{"id":25890,"date":"1979-08-08T03:58:30","date_gmt":"1979-08-08T01:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25890"},"modified":"2013-09-05T10:12:27","modified_gmt":"2013-09-05T08:12:27","slug":"bfh-urteil-vom-8-8-1979-ii-r-99_78-bstbl-1980-ii-s-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-8-8-1979-ii-r-99_78-bstbl-1980-ii-s-50\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 99\/78) BStBl. 1980 II S. 50"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 99\/78) BStBl. 1980 II S. 50<\/strong><\/p>\n<p>Die gesellschaftsteuerrechtliche Qualifikation einer Person als Kommanditist folgt aus der handelsrechtlichen Gesellschafterstellung. Sie kann nicht durch Zurechnungsvorschriften des allgemeinen Steuerrechts abweichend vom Handelsrecht bestimmt werden.<\/p>\n<p>StAnpG \u00a7 11 Nr. 2 und 3; AO 1977 \u00a7 39 Abs. 2; KVStG 1972 \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4, \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3, \u00a7 6.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine Kommanditgesellschaft, zu deren pers\u00f6nlich haftenden Gesellschaftern eine GmbH z\u00e4hlt. Neben der GmbH war in den Jahren 1972 und 1973 M. Z. als pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin an der Kl\u00e4gerin beteiligt. Kommanditist war deren Ehemann, und zwar als Treuh\u00e4nder f\u00fcr seine Ehefrau. Die Kapitaleinlagen der Gesellschafter wurden als Festkonten gef\u00fchrt. Neben diesen Festkonten bestand f\u00fcr jeden Gesellschafter ein Darlehenskonto, das entsprechend den Bestimmungen des Gesellschaftsvertrages nicht verzinst wird, soweit die Darlehen dem Verh\u00e4ltnis der Festeinlagen entsprechen. Dar\u00fcber hinausgehende Darlehensbetr\u00e4ge waren mit 6 v. H. zu verzinsen.<\/p>\n<p>Anl\u00e4\u00dflich einer Kapitalverkehrsteuerpr\u00fcfung stellte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) fest, da\u00df auf dem dem Kommanditistenanteil zugeh\u00f6renden Darlehenskonto Darlehen verbucht waren, die nicht verzinst wurden. Diese Darlehen betrugen 4.181.846 DM zum 31. Dezember 1971, 6.020.759 DM zum 31. Dezember 1972 und 8.297.609 DM zum 31. Dezember 1973. Das FA sah in dem Zinsverzicht eine der Gesellschaftsteuer unterliegende freiwillige Leistung an die Kl\u00e4gerin. Zur Berechnung der H\u00f6he des Zinsverzichtes setzte es einen durchschnittlichen Jahresbetrag des Darlehens von 5.100.000 DM f\u00fcr 1972 und von 7.150.000 DM f\u00fcr 1973 an. Unter Zugrundelegung eines Zinssatzes von 5 v. H. berechnete es daraus eine Besteuerungsgrundlage von 255.000 bzw. 357.500 DM und setzte mit Bescheid vom 5. November 1976 die Gesellschaftsteuer mit 2 v. H. daraus auf 5.100 und 7.150 DM fest.<\/p>\n<p>Mit der unmittelbar erhobenen Klage (\u00a7 45 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -) begehrt die Kl\u00e4gerin die Aufhebung der Gesellschaftsteuerfestsetzung. Das Finanzgericht (FG) hat der Klage stattgegeben.<\/p>\n<p>Mit der Revision beantragt das FA, die Klage unter Aufhebung des angefochtenen Urteils abzuweisen. Es r\u00fcgt Verletzung materiellen Rechts sowie Versto\u00df gegen die Denkgesetze. Die Kl\u00e4gerin ist der Revision entgegengetreten.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision f\u00fchrt zur Aufhebung des Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 FGO).<\/p>\n<p>Nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4c des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) 1972 unterliegt die \u00dcberlassung von Gegenst\u00e4nden an die Gesellschaft zu einer den Wert nicht erreichenden Gegenleistung als freiwillige Leistung eines Gesellschafters an eine inl\u00e4ndische Kapitalgesellschaft unter der Voraussetzung der Gesellschaftsteuer, da\u00df die Leistung geeignet ist, den Wert der Gesellschaftsrechte zu erh\u00f6hen. Als Kapitalgesellschaft gilt nach \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972 auch eine Kommanditgesellschaft, zu deren pers\u00f6nlich haftenden Gesellschaftern eine GmbH geh\u00f6rt (\u00a7 5 Abs. 1 Nr. 3 KVStG 1972). Als Gesellschafter gelten Personen, denen ein in \u00a7 6 Abs. 1 KVStG 1972 bezeichnetes Gesellschaftsrecht zusteht (\u00a7 6 Abs. 2 KVStG 1972). Zu den in \u00a7 6 Abs. 1 KVStG 1972 aufgef\u00fchrten Gesellschaftsrechten geh\u00f6ren zwar die Anteile der Kommanditisten, nicht aber die der Komplement\u00e4re einer Kommanditgesellschaft im Sinne des \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972.