{"id":25840,"date":"1979-10-03T00:00:00","date_gmt":"1979-10-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25840"},"modified":"2013-02-20T15:54:05","modified_gmt":"2013-02-20T13:54:05","slug":"bfh-beschluss-vom-3-10-1979-iv-b-63_79-bstbl-1980-ii-s-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-3-10-1979-iv-b-63_79-bstbl-1980-ii-s-2\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df  vom 3.10.1979 (IV B 63\/79) BStBl. 1980 II S. 2"},"content":{"rendered":"<p><b>BFH-Beschlu\u00df<br \/>\nvom 3.10.1979 (IV B 63\/79) BStBl. 1980 II S. 2<\/p>\n<p>Die Entscheidung des Finanzgerichts, dem<br \/>\nErsuchen des FA um eine eidliche Vernehmung (\u00a7 94 AO 1977) stattzugeben, ist mit<br \/>\nder Beschwerde anfechtbar. Berechtigt, Beschwerde einzulegen, ist allerdings nur<br \/>\nderjenige, der von einer solchen Entscheidung in seinen Rechten verletzt, d. h.<br \/>\nbeschwert wird.<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>FGO \u00a7 128; AO 1977 \u00a7 94.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>Der Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211; FA<br \/>\n-) f\u00fchrt ein Einspruchsverfahren durch, das die einheitliche und gesonderte<br \/>\nGewinnfeststellung 1969 f\u00fcr eine nicht mehr bestehende Rechtsanwaltssoziet\u00e4t<br \/>\nbetrifft. Teilhaber dieser Soziet\u00e4t waren der Beschwerdef\u00fchrer und Rechtsanwalt<br \/>\n&#8230; F\u00fcr die Entscheidung \u00fcber den Einspruch kommt es nach Auffassung des FA auf<br \/>\ntats\u00e4chliche Vorg\u00e4nge an, die den Verkehr des Beschwerdef\u00fchrers mit seiner Bank<br \/>\nbetreffen.<\/p>\n<p>Das FA hat zur Herbeif\u00fchrung einer<br \/>\nwahrheitsgem\u00e4\u00dfen Auskunft das Finanzgericht (FG) gem\u00e4\u00df \u00a7 94 der Abgabenordnung<br \/>\n(AO 1977) um die eidliche Vernehmung einer fr\u00fcheren Angestellten der<br \/>\nAnwaltssoziet\u00e4t, Frau A., ersucht.<\/p>\n<p>Das FG hat darauf am 5. Juli 1979<br \/>\nbeschlossen, zu dem im Ersuchen des FA bezeichneten Beweisthema durch eidliche<br \/>\nVernehmung der Frau A. Beweis zu erheben.<\/p>\n<p>Gegen diesen Beschlu\u00df richtet sich die<br \/>\nBeschwerde. Nach Auffassung des Beschwerdef\u00fchrers ist das Ersuchen des FA nach \u00a7<br \/>\n94 AO 1977 unzul\u00e4ssig, weil das FA nicht zuvor versucht habe, eine unbeeidete<br \/>\nAuskunft von Frau A. zu erhalten. Au\u00dferdem sei das rechtliche Geh\u00f6r verletzt<br \/>\nworden, weil ihm das FA keine Gelegenheit gegeben habe, zu dem Ersuchen um<br \/>\neidliche Vernehmung Stellung zu nehmen.<\/p>\n<p>Der Beschwerdef\u00fchrer beantragt, unter<br \/>\nAufhebung des angefochtenen Beschlusses das Ersuchen des FA um eidliche<br \/>\nVernehmung abzulehnen.<\/p>\n<p>Das FA beantragt, die Beschwerde als<br \/>\nunzul\u00e4ssig zu verwerfen.<\/p>\n<p>Das FG hat der Beschwerde nicht<br \/>\nabgeholfen.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p><\/b><font size=\"2\"><\/p>\n<p>Die Beschwerde ist unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 94 Abs. 1 Satz 1 AO 1977 kann die<br \/>\nFinanzbeh\u00f6rde, welche die Beeidigung einer anderen Person als eines Beteiligten<br \/>\nmit R\u00fccksicht auf die Bedeutung der Auskunft oder zur Herbeif\u00fchrung einer<br \/>\nwahrheitsgem\u00e4\u00dfen Auskunft f\u00fcr geboten h\u00e4lt, das f\u00fcr den Wohnsitz oder den<br \/>\nAufenthaltsort der zu beeidigenden Person zust\u00e4ndige FG um die eidliche<br \/>\nVernehmung ersuchen. Ob und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen im<br \/>\nRahmen dieses Verfahrens Rechtsbehelfe erhoben werden k\u00f6nnen, ist noch nicht<br \/>\nabschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Im Streitfall kann die Beschwerde jedenfalls schon deshalb<br \/>\nkeinen Erfolg haben, weil der Beschwerdef\u00fchrer von dem angefochtenen Beschlu\u00df<br \/>\nnicht beschwert ist.