{"id":25364,"date":"2013-02-08T16:24:21","date_gmt":"2013-02-08T14:24:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25364"},"modified":"2013-02-08T16:24:21","modified_gmt":"2013-02-08T14:24:21","slug":"zu-%c2%a7-175-aufhebung-oder-anderung-von-steuerbescheiden-in-sonstigen-fallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zu-%c2%a7-175-aufhebung-oder-anderung-von-steuerbescheiden-in-sonstigen-fallen\/","title":{"rendered":"Zu \u00a7 175 &#8211; Aufhebung oder \u00c4nderung von Steuerbescheiden in sonstigen F\u00e4llen:"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu \u00a7 175 &#8211; Aufhebung oder \u00c4nderung von Steuerbescheiden in sonstigen F\u00e4llen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Aufhebung oder \u00c4nderung von Folgebescheiden nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.1<\/strong> <sup>1<\/sup>Grundlagenbescheide i.S.d. \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 sind Feststellungsbescheide, Steuermessbescheide oder sonstige f\u00fcr eine Steuerfestsetzung bindende Verwaltungsakte (\u00a7 171 Abs. 10). <sup>2<\/sup>Auch Verwaltungsakte anderer Beh\u00f6rden, die keine Finanzbeh\u00f6rden sind, k\u00f6nnen Grundlagenbescheide sein (z.B. Verwaltungsakte der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden, die den Grad einer Behinderung i.S.d. \u00a7 33b EStG feststellen). <sup>3<\/sup>Diese au\u00dfersteuerlichen Grundlagenbescheide sind auch dann bindend, wenn sie aufgrund der f\u00fcr sie ma\u00dfgebenden Verfahrensvorschriften nach Ablauf der f\u00fcr steuerliche Grundlagenbescheide geltenden Festsetzungsfrist (\u00a7\u00a7 169 ff.) ergehen.<\/p>\n<p><strong>1.2<\/strong> <sup>1<\/sup>Die Anpassung des Folgebescheids an einen Grundlagenbescheid steht nicht im Ermessen der Finanzbeh\u00f6rde (BFH-Urteil vom 10.6.1999 &#8211; IV R 25\/98 &#8211; BStBl II, S. 545). <sup>2<\/sup>Der vom Grundlagenbescheid ausgehenden Bindungswirkung (\u00a7 182 Abs. 1) ist durch \u00c4nderung des Folgebescheides nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Rechnung zu tragen, wenn der Folgebescheid die mit dem Grundlagenbescheid getroffene Feststellung nicht oder nicht zutreffend ber\u00fccksichtigt. <sup>3<\/sup>Eine Anpassung des Folgebescheides an den Grundlagenbescheid nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ist auch dann vorzunehmen, wenn der Grundlagenbescheid<\/p>\n<ul>\n<li>erst nach Erlass des Folgebescheides ergangen ist (siehe \u00a7\u00a7 155 Abs. 2 und 162 Abs. 5),<\/li>\n<li>bei Erlass des Folgebescheides \u00fcbersehen wurde (BFH-Urteile vom 9.8.1983 &#8211; VIII R 55\/82 &#8211; BStBl 1984 II, S. 86, und vom vom 6.11.1985 &#8211; II R 255\/83 &#8211; BStBl 1986 II, S. 168; vgl. zu BFH-Urteil vom 16.7.2003 &#8211; X R 37\/99 &#8211; BStBl II, S. 867, zur Anwendbarkeit des \u00a7 129, wenn die Finanzbeh\u00f6rde die Auswertung des Grundlagenbescheids nicht bewusst unterlassen hat),<\/li>\n<li>bei Erlass des Folgebescheides bereits vorlag, die im Grundlagenbescheid getroffenen Feststellungen aber fehlerhaft ber\u00fccksichtigt worden sind (BFH-Urteile vom 14.4.1988 &#8211; IV R 219\/85 &#8211; BStBl II, S. 711, vom vom 4.9.1996 &#8211; XI R 50\/96 &#8211; BStBl 1997 II, S. 261, und vom 10.6.1999 &#8211; IV R 25\/98 &#8211; a.a.O.).