{"id":25369,"date":"2013-02-08T16:26:35","date_gmt":"2013-02-08T14:26:35","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25369"},"modified":"2013-02-08T16:26:35","modified_gmt":"2013-02-08T14:26:35","slug":"zu-%c2%a7-177-berichtigung-von-materiellen-fehlern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zu-%c2%a7-177-berichtigung-von-materiellen-fehlern\/","title":{"rendered":"Zu \u00a7 177 &#8211; Berichtigung von materiellen Fehlern:"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu \u00a7 177 &#8211; Berichtigung von materiellen Fehlern:<\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Materieller Fehler ist jede objektive Unrichtigkeit eines Steuerbescheids. <sup>2<\/sup>Materiell fehlerhaft ist ein Bescheid nicht nur, wenn bei Erlass des Steuerbescheids geltendes Recht unrichtig angewendet wurde, sondern auch dann, wenn der Steuerfestsetzung ein Sachverhalt zugrunde gelegt worden ist, der sich nachtr\u00e4glich als unrichtig erweist. <sup>3<\/sup>Bei der Steuerfestsetzung nicht ber\u00fccksichtigte Tatsachen sind deshalb, sofern sie zu keiner \u00c4nderung nach \u00a7 173 f\u00fchren, nach \u00a7 177 zu ber\u00fccksichtigen (BFH-Urteil vom 5.8.1986 &#8211; IX R 13\/81 &#8211; BStBl 1987 II, S. 297, 299, 299). <sup>4<\/sup>Auf ein Verschulden kommt es ebenso wenig an wie darauf, dass der Steueranspruch insoweit verj\u00e4hrt ist (BFH-Urteil vom 18.12.1991 &#8211; X R 38\/90 &#8211; BStBl 1992 II, S. 504). <sup>5<\/sup>Eine Berichtigung eines materiellen Fehlers nach \u00a7 177 ist deshalb auch dann zul\u00e4ssig und geboten, wenn eine isolierte \u00c4nderung dieses Fehlers oder seine Berichtigung nach \u00a7 129 wegen Ablaufs der Festsetzungsfrist nicht m\u00f6glich w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die M\u00f6glichkeit der Berichtigung materieller Fehler ist bei jeder Aufhebung oder \u00c4nderung eines Steuerbescheids zu pr\u00fcfen. <sup>2<\/sup>Materielle Fehler sind zu berichtigen, soweit die Voraussetzungen f\u00fcr die Aufhebung oder \u00c4nderung eines Steuerbescheids zuungunsten (\u00a7 177 Abs. 1) oder zugunsten des Steuerpflichtigen (\u00a7 177 Abs. 2) vorliegen; die Voraussetzungen des \u00a7 177 Abs. 1 und 2 k\u00f6nnen auch nebeneinander vorliegen. <sup>3<\/sup>Materielle Fehler d\u00fcrfen nur innerhalb des \u00c4nderungsrahmens berichtigt, d. h. gegengerechnet werden. <sup>4<\/sup>Liegen sowohl die Voraussetzungen f\u00fcr \u00c4nderungen zugunsten des Steuerpflichtigen als auch solche zu dessen Ungunsten vor, sind die oberen und unteren Grenzen der Fehlerberichtigung jeweils getrennt voneinander zu ermitteln (BFH-Urteile vom 9.6.1993 &#8211; I R 90\/92 &#8211; BStBl II, S. 822, und vom 14.7.1993 &#8211; X R 34\/90 &#8211; BStBl 1994 II, S. 77). <sup>5<\/sup>Eine Saldierung der \u00c4nderungstatbest\u00e4nde zuungunsten und zugunsten des Steuerpflichtigen ist deshalb nicht zul\u00e4ssig (Saldierungsverbot).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>\u00c4nderungsobergrenze ist der Steuerbetrag, der sich als Summe der bisherigen Steuerfestsetzung und der steuerlichen Auswirkung aller selbst\u00e4ndigen steuererh\u00f6henden \u00c4nderungstatbest\u00e4nde ergibt. <sup>2<\/sup>\u00c4nderungsuntergrenze ist der Steuerbetrag, der sich nach Abzug der steuerlichen Auswirkung aller selbst\u00e4ndigen steuermindernden \u00c4nderungstatbest\u00e4nde von der bisherigen Steuerfestsetzung ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">4.