{"id":26238,"date":"1979-11-21T00:00:00","date_gmt":"1979-11-20T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26238"},"modified":"2013-02-19T14:51:07","modified_gmt":"2013-02-19T12:51:07","slug":"bfh-urteil-vom-21-11-1979-ii-r-69_76-bstbl-1980-ii-s-207","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-21-11-1979-ii-r-69_76-bstbl-1980-ii-s-207\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 21.11.1979 (II R 69\/76) BStBl. 1980 II S. 207"},"content":{"rendered":"<p><b>BFH-Urteil vom 21.11.1979 (II R 69\/76) BStBl. 1980 II S. 207<\/p>\n<p>Die Verj\u00e4hrung eines Erbschaftsteueranspruchs wurde nach \u00a7 147 Abs. 1 AO a. F. (d. h. in der bis zum 31. Dezember 1965 geltenden Fassung) dem Erben gegen\u00fcber auch durch einen an den Testamentsvollstrecker gerichteten Steuerbescheid unterbrochen, dessen Bekanntmachung nach dem BFH-Urteil vom 20. Oktober 1970 II 167\/64 (BFHE 100, 56, BStBl II 1970, 826) unwirksam war.<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p>AO \u00a7 147 Abs. 1.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p align=\"center\">I.<\/p>\n<p>Der Vater des Kl\u00e4gers und Revisionskl\u00e4gers (Kl\u00e4ger), der Kaufmann K, verstarb am 16. Oktober 1958.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) setzte die Erbschaftsteuer in einem an den damaligen Testamentsvollstrecker gerichteten Bescheid vom 6. M\u00e4rz 1963 fest.<\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) wies die Berufung des Testamentsvollstreckers zur\u00fcck. Der Bundesfinanzhof (BFH) hob das Urteil des FG und den angefochtenen Bescheid mit Urteil vom 20. Oktober 1970 II 167\/64 (BFHE 100, 56, BStBl II 1970, 826) auf, da die Bekanntgabe des Bescheids an den Testamentsvollstrecker unwirksam sei und nicht gegen die Erbbeteiligten wirke.<\/p>\n<p>Mit dem an den Kl\u00e4ger gerichteten Bescheid vom 23. Dezember 1970 setzte das FA die Steuer f\u00fcr den Erwerb des Kl\u00e4gers fest.<\/p>\n<p>Die mit Zustimmung des FA erhobene Sprungklage hatte keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Mit seiner Revision macht der Kl\u00e4ger geltend, die Steuerforderung sei verj\u00e4hrt, da die Unterbrechungshandlungen gegen den Testamentsvollstrecker gerichtet gewesen seien.<\/p>\n<p><b><\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p align=\"center\">II.<\/p>\n<p>Die mit dem Erbfall am 16. Oktober 1958 entstandene Steuerforderung ist nicht verj\u00e4hrt, so da\u00df die Steuer mit dem Bescheid vom 23. Dezember 1970 festgesetzt werden konnte.<\/p>\n<p>a) Die f\u00fcnfj\u00e4hrige Verj\u00e4hrungsfrist begann am 1. Januar 1959 zu laufen (\u00a7 144, \u00a7 145 Abs. 1 der Reichsabgabenordnung &#8211; AO &#8211; a. F., d. h. in der bis zum 31. Dezember 1965 geltenden Fassung). Sie wurde durch die Erteilung des an den fr\u00fcheren Testamentsvollstrecker gerichteten Erbschaftsteuerbescheids vom 6. M\u00e4rz 1963 dem Kl\u00e4ger gegen\u00fcber unterbrochen.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 147 AO a. F. wurde die Verj\u00e4hrung durch jede Handlung unterbrochen, die das zust\u00e4ndige FA zur Feststellung des Anspruchs oder des Verpflichteten vornahm. Das Gesetz stellte damit allein auf die Tatsache des Handelns ab, nicht aber auch darauf, ob die mit dem Handeln des FA dar\u00fcber hinaus bezweckten Rechtswirkungen eintraten; insbesondere kam es nicht darauf an, ob ein Steuerbescheid, mit dem eine Steuerforderung &#8222;festgestellt&#8220; werden sollte, wirksam wurde (BFH-Urteile vom 12. Januar 1968 VI R 287\/66, BFHE 91, 339, BStBl II 1968, 362; vom 22. Oktober 1971 VI R 235\/69, BFHE 104, 27, BStBl II 1972, 297; vom 31. M\u00e4rz 1976 I R 123\/74, BFHE 118, 459 [462, 463], BStBl II 1976, 510; vom 5. Mai 1976 I R 119\/74, BFHE 119, 11, BStBl II 1976, 604; vgl. auch das Urteil vom 26. November 1974 VII R 45\/72, BFHE 114, 522, BStBl II 1975, 460).