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>1.3<\/strong> <sup>1<\/sup>Wird ein Grundlagenbescheid ersatzlos aufgehoben, so er\u00f6ffnet dies dem f\u00fcr den Erlass des Folgebescheides zust\u00e4ndigen Finanzamt die M\u00f6glichkeit, den Sachverhalt, der bisher Gegenstand des Feststellungsverfahrens war, selbst\u00e4ndig zu beurteilen und den Folgebescheid insoweit nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 zu \u00e4ndern (BFH-Urteile vom 25.6.1991 &#8211; IX R 57\/88 &#8211; BStBl II, S. 821, und vom 24.3.1998 &#8211; I R 83\/97 &#8211; BStBl II, S. 601). <sup>2<\/sup>Das Gleiche gilt, wenn ein zun\u00e4chst eingeleitetes Feststellungsverfahren zu einem sog. negativen Feststellungsbescheid f\u00fchrt (BFH-Urteil vom 11.5.1993 &#8211; IX R 27\/90 &#8211; BStBl II, S. 820) oder wenn einzelne Besteuerungsgrundlagen nachtr\u00e4glich aus dem Feststellungsverfahren ausgeschieden werden (BFH-Urteile vom 11.4.1990 &#8211; I R 82\/86 &#8211; BFH\/NV 1991 S. 143, vom 25.6.1991 &#8211; IX R 57\/88 &#8211; a.a.O., vom 14.7.1993 &#8211; X R 34\/90 &#8211; BStBl 1994 II, S. 77, und vom 7.12.1993 &#8211; IX R 134\/92 &#8211; BFH\/NV 1994 S. 547, sowie BFH-Beschluss vom 8.9.1998 &#8211; IX B 71\/98 &#8211; BFH\/NV 1999 S. 157).<\/p>\n<p><strong>1.4<\/strong> Sind die Voraussetzungen f\u00fcr eine Steuerverg\u00fcnstigung durch einen au\u00dfersteuerlichen Grundlagenbescheid nachzuweisen, so steht der Anpassung des Steuerbescheides (Folgebescheid) an den Grundlagenbescheid nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 nicht entgegen, dass der Steuerpflichtige den f\u00fcr die Steuerverg\u00fcnstigung erforderlichen, aber nicht fristgebundenen Antrag erst nach Unanfechtbarkeit des Steuerbescheides gestellt hat (BFH-Urteil vom 13.12.1985 &#8211; III R 204\/81 &#8211; BStBl 1986 II, S. 245).<\/p>\n<p><strong>2. Aufhebung oder \u00c4nderung von Steuerbescheiden wegen Eintritt eines r\u00fcckwirkenden Ereignisses (\u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2)<\/strong><\/p>\n<p><strong>2.1<\/strong> <sup>1<\/sup>Die Aufhebung oder \u00c4nderung eines Steuerbescheides nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 setzt voraus, dass nachtr\u00e4glich ein Ereignis eingetreten ist, das steuerliche Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit hat. <sup>2<\/sup>Hierzu rechnen alle rechtlich bedeutsamen Vorg\u00e4nge, aber auch tats\u00e4chlichen Lebensvorg\u00e4nge, die steuerlich &#8211; ungeachtet der zivilrechtlichen Wirkungen &#8211; in der Weise R\u00fcckwirkung entfalten, dass nunmehr der ver\u00e4nderte anstelle des zuvor verwirklichten Sachverhalts der Besteuerung zugrunde zu legen ist (BFH-Beschluss GrS vom 19.7.1993 &#8211; GrS 2\/92 &#8211; BStBl II, S. 897, m.w.N.).<\/p>\n<p><strong>2.2<\/strong> <sup>1<\/sup>Ob einer nachtr\u00e4glichen \u00c4nderung des Sachverhaltes r\u00fcckwirkende steuerliche Bedeutung zukommt, bestimmt sich allein nach dem jeweils einschl\u00e4gigen materiellen Steuerrecht. <sup>2<\/sup>Nach diesem ist zu beurteilen, ob zum einen eine \u00c4nderung des urspr\u00fcnglich gegebenen Sachverhalts den Steuertatbestand \u00fcberhaupt betrifft und ob sich dar\u00fcber hinaus der bereits entstandene materielle Steueranspruch mit steuerlicher R\u00fcckwirkung \u00e4ndert (BFH-Beschluss GrS vom 19.7.1993, a.a.O.).