{"id":26263,"date":"1979-10-17T03:50:51","date_gmt":"1979-10-17T01:50:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26263"},"modified":"2013-09-06T10:16:15","modified_gmt":"2013-09-06T08:16:15","slug":"bfh-urteil-vom-17-10-1979-i-r-157_76-bstbl-1980-ii-s-252","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-17-10-1979-i-r-157_76-bstbl-1980-ii-s-252\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 17.10.1979 (I R 157\/76)     BStBl. 1980 II S. 252"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 17.10.1979 (I R 157\/76) BStBl. 1980 II S. 252<\/strong><\/p>\n<p><strong>In Streitsachen wegen einheitlicher und gesonderter Gewinnfeststellung ist der Erla\u00df eines Grundurteils nicht zul\u00e4ssig.<\/strong><\/p>\n<p><span>FGO \u00a7 99; AO \u00a7 215 Abs. 2.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong><span> Sachverhalt<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>Durch Zuschlag im Zwangsversteigerungsverfahren erwarben der 1970 verstorbene R. sowie B. und J. gemeinschaftlich zu je 1\/3 am 8. M\u00e4rz 1965 das Erbbaurecht und sp\u00e4ter (am 3. Mai 1965) auch das Eigentum an einem Grundst\u00fcck in B. Das Grundst\u00fcck ist bebaut mit neun Wohnh\u00e4usern (mit insgesamt 66 Wohnungen) und einem Kiosk.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Gemeinschafter setzten f\u00fcr den Erwerb an Eigenmitteln etwa 120.000 DM ein. Das Grundst\u00fcck blieb belastet mit etwa 982.000 DM. Ferner war der Kaufpreis f\u00fcr das Grundst\u00fcck (75.000 DM) gestundet.<\/span><\/p>\n<p><span>Am 26. August 1965 beantragte der Gemeinschafter R. die Aufteilung des Grundst\u00fccks in sechs Parzellen und teilte ferner vier H\u00e4user in Eigentumswohnungen auf (\u00a7 8 des Wohnungseigentumsgesetzes &#8211; WEG -).<\/span><\/p>\n<p><span>Ende 1965 bis einschlie\u00dflich Februar 1966 ver\u00e4u\u00dferten die Gemeinschafter zwei der H\u00e4user und ferner 25 der insgesamt 28 Eigentumswohnungen f\u00fcr insgesamt 1.178.387 DM. Je eine Eigentumswohnung \u00fcbernahmen die Gemeinschafter R. und B. 1968, nachdem noch eine weitere Eigentumswohnung ver\u00e4u\u00dfert worden war. Die nicht verkauften H\u00e4user wurden vermietet.<\/span><\/p>\n<p><span>F\u00fcr die Streitjahre 1965 und 1966 erkl\u00e4rte die Gemeinschaft Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211; FA -) sah in der T\u00e4tigkeit der Gemeinschaft einen gewerblichen Grundst\u00fcckshandel und stellte entsprechend gewerbliche Eink\u00fcnfte f\u00fcr die Streitjahre gem\u00e4\u00df \u00a7 215 Abs. 2 der Reichsabgabenordnung (AO) fest. Dagegen legten die Gemeinschafter B. und J. vergeblich Einspruch ein. Nach der dann von allen Gemeinschaftern erhobenen Klage \u00e4nderte das FA die urspr\u00fcngliche Einspruchsentscheidung und setzte den Gewinn aus Gewerbebetrieb f\u00fcr 1965 auf 123.161 DM und f\u00fcr 1966 auf 377.015 DM (einschlie\u00dflich eines Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns in H\u00f6he von 151.895 DM des zum 31. Dezember 1966 ausgeschiedenen Gemeinschafters J.) fest.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Kl\u00e4ger haben den Antrag nach \u00a7 68 der Finanzgerichtsordnung (FGO) gestellt.<\/span><\/p>\n<p><span>Das Finanzgericht (FG) hat durch Zwischenurteil vorab erkannt, da\u00df das FA dem Grunde nach zu Recht f\u00fcr die Streitjahre 1965 und 1966 Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb einheitlich und gesondert festgestellt habe.<\/span><\/p>\n<p><span>Das FG bejahte den gewerblichen Charakter der Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe. In zeitlicher und verm\u00f6gensm\u00e4\u00dfiger Hinsicht habe der Gewerbebetrieb aber nicht den vom FA angenommenen Umfang. Die Absicht der Substanzverwertung habe sich erst mit dem Antrag auf Aufteilung des Grundst\u00fccks erkennbar gezeigt, die gewerbliche T\u00e4tigkeit habe folglich auch damit erst begonnen und sei mit den letzten Verk\u00e4ufen am 28. Februar 1966 beendet gewesen. Ferner k\u00f6nnten die bisher nicht verkauften Parzellen nicht zum gewerblichen Betriebsverm\u00f6gen gerechnet werden.<\/span><\/p>\n<p><span>Mit der nur von ihnen eingelegten Revision r\u00fcgen die Rechtsnachfolgerinnen des Gemeinschafters R. (Revisionskl\u00e4gerinnen) Verletzung formellen und materiellen Rechts. Das Zwischenurteil sei nicht zul\u00e4ssig, denn es diene nicht der Proze\u00dfwirtschaftlichkeit (Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 30. Mai 1975 III R 72\/74, BFHE 116,93, BStBl II 1975, 714). Die T\u00e4tigkeit der Gemeinschaft sei nicht gewerblich, sondern verm\u00f6gensverwaltend. Zumindest sei sie das nach dem 28. Februar 1966 gewesen.