{"id":25342,"date":"2013-02-08T15:56:09","date_gmt":"2013-02-08T13:56:09","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25342"},"modified":"2013-02-08T15:56:09","modified_gmt":"2013-02-08T13:56:09","slug":"vor-%c2%a7%c2%a7-172-bis-177-bestandskraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vor-%c2%a7%c2%a7-172-bis-177-bestandskraft\/","title":{"rendered":"Vor \u00a7\u00a7 172 bis 177 &#8211; Bestandskraft:"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor \u00a7\u00a7 172 bis 177 &#8211; Bestandskraft:<\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die \u00a7\u00a7 172 ff. regeln die Durchbrechung der materiellen Bestandskraft (Verbindlichkeit einer Verwaltungsentscheidung). <sup>2<\/sup>Sie ist von der formellen Bestandskraft (Unanfechtbarkeit) zu unterscheiden. <sup>3<\/sup>Diese liegt vor, soweit ein Verwaltungsakt nicht oder nicht mehr mit Rechtsbehelfen angefochten werden kann. <sup>4<\/sup>Unanfechtbarkeit bedeutet nicht Unab\u00e4nderbarkeit. <sup>5<\/sup>Dementsprechend k\u00f6nnen auch Steuerfestsetzungen unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung unanfechtbar werden (vgl. BFH-Urteil vom 19.12.1985 &#8211; V R 167\/82 &#8211; BStBl 1986 II, S. 420).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die Vorschriften \u00fcber die materielle Bestandskraft gelten f\u00fcr Steuerfestsetzungen i.S.d. \u00a7 155 sowie f\u00fcr alle Festsetzungen, f\u00fcr die die Vorschriften \u00fcber das Steuerfestsetzungsverfahren anzuwenden sind. <sup>2<\/sup>Keine Anwendung finden sie bei der R\u00fccknahme eines rechtswidrigen und dem Widerruf eines rechtm\u00e4\u00dfigen beg\u00fcnstigenden oder nicht beg\u00fcnstigenden sonstigen Verwaltungsaktes (vgl. vor \u00a7\u00a7 130, 131).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die materielle Bestandskraft wird nur durchbrochen, soweit es das Gesetz zul\u00e4sst. <sup>2<\/sup>Die Zul\u00e4ssigkeit ergibt sich nicht nur aus der AO selbst (z. B. \u00a7\u00a7 164, 165, 172 bis 175a), sondern auch aus anderen Steuergesetzen (z. B. \u00a7 10d Abs. 1 EStG; \u00a7 35b GewStG; \u00a7\u00a7 24 und 24a BewG; \u00a7 20 GrStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">4.<\/td>\n<td valign=\"top\">Steuerfestsetzungen unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung sowie Vorauszahlungsbescheide (\u00a7 164 Abs. 1 Satz 2) und Steueranmeldungen (\u00a7 150 Abs. 1 Satz 2, \u00a7 168), die kraft Gesetzes unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung stehen, sind unabh\u00e4ngig von der formellen Bestandskraft nach \u00a7 164 Abs. 2 dem Umfang nach uneingeschr\u00e4nkt \u00e4nderbar, solange der Vorbehalt nicht aufgehoben worden oder entfallen ist; \u00a7 176 bleibt unber\u00fchrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.<\/td>\n<td valign=\"top\">Wegen der Berichtigung offenbarer Unrichtigkeiten Hinweis auf \u00a7 129.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">6.<\/td>\n<td valign=\"top\">Zeitlich ist die Aufhebung, \u00c4nderung oder Berichtigung einer Steuerfestsetzung nur innerhalb der Festsetzungsfrist zul\u00e4ssig (\u00a7 169).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">7.<\/td>\n<td valign=\"top\">Bei \u00c4nderung oder Berichtigung von Steuerfestsetzungen sind die Vorschriften der KBV zu beachten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">8.