<\/p>\n<p><sup>3<\/sup>Der Fall eines r\u00fcckwirkenden Ereignisses liegt vor allem dann vor, wenn die Besteuerung nach dem ma\u00dfgeblichen Einzelsteuergesetz nicht an Lebensvorg\u00e4nge, sondern unmittelbar oder mittelbar an Rechtsgesch\u00e4fte, Rechtsverh\u00e4ltnisse oder Verwaltungsakte ankn\u00fcpft und diese Umst\u00e4nde nachtr\u00e4glich mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit gestaltet werden (BFH-Urteil vom 21.4.1988 &#8211; IV R 215\/85 &#8211; BStBl II, S. 863).<\/p>\n<p><sup>4<\/sup>Nach \u00a7 175 Abs. 2 Satz 2 gilt die nachtr\u00e4gliche Erteilung oder Vorlage einer Bescheinigung oder Best\u00e4tigung nicht als r\u00fcckwirkendes Ereignis. <sup>5<\/sup>\u00a7 175 Abs. 2 Satz 2 ist nicht auf die Bescheinigung der anrechenbaren K\u00f6rperschaftsteuer bei verdeckten Gewinnaussch\u00fcttungen anzuwenden (siehe hierzu und zum Anwendungszeitraum der Vorschrift Art. 97 \u00a7 9 Abs. 3 EGAO). <sup>6<\/sup>Beweismittel, die ausschlie\u00dflich dazu dienen, eine steuerrechtlich relevante Tatsache zu belegen und die als solche keinen Eingang in eine materielle Steuerrechtsnorm gefunden haben, sind auch dann kein r\u00fcckwirkendes Ereignis i.S.d. \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, wenn sie erst nach Bestandskraft eines Bescheids beschafft werden k\u00f6nnen; ggf. kommt hier aber \u00a7 173 zur Anwendung.<\/p>\n<p><sup>7<\/sup>Eine r\u00fcckwirkende \u00c4nderung steuerrechtlicher Normen ist kein r\u00fcckwirkendes Ereignis i.S.d. \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 (BFH-Urteil vom 9.8.1990 &#8211; X R 5\/88 &#8211; BStBl 1991 II, S. 55).<\/p>\n<p><sup>8<\/sup>Auch eine Entscheidung des BVerfG stellt kein r\u00fcckwirkendes Ereignis i.S.v. \u00a7 175 Abs. 1 Nr. 2 dar (vgl. u.a. BFH-Urteil vom 12.5.2009 &#8211; IX R 45\/08 &#8211; BStBl II, S. 891).<\/p>\n<p><strong>2.3<\/strong> <sup>1<\/sup>Die \u00c4nderung des Steuerbescheides nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ist nur zul\u00e4ssig, wenn das r\u00fcckwirkende Ereignis nachtr\u00e4glich, d. h. nach Entstehung des Steueranspruchs und nach dem Erlass des Steuerbescheides (ggf. des zuletzt erlassenen \u00c4nderungsbescheides) eingetreten ist. <sup>2<\/sup>Die Voraussetzungen des \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO liegen nicht vor, wenn das Finanzamt &#8211; wie im Fall des \u00a7 173 Abs. 1 &#8211; lediglich nachtr\u00e4glich Kenntnis von einem bereits gegebenen Sachverhalt erlangt (vgl. BFH-Urteil vom 6.3.2003 &#8211; XI R 13\/02 &#8211; BStBl II, S. 554).<\/p>\n<p><sup>3<\/sup>Ist im Einzelfall die \u00c4nderung des Steuerbescheides nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ausgeschlossen, kann in F\u00e4llen, in denen das Ereignis zwar schon vor Erlass des Steuerbescheides eingetreten, dem Finanzamt jedoch erst nachtr\u00e4glich bekannt geworden ist, die \u00c4nderung des Steuerbescheides nach \u00a7 173 Abs. 1 in Betracht kommen (vgl. BFH-Urteil vom 17.3.1994 &#8211; V R 123\/91 &#8211; BFH\/NV 1995 S. 274).