{"id":26256,"date":"1980-02-13T03:50:05","date_gmt":"1980-02-13T01:50:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26256"},"modified":"2013-09-06T10:35:32","modified_gmt":"2013-09-06T08:35:32","slug":"bfh-urteil-vom-13-2-1980-ii-r-12_78-bstbl-1980-ii-s-236","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-13-2-1980-ii-r-12_78-bstbl-1980-ii-s-236\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 13.2.1980 (II R 12\/78) BStBl. 1980 II S. 236"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 13.2.1980 (II R 12\/78) BStBl. 1980 II S. 236<\/strong><\/p>\n<p>Hat ein Anschaffungsgesch\u00e4ft \u00fcber Wertpapiere deren Untergang zum Inhalt, so unterliegt es nicht der B\u00f6rsenumsatzsteuer nach \u00a7 17 Abs. 1, \u00a7 18 Abs. 1 und \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1972.<\/p>\n<p>Der Anteil des Komplement\u00e4rs einer GmbH &amp; Co. KG ist kein Dividendenwert i. S. des \u00a7 19 Abs. 1 Nr. 2, \u00a7 19 Abs. 2 KVStG 1972.<\/p>\n<p>KVStG 1972 \u00a7 17 Abs. 1, \u00a7 18 Abs. 1, \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1, \u00a7 19 Abs. 1 Nr. 2, \u00a7 19 Abs. 2.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I. Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin), eine GmbH, war pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin einer Kommanditgesellschaft. Deren Kommanditisten waren gleichzeitig die Gesellschafter der Kl\u00e4gerin. Durch Beschlu\u00df der Gesellschafterversammlung vom 5. Juli 1972 wurde das Stammkapital der Kl\u00e4gerin erh\u00f6ht. Als Sacheinlage brachten die Gesellschafter entsprechend dem vorgenannten Beschlu\u00df ihre Kommanditanteile in die Kl\u00e4gerin ein. Dadurch vereinigten sich in der Hand der Kl\u00e4gerin s\u00e4mtliche Beteiligungen an der Kommanditgesellschaft; diese Gesellschaft erlosch.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) erhob B\u00f6rsenumsatzsteuer mit der Begr\u00fcndung, die Kl\u00e4gerin habe mit den Kommanditisten ein Anschaffungsgesch\u00e4ft \u00fcber die Kommanditanteile abgeschlossen.<\/p>\n<p>Der Einspruch der Kl\u00e4gerin blieb erfolglos.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II. Die Revision der Kl\u00e4gerin ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die Kommanditanteile waren Dividendenwerte i. S. des \u00a7 19 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) 1972. Die Kommanditgesellschaft, deren pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin die Kl\u00e4gerin als GmbH war, geh\u00f6rte zu den Kapitalgesellschaften i. S. des Kapitalverkehrsteuergesetzes. Das ergibt sich aus \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 KVStG 1972. Diese Vorschrift beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Gesellschaftsteuer, sondern gilt auch f\u00fcr die B\u00f6rsenumsatzsteuer (vgl. das Urteil vom 3. September 1975 II R 88\/74, BFHE 117, 106, BStBl II 1976, 7).<\/p>\n<p>Mit dem Beschlu\u00df vom 5. Juli 1972 verpflichteten sich die Gesellschafter der Kl\u00e4gerin, die Wertpapiere (Kommanditanteile) in die Kl\u00e4gerin einzubringen. Auch ein Gesellschafterbeschlu\u00df kann ein Anschaffungsgesch\u00e4ft i. S. des \u00a7 18 KVStG 1972 sein (Urteil vom 9. M\u00e4rz 1977 II R 19-20\/76, BFHE 122, 348, BStBl II 1977, 658).<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin wendet jedoch zu Recht ein, das Rechtsgesch\u00e4ft sei nicht auf den Erwerb, sondern auf den Untergang der Wertpapiere gerichtet gewesen; ein Anschaffungsgesch\u00e4ft i. S. \u00a7\u00a7 17 ff. KVStG 1972 liege daher nicht vor.<\/p>\n<p>Den \u00a7\u00a7 17 und 18 KVStG 1972 l\u00e4\u00dft sich entnehmen, da\u00df bestimmte F\u00e4lle, die den Untergang des Wertpapieres zum Inhalt haben, nicht besteuert werden sollen. So entsteht keine B\u00f6rsenumsatzsteuer, wenn der aus dem Papier Verpflichtete die verbriefte Forderung erf\u00fcllt; denn das Rechtsgesch\u00e4ft ist dann in erster Linie nicht &#8222;auf den Erwerb des Eigentums am Wertpapier&#8220;, sondern auf die Tilgung der Schuld gerichtet (vgl. das Urteil des Reichsfinanzhofs &#8211; RFH &#8211; vom 23. Mai 1933 II A 605\/31, RStBl 1933, 916 sowie die RFH-Urteile vom 5. Oktober 1928 II A 403\/28, RFHE 24, 140 und vom 30. Oktober 1931 II A 344\/31, RStBl 1932, 745). Diese wortlautgem\u00e4\u00dfe Auslegung entspricht dem Sinn des Gesetzes. Besteuert werden soll eine bestimmte Art des Kapitalverkehrs, n\u00e4mlich die rechtsgesch\u00e4ftliche \u00dcbertragung &#8222;verkehrsf\u00e4higer&#8220; geldwerter Rechte. Die Besteuerung der Erf\u00fcllung dieser Rechte liegt nicht mehr im Rahmen des Gesetzeszweckes.