{"id":26627,"date":"1980-02-13T15:55:48","date_gmt":"1980-02-13T13:55:48","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=26627"},"modified":"2013-09-04T10:52:04","modified_gmt":"2013-09-04T08:52:04","slug":"bfh-urteil-vom-13-2-1980-ii-r-129_78-bstbl-1980-ii-s-378","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-13-2-1980-ii-r-129_78-bstbl-1980-ii-s-378\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil vom 13.2.1980 (II R 129\/78) BStBl. 1980 II S. 378"},"content":{"rendered":"<p><strong>BFH-Urteil vom 13.2.1980 (II R 129\/78) BStBl. 1980 II S. 378<\/strong><\/p>\n<p>Der Beschlu\u00df der Gesellschafter einer OHG \u00fcber die Gr\u00fcndung einer Aktiengesellschaft und die \u00dcbertragung des Verm\u00f6gens der OHG auf diese Gesellschaft im Wege der Umwandlung unterliegt insoweit der B\u00f6rsenumsatzsteuer, als zum Gesamthandsverm\u00f6gen im Zeitpunkt der Eintragung der Aktiengesellschaft in das Handelsregister Wertpapiere i. S. des \u00a7 19 KVStG 1959 geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>KVStG 1959 \u00a7\u00a7 17, 18 Abs. 1, Abs. 2 Nrn. 1 und 2, \u00a7 19.<\/p>\n<p align=\"center\">Sachverhalt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin), eine Aktiengesellschaft, ist im Wege der Umwandlung aus einer offenen Handelsgesellschaft &#8222;hervorgegangen&#8220;. Den Umwandlungsbeschlu\u00df haben die Gesellschafter der OHG im Oktober 1971 gefa\u00dft. Er enthielt die Gr\u00fcndung der Kl\u00e4gerin als Aktiengesellschaft und die Feststellung der Satzung sowie die \u00dcbertragung des Verm\u00f6gens der OHG auf die Kl\u00e4gerin. Diese ist im November 1971 in das Handelsregister eingetragen worden.<\/p>\n<p>Zum Verm\u00f6gen der OHG geh\u00f6rten u. a. eine 100 %ige Beteiligung an der A GmbH und eine 100 %ige Beteiligung an der B GmbH.<\/p>\n<p>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211; FA -) sah in dem Umwandlungsbeschlu\u00df insoweit, als er die \u00dcbertragung von Wertpapieren auf die Kl\u00e4gerin betraf, ein b\u00f6rsenumsatzsteuerpflichtiges Anschaffungsgesch\u00e4ft i. S. der \u00a7\u00a7 17, 18 des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStG) 1959. Er setzte wegen der \u00dcbertragung der Anteile an der A GmbH durch gem\u00e4\u00df \u00a7 100 Abs. 1 der Reichsabgabenordnung (AO) a. F. vorl\u00e4ufigen Steuerbescheid B\u00f6rsenumsatzsteuer fest. Der Bescheid war vorl\u00e4ufig wegen des Wertes der Anteile. Am 9. Februar 1973 erlie\u00df er sodann wegen der Anteile an der B GmbH einen gem\u00e4\u00df \u00a7 100 Abs. 2 AO a. F. vorl\u00e4ufigen Steuerbescheid. 1977 schlie\u00dflich erlie\u00df das FA nach einer Kapitalverkehrsteuerpr\u00fcfung wegen der Anteile an der A GmbH einen nach \u00a7 165 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO 1977) berichtigten und endg\u00fcltigen Bescheid und wegen der Anteile an der B GmbH einen gem\u00e4\u00df \u00a7 164 Abs. 2 AO 1977 berichtigten und vorbehaltslosen Steuerbescheid.<\/p>\n<p>Gegen beide Bescheide hat die Kl\u00e4gerin ohne Erfolg Einspruch eingelegt.<\/p>\n<p>Auf die Klage hat das Finanzgericht (FG) die angefochtenen Steuerbescheide nebst Einspruchsentscheidungen aufgehoben.