<\/p>\n<p><strong>2.4 Beispiele f\u00fcr r\u00fcckwirkende Ereignisse:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Praxis-Beispiel<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Einkommensteuer<\/span><\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 4 Abs. 2 Satz 1 EStG<\/p>\n<p><sup>1<\/sup>Wird ein f\u00fcr das Betriebsverm\u00f6gen am Schluss des Wirtschaftsjahres ma\u00dfgebender Wertansatz korrigiert, der sich auf die H\u00f6he des Gewinns der Folgejahre auswirkt, so stellt dies ein Ereignis mit steuerlicher R\u00fcckwirkung hinsichtlich der Veranlagung f\u00fcr die Folgejahre dar (BFH-Urteil vom 30.6.2005 &#8211; IV R 11\/04 &#8211; BStBl II, S. 809). <sup>2<\/sup>Zu den Auswirkungen auf die Verzinsung nach \u00a7 233a vgl. zu \u00a7 233a, Nr. 10.3.2.<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG<\/p>\n<p>Wird nachtr\u00e4glich die 15-v.H.-Grenze i.S.d. \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG \u00fcberschritten, so stellt dies ein r\u00fcckwirkendes Ereignis dar.<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 6b EStG<\/p>\n<p>Die R\u00fccklage nach \u00a7 6b Abs. 3 EStG kann vom Steuerpflichtigen r\u00fcckwirkend aufgestockt werden, wenn sich der Ver\u00e4u\u00dferungspreis in einem sp\u00e4teren Veranlagungszeitraum erh\u00f6ht (vgl. BFH-Urteil vom 13.9.2000 &#8211; X R 148\/97 &#8211; BStBl 2001 II, S. 641).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 10 EStG (Folgen der Erstattung von Sonderausgaben in einem sp\u00e4teren Veranlagungszeitraum)<\/p>\n<p><sup>1<\/sup>Werden gezahlte Sonderausgaben in einem sp\u00e4teren Veranlagungszeitraum an den Steuerpflichtigen erstattet, ist der Erstattungsbetrag aus Gr\u00fcnden der Praktikabilit\u00e4t im Erstattungsjahr mit gleichartigen Sonderausgaben zu verrechnen. <sup>2<\/sup>Ist im Jahr der Erstattung der Sonderausgaben an den Steuerpflichtigen ein Ausgleich mit gleichartigen Aufwendungen nicht oder nicht in voller H\u00f6he m\u00f6glich, so ist der Sonderausgabenabzug des Jahres der Verausgabung r\u00fcckwirkend zu mindern (BFH-Urteil vom 7.7.2004 &#8211; XI R 10\/04 &#8211; BStBl II, S. 1058).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG<\/p>\n<p>Wird nach Eintritt der Bestandskraft sowohl die Zustimmung zur Anwendung des Realsplittings erteilt, als auch der Antrag nach \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG gestellt, liegen die Voraussetzungen f\u00fcr eine \u00c4nderung nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 vor (BFH-Urteil vom 12.7.1989 &#8211; X R 8\/84 &#8211; BStBl II, S. 957). Auch die nachtr\u00e4gliche betragsm\u00e4\u00dfige Erweiterung eines bereits vorliegenden Antrags stellt i.V.m. der erweiterten Zustimmungserkl\u00e4rung ein r\u00fcckwirkendes Ereignis dar (BFH-Urteil vom 28.6.2006 &#8211; XI R 32\/05 &#8211; BStBl 2007 II, S. 5).