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Revisionskl\u00e4gerinnen beantragen sinngem\u00e4\u00df, das Zwischenurteil aufzuheben.<\/span><\/p>\n<p><span>Das FA beantragt, die Revision als unzul\u00e4ssig zu verwerfen und hilfsweise, sie als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><strong><span> Entscheidungsgr\u00fcnde<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Revision ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Der Erla\u00df eines Zwischenurteils \u00fcber den Grund (\u00a7 99 FGO) war unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Es kann offenbleiben, ob ein Grundurteil im Streit um einen steuerlichen Anspruch (\u00a7 3 des Steueranpassungsgesetzes &#8211; StAnpG -, \u00a7 37 Abs. 1 der Abgabenordnung &#8211; AO 1977 -), z. B. den Einkommensteueranspruch, m\u00f6glich ist (vgl. die von Gr\u00e4ber in Deutsches Steuerrecht 1968 S. 491 [496] &#8211; DStR 1968, 491 [496] &#8211; im Hinblick auf den Begriff des Streitgegenstandes ge\u00e4u\u00dferten Bedenken). Im Streit um die einheitliche und gesonderte Feststellung eines Besteuerungsmerkmals (\u00a7 215 Abs. 2 AO; vgl. auch \u00a7 180 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977) ist der Erla\u00df eines Grundurteils nicht m\u00f6glich, denn streitig ist nicht ein Anspruch i. S. des \u00a7 99 FGO, sondern lediglich ein Element dieses Anspruchs. \u00a7 99 FGO ist dem \u00a7 304 der Zivilproze\u00dfordnung nachgebildet. Anspruch i. S. beider Vorschriften ist der materiell-rechtliche Anspruch, bei \u00a7 99 FGO der Steueranspruch (vgl. BFH-Urteil vom 5. M\u00e4rz 1974 I R 91\/72, BFHE 111, 460 [462], BStBl II 1974, 359; in dieser Richtung auch BFH-Urteil vom 20. Juni 1968 IV R 222\/66, BFHE 93, 365, BStBl II 1968, 804; vgl. ferner Becker\/Riewald\/Koch, Reichsabgabenordnung\/Finanzgerichtsordnung, Kommentar, 9. Aufl., \u00a7 99 FGO Amn. 2 [1]; Tipke\/Kruse, Abgabenordnung\/Finanzgerichtsordnung, Kommentar, 9. Aufl., \u00a7 99 FGO Anm. 2; Ziemer\/Birkholz, Finanzgerichtsordnung, \u00a7 99 Anm. 6; vgl. auch zu \u00a7 111 VwGO: Ule, Verwaltungsproze\u00dfrecht, 7. Aufl., S. 238; Redeker\/v. Oertzen, Verwaltungsgerichtsordnung, 6. Aufl., \u00a7 111 Anm. 1; zu \u00a7 304 ZPO: Thomas\/Putzo, Zivilproze\u00dfordnung, 10. Aufl., \u00a7 304 Anm. 1; Baumbach\/Lauterbach, Zivilproze\u00dfordnung, 38. Aufl., \u00a7 304 Anm. 2 A; Wieczorek, Zivilproze\u00dfordnung\/Gerichtsverfassungsgesetz, Kommentar, 2. Aufl., \u00a7 304 Anm. A II &#8222;au\u00dferprozessualer Anspruch&#8220;; Rosenberg\/Schwab, Zivilproze\u00dfrecht, 12. Aufl., S. 297). Es ist nicht der verfahrensrechtliche Anspruch auf Festsetzung der Steuer bzw. Feststellung eines Besteuerungsmerkmals. Der Senat teilt insofern nicht die (die Entscheidung nicht tragende) Ansicht des BFH-Urteils vom 6. November 1969 IV R 209\/67 (BFHE 97, 407, BStBl II 1970, 188; vgl. auch Gr\u00e4ber, Finanzgerichtsordnung, Kommentar, \u00a7 99 Anm. 2). Einzelne Besteuerungsgrundlagen, zu denen auch die nach \u00a7 215 Abs. 2 AO festzustellenden Eink\u00fcnfte geh\u00f6ren (vgl. Tipke\/Kruse, Reichsabgabenordnung\/Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., \u00a7 215 AO, Anm. 1), sind auch nicht deshalb wie Steueranspr\u00fcche i. S. des \u00a7 99 FGO zu behandeln, weil sie gesondert festgestellt werden. Der Senat h\u00e4lt eine analoge Anwendung des \u00a7 99 FGO im Streitfall nicht f\u00fcr m\u00f6glich, weil durch ein derartiges &#8222;Grundurteil&#8220; nur \u00fcber einen Teil der Grundlagen f\u00fcr einen Steueranspruch (vgl. \u00a7 284 Abs. 2 AO in der bis zum 31. Dezember 1965 geltenden Fassung) entschieden w\u00fcrde. Teilentscheidungen dieser Art (anders die F\u00e4lle des \u00a7 98 FGO) sind jedoch in die Finanzgerichtsordnung bewu\u00dft nicht \u00fcbernommen worden.<\/p>\n<p><span>Da hiernach ein Grundurteil nicht ergehen durfte, ist es ersatzlos aufzuheben. Damit befindet sich der Rechtsstreit wieder in der Lage, die vor Erla\u00df der Vorentscheidung bestanden hatte. Einer f\u00f6rmlichen Zur\u00fcckverweisung bedarf es deshalb nicht (BFH-Urteil III R 72\/74).<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 17.10.1979 (I R 157\/76) BStBl. 1980 II S. 252 In Streitsachen wegen einheitlicher und gesonderter Gewinnfeststellung ist der Erla\u00df eines Grundurteils nicht zul\u00e4ssig. FGO \u00a7 99; AO \u00a7 215 Abs. 2. Sachverhalt Durch Zuschlag im Zwangsversteigerungsverfahren erwarben der 1970 verstorbene R. sowie B. und J. gemeinschaftlich zu je 1\/3 am 8. 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