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Ein steuerliches Wahlrecht liegt vor, wenn ein Steuergesetz f\u00fcr einen bestimmten Tatbestand &#8211; ausnahmsweise &#8211; mehr als eine Rechtsfolge vorsieht und es dem Steuerpflichtigen \u00fcberlassen bleibt, sich f\u00fcr eine dieser Rechtsfolgen zu entscheiden. <sup>2<\/sup>\u00dcbt der Steuerpflichtige dieses Wahlrecht nicht oder nicht wirksam aus, tritt die vom Gesetzgeber als Regelfall vorgesehene Rechtsfolge ein.<sup>3<\/sup>Die Aus\u00fcbung des Wahlrechts (&#8222;Antrag&#8220;) ist eine empfangsbed\u00fcrftige Willenserkl\u00e4rung. <sup>4<\/sup>Soweit im Gesetz keine besondere Form (z.B. Schriftform oder amtlicher Vordruck; vgl. \u00a7 13a Abs. 2 Satz 3 EStG, \u00a7 4a Abs. 1 UStG) vorgeschrieben ist, kann das Wahlrecht auch durch schl\u00fcssiges Verhalten ausge\u00fcbt werden (vgl. BFH-Urteil vom 11.12.1997, V R 50\/94, BStBl 1998 II, S. 420).<\/p>\n<p><sup>5<\/sup>Setzt die Aus\u00fcbung des Wahlrechts die Zustimmung des Finanzamtes oder Dritter (vgl. \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG) voraus, treten die Rechtswirkungen der vom Steuerpflichtigen getroffenen Wahl erst mit dieser Zustimmungserkl\u00e4rung ein. <sup>6<\/sup>Dies gilt entsprechend, wenn das Wahlrecht von mehreren Steuerpflichtigen einheitlich ausge\u00fcbt werden muss (vgl. z.B. \u00a7 33a Abs. 2 Satz 5, \u00a7 33b Abs. 5 Satz 3 EStG).<\/p>\n<p><sup>7<\/sup>Soweit das Gesetz im Einzelfall keine bestimmte Frist (vgl. z.B. \u00a7 5 a Abs. 3 EStG; \u00a7 23 Abs. 3 Satz 1 UStG) zur Aus\u00fcbung des Wahlrechtes (&#8222;Antragsfrist&#8220;) vorsieht, kann das Wahlrecht grunds\u00e4tzlich bis zum Ablauf der Festsetzungsfrist ausge\u00fcbt werden. <sup>8<\/sup>Die Bestandskraft des Steuerbescheides, in dem sich das Wahlrecht auswirkt, schr\u00e4nkt allerdings die Wahlrechtsaus\u00fcbung ein (s.u.).<\/p>\n<p><sup>9<\/sup>Umfang und Zeitpunkt des Eintritts der Bindungswirkung der Wahlrechtsaus\u00fcbung richten sich danach, ob der Gesetzgeber diesbez\u00fcglich ausdr\u00fcckliche Regelungen getroffen hat (vgl. z.B. \u00a7 23 Abs. 3 Satz 1 UStG: Antrag bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung; vgl. Nr. 1). <sup>10<\/sup>Sieht das Gesetz einen unwiderruflichen Antrag vor (vgl. z.B. \u00a7 5a Abs. 1, \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG), wird die Willenserkl\u00e4rung bereits mit ihrem Zugang beim Finanzamt wirksam und kann von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zur\u00fcckgenommen oder widerrufen werden (vgl. BFH-Urteil vom 17.1.1995 &#8211; IX R 37\/91 &#8211; BStBl II, S. 410); Ausnahme: Anfechtung nach \u00a7\u00a7 119 ff. BGB. <sup>11<\/sup>Anderenfalls richtet sich die Bindungswirkung der ausge\u00fcbten Wahl nach der Bestandskraft des Verwaltungsaktes, in dem sie sich ausgewirkt hat.<\/p>\n<p><sup>12<\/sup>Nach Eintritt der Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung k\u00f6nnen Wahlrechte grunds\u00e4tzlich nur noch ausge\u00fcbt oder widerrufen werden, soweit die Steuerfestsetzung nach \u00a7\u00a7 129, 164, 165, 172 ff. oder nach entsprechenden Regelungen in den Einzelsteuergesetzen (vgl. Nr. 3) korrigiert werden kann (vgl. BFH-Urteil vom 30.8.2001 &#8211; IV R 30\/99 &#8211; BStBl 2002 II, S. 49 m.w.N.); dabei sind \u00a7\u00a7 177 und 351 Abs. 1 zu beachten. <sup>13<\/sup>Eine Ausnahme gilt f\u00fcr Wahlrechte, f\u00fcr deren Aus\u00fcbung das Gesetz keine Frist vorsieht und f\u00fcr die es grunds\u00e4tzlich auch keine Bindung an die einmal getroffene