{"id":25870,"date":"1979-08-08T00:00:00","date_gmt":"1979-08-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25870"},"modified":"2013-02-20T15:49:31","modified_gmt":"2013-02-20T13:49:31","slug":"bfh-urteil-vom-8-8-1979-ii-r-127_78-bstbl-1980-ii-s-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-8-8-1979-ii-r-127_78-bstbl-1980-ii-s-26\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 127\/78) BStBl. 1980 II S. 26"},"content":{"rendered":"<p><b>BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 127\/78) BStBl. 1980 II S. 26<\/p>\n<p>Verzichtet der Kommanditist einer GmbH &#038; Co. KG auf eine ihm der KG gegen\u00fcber erwachsene Forderung, so ist die durch Verminderung der Ausgaben eintretende Gewinnerh\u00f6hung oder Verlustminderung nur deren notwendige Folge, nicht aber \u00c4quivalent f\u00fcr die durch die Leistung m\u00f6glicherweise eintretende Wertsteigerung.<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>KVStG 1972 \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist eine Kommanditgesellschaft, deren alleinige pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin eine GmbH ist. Einzige Kommanditistin ist G. H., die auch alleinige Gesellschafterin der GmbH ist. Im Anschlu\u00df an eine im Jahre 1976 durchgef\u00fchrte Kapitalverkehrsteuerpr\u00fcfung ging das Finanzamt (FA) davon aus, da\u00df die Kommanditistin auf die Verzinsung ihrer Darlehenskonten f\u00fcr die Jahre 1972 mit 1974 verzichtet habe und da\u00df darin eine freiwillige Leistung im Sinne von \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) liege. Durch Bescheid vom 28. September 1976 setzte das FA die Gesellschaftsteuer auf 6.150 DM fest. Die Besteuerungsgrundlage errechnete es wie folgt:<\/p>\n<table BORDER=\"0\" CELLSPACING=\"0\" CELLPADDING=\"4\" WIDTH=\"458\">\n<tr>\n<td WIDTH=\"33%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>Mittelwert der<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>hiervon<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>Steuersatz<\/td>\n<td WIDTH=\"21%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>Steuer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"33%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>Darlehenskonten<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>5 v.H.<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<td WIDTH=\"21%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"33%\" VALIGN=\"TOP\">\n<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<td WIDTH=\"21%\" VALIGN=\"TOP\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"33%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2.100.000 DM<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>105.000 DM<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2 v.H.<\/td>\n<td WIDTH=\"21%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2.100 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"33%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2.600.000 DM<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>130.000 DM<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2 v.H.<\/td>\n<td WIDTH=\"21%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2.600 DM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td WIDTH=\"33%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>2.900.000 DM<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>145.000 DM<\/td>\n<td WIDTH=\"23%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>1 v.H.<\/td>\n<td WIDTH=\"21%\" VALIGN=\"TOP\"><font SIZE=\"2\" COLOR=\"#7f0000\" face=\"Arial\">    <\/p>\n<p>1.450 DM.