{"id":26598,"date":"1979-12-13T16:00:39","date_gmt":"1979-12-13T14:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26598"},"modified":"2013-08-30T12:20:36","modified_gmt":"2013-08-30T10:20:36","slug":"bfh-beschluss-vom-13-12-1979-iv-b-79_79-bstbl-1980-ii-s-329","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-beschluss-vom-13-12-1979-iv-b-79_79-bstbl-1980-ii-s-329\/","title":{"rendered":"BFH-Beschlu\u00df vom 13.12.1979 (IV B 79\/79) BStBl. 1980 II S. 329"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Beschlu\u00df vom 13.12.1979 (IV B 79\/79) BStBl. 1980 II S. 329<\/strong><\/p>\n<p>Eine Personengesellschaft wird im steuergerichtlichen Verfahren, das eine einheitliche Gewinnfeststellung zum Gegenstand hat, von ihren jeweils vertretungsberechtigten Gesellschaftern vertreten, selbst wenn diese im strittigen Zeitraum noch nicht Gesellschafter waren.<\/p>\n<p>FGO \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwischen den Beteiligten ist in der Hauptsache streitig, ob die Antragstellerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Beschwerdef\u00fchrerin) f\u00fcr die Jahre 1970 und 1971 eine Investitionspr\u00e4mie nach \u00a7 32 des Gesetzes zur Anpassung und Gesundung des deutschen Steinkohlenbergbaus und der Steinkohlenbergbaugebiete vom 15. Mai 1968 &#8211; KohleG &#8211; (BGBl I 1968, 365, BStBl I 1968, 939) in Anspruch nehmen kann. Der Antragsgegner und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211; FA -) hat die Pr\u00e4mie zun\u00e4chst gew\u00e4hrt, sp\u00e4ter aber versagt. Hinsichtlich des \u00c4nderungsbescheides begehrt die Beschwerdef\u00fchrerin Aussetzung der Vollziehung.<\/p>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrerin betreibt ihr Unternehmen nach Umwandlung aus einer GmbH seit 1970 in der Rechtsform der KG. Komplement\u00e4r war zun\u00e4chst A. Seit 1972 ist die B-GmbH Komplement\u00e4rin. A wurde Kommanditist. 1973 ist er verstorben. Erben wurden seine Ehefrau und seine drei Kinder; diese sind auch in die Gesellschafterstellung nachger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Das FA hat die Vollziehung der ge\u00e4nderten Pr\u00e4mienfestsetzung teilweise ausgesetzt. Daraufhin beantragte die Beschwerdef\u00fchrerin bei Gericht Vollziehungsaussetzung hinsichtlich des vollen Pr\u00e4mienbetrages. Diesen Antrag sah das Finanzgericht (FG) als unzul\u00e4ssig an, weil die Komplement\u00e4r-GmbH, die den Antrag f\u00fcr die KG gestellt hatte, in den Streitjahren 1970 und 1971 noch nicht Mitglied der KG gewesen sei. Sie sei vom Feststellungsbescheid nicht selbst betroffen und k\u00f6nne auch nicht f\u00fcr die betroffenen Gesellschafter handeln. F\u00fcr die Streitjahre sei der verstorbene A vertretungsbefugt gewesen; nach seinem Tode m\u00fc\u00dften die verbliebenen Gesellschafter selbst auftreten.<\/p>\n<p>Hiergegen wendet sich die Beschwerdef\u00fchrerin mit der vom FG wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung zugelassenen Beschwerde.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu Unrecht hat die Vorinstanz den Aussetzungsantrag als unzul\u00e4ssig zur\u00fcckgewiesen. Die Gew\u00e4hrung von Kohlepr\u00e4mie ist Teil des Steuerfestsetzungsverfahrens; hierf\u00fcr sind die Bestimmungen der Reichsabgabenordnung (AO) bzw. Abgabenordnung (AO 1977) ma\u00dfgebend (Entscheidung des Bundesfinanzhofs &#8211; BFH &#8211; vom 13. Februar 1974 I R 114\/72, BFHE 111, 420, BStBl II 1974, 317). Ob den Mitunternehmern einer Personengesellschaft Investitionspr\u00e4mie nach \u00a7 32 Abs. 1 KohleG f\u00fcr die