Wahl gibt, wenn ihre Aus\u00fcbung die Besteuerungsgrundlagen unber\u00fchrt l\u00e4sst (z.B. das Veranlagungswahlrecht nach \u00a7 26 EStG); diese Wahlrechte k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich bis zur Unanfechtbarkeit eines \u00c4nderungsbescheides (erneut) ausge\u00fcbt werden (vgl. BFH-Urteile vom 19.5.1999 &#8211; XI R 97\/94 &#8211; BStBl II, S. 762 und vom 24.1.2002 &#8211; III R 49\/00 &#8211; BStBl II, S. 408 m.w.N.). <sup>14<\/sup>Die steuerrechtliche Wirkung von Wahlrechten, die nur bis zur Bestandskraft der Steuerfestsetzung ausge\u00fcbt werden k\u00f6nnen, kann nach Eintritt dieses Zeitpunktes nicht nach \u00a7 172 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe a beseitigt werden (vgl. BFH-Urteil vom 18.12.1973 &#8211; VIII R 101\/69 &#8211; BStBl 1974 II, S. 319). <sup>15<\/sup>Die Wahlrechtsaus\u00fcbung kann auch nicht durch einen Austausch gegen bisher nicht ber\u00fccksichtigte Besteuerungsgrundlagen r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden; infolge der Bestandskraft der Steuerfestsetzung ist der Steuerpflichtige an seine Wahl gebunden (vgl. BFH Urteil vom 25.2.1992 &#8211; IX R 41\/91 &#8211; BStBl II, S. 621).<\/p>\n<p><sup>16<\/sup>Die nachtr\u00e4gliche Aus\u00fcbung eines Wahlrechts oder der Widerruf eines bereits ausge\u00fcbten Wahlrechts ist auch keine neue Tatsache i.S.d. \u00a7 173, sondern Verfahrenshandlung (vgl. BFH-Urteil vom 25.2.1992, a.a.O.). <sup>17<\/sup>Sie ist ausnahmsweise r\u00fcckwirkendes Ereignis i.S.d. \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, wenn sie selbst Merkmal des gesetzlichen Tatbestands ist (vgl. BFH-Urteil vom 12.7.1989 &#8211; X R 8\/84 &#8211; BStBl II, S. 957, zum durch die Zustimmungserkl\u00e4rung des Empf\u00e4ngers qualifizierten Antrag nach \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG). <sup>18<\/sup>Zur \u00c4nderung von Steuerfestsetzungen nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bei nachtr\u00e4glichem Antrag auf Anwendung des \u00a7 33b EStG vgl. BFH-Urteil vom 13.12.1985 &#8211; III R 204\/81 &#8211; BStBl 1986 II, S. 245 und H 33b EStH.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor \u00a7\u00a7 172 bis 177 &#8211; Bestandskraft: 1. 1Die \u00a7\u00a7 172 ff. regeln die Durchbrechung der materiellen Bestandskraft (Verbindlichkeit einer Verwaltungsentscheidung). 2Sie ist von der formellen Bestandskraft (Unanfechtbarkeit) zu unterscheiden. 3Diese liegt vor, soweit ein Verwaltungsakt nicht oder nicht mehr mit Rechtsbehelfen angefochten werden kann. 4Unanfechtbarkeit bedeutet nicht Unab\u00e4nderbarkeit. 5Dementsprechend k\u00f6nnen auch Steuerfestsetzungen unter dem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vor-%c2%a7%c2%a7-172-bis-177-bestandskraft\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Vor \u00a7\u00a7 172 bis 177 &#8211; Bestandskraft:<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2096],"class_list":["post-25342","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuer","tag-bestandskraft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25342","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25342"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25342\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25342"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25342"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25342"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}