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 14a Abs. 4 EStG<\/p>\n<p>Die Steuerbeg\u00fcnstigung der vorgezogenen Abfindung steht unter dem Gesetzesvorbehalt, dass der Abgefundene nicht doch noch den Betrieb \u00fcbernimmt oder der Betrieb nicht vorher verkauft wurde (vgl. BFH-Urteil vom 4.3.1993 &#8211; IV R 110\/92 &#8211; BStBl II, S. 788). Entsprechende f\u00fcr die Beg\u00fcnstigung sch\u00e4dliche Handlungen sind als r\u00fcckwirkende Ereignisse anzusehen (vgl. BFH-Urteil vom 23.11.2000 &#8211; IV R 85\/99 &#8211; BStBl 2001 II, S. 122).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG<\/p>\n<p>Wird die gestundete Kaufpreisforderung f\u00fcr die Ver\u00e4u\u00dferung eines Gewerbebetriebs in einem sp\u00e4teren VZ ganz oder teilweise uneinbringlich, so stellt dies ein Ereignis mit steuerlicher R\u00fcckwirkung auf den Zeitpunkt der Ver\u00e4u\u00dferung dar (BFH-Urteil vom 19.7.1993 &#8211; GrS 2\/92 &#8211; BStBl II, S. 897).<\/p>\n<p>Die Zahlung von Schadensersatzleistungen f\u00fcr betriebliche Sch\u00e4den nach Betriebsaufgabe beeinflusst die H\u00f6he des Aufgabegewinns, weil sie ein r\u00fcckwirkendes Ereignis auf den Zeitpunkt der Betriebsaufgabe darstellt (BFH-Urteil vom 10.2.1994 &#8211; IV R 37\/92 &#8211; BStBl II, S. 564).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG<\/p>\n<p>Die sp\u00e4tere vergleichsweise Festlegung eines strittigen Ver\u00e4u\u00dferungspreises ist auf den Zeitpunkt der Realisierung des Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns zur\u00fcck zu beziehen (BFH-Urteil vom 26.7.1984 &#8211; IV R 10\/83 &#8211; BStBl II, S. 786). Scheidet ein Kommanditist aus einer KG aus und bleibt sein bisheriges Gesellschafterdarlehen bestehen, so ist, wenn diese Forderung sp\u00e4ter wertlos wird, sein Ver\u00e4u\u00dferungs- bzw. Aufgabegewinn mit steuerlicher Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit gemindert (BFH-Urteil vom 14.12.1994 &#8211; X R 128\/92 &#8211; BStBl 1995 II, S. 465).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 17 EStG<\/p>\n<p>Fallen nach Aufl\u00f6sung einer Kapitalgesellschaft nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten f\u00fcr eine Beteiligung i.S.d. \u00a7 17 Abs. 2 Satz 1 EStG an, k\u00f6nnen diese bei der Ermittlung des Aufl\u00f6sungsgewinns als r\u00fcckwirkendes Ereignis ber\u00fccksichtigt werden (vgl. BFH-Urteil vom 2.10.1984 &#8211; VIII R 20\/84 &#8211; BStBl 1985 II, S. 428).<\/p>\n<p>Wird der Verkauf eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft (wesentliche Beteiligung i.S.v. \u00a7 17 EStG) nach \u00dcbertragung des Anteils und vollst\u00e4ndiger Bezahlung des Kaufpreises durch den Abschluss eines au\u00dfergerichtlichen Vergleiches, mit dem die Vertragsparteien den Rechtsstreit \u00fcber den Eintritt einer im Kaufvertrag vereinbarten aufl\u00f6senden Bedingung beilegen, r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht, so ist dies ein Ereignis mit steuerlicher R\u00fcckwirkung auf den Zeitpunkt der Ver\u00e4u\u00dferung (BFH-Urteil vom 19.8.2003 &#8211; VIII R 67\/02 &#8211; BStBl 2004 II, S. 107).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 22 Nr. 1 Satz 3 EStG<\/p>\n<p>Wird eine Rente r\u00fcckwirkend zugebilligt und f\u00e4llt dadurch r\u00fcckwirkend ganz oder teilweise der Anspruch auf Sozialleistungen (z.B. Kranken- oder Arbeitslosengeld) weg, sind die bisher im Rahmen des Progressionsvorbehalts ber\u00fccksichtigten Leistungen als Rentenzahlung anzusehen und nach \u00a7 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a EStG der Besteuerung zu unterwerfen (vgl. R 32b Abs. 4 EStR 2005).