von dieser Gesellschaft hergestellten oder angeschafften Anlageg\u00fcter zusteht, ist daher im Verfahren der Gewinnfeststellung zu entscheiden (BFHE 111, 420, BStBl II 1974, 317; Entscheidung vom 21. August 1974 I R 251\/73, BFHE 114, 140, BStBl II 1975, 219). Hinsichtlich eines solchen Feststellungsbescheides ist nach \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) die Personengesellschaft klagebefugt. Sie wird hierbei von ihren vertretungsberechtigten Gesellschaftern vertreten. Diese Auslegung der in ihrem Wortlaut unklaren Gesetzesbestimmung entspricht st\u00e4ndiger Rechtsprechung (BFH-Entscheidungen vom 4. Mai 1972 IV 251\/64, BFHE 105, 449, BStBl II 1972, 672; vom 18. Mai 1973 III R 73-75\/72, BFHE 109, 373, BStBl II 1973, 676; vom 13. M\u00e4rz 1974 I R 39\/72, BFHE 112, 20, BStBl II 1974, 436). Sie tr\u00e4gt dem Umstand Rechnung, da\u00df der Personengesellschaft im Besteuerungsverfahren eigene Rechte und Pflichten zukommen und da\u00df sie als Verfahrensbeteiligte nur durch ihre vertretungsberechtigten Mitglieder t\u00e4tig werden kann.<\/p>\n<p>Die Vertretungsbefugnis mu\u00df bei Vornahme der einzelnen Verfahrenshandlungen gegeben sein, in den F\u00e4llen der Klageerhebung und des Antrags auf Aussetzung der Vollziehung also im Zeitpunkt dieser Proze\u00dfhandlungen. Diesem Erfordernis ist im Streitfall gen\u00fcgt, weil die nach den \u00a7\u00a7 161 Abs. 2, 125 Abs. 1, 170 HGB zur Vertretung befugte Komplement\u00e4r-GmbH den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der KG, mithin in ihrem Namen, gestellt hat. Da\u00df in den Streitjahren 1970 und 1971 die Vertretungsverh\u00e4ltnisse noch anders geregelt waren und die GmbH noch nicht Gesellschafterin war, ist unerheblich. F\u00fcr die Vertretungsbefugnis im anh\u00e4ngigen Aussetzungsverfahren sind die gegenw\u00e4rtigen gesellschaftsrechtlichen Verh\u00e4ltnisse ma\u00dfgebend. Ein fr\u00fcher vertretungsbefugter Gesellschafter kann nicht mehr wirksam f\u00fcr die Gesellschaft handeln.<\/p>\n<p>Auch das Ausscheiden und der Eintritt von Gesellschaftern hat auf den Fortbestand der Personengesellschaft als Verfahrensbeteiligte keinen Einflu\u00df. Bei Ver\u00e4nderungen im Gesellschafterbestand besteht die bisherige Gesellschaft fort (so BFH-Entscheidung vom 7. Juni 1978 II R 112\/71, BFHE 125, 395, BStBl II 1978, 605, bei Auswechselung s\u00e4mtlicher Gesellschafter). In diesem Falle kann nicht etwa die Aufeinanderfolge mehrerer Personengesellschaften angenommen werden. Dieser Beurteilung steht nicht entgegen, da\u00df nach wiederholter Entscheidung die Klagebefugnis der Gesellschaft nach \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3 FGO nicht gegen\u00fcber einem ausgeschiedenen Gesellschafter besteht (BFHE 105, 449, BStBl II 1972, 672; BFH-Beschlu\u00df vom 28. November 1973 IV B 33\/73, BFHE 110, 506, BStBl II 1974, 220). Damit wird lediglich das Klagerecht der fortbestehenden Gesellschaft eingeschr\u00e4nkt. Folgerungen f\u00fcr die Vertretungsbefugnis innerhalb dieser Gesellschaft lassen sich daraus nicht ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Beschlu\u00df vom 13.12.1979 (IV B 79\/79) BStBl. 1980 II S. 329 Eine Personengesellschaft wird im steuergerichtlichen Verfahren, das eine einheitliche Gewinnfeststellung zum Gegenstand hat, von ihren jeweils vertretungsberechtigten Gesellschaftern vertreten, selbst wenn diese im strittigen Zeitraum noch nicht Gesellschafter waren. FGO \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 3. 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