<\/p>\n<p>Entsprechend diesem Grundsatz entsteht auch dann keine Steuer, wenn Aktien gem. \u00a7 237 des Aktiengesetzes (AktG) 1965 eingezogen werden. Die AG erf\u00fcllt hier lediglich ihre Verpflichtung zur R\u00fccknahme der Aktien (vgl. das zu \u00a7 227 HGB ergangene RFH-Urteil vom 17. November 1931 II A 363\/31, RFHE 30, 104).<\/p>\n<p>Zweifelhaft mag sein, ob &#8211; wie die Kl\u00e4gerin meint &#8211; der Gesellschafterbeschlu\u00df diesen vorgenannten, auf den Untergang der Wertpapiere gerichteten Inhalt schon deshalb hatte, weil mit dem Erwerb s\u00e4mtlicher Kommanditanteile durch die Kl\u00e4gerin diese als einzige Gesellschafterin der KG \u00fcbrig blieb und die KG daher erlosch. Trat dieser Erfolg (Erl\u00f6schen der KG) erst mit dem Erwerb s\u00e4mtlicher Kommanditanteile ein, so konnte er m\u00f6glicherweise nicht Inhalt des Erwerbes jedes einzelnen Anteiles, sondern allenfalls dessen Motiv sein.<\/p>\n<p>Diese Zweifel m\u00f6gen dahinstehen. Denn jedenfalls konnte die Kl\u00e4gerin als pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin der KG nicht gleichzeitig deren Kommanditistin sein. Mit dem Erwerb eines jeden dieser Kommanditanteile wandelte sich dieser zwangsl\u00e4ufig in eine Komplement\u00e4rbeteiligung um. Zumindest insofern war daher der Gesellschafterbeschlu\u00df hinsichtlich eines jeden Kommanditanteils auf den Untergang dieses Wertpapiers gerichtet. Mit der Umwandlung in eine Komplement\u00e4rbeteiligung verlor jeder Kommanditanteil die Eigenschaft eines Wertpapieres i. S. des \u00a7 19 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 KVStG 1972; denn die Komplement\u00e4rbeteiligung an einer GmbH &amp; Co. KG ist b\u00f6rsenumsatzsteuerrechtlich kein Wertpapier. Das folgt aus \u00a7 19 Abs. 2 i. V. m. \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 und \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972. Nach \u00a7 19 Abs. 2 gelten als Dividendenwerte u. a. Anteile an inl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaften. Als derartige Gesellschaft gilt seit dem Inkrafttreten des KVStG 1972 gem\u00e4\u00df \u00a7 5 Abs. 2 Nr. 3 dieses Gesetzes auch die GmbH &amp; Co. KG. Diese Vorschrift hat f\u00fcr das gesamte Kapitalverkehrsteuergesetz G\u00fcltigkeit; allerdings wurde sie im Hinblick auf die Gesellschaftsteuer geschaffen (vgl. dazu das Urteil vom 3. September 1975 II R 88\/74, BFHE 117, 106, BStBl II 1976, 7). Dieser Umstand gebietet es, bei der Auslegung der Vorschrift auch den \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 heranzuziehen, welcher die gesellschaftsteuerrechtliche Bedeutung der GmbH &amp; Co. KG abgrenzt und wonach Anteile der pers\u00f6nlich haftenden Gesellschafter einer GmbH &amp; Co. KG nicht als Gesellschaftsrechte an Kapitalgesellschaften gelten. Klammert das Gesetz bei der Gesellschaftsteuer die Anteile des Komplement\u00e4rs der GmbH &amp; Co. KG aus dem Begriff der Gesellschaftsrechte an Kapitalgesellschaften aus, so kann die B\u00f6rsenumsatzsteuer nicht \u00fcber diesen Rahmen hinausgehen; denn ihr Begriffssystem soll zwar nicht enger, erkennbar aber auch nicht weiter sein als dasjenige der Gesellschaftsteuer. Sind demnach die Komplement\u00e4ranteile an einer GmbH &amp; Co. KG gesellschaftsteuerrechtlich unerheblich, so sind sie es auch b\u00f6rsenumsatzsteuerrechtlich. Ohne Belang ist dabei, da\u00df sie trotzdem in \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 als &#8222;Anteile&#8220; bezeichnet werden und dieser Ausdruck auch in \u00a7 19 Abs. 2 KVStG 1972 verwendet wird. Diese Fassung mag auf den Mangel eines anderen Ausdruckes oder darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, da\u00df man bei der Formulierung nicht den Wortlaut des \u00a7 19 Abs. 2 bedacht hat. Entscheidend ist der erkennbare Sinn des Gesetzes.<\/p>\n<p>Die Frage, ob der Komplement\u00e4ranteil an einer KG auf Aktien b\u00f6rsenumsatzsteuerrechtlich erheblich ist, wird durch diese Entscheidung nicht ber\u00fchrt (vgl. dazu das RFH-Urteil vom 15. August 1941 II 52\/40, RStBl 1941, 694). F\u00fcr derartige Anteile gibt es keine dem \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 1 KVStG 1972 vergleichbare Vorschrift.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 13.2.1980 (II R 12\/78) BStBl. 1980 II S. 236 Hat ein Anschaffungsgesch\u00e4ft \u00fcber Wertpapiere deren Untergang zum Inhalt, so unterliegt es nicht der B\u00f6rsenumsatzsteuer nach \u00a7 17 Abs. 1, \u00a7 18 Abs. 1 und \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1972. Der Anteil des Komplement\u00e4rs einer GmbH &amp; Co. 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