<\/p>\n<p>Mit dem an den Testamentsvollstrecker gerichteten Bescheid vom 6. M\u00e4rz 1963 sollte die Erbschaftsteuerforderung (wirksam) festgesetzt werden (vgl. \u00a7 15 Abs. 4 Satz 2, \u00a7 15 Abs. 1 Satz 2 der Erbschaftsteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung &#8211; ErbStDV -). Da\u00df diese Wirkung wegen des Versto\u00dfes gegen \u00a7 91 Abs. 1 Satz 1 und \u00a7 211 Abs. 3 AO nicht eintrat (BFHE 100, 56, BStBl II 1970, 826), nahm dem auf den Erla\u00df des Steuerbescheides gerichteten (tats\u00e4chlichen) Handeln des FA nicht die Tendenz &#8222;zur Feststellung der Steuerforderung&#8220; (und des Verpflichteten).<\/p>\n<p>Die mit dem Erla\u00df des Steuerbescheides vom 6. M\u00e4rz 1963 somit eingetretene Unterbrechung der Verj\u00e4hrung wirkte auch gegen\u00fcber dem Kl\u00e4ger; denn mit dem an den Testamentsvollstrecker gerichteten Bescheid sollte (auch) der gegen den Kl\u00e4ger bestehende Erbschaftsteueranspruch festgesetzt und damit der Verpflichtete (\u00a7 15 Abs. 1 ErbStG 1959, \u00a7 97 Abs. 1 AO) festgestellt werden.<\/p>\n<p>Zwar wirkten Unterbrechungshandlungen nach \u00a7 147 AO a. F. grunds\u00e4tzlich nur dem gegen\u00fcber, gegen den sie sich richteten (BFH-Urteil vom 4. Februar 1972 III R 28\/68, BFHE 105, 439 [443], BStBl II 1972, 679). Die Unterbrechungshandlung brauchte sich aber nur &#8222;gegen&#8220;, nicht aber auch &#8222;an&#8220; den Betroffenen zu richten (BFHE 119, 11 [13], BStBl II 1976, 604). Demgem\u00e4\u00df wurde die Verj\u00e4hrung dem Steuerschuldner gegen\u00fcber auch dann unterbrochen, wenn die Steuerforderung gem\u00e4\u00df gesetzlicher (wenn auch sp\u00e4ter f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rter) Vorschrift in einem an eine andere Person adressierten Steuerbescheid (unwirksam) festgesetzt wurde, da auf diesem Wege der Steueranspruch dem Steuerschuldner gegen\u00fcber geltend gemacht werden sollte (BFHE 91, 339, BStBl II 1968, 362, und BFHE 104, 27, BStBl II 1972, 297).<\/p>\n<p>b) Die Unterbrechung der Verj\u00e4hrung durch den Erla\u00df des Bescheides vom 6. M\u00e4rz 1963 dauerte bis zur rechtskr\u00e4ftigen Entscheidung \u00fcber die gegen diesen Bescheid erhobene Anfechtungsklage durch das Urteil (BFHE 100, 56, BStBl II 1970, 826) an, da die Unterbrechungshandlung wirksam blieb (Art. 5 Abs. 3 des Gesetzes zur \u00c4nderung der Reichsabgabenordnung und anderer Gesetze vom 15. September 1965 &#8211; AO\u00c4G -, BFHE 119, 11, BStBl II 1976, 604). Die erneute Steuerfestsetzung durch den Bescheid vom 23. Dezember 1970 war demnach m\u00f6glich, da die Steuerforderung nicht verj\u00e4hrt war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 21.11.1979 (II R 69\/76) BStBl. 1980 II S. 207 Die Verj\u00e4hrung eines Erbschaftsteueranspruchs wurde nach \u00a7 147 Abs. 1 AO a. F. (d. h. in der bis zum 31. Dezember 1965 geltenden Fassung) dem Erben gegen\u00fcber auch durch einen an den Testamentsvollstrecker gerichteten Steuerbescheid unterbrochen, dessen Bekanntmachung nach dem BFH-Urteil vom 20. 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