<\/p>\n<p>1. Zur Statthaftigkeit der Beschwerde.<\/p>\n<p>Eine Beschwerde kommt nur in Betracht<br \/>\ngegen &#8222;Entscheidungen&#8220; des FG (\u00a7 128 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<br \/>\nKeine &#8222;Entscheidungen&#8220; in diesem Sinne sind Ma\u00dfnahmen, die den formellen Ablauf<br \/>\ndes Verfahrens betreffen (Gr\u00e4ber, Finanzgerichtsordnung, Anm. 1 A zu \u00a7 128).<br \/>\nHiernach k\u00f6nnen auch die in den F\u00e4llen des \u00a7 94 AO 1977 erfolgende Ladung der<br \/>\nAuskunftsperson und die Anberaumung eines Vernehmungstermins nicht als<br \/>\n&#8222;Entscheidungen&#8220; angesehen werden. Diese Verf\u00fcgungen sind nicht beschwerdef\u00e4hig<br \/>\n(\u00a7 128 Abs. 2 FGO).<\/p>\n<p>Die den Vernehmungstermin vorbereitende<br \/>\nT\u00e4tigkeit des Gerichts beschr\u00e4nkt sich allerdings nicht auf die Ladung der<br \/>\nAuskunftsperson und die Anberaumung des Termins. Diesen Ma\u00dfnahmen geht vielmehr<br \/>\nzwangsl\u00e4ufig eine Entscheidung i. S. des \u00a7 128 Abs. 1 FGO voraus. Wird auf<br \/>\nErsuchen des FA die zu vernehmende Person geladen, so gibt das FG damit zu<br \/>\nerkennen, da\u00df es keine Gr\u00fcnde gesehen hat, das Auskunfts- und<br \/>\nBeeidigungsersuchen des FA abzulehnen. Darin liegt zugleich die Entscheidung,<br \/>\nda\u00df das FG das Ersuchen f\u00fcr rechtlich unbedenklich h\u00e4lt. Diese Entscheidung kann<br \/>\nmit der Beschwerde angefochten werden (so im Ergebnis auch Beschlu\u00df des<br \/>\nBundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 28. M\u00e4rz 1979 I B 79\/78. BFHE 128, 12. BStBl II<br \/>\n1979, 538). Eine Beschwerdem\u00f6glichkeit in derartigen F\u00e4llen ist auch nicht ohne<br \/>\nSinn und Zweck. Zwar ist das FG grunds\u00e4tzlich an das Ersuchen des FA gebunden<br \/>\n(Kanzler, Deutsche Steuer-Zeitung 1977 S. 326 [328]; S\u00f6hn in<br \/>\nH\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, Kommentar zur Abgabenordnung und<br \/>\nFinanzgerichtsordnung, 7. Aufl., Anm. 24 zu \u00a7 94 AO 1977; K\u00fchn\/Kutter\/Hofmann,<br \/>\nAbgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 12. Aufl., Anm. 3 zu \u00a7 94 AO 1977).<br \/>\nDem Gericht steht jedoch im Hinblick auf die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Ersuchens in<br \/>\nbeschr\u00e4nktem Umfang eine Pr\u00fcfungsbefugnis zu. Das Gericht hat z. B. dar\u00fcber zu<br \/>\nentscheiden, ob die zu vernehmende Person Subjekt der in \u00a7 94 Abs. 1 Satz 1 AO<br \/>\n1977 geregelten eidlichen Vernehmung sein kann (BFH-Beschlu\u00df I B 79\/78). Dar\u00fcber<br \/>\nhinaus ist das Gericht auch gehalten, die inhaltlichen und f\u00f6rmlichen<br \/>\nVoraussetzungen zu pr\u00fcfen, die an das Ersuchen durch das FA zu stellen sind<br \/>\n(vgl. Kanzler, a. a. O., S. 328). Es ist nicht denkbar, da\u00df das Gericht an<br \/>\nErsuchen gebunden sein soll, die nicht gewissen inhaltlichen und f\u00f6rmlichen<br \/>\nMindestanforderungen entsprechen. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnen sich auch in diesem<br \/>\nZusammenhang Beschwerdepunkte ergeben.<\/p>\n<p>Wenn sich der Beschwerdef\u00fchrer im<br \/>\nStreitfall dagegen wendet, da\u00df das FG das Ersuchen um eidliche Vernehmung der<br \/>\nFrau A. nicht abgelehnt hat, so ist die Beschwerde hiergegen jedenfalls nicht<br \/>\nunstatthaft.<\/p>\n<p>2. Zur Beschwer<\/p>\n<p>Entscheidet das Gericht, da\u00df es dem<br \/>\nErsuchen um eidliche Vernehmung folgen will, so ist allerdings nicht jeder, der<br \/>\nan dem Ausgang des Verfahrens ein Interesse hat, zur Beschwerdeeinlegung<br \/>\nberechtigt.