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 22 Nr. 3 EStG<\/p>\n<p>Fallen Werbungskosten f\u00fcr einmalige (sonstige) Leistungen (\u00a7 22 Nr. 3 EStG) nachtr\u00e4glich an und war ihre Entstehung im Jahr des Zuflusses der Einnahme nicht vorhersehbar, ist die Veranlagung des Zuflussjahres nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu \u00e4ndern (BFH-Urteil vom 3.6.1992 &#8211; X R 91\/90 &#8211; BStBl II, S. 1017).<\/p>\n<p>Wird ein nach \u00a7 22 Nr. 3 EStG steuerbares Entgelt f\u00fcr ein Vorkaufsrecht auf den Kaufpreis eines sp\u00e4ter zustande kommenden Kaufvertrags angerechnet, f\u00fchrt dies zum r\u00fcckwirkenden Wegfall des zun\u00e4chst angenommenen Tatbestands der &#8222;Eink\u00fcnfte aus Leistungen&#8220; (BFH-Urteil vom 10.8.1994 &#8211; X R 42\/91 &#8211; BStBl 1995 II, S. 57).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7\u00a7 26 bis 26b EStG<\/p>\n<p>W\u00e4hlt ein Ehegatte vor Bestandskraft des ihm gegen\u00fcber ergangenen Bescheides die getrennte Veranlagung, sind die Ehegatten auch dann getrennt zu veranlagen, wenn der gegen\u00fcber dem anderen Ehegatten ergangene Zusammenveranlagungsbescheid bereits bestandskr\u00e4ftig geworden ist. Der Antrag auf getrennte Veranlagung stellt hinsichtlich des Zusammenveranlagungsbescheides des anderen Ehegatten ein r\u00fcckwirkendes Ereignis mit der Folge dar, dass dieser nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu \u00e4ndern ist und die Festsetzungsfrist ihm gegen\u00fcber mit Ablauf des Kalenderjahres beginnt, in dem der Antrag auf getrennte Veranlagung gestellt wird (BFH-Urteile vom 3.3.2005 &#8211; III R 22\/02 &#8211; BStBl II, S. 690 und vom 28.7.2005 &#8211; III R 48\/03 &#8211; BStBl II, S. 865).<\/p>\n<p>Widerruft ein Ehegatte im Zuge der Veranlagung seinen Antrag auf getrennte Veranlagung, ist die bestandskr\u00e4ftige Veranlagung des anderen Ehegatten nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 aufzuheben (vgl. R 26 Abs. 3 S\u00e4tze 1 bis 3 EStR 2005). Zur Verzinsung s. Nr. 10.2.1 zu \u00a7 233a.<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 32 Abs. 6 Satz 7 EStG<\/p>\n<p>Der Antrag zur \u00dcbertragung des Kinderfreibetrags\/Betreuungsfreibetrags nach Eintritt der Bestandskraft stellt ein r\u00fcckwirkendes Ereignis dar (vgl. R 32.13 Abs. 4 EStR 2005).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Doppelbesteuerungsabkommen:<\/span><\/p>\n<p>Soweit in einem DBA eine sog. R\u00fcckfallklausel enthalten ist, sind Eink\u00fcnfte, f\u00fcr die nach dem DBA dem ausl\u00e4ndischen Staat das Besteuerungsrecht zugewiesen worden ist, aber dort deshalb nicht versteuert werden, weil der Stpfl. keine Steuererkl\u00e4rung abgegeben hat, nicht unter Progressionsvorbehalt freizustellen, sondern im Inland voll zu besteuern. Sollte nachtr\u00e4glich eine Besteuerung im Ausland erfolgen, so liegt ein Ereignis vor, das gem\u00e4\u00df \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zur\u00fcckwirkt und eine Korrektur des im Inland bestandskr\u00e4ftigen Steuerbescheids rechtfertigt (vgl. BFH-Urteil vom 11.6.1996 &#8211; I R 8\/96 &#8211; BStBl 1997 II, S. 117).