{"id":25395,"date":"2013-02-08T16:50:04","date_gmt":"2013-02-08T14:50:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25395"},"modified":"2013-02-08T16:50:04","modified_gmt":"2013-02-08T14:50:04","slug":"zu-%c2%a7-191-haftungsbescheide-duldungsbescheide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zu-%c2%a7-191-haftungsbescheide-duldungsbescheide\/","title":{"rendered":"Zu \u00a7 191 &#8211; Haftungsbescheide, Duldungsbescheide:"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu \u00a7 191 &#8211; Haftungsbescheide, Duldungsbescheide:<\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die materiell-rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr den Erlass eines Haftungs- oder Duldungsbescheides ergeben sich aus den \u00a7\u00a7 69 bis 77, den Einzelsteuergesetzen oder den zivilrechtlichen Vorschriften (z.B. \u00a7\u00a7 25, 128 HGB). \u00a7\u00a7 93, 227 Abs. 2 InsO schlie\u00dfen eine Haftungsinanspruchnahme nach \u00a7\u00a7 69 ff. nicht aus (BFH-Urteil vom 2.11.2001 &#8211; VII B 155\/01 &#8211; BStBl 2002 II, S. 73). <sup>2<\/sup>Der Gesellschafter einer Au\u00dfen-GbR haftet f\u00fcr Anspr\u00fcche aus dem Steuerschuldverh\u00e4ltnis, hinsichtlich deren die GbR Schuldnerin ist, in entsprechender Anwendung des \u00a7 128 HGB (vgl. BGH-Urteil vom 29.1.2001, NJW S. 1056); dies gilt auch f\u00fcr Anspr\u00fcche, die bei seinem Eintritt in die GbR bereits bestanden (entsprechende Anwendung des \u00a7 130 HGB; BGH-Urteil vom 7.4.2003, NJW 2003 S. 1803). <sup>3<\/sup>Nach Ausscheiden haftet der Gesellschafter f\u00fcr die Altschulden in analoger Anwendung des \u00a7 160 HGB. <sup>4<\/sup>Bei Aufl\u00f6sung der Gesellschaft ist \u00a7 159 HGB entsprechend anzuwenden (vgl. \u00a7 736 Abs. 2 BGB; BFH-Urteil vom 26.8.1997 &#8211; VII R 63\/97 &#8211; BStBl II, S. 745). <sup>5<\/sup>F\u00fcr Gesellschafter aller Formen der Au\u00dfen-GbR, die vor dem 1.7.2003 in die Gesellschaft eingetreten sind, kommt aus Gr\u00fcnden des allgemeinen Vertrauensschutzes eine Haftung nur f\u00fcr solche Anspr\u00fcche aus dem Steuerschuldverh\u00e4ltnis in Betracht, die nach ihrem Eintritt in die Gesellschaft entstanden sind. <sup>6<\/sup>Zum Erlass von Haftungsbescheiden in Spaltungsf\u00e4llen vgl. zu \u00a7 122, Nr. 2.15.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\">Die Befugnis zum Erlass eines Haftungs- oder Duldungsbescheides besteht auch, soweit die Haftung und Duldung sich auf steuerliche Nebenleistungen erstreckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Auf den (erstmaligen) Erlass eines Haftungsbescheides sind die Vorschriften \u00fcber die Festsetzungsfrist (\u00a7\u00a7 169 &#8211; 171) entsprechend anzuwenden. <sup>2<\/sup>Eine Korrektur zugunsten des Haftungsschuldners kann dagegen auch noch nach Ablauf der Festsetzungsfrist erfolgen (BFH-Urteil vom 12.8.1997 &#8211; VII R 107\/96 &#8211; BStBl 1998 II, S. 131).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">4.