{"id":25952,"date":"1979-11-14T03:49:51","date_gmt":"1979-11-14T01:49:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=25952"},"modified":"2013-09-06T11:00:44","modified_gmt":"2013-09-06T09:00:44","slug":"bfh-urteil-vom-14-11-1979-ii-r-145_75-bstbl-1980-ii-s-131","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-14-11-1979-ii-r-145_75-bstbl-1980-ii-s-131\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 14.11.1979 (II R 145\/75) BStBl. 1980 II S. 131"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 14.11.1979 (II R 145\/75) BStBl. 1980 II S. 131<\/strong><\/p>\n<p>Der Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 des Baden-W\u00fcrttembergischen GrEStG 1970 kann zur\u00fcckgenommen werden. Zur Frist, innerhalb derer diese R\u00fccknahme des Antrages m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Baden-W\u00fcrttembergisches GrEStG 1970 \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) hatte durch notariell beurkundeten Vertrag vom 26. Januar 1968 f\u00fcr 62.300 DM eine grundsteuerbeg\u00fcnstigte Eigentumswohnung in A erworben. Auf ihren Antrag vom 5. Juli 1968 hatte das zust\u00e4ndige Finanzamt (FA) F durch interne, nicht bekanntgegebene Verf\u00fcgung vom 9. Juli 1968 den Erwerbsvorgang gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 11 des Baden-W\u00fcrttembergischen Grunderwerbsteuergesetzes vom 2. August 1966 (GrEStG 1966) von der Grunderwerbsteuer freigestellt. Die Kl\u00e4gerin hatte in ihrem Antrag angegeben, sie beabsichtige, die Eigentumswohnung sp\u00e4testens vor Ablauf von f\u00fcnf Jahren selbst zu beziehen.<\/p>\n<p>Nach Inkrafttreten des Baden-W\u00fcrttembergischen Grunderwerbsteuergesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. Mai 1970 (GrEStG 1970) beantragte die Kl\u00e4gerin erneut am 28. Juli 1970 Befreiung von der Grunderwerbsteuer f\u00fcr den vorgenannten Erwerbsvorgang gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 und \u00a7 6 Abs. 6 GrEStG 1970; ihre Absicht, diese Wohnung innerhalb von f\u00fcnf Jahren selbst zu beziehen, k\u00f6nne sie wegen eines Arbeitsplatzwechsels nach ausw\u00e4rts nicht mehr verwirklichen.<\/p>\n<p>Durch interne Verf\u00fcgung vom 8. Juni 1971 stellte das FA F den Erwerb der Eigentumswohnung in A gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 i. V. m. \u00a7 6 Abs. 6 GrEStG 1970 von der Grunderwerbsteuer frei. Auch diese Verf\u00fcgung wurde der Kl\u00e4gerin nicht bekanntgegeben.<\/p>\n<p>Durch notariell beurkundeten Vertrag vom 5. Mai 1971 kaufte die Kl\u00e4gerin eine zweite, in I gelegene Eigentumswohnung nebst Garage f\u00fcr 131.300 DM. Diese Wohnung ist am 15. Juni 1971 bezugsfertig erstellt worden und ist grundsteuerbeg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Am 19. Oktober 1971 beantragte die Kl\u00e4gerin bei dem Beklagten und Revisionsbeklagten (FA \u00dc) Grunderwerbsteuerbefreiung f\u00fcr den Erwerb der zweiten Wohnung gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 GrEStG 1970. Mit Schreiben vom 27. Dezember 1971 an das FA F erkl\u00e4rte sie, da\u00df sie ihren Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 GrEStG 1970 vom 28. Juli 1970 zur\u00fccknehme; sie bat, die Grunderwerbsteuer zu veranlagen.<\/p>\n<p>Durch Bescheid vom 16. November 1971 setzte das FA \u00dc Grunderwerbsteuer f\u00fcr den Erwerb der zweiten Wohnung fest. Steuerbefreiung gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 GrEStG 1970 versagte es mit der Begr\u00fcndung, diese Steuerbefreiung sei bereits f\u00fcr den Erwerb der Wohnung in A in Anspruch genommen und gew\u00e4hrt worden. Nach \u00a7 6 Abs. 2 GrEStG 1970 k\u00f6nne diese Steuerbefreiung nur f\u00fcr einen Erwerbsvorgang gew\u00e4hrt werden. Den beim Erwerb der Wohnung in A gestellten Steuerbefreiungsantrag k\u00f6nne die Kl\u00e4gerin nicht mehr zur\u00fccknehmen.<\/p>\n<p>Einspruch und Klage blieben erfolglos.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und Zur\u00fcckverweisung der Sache an das Finanzgericht &#8211; FG &#8211; (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>Der Erwerb der Wohnung in I kann nur dann steuerfrei sein, wenn der Kl\u00e4gerin diese Verg\u00fcnstigung nicht bereits f\u00fcr den Kauf der Eigentumswohnung in A gew\u00e4hrt worden ist; denn die Steuerbefreiung des \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 GrEStG 1970 steht grunds\u00e4tzlich jedem Grundst\u00fccksk\u00e4ufer nur f\u00fcr einen Erwerbsvorgang zu (\u00a7 6 Abs. 2 GrEStG 1970).