<\/p>\n<p>Die Beschwerde steht nach dem Wortlaut des<br \/>\nGesetzes (\u00a7 128 Abs. 1 FGO) &#8222;den Beteiligten und den sonst von der Entscheidung<br \/>\nBetroffenen&#8220; zu. Wie der in \u00a7 128 Abs. 1 FGO verwendete Begriff des<br \/>\n&#8222;Beteiligten&#8220; in Beschwerdeverfahren, die im Zusammenhang mit dem Ersuchen um<br \/>\neidliche Vernehmung nach \u00a7 94 AO 1977 stehen, auszulegen ist. kann hier<br \/>\ndahinstehen. In jedem Fall kann eine Beschwerde zul\u00e4ssigerweise nur von jemandem<br \/>\nerhoben werden, der von der angefochtenen Entscheidung betroffen ist.<\/p>\n<p>Betroffen ist, in wessen Rechte<br \/>\neingegriffen wird (Gr\u00e4ber, a. a. O., Anm. 6 zu \u00a7 128), wer also durch die<br \/>\nEntscheidung beschwert ist. Die Frage, ob auch ein Steuerpflichtiger im Rahmen<br \/>\ndes Auskunftsverfahrens nach \u00a7 94 AO 1977 zu diesem Personenkreis geh\u00f6ren kann,<br \/>\nist umstritten. Nach Ansicht von S\u00f6hn (a. a. O., Anm. 36) ist der<br \/>\nSteuerpflichtige durch das Ersuchen um eidliche Vernehmung eines Dritten nicht<br \/>\nbeschwert. Kanzler (a. a. O., S. 328) h\u00e4lt es dagegen f\u00fcr m\u00f6glich, da\u00df Rechte<br \/>\ndes Steuerpflichtigen verletzt sein k\u00f6nnen. Die Frage braucht im Streitfall<br \/>\nindessen nicht abschlie\u00dfend entschieden zu werden. Denn zur Zul\u00e4ssigkeit der<br \/>\nBeschwerde eines von der Entscheidung des FG &#8222;Betroffenen&#8220; geh\u00f6rt in jedem Fall.<br \/>\nda\u00df er einen Sachverhalt vortr\u00e4gt, aus dem sich &#8211; seine Richtigkeit unterstellt<br \/>\n&#8211; ergibt, da\u00df er in seinen Rechten verletzt ist (vgl. \u00a7 40 Abs. 2 FGO zu den<br \/>\ngleichartigen Voraussetzungen f\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit einer Klage; hierzu Gr\u00e4ber,<br \/>\na. a. O., Anm. 8 zu \u00a7 40). Daran fehlt es im Streitfall.<\/p>\n<p>Die Einwendungen des Beschwerdef\u00fchrers<br \/>\ngegen das Vernehmungsersuchen (und dessen Annahme durch das FG) lassen &#8211; schon<br \/>\nnach dem eigenen Vortrag des Beschwerdef\u00fchrers &#8211; eine Verletzung seiner Rechte<br \/>\nnicht erkennen. Wenn der Beschwerdef\u00fchrer gegen die Entscheidung des FG<br \/>\neinwendet, das Ersuchen des FA um eidliche Vernehmung der Frau A. sei unzul\u00e4ssig<br \/>\ngewesen, weil das FA nicht zuvor versucht habe, eine unbeeidigte Auskunft der<br \/>\nFrau A. zu erhalten, so l\u00e4\u00dft sich diesem Vortrag nicht die Darlegung einer<br \/>\nRechtsverletzung entnehmen. Denn der Beschwerdef\u00fchrer hat kein Recht darauf, da\u00df<br \/>\neiner eidlichen Vernehmung durch das Gericht eine uneidliche Vernehmung durch<br \/>\ndas FA vorauszugehen hat. Wenn der Beschwerdef\u00fchrer weiter geltend macht, sein<br \/>\nRecht auf Geh\u00f6r sei verletzt, weil ihm das FA keine Gelegenheit gegeben habe, zu<br \/>\ndem Ersuchen um eidliche Vernehmung Stellung zu nehmen, so ist auch insoweit<br \/>\nsein Vortrag unschl\u00fcssig. Das Recht auf Geh\u00f6r wird nach der gesetzlichen<br \/>\nRegelung (\u00a7 94 Abs. 2 S\u00e4tze 2 und 3 AO 1977) dadurch gew\u00e4hrt, da\u00df die<br \/>\nBeteiligten Gelegenheit erhalten, am Vernehmungstermin teilzunehmen und dort<br \/>\nFragen zu stellen (\u00a7 94 Abs. 2 S\u00e4tze 2 und 3 AO); demnach ist das FA nicht<br \/>\ngehalten, den Steuerpflichtigen bereits vor dem Ersuchen Gelegenheit zu einer<br \/>\nStellungnahme zu geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 3.10.1979 (IV B 63\/79) BStBl. 1980 II S. 2 Die Entscheidung des Finanzgerichts, dem Ersuchen des FA um eine eidliche Vernehmung (\u00a7 94 AO 1977) stattzugeben, ist mit der Beschwerde anfechtbar. 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