<\/p>\n<p>1. Der Umstand, da\u00df der Kommanditanteil treuh\u00e4nderisch f\u00fcr die Komplement\u00e4rin gehalten wurde, rechtfertigt nicht den vom FG gezogenen Schlu\u00df, da\u00df gesellschaftsteuerrechtlich keine nach \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG als Kapitalgesellschaft geltende Kommanditgesellschaft bestehe. Das Vorliegen dieser Voraussetzung bestimmt sich allein nach Handelsrecht (vgl. Urteile des Senats vom 5. Mai 1970 II R 98\/69, BFHE 99, 550, BStBl II 1970, 757, und vom 12. April 1978 II R 149\/73, BFHE 125, 81, BStBl II 1978, 422). Kraft Erf\u00fcllung aller Tatbestandsmerkmale des \u00a7 161 Abs. 1 HGB ist die Kl\u00e4gerin eine Kommanditgesellschaft, zu deren pers\u00f6nlich haftenden Gesellschaftern eine GmbH z\u00e4hlt. Die gesellschaftsrechtliche Stellung des Kommanditisten wird handelsrechtlich nicht dadurch ver\u00e4ndert, da\u00df er lediglich Treuh\u00e4nder seiner Ehefrau, der zweiten Komplement\u00e4rin, ist.<\/p>\n<p>Ist eine Person handelsrechtlich Kommanditist, so kann ihr gesellschaftsteuerrechtlich die aus \u00a7 6 KVStG entspringende Gesellschafterstellung nicht \u00fcber die steuerrechtlichen Zurechnungsvorschriften (\u00a7 11 Nrn. 2 und 3 des Steueranpassungsgesetzes, jetzt \u00a7 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 der Abgabenordnung) abgesprochen werden. Dahingestellt bleiben kann, ob mit R\u00fccksicht auf die angef\u00fchrten Zurechnungsvorschriften gegebenenfalls auch der Treugeber gesellschaftsteuerrechtlich als Gesellschafter gilt.<\/p>\n<p>Ebensowenig, wie die gesellschaftsteuerrechtliche Gesellschafterstellung des Kommanditisten durch Zurechnungsvorschriften des allgemeinen Steuerrechts abweichend vom Handelsrecht bestimmt werden kann, k\u00f6nnen von ihm in dieser Eigenschaft erbrachte Leistungen, auch wenn er sie f\u00fcr Rechnung des Treugebers erbringt, im Hinblick auf diese Zurechnungsvorschriften als nicht von ihm stammend angesehen werden. Das Darlehenskonto ist nach den Feststellungen des FG ein Kommanditistenkonto. Leistungen, die mit diesem Darlehenskonto zusammenh\u00e4ngen, sind dem zivilrechtlichen Inhaber dieses Kontos zuzurechnen, weil die Darlehensgew\u00e4hrung eines Kommanditisten, auch wenn sie f\u00fcr Rechnung des Treugebers erfolgt, nicht ihre zivilrechtliche Zuordnung \u00e4ndert.<\/p>\n<p>2. Die Nichtverzinsung eines zugunsten eines Kommanditisten bei der GmbH und Co. KG bestehenden Verrechnungskontos mit Darlehenscharakter unterliegt als freiwillige Leistung der Gesellschaftsteuer nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 KVStG 1972 (vgl. Urteil des Senats vom 31. Januar 1979 II R 46\/77, BFHE 127, 227, BStBl II 1979, 382).<\/p>\n<p>3. Das FG hat &#8211; von seinem Standpunkt aus zu Recht &#8211; keine Feststellungen dar\u00fcber getroffen, ob das Darlehenskonto ein Verrechnungskonto ist oder ob eine gesellschaftsvertragliche Verpflichtung zur Unterhaltung eines sog. Darlehenskontos (und gegebenenfalls in welcher H\u00f6he) bestand. Mangels dieser f\u00fcr die Entscheidung erforderlichen Feststellungen vermag der Senat nicht in der Sache selbst zu entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 99\/78) BStBl. 1980 II S. 50 Die gesellschaftsteuerrechtliche Qualifikation einer Person als Kommanditist folgt aus der handelsrechtlichen Gesellschafterstellung. Sie kann nicht durch Zurechnungsvorschriften des allgemeinen Steuerrechts abweichend vom Handelsrecht bestimmt werden. StAnpG \u00a7 11 Nr. 2 und 3; AO 1977 \u00a7 39 Abs. 2; KVStG 1972 \u00a7 2 Abs. 1 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-8-8-1979-ii-r-99_78-bstbl-1980-ii-s-50\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH-Urteil vom 8.8.1979 (II R 99\/78) BStBl. 1980 II S. 50<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-25890","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25890"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25890\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}