{"id":25157,"date":"2013-02-05T16:22:43","date_gmt":"2013-02-05T14:22:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25157"},"modified":"2020-02-06T16:40:39","modified_gmt":"2020-02-06T14:40:39","slug":"r-b-199-1-anwendung-des-vereinfachten-ertragswertverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/r-b-199-1-anwendung-des-vereinfachten-ertragswertverfahrens\/","title":{"rendered":"R B 199.1 Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens"},"content":{"rendered":"<p><strong>F. Vereinfachtes Ertragswertverfahren<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zu \u00a7 199 BewG<\/strong><\/p>\n<p><strong>R B 199.1 Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens<\/strong><\/p>\n<p>(1)\u00a0<sup>1<\/sup>Die Bewertung von Anteilen an Kapitalgesellschaften, von Betriebsverm\u00f6gen und von Anteilen am Betriebsverm\u00f6gen unter Ber\u00fccksichtigung der Ertragsaussichten (\u00a7 11 Absatz 2 Satz 2,\u00a0\u00a7 109 Absatz 1\u00a0und\u00a02 BewG)\u00a0<strong>kann<\/strong>\u00a0nach dem<strong>\u00a0<\/strong><strong>vereinfachten Ertragswertverfahren<\/strong>\u00a0erfolgen.\u00a0<sup>2<\/sup>Sind branchentypisch ertragswertorientierte Verfahren ausgeschlossen (weil z.B. Multiplikatorenverfahren oder Substanzwertverfahren zur Anwendung kommen), ist das vereinfachte Ertragswertverfahren nicht anzuwenden.\u00a0<sup>3<\/sup>Sind branchentypisch auch ertragswertorientierte Verfahren anzuwenden, ist eine Bewertung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren m\u00f6glich; die Pr\u00fcfung eines offensichtlich unzutreffenden Ergebnisses bleibt vorbehalten.<\/p>\n<p>(2) Bei der Bewertung\u00a0<strong>ausl\u00e4ndischer Unternehmen<\/strong>\u00a0sind die\u00a0<strong>Regelungen<\/strong>\u00a0des vereinfachten Ertragswertverfahrens entsprechend, insbesondere hinsichtlich der Ermittlung des nachhaltig erzielbaren Jahresertrags, anzuwenden, wenn dies nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>(3)\u00a0<sup>1<\/sup>Die im vereinfachten Ertragswertverfahren vorgesehenen Typisierungen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass der in diesem Verfahren ermittelte Wert h\u00f6her oder niedriger ist als der gemeine Wert.\u00a0<sup>2<\/sup>Das Finanzamt hat den im vereinfachten Ertragswertverfahren ermittelten Wert zugrunde zu legen, wenn das Ergebnis nicht offensichtlich unzutreffend ist.<\/p>\n<p>(4)\u00a0<sup>1<\/sup>Nach\u00a0\u00a7 199 Absatz 1\u00a0und\u00a02 BewG\u00a0hat der Steuerpflichtige ein Wahlrecht, das vereinfachte Ertragswertverfahren anzuwenden.\u00a0<sup>2<\/sup><strong>Gesetzliche Tatbestandsvoraussetzung<\/strong>\u00a0hierf\u00fcr ist, dass dies<strong>nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen<\/strong>\u00a0f\u00fchrt.\u00a0<sup>3<\/sup>Hat das Finanzamt an der Anwendbarkeit des vereinfachten Ertragswertverfahrens Zweifel, sind diese vom Finanzamt substantiiert darzulegen und dem Steuerpflichtigen ist Gelegenheit zu geben, die Bedenken des Finanzamts auszur\u00e4umen.\u00a0<sup>4<\/sup>Das vereinfachte Ertragswertverfahren kann vor allem dann zu unzutreffenden Ergebnissen f\u00fchren, wenn die Voraussetzungen nach Absatz 6 vorliegen.\u00a0<sup>5<\/sup>In einem solchen Fall hat der Steuerpflichtige substantiiert darzulegen, warum das vereinfachte Ertragswertverfahren nicht zu einem offensichtlich unzutreffenden Ergebnis f\u00fchrt.\u00a0<sup>6<\/sup>Kommt der Steuerpflichtige dieser Mitwirkungspflicht nicht nach, kann davon ausgegangen werden, dass die gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Aus\u00fcbung des Wahlrechts nicht vorliegen.\u00a0<sup>7<\/sup>Die Bewertung ist nach allgemeinen Grunds\u00e4tzen vorzunehmen.<\/p>\n<p>(5)\u00a0<strong>Erkenntnisse \u00fcber eine offensichtlich unzutreffende Wertermittlung<\/strong>\u00a0zum gemeinen Wert k\u00f6nnen beispielsweise in den nachstehenden F\u00e4llen hergeleitet werden:<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\">Vorliegen zeitnaher Verk\u00e4ufe, wenn diese nach dem Bewertungsstichtag liegen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\">Vorliegen von Verk\u00e4ufen, die mehr als ein Jahr vor dem Bewertungsstichtag liegen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td valign=\"top\">Erbauseinandersetzungen, bei denen die Verteilung der Erbmasse R\u00fcckschl\u00fcsse auf den gemeinen Wert zul\u00e4sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>(6)\u00a0<sup>1<\/sup>Vom\u00a0<strong>Vorliegen begr\u00fcndeter Zweifel<\/strong>\u00a0an der Anwendbarkeit des vereinfachten Ertragswertverfahrens ist insbesondere auszugehen:<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\">bei komplexen Strukturen von verbundenen Unternehmen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\">bei neu gegr\u00fcndeten Unternehmen, bei denen der k\u00fcnftige Jahresertrag noch nicht aus den Vergangenheitsertr\u00e4gen abgeleitet werden kann, insbesondere bei Gr\u00fcndungen innerhalb eines Jahres vor dem Bewertungsstichtag, weil das vereinfachte Ertragswertverfahren hier regelm\u00e4\u00dfig, zum Beispiel wegen hoher Gr\u00fcndungs- und Ingangsetzungsaufwendungen, zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen f\u00fchrt;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td valign=\"top\">beim Branchenwechsel eines Unternehmens, bei dem deshalb der k\u00fcnftige Jahresertrag noch nicht aus den Vergangenheitsertr\u00e4gen abgeleitet werden kann;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">4.<\/td>\n<td valign=\"top\">in sonstigen F\u00e4llen, in denen auf Grund der besonderen Umst\u00e4nde der k\u00fcnftige Jahresertrag nicht aus den Vergangenheitsertr\u00e4gen abgeleitet werden kann.\u00a0<sup>2<\/sup>Hierzu geh\u00f6ren zum Beispiel Wachstumsunternehmen, branchenbezogene oder allgemeine Krisensituationen oder absehbare \u00c4nderungen des k\u00fcnftigen wirtschaftlichen Umfeldes;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.<\/td>\n<td valign=\"top\">bei grenz\u00fcberschreitenden Sachverhalten, z.B. nach\u00a0\u00a7 1 AStG,\u00a0\u00a7 4 Absatz 1 Satz 3 EStG\u00a0oder\u00a0\u00a7 12 Absatz 1 KStG, sofern der jeweils andere Staat nicht die Ergebnisse des vereinfachten Ertragswertverfahrens seiner Besteuerung zugrunde legt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><sup>2<\/sup>Es bestehen grunds\u00e4tzlich keine Bedenken, in den F\u00e4llen des Satzes 1 Nummer 2 und 3 den Substanzwert als Mindestwert (\u00a7 11 Absatz 2 Satz 3 BewG) anzusetzen, sofern dies nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen f\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F. 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