220; i.S.d. \u00a7 370 Abs. 1. <sup>2<\/sup>Steuervorteile i.S.d. \u00a7 42 Abs. 2 sind daher nicht nur Steuerverg\u00fctungen oder Steuererstattungen, sondern auch geringere Steueranspr\u00fcche.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.5<\/td>\n<td valign=\"top\">Der durch die gew\u00e4hlte Gestaltung begr\u00fcndete Steuervorteil ist insbesondere dann gesetzlich vorgesehen, wenn der Tatbestand einer Norm erf\u00fcllt ist, mit der der Gesetzgeber ein bestimmtes Verhalten durch steuerliche Anreize f\u00f6rdern wollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.6<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>\u00a7 42 Abs. 2 Satz 2 er\u00f6ffnet dem Steuerpflichtigen die M\u00f6glichkeit, die bei Vorliegen des Tatbestands des \u00a7 42 Abs. 2 Satz 1 begr\u00fcndete Annahme eines Missbrauchs durch Nachweis au\u00dfersteuerlicher Gr\u00fcnde zu entkr\u00e4ften. <sup>2<\/sup>Die vom Steuerpflichtigen nachgewiesenen au\u00dfersteuerlichen Gr\u00fcnde m\u00fcssen allerdings nach dem Gesamtbild der Verh\u00e4ltnisse beachtlich sein. <sup>3<\/sup>Sind die nachgewiesenen au\u00dfersteuerlichen Gr\u00fcnde nach dem Gesamtbild der Verh\u00e4ltnisse im Vergleich zum Ausma\u00df der Unangemessenheit der Gestaltung und den vom Gesetzgeber nicht vorgesehenen Steuervorteilen nicht wesentlich oder sogar nur von untergeordneter Bedeutung, sind sie nicht beachtlich. <sup>4<\/sup>In diesem Fall bleibt es bei der Annahme eines Missbrauchs nach \u00a7 42 Abs. 2 Satz 1.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Ein Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten nach \u00a7 42 ist als solcher nicht strafbar. <sup>2<\/sup>Eine leichtfertige Steuerverk\u00fcrzung oder eine Steuerhinterziehung kann aber vorliegen, wenn der Steuerpflichtige pflichtwidrig unrichtige oder unvollst\u00e4ndige Angaben macht, um das Vorliegen einer Steuerumgehung zu verschleiern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">4.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>\u00a7 42 in der Fassung des Jahressteuergesetzes 2008 ist ab dem 1.1.2008 f\u00fcr Kalenderjahre, die nach dem 31.12.2007 beginnen, anzuwenden. <sup>2<\/sup>F\u00fcr Kalenderjahre, die vor dem 1.1.2008 liegen, ist \u00a7 42 in der am 28.12.2007 geltenden Fassung weiterhin anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu \u00a7 42 &#8211; 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