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>F\u00fcr die Korrektur von Haftungsbescheiden gelten nicht die f\u00fcr Steuerbescheide ma\u00dfgeblichen Korrekturvorschriften (\u00a7\u00a7 172 ff.), sondern die allgemeinen Vorschriften \u00fcber die Berichtigung, die R\u00fccknahme und den Widerruf von Verwaltungsakten (\u00a7\u00a7 129 &#8211; 131). <sup>2<\/sup>Die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Haftungsbescheides richtet sich nach den Verh\u00e4ltnissen im Zeitpunkt seines Erlasses bzw. der entsprechenden Einspruchsentscheidung. <sup>3<\/sup>Anders als bei der \u00c4nderung der Steuerfestsetzung (BFH-Urteil vom 12.8.1997 &#8211; VII R 107\/96 &#8211; BStBl 1998 II, S. 131) ber\u00fchren Minderungen der dem Haftungsbescheid zugrunde liegenden Steuerschuld durch Zahlungen des Steuerschuldners nach Ergehen einer Einspruchsentscheidung die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Haftungsbescheides nicht. <sup>4<\/sup>Ein rechtm\u00e4\u00dfiger Haftungsbescheid ist aber zugunsten des Haftungsschuldners zu widerrufen, soweit die ihm zugrunde liegende Steuerschuld sp\u00e4ter gemindert worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.<\/td>\n<td valign=\"top\">Von der Korrektur eines Haftungsbescheides ist der Erlass eines erg\u00e4nzenden Haftungsbescheides zu unterscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.1<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>F\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit eines neben einem bereits bestehenden Haftungsbescheid gegen\u00fcber einem bestimmten Haftungsschuldner tretenden weiteren Haftungsbescheids ist grunds\u00e4tzlich entscheidend, ob dieser den gleichen Gegenstand regelt wie der bereits ergangene Haftungsbescheid oder ob die Haftungsinanspruchnahme f\u00fcr verschiedene Sachverhalte oder zu verschiedenen Zeiten entstandene Haftungstatbest\u00e4nde erfolgen soll. <sup>2<\/sup>Stets zul\u00e4ssig ist es, wegen eines eigenst\u00e4ndigen Steueranspruchs (betreffend einen anderen Besteuerungszeitraum oder eine andere Steuerart) einen weiteren Haftungsbescheid zu erlassen, selbst wenn der Steueranspruch bereits im Zeitpunkt der ersten Inanspruchnahme durch Haftungsbescheid entstanden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.2<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Die &#8222;Sperrwirkung&#8220; eines bestandskr\u00e4ftigen Haftungsbescheids gegen\u00fcber einer erneuten Inanspruchnahme des Haftungsschuldners besteht nur, soweit es um ein und denselben Sachverhalt geht; sie ist in diesem Sinne nicht zeitraum-, sondern sachverhaltsbezogen (BFH-Beschluss vom 7.4.2005 &#8211; I B 140\/04 &#8211; BStBl 2006 II, S. 530). <sup>2<\/sup>Der Erlass eines erg\u00e4nzenden Haftungsbescheids f\u00fcr denselben Sachverhalt ist unzul\u00e4ssig, wenn die zu niedrige Inanspruchnahme auf einer rechtsirrt\u00fcmlichen Beurteilung des Sachverhalts oder auf einer fehlerhaften Ermessensentscheidung beruhte (vgl. BFH-Urteil vom 25.5.2004 &#8211; VII R 29\/02 &#8211; BStBl 2005 II, S. 3).<sup>3<\/sup>Der Erlass eines erg\u00e4nzenden Haftungsbescheids ist aber zul\u00e4ssig, wenn die Erh\u00f6hung der Steuerschuld auf neuen Tatsachen beruht, die das Finanzamt mangels Kenntnis im ersten Haftungsbescheid nicht ber\u00fccksichtigen konnte (BFH-Urteil vom 15.2.2011 &#8211; VII R 66\/10 &#8211; BStBl II, S. 534).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">6.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>F\u00fcr Duldungsbescheide gelten die Nrn. 3 bis 5 entsprechend. <sup>2<\/sup>Die Inanspruchnahme des Duldungspflichtigen wird durch \u00a7 191 Abs. 3 zeitlich weder begrenzt noch ausgedehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">7.