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Gewerbesteuer<\/span><\/p>\n<p>Die \u00c4nderung der Hinzurechnung der Pachtzinsen nach \u00a7 8 Nr. 7 GewStG oder der nachtr\u00e4gliche erstmalige Ansatz der Pachtzinsen als Hinzurechnungsbetrag ist beim Vermieter oder Verp\u00e4chter als r\u00fcckwirkendes Ereignis hinsichtlich des K\u00fcrzungsbetrages nach \u00a7 9 Nr. 4 GewStG anzusehen (vgl. BFH-Urteil vom 7.11.2000 &#8211; III R 81\/97 &#8211; BFH\/NV 2001 S. 814).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Umsatzsteuer<\/span><\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 14c Abs. 1 Satz 1 UStG<\/p>\n<p>Weist ein Unternehmer in einer Rechnung Umsatzsteuer gesondert erst zu einem Zeitpunkt aus, in dem die urspr\u00fcnglich entstandene Steuer f\u00fcr seine Leistung wegen Ablaufs der Festsetzungsfrist nicht mehr erhoben werden kann, so schuldet er die ausgewiesene Steuer nach \u00a7 14c Abs. 1 Satz 1 UStG. In diesem Fall liegt ein r\u00fcckwirkendes Ereignis i.S.d. \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 vor (BFH-Urteil vom 13.11.2003 &#8211; V R 79\/01 &#8211; BStBl 2004 II, S. 375).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7\u00a7 9, 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG<\/p>\n<p>Macht der leistende Unternehmer den Verzicht auf die Steuerbefreiung r\u00fcckg\u00e4ngig, wird der Umsatz r\u00fcckwirkend wieder steuerfrei, so dass eine Steuer f\u00fcr den berechneten Umsatz nicht mehr geschuldet wird. Der Leistungsempf\u00e4nger verliert den Vorsteuerabzug r\u00fcckwirkend im Jahr des Leistungsbezugs unabh\u00e4ngig davon, dass der leistende Unternehmer die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer bis zur Rechnungsberichtigung gem\u00e4\u00df \u00a7 14c Abs. 1 UStG schuldet (BFH-Urteil vom 1.2.2001 &#8211; V R 23\/00 &#8211; BStBl 2003 II, S. 673).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Investitionszulage<\/span><\/p>\n<p>Ein Investitionszulagebescheid ist nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu korrigieren, wenn nachtr\u00e4glich gegen die Kumulationsverbote nach \u00a7 3 Abs. 1 Satz 2, \u00a7 3a Abs. 1 S\u00e4tze 4 und 5 InvZulG 1999 versto\u00dfen wurde (vgl. BMF-Schreiben vom 28.2.2003, BStBl I, S. 218, Tz. 11 und 12).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Erbschaftsteuer<\/span><\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG<\/p>\n<p>Nach Steuerfestsetzung entstehende Kosten der Nachlassregulierung (\u00a7 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG) k\u00f6nnen als r\u00fcckwirkendes Ereignis zur Korrektur der Steuerfestsetzung f\u00fchren.<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 13 Abs. 1 Nr. 2 und 3 ErbStG<\/p>\n<p>Die Steuerbefreiungen fallen mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit weg, wenn die Gegenst\u00e4nde, der Grundbesitz oder Teile des Grundbesitzes innerhalb von zehn Jahren nach dem Erwerb ver\u00e4u\u00dfert werden oder die Voraussetzungen f\u00fcr die Steuerbefreiung innerhalb dieses Zeitraums entfallen. Die Steuerfestsetzung ist nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 vorzunehmen.