<\/p>\n<p>Ob der Kl\u00e4gerin durch das FA F f\u00fcr den Kauf der Eigentumswohnung in A Steuerfreiheit gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 GrEStG 1970 gew\u00e4hrt worden ist, l\u00e4\u00dft der bisher vom FG festgestellte Sachverhalt nicht erkennen. Der Umstand allein, da\u00df die Kl\u00e4gerin bei dem FA F einen entsprechenden Steuerbefreiungsantrag gestellt und dieses FA dem Antrag entsprochen hat, ist hier unerheblich; denn die Kl\u00e4gerin hat sp\u00e4ter &#8211; mit Schreiben vom 27. Dezember 1971 &#8211; gegen\u00fcber dem genannten FA erkl\u00e4rt, da\u00df sie diesen Antrag zur\u00fccknehme. Nach Sachlage mu\u00df damit gerechnet werden, da\u00df das FA daraufhin die interne Freistellung aufgehoben hat oder noch aufheben mu\u00df.<\/p>\n<p>Eine R\u00fccknahme des Antrags ist entgegen der Ansicht des FG m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dem FG ist darin zuzustimmen, da\u00df der Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 GrEStG 1970 dem materiellen Recht zuzuordnen ist. Dem Erwerber mehrerer Wohnungen steht es frei, f\u00fcr welchen Erwerb er die vorgenannte Steuerbeg\u00fcnstigung in Anspruch nehmen will.<\/p>\n<p>Der Antrag ist demnach materielle Voraussetzung der Steuerbefreiung. Der Antrag ist gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 5 GrEStG 1970 &#8222;sp\u00e4testens bis zur Rechtskraft des Steuerbescheides zu stellen&#8220;. Dem Wortlaut des Gesetzes ist nicht zu entnehmen, da\u00df der Antrag unwiderruflich ist. Die Tatsache, da\u00df er bis zur formellen Bestandskraft des Steuerbescheides gestellt werden kann, spricht daf\u00fcr, da\u00df er bis dahin auch zur\u00fcckgenommen werden kann. Dem Sinn des Gesetzes, wie er sich aus dem Wortlaut ergibt, ist nichts anderes zu entnehmen. Es sind keine Gr\u00fcnde ersichtlich, die dazu zwingen, einem Grundst\u00fcckserwerber die Anpassung seiner steuerrechtlichen Dispositionen an ge\u00e4nderte Verh\u00e4ltnisse zu verweigern.<\/p>\n<p>Fraglich ist, bis zu welchem Zeitpunkt der Antrag zur\u00fcckgenommen werden kann, wenn kein &#8211; dieses R\u00fccknahmerecht zeitlich befristender &#8211; bestandskr\u00e4ftiger Freistellungsbescheid ergangen ist. Der fehlende Freistellungsbescheid erm\u00f6glicht es formell einem FA, bis zum Ablauf der Verj\u00e4hrungsfrist die Steuer nachzufordern, ohne da\u00df die Voraussetzungen des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung &#8211; AO 1977 &#8211; (bzw. vorher \u00a7 222 Abs. 1 Nr. 1 oder 3 der Reichsabgabenordnung &#8211; AO -) h\u00e4tten vorliegen m\u00fcssen. Umgekehrt mu\u00df man daher einem Grundst\u00fcckserwerber auch das Recht zubilligen, den Freistellungsantrag so lange zur\u00fcckzunehmen, wie er mit einer Erhebung der Steuer rechnen mu\u00df, n\u00e4mlich bis zur Verj\u00e4hrung des Steueranspruches. Im vorliegenden Fall h\u00e4tte die Kl\u00e4gerin bei normalem Verlauf der Dinge bis zum Ablauf des Jahres 1973 mit einer Veranlagung der Grunderwerbsteuer f\u00fcr den Erwerb der Eigentumswohnung in A rechnen m\u00fcssen (\u00a7 3 Abs. 1 des Steueranpassungsgesetzes, \u00a7 144 Abs. 1 Satz 1, \u00a7 145 Abs. 1 AO, \u00a7 145 Abs. 3 Nr. 3 AO in der Fassung des \u00a7 18 Nr. 2 GrEStG 1940 und \u00a7 35 GrEStG 1970; vgl. auch das Urteil vom 4. August 1976 II R 20\/71, BFHE 119, 387, BStBl II 1977, 123). Ihr Schreiben an das FA F, in welchem sie erkl\u00e4rt, da\u00df sie ihren Steuerbefreiungsantrag zur\u00fccknehme, datiert vom 27. Dezember 1971.<\/p>\n<p>Die nicht spruchreife Sache wird daher an das FG zur\u00fcckverwiesen, damit dieses aufkl\u00e4rt, wie der Erwerb der Eigentumswohnung in A letztlich grunderwerbsteuerrechtlich behandelt worden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 14.11.1979 (II R 145\/75) BStBl. 1980 II S. 131 Der Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10 des Baden-W\u00fcrttembergischen GrEStG 1970 kann zur\u00fcckgenommen werden. Zur Frist, innerhalb derer diese R\u00fccknahme des Antrages m\u00f6glich ist. Baden-W\u00fcrttembergisches GrEStG 1970 \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 10. Sachverhalt &nbsp; I. 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