<\/p>\n<p align=\"center\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Revision des FA ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (\u00a7 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211; FGO -).<\/p>\n<p>Der Umwandlungsbeschlu\u00df der Gesellschafter der fr\u00fcheren OHG unterliegt der B\u00f6rsenumsatzsteuer gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 17, 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1959, soweit auf Grund dieses Beschlusses mit der Eintragung der Kl\u00e4gerin in das Handelsregister im Rahmen des Verm\u00f6gens\u00fcberganges gem\u00e4\u00df \u00a7 44 des Gesetzes \u00fcber die Umwandlung von Kapitalgesellschaften und bergrechtlichen Gewerkschaften vom 12. November 1956 (UmwG) Wertpapiere i. S. des \u00a7 19 KVStG 1959 auf die Kl\u00e4gerin \u00fcbergegangen sind. Uner\u00f6rtert bleiben kann in diesem Zusammenhang, ob die B\u00f6rsenumsatzsteuer auch aus \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 2 KVStG 1959 folgt, oder ob sie ggf. auch unmittelbar dem \u00a7 18 Abs. 1 KVStG 1959 zu entnehmen w\u00e4re und ob bzw. inwieweit die Einf\u00fcgung des Absatzes 2 Nrn. 1 und 2 in das Kapitalverkehrsteuergesetz im Jahre 1934 auf die Auslegung des Absatzes 1 des \u00a7 18 KVStG zur\u00fcckwirkt (vgl. hierzu das Urteil des Senats vom 9. M\u00e4rz 1977 II R 19-20\/76, BFHE 122, 348, BStBl II 1977, 658).<\/p>\n<p>Anschaffungsgesch\u00e4fte, die eine B\u00f6rsenumsatzsteuerpflicht ausl\u00f6sen, sind nach \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 auch Gesch\u00e4fte, die das Einbringen von Wertpapieren u. a. in eine Kapitalgesellschaft zum Gegenstand haben. Die Voraussetzungen dieser Vorschrift sind im vorliegenden Fall erf\u00fcllt. Gesch\u00e4ft i. S. dieser Vorschrift ist der Umwandlungsbeschlu\u00df vom Oktober 1971. Er hatte die Gr\u00fcndung der Kl\u00e4gerin und die \u00dcbertragung des Verm\u00f6gens der fr\u00fcheren OHG auf die Kl\u00e4gerin zum Gegenstand (vgl. \u00a7 40 UmwG) und erf\u00fcllte damit hinsichtlich der im Zeitpunkt des Verm\u00f6gens\u00fcberganges zum Verm\u00f6gen der OHG geh\u00f6renden Wertpapiere die Voraussetzungen des \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1959, der vornehmlich Sacheinlagen bei der Gr\u00fcndung und der Kapitalerh\u00f6hung erfa\u00dft (vgl. hierzu die Regierungsbegr\u00fcndung zum Kapitalverkehrsteuergesetz 1934 im RStBl 1934, 1460, 1475). Die Verwendung des Begriffes &#8222;Einbringen&#8220; bezeichnet einen Vorgang auf gesellschaftsrechtlicher Ebene (vgl. hierzu das Urteil des Reichsfinanzhofs [RFH] vom 3. November 1931 II A 226\/31, Steuer und Wirtschaft 1932 Nr. 512 &#8211; StuW 1932 Nr. 512 -, vgl. ferner \u00a7 13 Abs. 2 des Grunderwerbsteuergesetzes &#8211; GrEStG &#8211; 1940).