<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7\u00a7 13a, 19a ErbStG<\/p>\n<p>Freibetrag oder Freibetragsanteil, verminderter Wertansatz und Entlastungsbetrag fallen mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit weg, soweit innerhalb von f\u00fcnf Jahren nach dem Zeitpunkt der Steuerentstehung gegen eine der Behaltensregelungen versto\u00dfen wird. Der Steuerbescheid ist nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu korrigieren (vgl. R 62 Abs. 1 und R 80 Abs. 1 ErbStR 2003).<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 29 Abs. 1 ErbStG<\/p>\n<p>Auch der Eintritt eines Ereignisses gem\u00e4\u00df \u00a7 29 Abs. 1 ErbStG, z.B. die Herausgabe eines Geschenks, stellt ein r\u00fcckwirkendes Ereignis dar.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Grunderwerbsteuer<\/span><\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 5 Abs. 3 GrEStG<\/p>\n<p>Die Steuerbeg\u00fcnstigung beim \u00dcbergang eines Grundst\u00fccks von mehreren Miteigent\u00fcmern oder einem Alleineigent\u00fcmer auf eine Gesamthand in dem Umfang, der dem Anteil der Beteiligung des Ver\u00e4u\u00dferers am Verm\u00f6gen der Gesamthand entspricht, steht unter dem Gesetzesvorbehalt einer mindestens f\u00fcnf Jahre fortw\u00e4hrenden Beteiligung. Die Minderung des Verm\u00f6gensanteils innerhalb dieses Zeitraums stellt ein Ereignis mit steuerlicher R\u00fcckwirkung auf den Zeitpunkt des Grundst\u00fccks\u00fcbergangs dar. Die Steuerfestsetzung ist gem\u00e4\u00df \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu korrigieren oder erstmals vorzunehmen.<\/p>\n<p>&#8211; \u00a7 6 Abs. 3 Satz 2 GrEStG<\/p>\n<p>Die Steuerbeg\u00fcnstigung beim \u00dcbergang eines Grundst\u00fccks von einer Gesamthand auf eine andere Gesamthand in dem Umfang, in dem ein Gesellschafter sowohl am Verm\u00f6gen der ver\u00e4u\u00dfernden als auch der erwerbenden Gesamthand beteiligt ist, steht unter dem Gesetzesvorbehalt einer mindestens f\u00fcnf Jahre fortw\u00e4hrenden Beteiligung an der erwerbenden Gesamthand. Die Minderung des Verm\u00f6gensanteils innerhalb dieses Zeitraums stellt ein Ereignis mit steuerlicher R\u00fcckwirkung auf den Zeitpunkt des Grundst\u00fccks\u00fcbergangs dar. Die Steuerfestsetzung ist gem\u00e4\u00df \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu korrigieren oder erstmals vorzunehmen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Bewertung<\/span><\/p>\n<p>Wird der einem Wertfortschreibungsbescheid vorangegangene Einheitswertbescheid nachtr\u00e4glich ge\u00e4ndert und werden hierdurch die f\u00fcr die Wertfortschreibung auf einen sp\u00e4teren Stichtag nach \u00a7 22 BewG erforderlichen Wertgrenzen nicht mehr erreicht, ist der Wertfortschreibungsbescheid nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 aufzuheben (BFH-Urteil vom 9.11.1994 &#8211; II R 37\/91 &#8211; BStBl 1995 II, S. 93).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu \u00a7 175 &#8211; Aufhebung oder \u00c4nderung von Steuerbescheiden in sonstigen F\u00e4llen: 1. 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