<\/td>\n<td valign=\"top\">Zur Zahlungsaufforderung bei Haftungsbescheiden vgl. zu \u00a7 219.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">8.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>In den F\u00e4llen des \u00a7 191 Abs. 2 soll die Frist f\u00fcr die Abgabe einer Stellungnahme der zust\u00e4ndigen Berufskammer im Allgemeinen zwei Monate betragen. <sup>2<\/sup>Die Stellungnahme kann in dringenden F\u00e4llen auch fernm\u00fcndlich eingeholt werden. <sup>3<\/sup>Eine versehentlich unterlassene Anh\u00f6rung kann nachgeholt werden. <sup>4<\/sup>Wird innerhalb der von der Finanzbeh\u00f6rde zu setzenden Frist keine Stellungnahme abgegeben, kann gleichwohl ein Haftungsbescheid ergehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">9.<\/td>\n<td valign=\"top\"><sup>1<\/sup>Ein erstmaliger Haftungsbescheid kann wegen Akzessoriet\u00e4t der Haftungsschuld zur Steuerschuld grunds\u00e4tzlich nicht mehr ergehen, wenn der zugrunde liegende Steueranspruch wegen Festsetzungsverj\u00e4hrung gegen\u00fcber dem Steuerschuldner nicht mehr festgesetzt werden darf oder wenn der gegen\u00fcber dem Steuerschuldner festgesetzte Steueranspruch durch Zahlungsverj\u00e4hrung oder Erlass erloschen ist (\u00a7 191 Abs. 5 Satz 1). <sup>2<\/sup>Ma\u00dfgeblich ist dabei der Steueranspruch, auf den sich die Haftung konkret bezieht. <sup>3<\/sup>Daher ist bei der Haftung eines Arbeitgebers f\u00fcr zu Unrecht nicht angemeldete und abgef\u00fchrte Lohnsteuer (\u00a7 42d EStG) auf die vom Arbeitnehmer nach \u00a7 38 Abs. 2 EStG geschuldete Lohnsteuer und nicht auf die Einkommensteuer des Arbeitnehmers (\u00a7 25 EStG) abzustellen. <sup>4<\/sup>Dabei ist f\u00fcr die Berechnung der die Lohnsteuer betreffenden Festsetzungsfrist die Lohnsteuer-Anmeldung des Arbeitgebers und nicht die Einkommensteuererkl\u00e4rung der betroffenen Arbeitnehmer ma\u00dfgebend (vgl. BFH-Urteil vom 6.3.2008 &#8211; VI R 5\/05 &#8211; BStBl II, S. 597). <sup>5<\/sup>Bei der Berechnung der f\u00fcr die Lohnsteuer ma\u00dfgebenden Festsetzungsfrist sind Anlauf- und Ablaufhemmungen nach \u00a7\u00a7 170, 171 zu ber\u00fccksichtigen, soweit sie gegen\u00fcber dem Arbeitgeber wirken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu \u00a7 191 &#8211; Haftungsbescheide, Duldungsbescheide: 1. 1Die materiell-rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr den Erlass eines Haftungs- oder Duldungsbescheides ergeben sich aus den \u00a7\u00a7 69 bis 77, den Einzelsteuergesetzen oder den zivilrechtlichen Vorschriften (z.B. \u00a7\u00a7 25, 128 HGB). \u00a7\u00a7 93, 227 Abs. 2 InsO schlie\u00dfen eine Haftungsinanspruchnahme nach \u00a7\u00a7 69 ff. nicht aus (BFH-Urteil vom 2.11.2001 &#8211; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zu-%c2%a7-191-haftungsbescheide-duldungsbescheide\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zu \u00a7 191 &#8211; Haftungsbescheide, Duldungsbescheide:<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2102],"class_list":["post-25395","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuer","tag-haftungsbescheide"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25395"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25395\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}