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Der nach erfolgloser Durchf\u00fchrung des Einspruchsverfahrens erhobenen Klage, mit der die Kl\u00e4gerin die Aufhebung der Gesellschaftsteuerfestsetzung begehrt, hat das Finanzgericht (FG) stattgegeben. Seine Entscheidung ist in den Entscheidungen der Finanzgerichte 1979 S. 42 (EFG 1979, 42) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Mit der vom FG zugelassenen Revision begehrt das FA, die Gesellschaftsteuer unter Aufhebung des angefochtenen Urteils auf 3.773,45 DM festzusetzen. Es r\u00fcgt Verletzung des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 KVStG. Entgegen der Auffassung des FG ergebe sich aus dem Urteil des Senats vom 12. April 1972 II 28\/63 (BFHE 106, 127, BStBl II 1972, 716) eindeutig, da\u00df ein freiwilliger Zinsverzicht, den ein Alleingesellschafter gegen\u00fcber einer inl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft erkl\u00e4re, geeignet sei, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen. Der von der Steuerfestsetzung abweichende Antrag beruht einerseits darauf, da\u00df das FA dem FG folgend nunmehr davon ausgeht, der Zinsverzicht f\u00fcr die Zinsen des Kalenderjahrs 1973 sei erst im Jahre 1974 ausgesprochen worden und deshalb betrage der Steuersatz nur 1 v. H. sowie andererseits auf einer Korrektur der Mittelwerte.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist der Revision entgegengetreten.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p><\/b><font size=\"2\"><\/p>\n<p>Die Revision f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>Nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 KVStG 1972 unterliegen der Steuer u. a. folgende freiwillige Leistungen eines Gesellschafters an eine inl\u00e4ndische Kapitalgesellschaft unter der Voraussetzung, da\u00df die Leistung geeignet ist, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen: der Verzicht auf Forderungen (Buchstabe b der Vorschrift) und die \u00dcberlassung von Gegenst\u00e4nden zu einer den Wert nicht erreichenden Gegenleistung (Buchstabe c der Vorschrift). Als Kapitalgesellschaften gelten auch Kommanditgesellschaften, zu deren pers\u00f6nlich haftenden Gesellschaftern eine Kapitalgesellschaft im Sinne des \u00a7 5 Abs. 1 KVStG 1972 &#8211; z. B. eine GmbH &#8211; geh\u00f6rt (\u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972). Eine Leistung ist im Sinne des \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 KVStG dann freiwillig, wenn sie nicht auf einer im Gesellschaftsverh\u00e4ltnis oder im Gesetz verankerten Verpflichtung beruht (Urteil des Senats vom 2. April 1952 II 12\/52, BFHE 56, 384, BStBl III 1952, 150; so auch schon Urteil des Reichsfinanzhofs &#8211; RFH &#8211; vom 7. Dezember 1926 II A 475\/26, RStBl 1927, 71).<\/p>\n<p>1. Steht einem Gesellschafter gegen\u00fcber der Kapitalgesellschaft im gesellschaftsteuerrechtlichen Sinne eine Forderung zu, so ist in der Belassung des Kapitals zur Nutzung, sofern der Gesellschafter nicht kraft Gesellschaftsvertrags dazu verpflichtet ist, dann eine freiwillige Leistung im Sinne von \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 KVStG 1972 zu sehen, wenn entweder der Gesellschafter auf den kraft Gesetzes oder Vertrags entstandenen Zinsanspruch verzichtet oder aber durch vorherige Vereinbarung der Zinslosigkeit die Entstehung eines Zinsanspruchs verhindert wird. Im ersteren Fall handelt es sich um einen Forderungsverzicht, im letzteren Fall stellt der Gesellschafter der Gesellschaft Verm\u00f6genswerte zur Verf\u00fcgung, ohne Entgelt zu fordern.<\/p>\n<p>2. Der Verzicht auf entstandene Zinsen hat als Geldleistung grunds\u00e4tzlich die Eignung, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen. Gleiches gilt f\u00fcr die Vereinbarung der Unentgeltlichkeit, die eine geldwerte Leistung darstellt (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211; BGH &#8211; vom 26. April 1979 VII ZR 188\/78, Neue Juristische Wochenschrift 1979 S. 1494 &#8211; NJW 1979, 1494 -). Verzichtet ein Gesellschafter auf Anspr\u00fcche gegen die Gesellschaft oder \u00fcberl\u00e4\u00dft er der Gesellschaft einen Gegenstand zu einer den Wert nicht erreichenden Gegenleistung (und sei es auch nur zur Nutzung), so sind derartige Leistungen f\u00fcr sich gesehen und aus sich heraus geeignet, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen. Insoweit besteht auch kein Unterschied zwischen den auch handelsrechtlich als Kapitalgesellschaften anzusprechenden Gesellschaften und den Gesellschaften, die nach \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972 als Kapitalgesellschaften gelten. Auch bei den handelsrechtlich als Personengesellschaften anzusprechenden Gesellschaften wird das Gesellschaftsverm\u00f6gen verselbst\u00e4ndigt, und zwar als Sonderverm\u00f6gen, wenn auch die nicht rechtsf\u00e4hige Personenvereinigung &#8211; anders als die rechtsf\u00e4hige &#8211; im Verh\u00e4ltnis zu ihren Mitgliedern keine andere Person ist. Das zweckgebundene Sonderverm\u00f6gen repr\u00e4sentiert sich im Wert der Gesellschaftsrechte (vgl. Urteil des Senats vom 31. Januar 1979 II R 46\/77, BFHE 127, 227, BStBl II 1979, 382).<\/p>\n<p>Der Eignung, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen, k\u00f6nnen wertmindernde Umst\u00e4nde nur entgegengesetzt werden, soweit sie in dem gleichen Vertrag ihren Grund haben, der auch die Leistungsverpflichtung des Gesellschafters enth\u00e4lt. Ob andere, davon unabh\u00e4ngige Faktoren die tats\u00e4chliche oder m\u00f6gliche Wertsteigerung der Gesellschaftsrechte wieder aufzehren, ist unerheblich, da das Gesetz mit den Leistungen nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 KVStG seinem System entsprechend Einzeltatbest\u00e4nde und nicht bestimmte Ergebnisse besteuert (vgl. Urteile vom 12. April 1972 II 37\/63, BFHE 106, 123, BStBl II 1972, 714, und vom 5. Februar 1975 II R 202\/72, BFHE 115, 144, BStBl II 1975, 415). Der Gewinnanspruch ist kein \u00c4quivalent f\u00fcr die durch die Leistung m\u00f6glicherweise eintretende Wertsteigerung. Insoweit gilt f\u00fcr den Kommanditisten nichts anderes als f\u00fcr den Alleingesellschafter einer AG oder GmbH: der Umstand, da\u00df das Ergebnis der Kapitalgesellschaft ihm alleine zugute kommt, steht der Eignung einer Leistung an die Kapitalgesellschaft, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen, nicht entgegen (Urteil II R 202\/72). Wird &#8211; wie das FG im vorliegenden Fall unterstellt hat &#8211; der Forderungsverzicht konkludent mit der Genehmigung der Jahresbilanz erkl\u00e4rt, hat die damit bewirkte Leistung zwar scheinbar ein \u00c4quivalent in der entsprechenden Erh\u00f6hung des Gewinns. Die Gewinnerh\u00f6hung ist aber nur notwendige Folge der Verminderung der Ausgaben; sie steht nicht in einem Austauschverh\u00e4ltnis zur erbrachten Leistung. Jeder Forderungsverzicht f\u00fchrt &#8211; auf das Gesch\u00e4ftsjahr projiziert &#8211; zu einer Erh\u00f6hung des Ergebnisses der Kapitalgesellschaft. Wollte man den h\u00f6heren Gewinn bzw. niedrigeren Verlust als \u00c4quivalent f\u00fcr den Forderungsverzicht betrachten, so w\u00fcrde der Besteuerung aus \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 b KVStG der Boden entzogen.<\/p>\n<p>3. Das FG hat keine Feststellungen dar\u00fcber getroffen, ob die Verzinslichkeit der Forderung der Kommanditistin urspr\u00fcnglich vereinbart war &#8211; es hat dies bei seiner Rechtsauffassung unterstellen k\u00f6nnen &#8211; und bejahendenfalls, in welcher H\u00f6he der Kommanditistin ein Zinsanspruch zustand. Die Sache ist deshalb nicht spruchreif.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 127\/78) BStBl. 1980 II S. 26 Verzichtet der Kommanditist einer GmbH &#038; Co. KG auf eine ihm der KG gegen\u00fcber erwachsene Forderung, so ist die durch Verminderung der Ausgaben eintretende Gewinnerh\u00f6hung oder Verlustminderung nur deren notwendige Folge, nicht aber \u00c4quivalent f\u00fcr die durch die Leistung m\u00f6glicherweise eintretende Wertsteigerung. 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