<\/p>\n<p>Da\u00df im vorliegenden Fall das Einbringen des Verm\u00f6gens der fr\u00fcheren OHG in die Kl\u00e4gerin nicht wie bei einer normalen Sachgr\u00fcndung auf einen (einen Teil der Satzung bildenden) Einbringungsvertrag zur\u00fcckgeht (vgl. Barz in Gro\u00dfkommentar zum Aktiengesetz, 3. Aufl., \u00a7 27 Anm. 3), sondern auf einen Beschlu\u00df der Gesellschafter der fr\u00fcheren OHG, schlie\u00dft die Anwendung des \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1959 nicht aus. Diese Vorschrift setzt ihrem Wortlaut nach keinen Vertrag voraus. Der verwendete umfassendere Begriff des Gesch\u00e4fts erfa\u00dft auch Beschl\u00fcsse. Im \u00fcbrigen hat der Senat bereits zu \u00a7 18 Abs. 1 KVStG 1959 erkl\u00e4rt, da\u00df diese Vorschrift nicht nur auf gegenseitige Vertr\u00e4ge anwendbar sei, sondern gegebenenfalls auch auf Beschl\u00fcsse (vgl. BFHE 122, 348, BStBl II 1977, 658, im Gegensatz zu dem vorangegangenen Urteil des Senats vom 19. Dezember 1973 II R 172\/72, BFHE 112, 78, BStBl II 1974, 400).<\/p>\n<p>Die Beurteilung des Umwandlungsbeschlusses als eines Gesch\u00e4ftes, das das Einbringen von Wertpapieren in eine Kapitalgesellschaft zum Gegenstand hat, wird auch nicht dadurch gehindert, da\u00df das gesamte in der OHG zusammengefa\u00dfte Sonderverm\u00f6gen der Gesellschafter der OHG und nicht nur die Wertpapiere \u00fcbergehen sollten. Rechtsgesch\u00e4fte, die sich auf den Erwerb des gesamten Verm\u00f6gens beziehen, sind jeweils insoweit b\u00f6rsenumsatzsteuerpflichtig, als zu dem Verm\u00f6gen Wertpapiere i. S. des \u00a7 19 KVStG 1959 geh\u00f6ren (so schon zum Anschaffungsstempel des Reichsstempelgesetzes das Urteil des Reichsgerichts [RG] vom 10. Dezember 1907 Rep VII 101\/07, RGZ 67, 197, 200, vgl. ferner das Urteil des Senats vom 19. Oktober 1977 II R 92\/73, BFHE 124, 82, BStBl II 1978, 187, wo dies ohne weitere Begr\u00fcndung als selbstverst\u00e4ndlich angenommen wird).<\/p>\n<p>Die Entstehung der B\u00f6rsenumsatzsteuer wird nicht dadurch gehindert, da\u00df der Umwandlungsbeschlu\u00df nicht zur Einzel\u00fcbertragung der Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde der OHG auf die Kl\u00e4gerin f\u00fchrte, sondern die Gesamtrechtsnachfolge hinsichtlich des Verm\u00f6gens der OHG gem\u00e4\u00df \u00a7 44 Abs. 1 UmwG herbeif\u00fchrte. Es sind keine rechtlichen Gesichtspunkte erkennbar, die wegen der Gesamtrechtsnachfolge zur Verneinung des Vorliegens eines Einbringungsgesch\u00e4ftes i. S. des \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1959 f\u00fchren k\u00f6nnten. Der Umwandlungsbeschlu\u00df enth\u00e4lt die Erkl\u00e4rung der Gesellschafter der fr\u00fcheren OHG, das Gesellschaftsverm\u00f6gen auf die neu zu gr\u00fcndende Kl\u00e4gerin zu \u00fcbertragen. Er bildet damit den Rechtsgrund f\u00fcr den nachfolgenden Verm\u00f6gens\u00fcbergang. Er ist deshalb ein Gesch\u00e4ft (auch) schuldrechtlichen Inhalts, das die Verpflichtung aller Gesellschafter und der Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates ausl\u00f6st, den Umwandlungsbeschlu\u00df zur Eintragung in das Handelsregister anzumelden (\u00a7 43 Abs. 3 UmwG) und dadurch den Verm\u00f6gens\u00fcbergang kraft Gesetzes auszul\u00f6sen, der mit der Eintragung der Aktiengesellschaft in das Handelsregister eintritt (vgl. \u00a7 44 Abs. 1 UmwG).