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die Auswirkungen materieller Fehler sind zu saldieren und dann, soweit der \u00c4nderungsrahmen reicht, zu ber\u00fccksichtigen (Saldierungsgebot); vgl. BFH-Urteil vom 9.6.1993 &#8211; I R 90\/92 &#8211; BStBl II, S. 822). <sup>2<\/sup>Bei \u00c4nderungen zuungunsten des Steuerpflichtigen kann ein negativer (steuermindernder) Fehler-Saldo nur bis zur \u00c4nderungsuntergrenze ber\u00fccksichtigt werden (\u00a7 177 Abs. 1). <sup>3<\/sup>Bei \u00c4nderungen zugunsten des Steuerpflichtigen kann ein positiver (steuererh\u00f6hender) Fehler-Saldo nur bis zur \u00c4nderungsobergrenze ber\u00fccksichtigt werden (\u00a7 177 Abs. 2).<strong>Beispiele:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Es werden nachtr\u00e4glich Tatsachen bekannt, die zu einer um 5.000 EUR h\u00f6heren Steuer f\u00fchren. Zugleich werden materielle Fehler, die sich bei der fr\u00fcheren Festsetzung i.H.v. 6.000 EUR zugunsten des Steuerpflichtigen ausgewirkt haben, und materielle Fehler, die sich bei der fr\u00fcheren Festsetzung i.H.v. 8.500 EUR zum Nachteil des Steuerpflichtigen ausgewirkt haben, festgestellt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Saldo der materiellen Fehler f\u00fchrt i.H.v. 2.500 EUR zu einer Minderung der Nachforderung.<\/p>\n<ol>\n<li>Es werden nachtr\u00e4glich Tatsachen bekannt, die zu einer um 5.000 EUR h\u00f6heren Steuer f\u00fchren. Au\u00dferdem ist ein ge\u00e4nderter Grundlagenbescheid zu ber\u00fccksichtigen, der zu einer um 5.500 EUR niedrigeren Steuer f\u00fchrt. Zugleich werden materielle Fehler festgestellt, die sich i.H.v. 8.500 EUR zugunsten und i.H.v. 6.000 EUR zuungunsten des Steuerpflichtigen ausgewirkt haben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Saldo der materiellen Fehler (2.500 EUR zugunsten des Steuerpflichtigen) mindert die \u00c4nderung der Steuerfestsetzung zugunsten des Steuerpflichtigen aufgrund des ge\u00e4nderten Grundlagenbescheids (5.500 EUR). Die Differenz von 3.000 EUR ist mit der Nachforderung von 5.000 EUR wegen nachtr\u00e4glich bekannt gewordener Tatsachen zu verrechnen, so dass im Ergebnis eine \u00c4nderung des Steuerbescheids i.H.v. 2.000 EUR zuungunsten des Steuerpflichtigen vorzunehmen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Soweit ein Ausgleich materieller Fehler nach \u00a7 177 nicht m\u00f6glich ist, bleibt der Steuerbescheid fehlerhaft. <sup>2<\/sup>Hierin liegt keine sachliche Unbilligkeit, da die Folge vom Gesetzgeber gewollt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">6.<\/td>\n<td valign=\"top\">Zur Berichtigung materieller Fehler bei einer Berichtigung offenbarer Unrichtigkeiten nach \u00a7 129 vgl. zu \u00a7 129, Nr. 2; zur Berichtigung materieller Fehler bei der \u00c4nderung einer vorl\u00e4ufigen Steuerfestsetzung nach \u00a7 165 Abs. 2 Satz 2 vgl. zu \u00a7 165, Nr. 9.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu \u00a7 177 &#8211; Berichtigung von materiellen Fehlern: 1. 1Materieller Fehler ist jede objektive Unrichtigkeit eines Steuerbescheids. 2Materiell fehlerhaft ist ein Bescheid nicht nur, wenn bei Erlass des Steuerbescheids geltendes Recht unrichtig angewendet wurde, sondern auch dann, wenn der Steuerfestsetzung ein Sachverhalt zugrunde gelegt worden ist, der sich nachtr\u00e4glich als unrichtig erweist. 3Bei der Steuerfestsetzung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zu-%c2%a7-177-berichtigung-von-materiellen-fehlern\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zu \u00a7 177 &#8211; Berichtigung von materiellen Fehlern:<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[622],"class_list":["post-25369","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuer","tag-berichtigung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25369","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25369"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25369\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25369"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25369"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25369"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}