<\/p>\n<p>Da\u00df auch Einbringungsgesch\u00e4fte, die zur Gesamtrechtsnachfolge f\u00fchren, unter den Begriff des Einbringens fallen, war schon die Auffassung des RG zum Reichsstempelgesetz (vgl. u. a. das Urteil vom 27. September 1912 Rep. VII 181\/12, RGZ 80, 168, 171). Hiervon ist auch der Gesetzgeber stets ausgegangen (vgl. z. B. \u00a7 19a Abs. 2 GrEStG 1919 i. d. F. der Notverordnung vom 1. Dezember 1930). Insbesondere liegt diese Auffassung der B\u00f6rsenumsatzsteuerbefreiungsvorschrift des \u00a7 10 des Umwandlungs-Steuergesetzes (UmwStG) vom 11. Oktober 1957 (BGBl I, 1713) zugrunde.<\/p>\n<p>Aus dem Urteil des Senats (BFHE 112, 78, BStBl II 1974, 400) kann gegen die hier vertretene Auffassung nichts hergeleitet werden. Dort hat der Senat bei der Umwandlung einer Gewerkschaft auf einen Gesellschafter die Anwendbarkeit des \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1959 verneint. Dieser Fall ist mit dem vorliegenden Fall deshalb nicht vergleichbar, weil im vorliegenden Fall das Verm\u00f6gen der fr\u00fcheren OHG in die neu gegr\u00fcndete AG gegen Gesellschaftsrechte eingebracht worden ist, in jenem Fall aber das Verm\u00f6gen einer Gewerkschaft auf einen Gewerken \u00fcberging.<\/p>\n<p>Ob im vorliegenden Fall B\u00f6rsenumsatzsteuer auch aus \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 2 KVStG 1959 im Hinblick auf die Aufl\u00f6sung der fr\u00fcheren OHG im Zuge der Umwandlung (vgl. \u00a7 44 Abs. 1 S\u00e4tze 2 und 3 UmwG) entstanden ist, kann offenbleiben (wegen vergleichbarer F\u00e4lle beim fr\u00fcheren Reichsstempelgesetz vgl. das Urteil des RFH vom 19. Mai 1922 II A 59\/22, RFHE 9, 273 mit weiteren Nachweisen). Offenbleiben kann deshalb im vorliegenden Fall auch, ob der Senat an der im Urteil in BFHE 112, 78, BStBl II 1974, 400, zur Nichtanwendung des \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 2 KVStG 1959 auf die Umwandlung einer Gewerkschaft auf einen Gewerken vertretenen Auffassung noch festzuhalten vermag.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist gem\u00e4\u00df \u00a7 25 KVStG 1959 Schuldnerin der entstandenen B\u00f6rsenumsatzsteuer. Nach dieser Vorschrift sind Steuerschuldner bei Privatgesch\u00e4ften die Vertragsteile als Gesamtschuldner. Vertragsteile in diesem Sinne sind bei Einbringungsvorg\u00e4ngen i. S. des \u00a7 18 Abs. 2 Nr. 1 KVStG 1959 die Personen, zwischen denen der Eigentumswechsel stattfindet. Das ist auch die neu gegr\u00fcndete Aktiengesellschaft, obwohl sie bei Abschlu\u00df des Gesellschaftsvertrages noch nicht entstanden war. Ihr steht jedoch der Anspruch auf die Einlagen zu. Nichts anderes kann in dem Fall gelten, in dem die Entstehung der Aktiengesellschaft und der Verm\u00f6gens\u00fcbergang wie bei der Umwandlung einer OHG in eine Aktiengesellschaft zeitlich zusammenfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 13.2.1980 (II R 129\/78) BStBl. 1980 II S. 378 Der Beschlu\u00df der Gesellschafter einer OHG \u00fcber die Gr\u00fcndung einer Aktiengesellschaft und die \u00dcbertragung des Verm\u00f6gens der OHG auf diese Gesellschaft im Wege der Umwandlung unterliegt insoweit der B\u00f6rsenumsatzsteuer, als zum Gesamthandsverm\u00f6gen im Zeitpunkt der Eintragung der Aktiengesellschaft in das Handelsregister Wertpapiere i. 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